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26.02.2013
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DAK-Report

Psychische Leiden erreichen neuen Höchststand

DPA

Burnout in der Bevölkerung: Laut DAK-Report zwar zunehmend, aber kein Massenphänomen

So viele Krankschreibungen aufgrund psychischer Leiden gab es noch nie: Der DAK-Gesundheitsreport offenbart, dass die Zahl der Menschen mit Depressionen und Burnout weiterhin steigt. Das könnte aber auch Folge einer veränderten Akzeptanz von psychischen Diagnosen sein, meinen Psychologen.

Berlin - Stimmt die Work-Life-Balance noch, oder überwiegt schon der Stress? Macht Arbeit krank, und wenn ja, wie sehr? Diese Fragen versucht der am Dienstag in Berlin vorgestellte DAK-Gesundheitsreport 2013 anhand der Daten von 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten zu beantworten. Demnach werden zwar immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland wegen psychischer Leiden krankgeschrieben. Dennoch sei die totale Erschöpfung durch übermäßigen Stress im Job entgegen dem weitverbreiteten Eindruck "kein Massenphänomen", erklärte DAK-Chef Herbert Rebscher.

Im vergangenen Jahr vermerkten Ärzte dem Report zufolge nur bei jedem 500. Mann und jeder 330. Frau "Burnout" auf der Krankschreibung. Allerdings habe sich das Bewusstsein und die Sensibilität von Ärzten und Patienten gegenüber psychischen Erkrankungen "deutlich verändert". Arbeitnehmer sprächen heute beim Arzt leichter über psychische Beschwerden.

Laut DAK-Report haben zwischen 1997 und 2012 die Fehltage durch Depressionen und andere psychische Krankheiten um 165 Prozent zugenommen. Während sich 1997 nur jeder 50. Erwerbstätige wegen eines psychischen Leidens krankmeldete, war es im vergangenen Jahr bereits jeder 22. Frauen waren dabei fast doppelt so häufig betroffen wie Männer. 2012 erreichte die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Leiden damit einen neuen Höchststand.

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Krankschreibungen: Deshalb bleiben die DAK-Versicherten zu Hause
Die Vermutung, die Deutschen entwickelten sich zu einem Volk von psychisch Kranken, stimmt nach Ansicht der Experten trotzdem nicht. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass heute mehr Menschen psychische Störungen haben als vor 20 Jahren", erklärte Frank Jacobi von der Psychologischen Hochschule Berlin.

Epidemiologische Studien belegten vielmehr, dass psychische Störungen seit Jahrzehnten in der Bevölkerung nahezu gleich verbreitet sind. Viele Arbeitnehmer würden aber heute mit einem psychischen Leiden krankgeschrieben, während sie früher mit Diagnosen wie chronischen Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden arbeitsunfähig gewesen seien, schreiben die Autoren des Reports. Als Datengrundlage dienten die Krankschreibungen von 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten. Zudem befragte das Iges-Institut im Auftrag der DAK 3000 Arbeitnehmer und Ärzte.

Die Ergebnisse stützen Resultate vorangehender Untersuchungen wie etwa der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" (DEGS), die 2012 vom Robert Koch-Institut vorgestellt worden war. Eine Patientenbefragung von 5000 Menschen zu ihrer Psyche hatte ergeben, dass es in Deutschland zwar keine Depressions-Epidemie gibt. "Aber die Patienten sind heute jünger als früher, wenn sie das erste Mal die Diagnose Depression bekommen", sagte der Psychologe Hans-Ulrich Wittchen von der TU Dresden.

An der Spitze aller Krankheitsarten lagen dem DAK-Report zufolge jedoch nicht die psychischen Leiden, sondern Beschwerden des Muskel- und Skelett-Systems. Dazu zählen unter anderen Rückenschmerzen und Probleme mit der Hals- oder Lendenwirbelsäule. Mit 325,9 Arbeitsunfähigkeitstagen pro 100 Versichertenjahre hatte die Dauer der Krankheitstage gegenüber 2011 (312 AU-Tage pro 100 Versichertenjahre) um fast fünf Tage zugenommen. 23,2 Prozent aller AU-Tage sind auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-System zurückzuführen, 14,5 Prozent auf psychische Krankheiten und 14,5 Prozent auf Erkrankungen des Atmungssystems.

hei/AFP/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
1. Leider...
trust2012 26.02.2013
...wird hier Burnout immer noch als Krankheit geführt - das ist nur die Beschreibung des Weges in eine Depression und keine Krankheit - aber es hört sich halt so neumodisch cool an!!
...wird hier Burnout immer noch als Krankheit geführt - das ist nur die Beschreibung des Weges in eine Depression und keine Krankheit - aber es hört sich halt so neumodisch cool an!!
2.
Plasmabruzzler 26.02.2013
Die Gründe dafür würden mich mal gerne interessieren. Doch, im ICD-10 Code wird Burnout (http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom) beschrieben: Z73.0 Ausgebranntsein (Burn-out, Zustand der totalen Erschöpfung)
Zitat von trust2012...wird hier Burnout immer noch als Krankheit geführt - das ist nur die Beschreibung des Weges in eine Depression und keine Krankheit - aber es hört sich halt so neumodisch cool an!!
Die Gründe dafür würden mich mal gerne interessieren. Doch, im ICD-10 Code wird Burnout (http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom) beschrieben: Z73.0 Ausgebranntsein (Burn-out, Zustand der totalen Erschöpfung)
3. ins Fäustchen gelacht ?
frontmann22 26.02.2013
Ein C.G.Jung hat schon vor 50 geschrieben, dass unsere mitteleuropäische Gesellschaft ein Fall für den Psychologen werden wird. Da die meisten Menschen meinen, er vertrete völlig veraltete Ansichten, kann ich bloss sagen [...]
Ein C.G.Jung hat schon vor 50 geschrieben, dass unsere mitteleuropäische Gesellschaft ein Fall für den Psychologen werden wird. Da die meisten Menschen meinen, er vertrete völlig veraltete Ansichten, kann ich bloss sagen "weiter so und mit Volldampf voraus ins psychische Chaos".
4. Pontial und Wirksamkeit
Frieden ist alles 26.02.2013
Sind die seelischen Leiden mehr geworden oder ist es die gewachsene Akzeptanz die zu immer mehr Offenheit im Umgang mit diesen führt,und somit auch die Bereitschaft fördert Hilfe zu suchen? Ich würde sagen beides.Insbesonders [...]
Sind die seelischen Leiden mehr geworden oder ist es die gewachsene Akzeptanz die zu immer mehr Offenheit im Umgang mit diesen führt,und somit auch die Bereitschaft fördert Hilfe zu suchen? Ich würde sagen beides.Insbesonders die Wirtschaftskrise und der damit gewachsenen Druck dürfte zu einem Anstieg seelischen Leidens beigetragen haben. Allerdings:Hier kommt aus meiner Sicht an die Oberfläche,was bereits unterschwellig überall vorhanden war.Die seelische Not unserer Zeit halte ich für ein generelles Problem unserer Gesellschaft die sich sehr weit von ihreren eigentlichen Bedürfnissen und deren authentischer Befriedigung entfernt hat.Leistungsdruck,Zwang zur Anpassung,falsch verstandene Erziehungsmethoden und Ersatzbefriedigungen sind dabei einige der Symptome dieser gewacchsenen Selbstentfremdung,die wohl zu keiner Zeit in der Menschheitsgeschichte so extreme Ausmasse angenommen hat,wie in der Zeit die mit der "industriellen Revolution" ihren Anfang nahm.In einer immer mechanischeren Weltsicht,die sich auch in auf eine mechanische Sicht der Psyche ausgedehnt hat,hat der Mensche-aus meiner Sicht- immer mehr den Kontakt zu seinem Inneren verloren.Während er sich auf dem Gipfel seiner Entwicklung wähnt,und die moderne Zivilisation als Höhepunkt der Evolution betrachtet,ist das Verhältnis des Menschen zu sich selbst und zu seiner Umwelt von immer zunehmendem Mangel an authentischer Erkenntinis geprägt.die zur Grundlage einer höchst unbefriedigenden und destruktiven Lebensweise geworden ist. Unschwer zu erkennen,das all dies so nicht ewig weitergehen kann.Irgenwo stossen wir an die Grenzen dieser (selbst-)zerstörerischen Entwicklung,haben alle Resourcen verbraucht ohne irgendwo hinzugelagngen und auch unsere eigene Kreativität und unser Potential ins Gegenteil verkehrt. Ich glaube das der Mensch von heute weit unter seinen Möglichkeiten bleibt,weil er ein enormes Potential in destruktive Strukturen leitet die ihm kaum bewusst sind. Erst wenn die Bewusstheit darüber wächst ist es möglich die Ursachen effizient anzugehen,seelische Not von ihren Wurzeln her zu begreifen und Wirksam zu lindern,und auch unser Potential zu entfalten. Viel Zeit und Möglichkeiten werden verschwendet,im Versuch all dies zu verdrängen und notwendige Auseinandersetzunmg zu vermeiden. Wann werden wir anfangen gewonnene Erkenntnisse in effektives Handeln umzusetzen?Wieviel Leid und Zerstörung wird noch geschehen,bevor wir beginnen uns den Ursachen zu widmen und sie in wirksames Handeln umzusetzen?
5.
psychologiestudent 26.02.2013
jipp, aber Z Diagnosen sind keine Diagnosen, sondern eine beschreibung von "Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen", und Burnout steht dort in der [...]
Zitat von PlasmabruzzlerDie Gründe dafür würden mich mal gerne interessieren. Doch, im ICD-10 Code wird Burnout (http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom) beschrieben: Z73.0 Ausgebranntsein (Burn-out, Zustand der totalen Erschöpfung)
jipp, aber Z Diagnosen sind keine Diagnosen, sondern eine beschreibung von "Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen", und Burnout steht dort in der illustren Gesellschaft von Beschreibungen wie "Mangel an Entspannung oder Freizeit" "Mangel an körperlicher Bewegung" "Gesunde Begleitperson einer kranken Person" "Sorge um ein erkranktes Familienmitglied" Das ist KEINE Beschreibung einer Erkrankung, sondern zur genaueren Erklärung des Falles gedacht.

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