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Gesundheit

121. Ärztetag

Mediziner beschließen Ausbau von Onlinesprechstunden

Computer und Telefon statt Wartezimmer: In Zukunft sollen Patienten ausschließlich über elektronische Kommunikationswege behandelt werden dürfen. Patientenschützer sehen Pflegebedürftige als Verlierer.

DPA

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer bei der Eröffnung des 121. Deutscher Ärztetages.

Donnerstag, 10.05.2018   20:45 Uhr

Mit großer Mehrheit hat der Deutsche Ärztetag einen von der Bundesärztekammer vorgeschlagenen Ausbau von Fernbehandlungen beschlossen. Die 250 Mediziner stimmten in Erfurt dafür, dass eine Beratung und Behandlung künftig ausschließlich über elektronische Kommunikationswege ohne vorherigen persönlichen Kontakt erfolgen kann.

Fernbehandlungen sollen dem Beschluss zufolge "im Einzelfall" erlaubt sein, "wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird". Die Neuregelung soll nun in die Berufsordnungen der Landesärztekammern übernommen werden.

Bislang sind Telefon-, Video- und Onlinesprechstunden nur erlaubt, wenn die Patienten die Arztpraxis zuvor bereits aufsuchten. Nun wollen die Ärzte "einerseits die Behandlung und Beratung aus der Ferne unter bestimmten Anforderungen ermöglichen und andererseits den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt weiterhin in den Vordergrund stellen".

Persönlicher Kontakt als "Goldstandard"

"Wir wollen und müssen diesen Prozess gestalten und dieses Feld mit unserer ärztlichen Kompetenz besetzen", sagte Josef Mischo, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer. Digitale Techniken sollten die ärztliche Tätigkeit unterstützen, dürften aber nicht die notwendige persönliche Zuwendung von Ärztinnen und Ärzten ersetzen. Der persönliche Kontakt sei der "Goldstandard".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) begrüßte den Beschluss "ausdrücklich". "Damit helfen wir Ärzten und Patienten", sagte er. Patienten würden "unnötige Wege und Wartezeiten erspart". "Und Ärzte können die digitale Welt aktiv gestalten, anstatt dass es Andere tun." Spahn kündigte zugleich einen runden Tisch an, der über den Abbau von Hürden im Onlinebereich beraten soll.

Hausärzteverband gegen Kostensparprogramm für Krankenkassen

Der Hausärzteverband warb für "klare Regelungen, in welchen Fällen eine Fernbehandlung sinnvoll und möglich ist". "Gerade in der Hausarztpraxis werden ausschließliche Fernbehandlungen die Ausnahme bleiben", sagte Bundeschef Ulrich Weigeldt. Entscheidend sei, dass die Angebote freiwillig blieben "und nicht als Kostensparprogramm für Krankenkassen missverstanden werden".

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherer zeigte sich "froh, dass die Ärzteschaft die Tür für Fernbehandlungen zumindest etwas weiter geöffnet hat". Sprecher Florian Lanz sagte, nun müssten die neuen Möglichkeiten so genutzt werden, "dass die Patienten auch wirklich etwas davon haben". Barmer-Chef sagte, der Ärztetag habe "erste wichtige Weichen gestellt".

Patientenschützer: Schwerstkranke sind die Verlierer

Kritik kam von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Spahn und die Mehrheit des Ärztetags betrieben "Volksverdummung", sagte Vorstand Eugen Brysch. Telemedizin sei bereits möglich und werde "zehntausend Mal am Tag genutzt". "Anonyme Telebehandlungen sind aber etwas ganz anderes." Verlierer seien pflegebedürftige und schwerstkranke Menschen, "die auf ihren Mediziner daheim hoffen".

Der 121. Ärztetag forderte auch eine umfassende Neuausrichtung der Notaufnahmen in Deutschland. Da diese vielerorts überlastet seien, brauche es mehr Personal sowie eine bessere Vernetzung und Finanzierung, sagten die Mediziner. Außerdem müsse die Bevölkerung "besser über die Versorgungsstrukturen in der Notfallversorgung sowie über deren Nutzung aufgeklärt werden".

ans/AFP

insgesamt 23 Beiträge
rkinfo 10.05.2018
1. Beratung per DSL 768/3.000 ?!
Im Upload dann ein Patientenvideo unter 1 MBit/s ... ohje ;-) Mal wieder ein Zeichen für Glasfaser, wobei man die Effizienzsteierung auch geldwert in den Glasfaser-Ausbau stecken könnte. Zudem sind Wartezimmer im Winter mit [...]
Im Upload dann ein Patientenvideo unter 1 MBit/s ... ohje ;-) Mal wieder ein Zeichen für Glasfaser, wobei man die Effizienzsteierung auch geldwert in den Glasfaser-Ausbau stecken könnte. Zudem sind Wartezimmer im Winter mit einem Dutzend verschiedener Grippearten inside eher Verbreitungsstädten von Erkrankungen als deren Verhinderer. Da wäre die Video-Sprechstunde schon besser.
hansa54 10.05.2018
2. Ein Rätsel
bleibt es mir immer noch, wie die Abrechnung dieser Leistungen durch die Kassen kontrolliert werden. Bei Privatkassen/-patienten ist es klar, der Patient sieht die Rechnung! Aber bei dem Kassenpatienten? Hier sind dem Betrug Tür [...]
bleibt es mir immer noch, wie die Abrechnung dieser Leistungen durch die Kassen kontrolliert werden. Bei Privatkassen/-patienten ist es klar, der Patient sieht die Rechnung! Aber bei dem Kassenpatienten? Hier sind dem Betrug Tür und Tor geöffnet! Hier erfährt der Patient überhaupt nicht, wie oft und weshalb er behandelt wurde! Seine Kasse aber Rechnungen erhält. Eine weitere Betrugsmöglichkeit zu bereits bestehenden! Toll! Kostenintensiv!
m.m.s. 10.05.2018
3. Super Fortschritt
Echt tolle Diagnosestellungen rollen da auf uns zu. Das werden Fehldiagnosen. Denn der Schlüssel dazu sind der Unterschied zwischen "Symptomen" versus "Zeichen". Wer das nicht verinnerlicht hat, der kann ja [...]
Echt tolle Diagnosestellungen rollen da auf uns zu. Das werden Fehldiagnosen. Denn der Schlüssel dazu sind der Unterschied zwischen "Symptomen" versus "Zeichen". Wer das nicht verinnerlicht hat, der kann ja dann "Ferndiagnosen" stellen nur auf "Symptomen" basiert. Das ist dann eine Art Woodoo-Medizin mittels technischer Sprach- und Bildübertragung. Das Wilde wird nach der Phase der Zivilisation als Barbarei neu aufgesetzt. Echt super.
susa_pilar 10.05.2018
4. @hansa54
Online- Kontakte sind doch viel besser dokumentiert und damit überprüfbar als analoge! Aber zuerst an Betrugsmöglichkeiten zu denken finde ich überraschend und gibt tiefe Einblicke bzgl des Urhebers.
Online- Kontakte sind doch viel besser dokumentiert und damit überprüfbar als analoge! Aber zuerst an Betrugsmöglichkeiten zu denken finde ich überraschend und gibt tiefe Einblicke bzgl des Urhebers.
Hyacinth 10.05.2018
5. Gut
wenn der Arzt den Patienten kennt. Und an alle Kassenpatienten: Ihr habt ein Recht zu erfahren, was euer Arzt abgerechnet hat! Wendet euch an die Kasse.
wenn der Arzt den Patienten kennt. Und an alle Kassenpatienten: Ihr habt ein Recht zu erfahren, was euer Arzt abgerechnet hat! Wendet euch an die Kasse.

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