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Gesundheit

Wissenschaftliche Studie

Bier auf Wein, das lass sein. Stimmt das?

Erst Bier, dann Wein - oder lieber doch nur eins von beidem? Diese Frage haben deutsche Forscher mit einer aufwendigen Studie beantwortet. Die Wissenschaftler nahmen es dabei ganz genau.

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Erst Bier, dann Wein - oder lieber doch nur eins?

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Freitag, 08.02.2019   01:57 Uhr

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Es gibt Weisheiten, die international gelten. Das berühmte "Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat' ich dir" fällt in diese Kategorie. "Der Ratschlag ist nicht typisch deutsch, er existiert auch im Englischen, im Französischen und einigen anderen Sprachen", sagt Kai Hensel. "Da habe ich mir gedacht, da muss etwas dran sein." Was folgte, waren mehrere Jahre Arbeit.

Hensel ist Facharzt für Kinderheilkunde und Notfallmediziner, seit dem vergangenen Sommer arbeitet er an der renommierten britischen University of Cambridge. Nebenher forscht er, veröffentlicht Untersuchungen zur Frage, wie die Umwelt unsere Gene beeinflusst. "Einmal in meinem Leben aber wollte ich eine Studie durchführen, die einfach nur Spaß macht - und gleichzeitig höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, absolut wasserdicht ist."

Mithilfe verschiedener Professoren begann er, zu recherchieren und ein Konzept zu entwerfen, damals noch an der Universität Witten/Herdecke: Wie lässt sich der Kater am besten messen? Wie stark müssen sich die Teilnehmer betrinken, damit die Studie aussagekräftige Ergebnisse liefert? Und welche Faktoren beeinflussen den Kater und müssen beim Studienaufbau berücksichtigt werden, damit die Ergebnisse valide sind? Gleichzeitig musste sichergestellt werden, dass der Versuch niemandem schadet.

"Alleine die Planung hat zwei Jahre gedauert", sagt Hensel. Dann allerdings folgte die größte Hürde des Vorhabens: Das Konzept musste die Ethikkomission der Universität passieren.

Ethikkommission: Was soll das Ganze?

"Für ein anderes Forschungsprojekt haben wir gesunden Menschen Leberproben entnommen", sagt Hensel. "Das durchzubekommen war tatsächlich einfacher, als der Kommission zu erklären, warum es wichtig ist, dass sich eine Reihe Menschen im Dienste der Wissenschaft betrinkt, wenn auch unter kontrollierten Bedingungen."

Abgesehen vom Spaßfaktor hatte Hensel jedoch plausible Argumente für seine Studie. Obwohl verkaterte Menschen durch Unfälle und Arbeitsausfälle hohe gesellschaftliche Kosten verursachen, ist das Phänomen bislang kaum erforscht. "Fast alle Studien beschäftigen sich nur mit den langfristigen Auswirkungen von Alkoholkonsum", sagt Hensel. "Mittlerweile ist zum Beispiel gut widerlegt, dass das tägliche Glas Wein das Herz schützt."

Über die kurzfristigen Alkoholfolgen allerdings ist kaum etwas bekannt. Diese Lücke wollten die Forscher mit ihrer Untersuchung ein Stück weit schließen, die Ergebnisse sind jetzt im "American Journal of Clinical Nutrition" erschienen.

Gleich viele Nudeln, gleich viel Wasser, gleicher Schlafplatz

Insgesamt rekrutierten Hensel und seine Kollegen knapp hundert Freiwillige, die gesund waren, zwischen 19 und 40 Jahre alt, und gerne Bier und Wein tranken. Dabei achteten sie darauf, dass jeder Teilnehmer zwei Pendants hatte - ähnlich alte Menschen mit dem gleichen Geschlecht, einem ähnlichen Body-Mass-Index und einem ähnlichen Trinkverhalten.

Diese Trios teilten die Forscher in drei Gruppen auf:

Damit es keine Verzerrungen gibt, bedachten die Forscher außerdem eine Reihe von Punkten, die den Kater beeinflussen. So erhielten alle Teilnehmer an den Abenden eine standardisierte Mahlzeit, nur die Mengen wurden an Alter und Geschlecht angepasst. "Wir haben an manchen Versuchstagen zwölf Kilo Nudeln gekocht", sagt Hensel.

Zusätzlich bekamen alle Teilnehmer vor dem Schlafengehen eine genormte Menge kühles Wasser (sechs Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht). Sogar der Schlaf war geregelt. Alle Probanden übernachteten in der gleichen Unterkunft in der Nähe der Uni, wurden zur selben Zeit geweckt und nächtigten bei der selben Raumtemperatur.


Mit diesen Getränken wurde geforscht

Für das Bier suchten sich die Forscher einen Sponsor. Von verschiedenen angeschriebenen Brauereien willigte Carlsberg ein, das Bier für die Versuche kostenlos zur Verfügung zu stellen. Beim Wein entschieden sich die Forscher für einen Bio-Weißwein mit 11,1 Prozent Alkohol.


1,1 Promille = knapp drei Liter Bier

Eine Tabelle in der Studie zeigt, wie viel Alkohol es bei den Gruppen brauchte, um 1,1 Promille zu erreichen. Im Schnitt tranken die Teilnehmer erst 1,3 Liter Bier und anschließend zwischen 0,6 und 0,7 Liter Wein. Gab es ausschließlich Bier, summierte sich die Menge auf 2,6 Liter pro Person - beim Wein auf 1,2 Liter. Allerdings waren die Probanden im Schnitt erst 24 Jahre alt und recht groß. Das führt dazu, dass sie vergleichsweise viel Alkohol benötigten, um auf 1,1 Promille zu kommen.

"Der Pegel ist notwendig, damit man aussagekräftige Ergebnisse hat", sagt Hensel. Die Alcohol Hangover Research Group setzt sich dafür ein, Kater-Forschung stärker in den Fokus der Wissenschaft zu rücken. Sie schreibt in ihren Richtlinien sogar vor, dass Probanden bei Studien einen Promillewert von 1,8 erreichen sollten. "Ich bin froh, dass wir uns für einen niedrigeren Wert entschieden haben", sagt Hensel. "Schon so mussten sich einige Teilnehmer übergeben - und die Sicherheit der Probanden hatte für uns natürlich oberste Priorität."

Auch reichte der Pegel für ganz persönliche, gar nicht wissenschaftliche Ergebnissen aus. "Ein Paar hat sich während unseren Versuchen getrennt, dafür hat sich aber auch eins gefunden", so der Forscher.

Nach dem Wecken mussten alle Probanden anhand acht verschiedener körperlicher Symptome von Müdigkeit über Schwindel bis Übelkeit ihr Kater-Leiden einschätzen, jeweils auf einer Skala von null bis sieben. Die Ergebnisse verglichen die Forscher miteinander.

Das Ergebnis ist simpel - und eindeutig

Das eindeutige Fazit: Der Volksmund irrt. Zumindest bei dem verwendeten Lagerbier und Weißwein machte es keinen Unterschied, in welcher Reihenfolge die Teilnehmer tranken und ob sie nur bei einem Getränk blieben.

Trotz aufwendiger Blut- und Urintests lies sich der Zustand für den nächsten Morgen jedoch am Ende nur mithilfe zwei sehr simpler Faktoren vorhersagen. Wer sich selbst als sehr betrunken einschätzte und wer sich abends übergeben musste, dem ging es am nächsten Morgen schlechter als den anderen Teilnehmern. Der Körper signalisiert, wann es Zeit ist, aufzuhören.

Dass sich das Sprichwort trotz der fehlenden körperlichen Grundlage so weit verbreiten konnte, lässt sich übrigens historisch erklären. Früher konnten sich arme Menschen nur Bier leisten. Stiegen sie gesellschaftlich auf, war auch Wein möglich. Wein auf Bier also war durchaus erstrebenswert - Bier auf Wein aber, das wollte niemand.


Zusammengefasst: Deutsche Forscher haben in einer wissenschaftlichen Untersuchung geklärt, ob der Ratschlag "Bier auf Wein, das lass sein - Wein auf Bier, das rat' ich dir" stimmt. Die Antwort: Zumindest bei Lagerbier und Weißwein macht es keinen Unterschied, ob man nur das eine trinkt, nur das andere, oder beides in verschiedenen Reihenfolgen nacheinander.

insgesamt 37 Beiträge
noalk 08.02.2019
1. Sehr lustig
Der Autor scheint während des Schreibens des Artikels die Studie in seiner eigenen praktischen Übung nachvollzogen zu haben. Es fällt auf, dass die Zahl orthographischer und grammatikalischer Fehler gegen Ende des Artikels [...]
Der Autor scheint während des Schreibens des Artikels die Studie in seiner eigenen praktischen Übung nachvollzogen zu haben. Es fällt auf, dass die Zahl orthographischer und grammatikalischer Fehler gegen Ende des Artikels signifikant zunimmt. Na denn: Proust!!
soldev 08.02.2019
2. Wein auf Bier, das rat ich Dir, aber Bier auf Wein ist auch fein...
Wein auf Bier, das rat ich Dir, aber Bier auf Wein ist auch fein...
Wein auf Bier, das rat ich Dir, aber Bier auf Wein ist auch fein...
herjemine 08.02.2019
3. Qualität des Getränks nicht bedacht!
Ich denke es liegt eher an der Qualität der Getränke. Wärend Biere immer gut genormt sind, sind es Weine nicht. Also trinkt man auf Partys erstmal das “gute” Bier, und wenn dann gar nichts mehr da ist, öffnet man die [...]
Ich denke es liegt eher an der Qualität der Getränke. Wärend Biere immer gut genormt sind, sind es Weine nicht. Also trinkt man auf Partys erstmal das “gute” Bier, und wenn dann gar nichts mehr da ist, öffnet man die mitgbrachten Weine aus der untersten Euroregion (und eben nicht ein Qualitätswein wie in der Studie). Diese Schmodderweine bewirken auch ganz ohne Biervorlauf übelsten Kater. Normalerweise werden sie nie geöffnet sondern nach drei, vier Jahren die verstaubte Flasche beherzt entsorgt.
spmc-127282328655997 08.02.2019
4. Fun fact
In englischsprachigen Raum lautet die Binsenweisheit genau anders herum: "Beer before liquor, never been sicker. Liquor before beer, you're in the clear." ('Bier vor [hochprozentigem] Alkohol, nie war dir übler. [...]
In englischsprachigen Raum lautet die Binsenweisheit genau anders herum: "Beer before liquor, never been sicker. Liquor before beer, you're in the clear." ('Bier vor [hochprozentigem] Alkohol, nie war dir übler. [Hochprozentiger] Alkohol vor Bier, das merke dir.') Weil die Leute in Deutschland und Nordamerika jeweils auf ihren Spruch schwören, war ich immer schon skeptisch, was den tatsächlichen Wahrheitsgehalt angeht.
mynonys22 08.02.2019
5. Ursprung
dieser Redewendung, so habe ich mal gehört, kommt aus der Zeit als Wein teurer als Bier war und nur der Adel diesen getrunken hat, um nun nicht mit dem Pöbel verglichen zu werden sollte kein Bier getrunken werden. Also von Bier [...]
dieser Redewendung, so habe ich mal gehört, kommt aus der Zeit als Wein teurer als Bier war und nur der Adel diesen getrunken hat, um nun nicht mit dem Pöbel verglichen zu werden sollte kein Bier getrunken werden. Also von Bier zu Wein.

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