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Medizin

Warum bekommen Blutspender kein Geld?

Wer in Deutschland Blut spendet, bekommt dafür meist kein Geld, sondern nur etwas zu essen. Jetzt schlägt ein Medizinethiker vor, das zu ändern.

Getty Images/Image Source
Freitag, 08.06.2018   12:50 Uhr

Mit Geld könnte man aus Expertensicht mehr Freiwillige zur Blutspende bewegen. "Es wäre durchaus angemessen, die wertvolle Ressource Blut mit einer entsprechenden Aufwandsentschädigung zu vergüten. Man müsste es einfach einmal ausprobieren", sagt der Münchner Medizinethiker Georg Marckmann.

In einem zweiten Schritt könnte man dann untersuchen, wie sich die Zahlung auf die Spendenbereitschaft auswirke.

Nur drei Prozent der Menschen hierzulande spenden Blut. Nach den derzeit geltenden Zulassungskriterien könnten es etwa 33 Prozent sein. Vor allem in der Urlaubszeit oder bei Grippewellen kommt es zu Engpässen. In Deutschland ist das Blutspenden grundsätzlich freiwillig und unentgeltlich.

Snack s, Getränke, kleine Geschenke

Private Spendedienste, Pharmaunternehmen und auch staatlich-kommunale Dienste zahlen Aufwandsentschädigungen für Vollblutspenden. Der größte Anbieter bietet aber lediglich Snacks, Getränke oder auch kleine Geschenke. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sammelt in Deutschland etwa 70 Prozent der Blutspenden. Es halte sich an einen internationalen ethischen Kodex des Roten Kreuzes, wonach Blutspenden unentgeltlich und freiwillig sein sollen, erklärt Kerstin Schweiger, Sprecherin der DRK-Blutspendedienste.

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"Es gibt aus ethischer Sicht durchaus einige Argumente für eine Aufwandsentschädigung", sagt Marckmann, der das Institut für Ethik an der Ludwig-Maximilians-Universität leitet. In unserer Gesellschaft sei es grundsätzlich zulässig, Waren und Dienstleistungen gegen Geld zu veräußern. Deshalb müsse man nicht den Handel, sondern die Einschränkung des Handels ethisch rechtfertigen. "Blutprodukte bieten dem Empfänger erheblichen Nutzen bis hin zur Lebensrettung - warum sollte der Blutspender nicht im Gegenzug eine Vergütung erhalten?", fragt der Wissenschaftler.

Firmen verdienen damit Geld, warum also nicht Spender?

Blut sei eine knappe und wertvolle Ressource. Und Blutspendedienste oder nachgeschalteten Firmen verdienten damit Geld, so Marckmann. "Daher ist es einfach nur fair, wenn die Menschen, die diese Ressource zur Verfügung stellen und dafür Zeit aufwenden, auch eine angemessene Aufwandsentschädigung bekommen. Wie hoch diese sein könnte, müsste man kalkulieren", so Marckmann. Er hält etwa 25 Euro pro Stunde durchaus für angebracht. "Wenn das Blut hinterher kostenlos weitergegeben würde, wäre das etwas anderes. Dann wäre es sinnvoll, auch die Spende als altruistischen Vorgang zu sehen".

Eine Blutspende dauert zwar nur etwa fünf bis zehn Minuten, doch Spender müssen sich vorher einem Gesundheitscheck unterziehen und mitunter auch Wartezeiten in Kauf nehmen. Laut DRK sollten sie eine Stunde einrechnen.

Deutlich länger dauern Plasma- oder Thrombozytenspenden, wo bereits die Spende an sich etwa 45 Minuten beziehungsweise bis zu zwei Stunden Zeit in Anspruch nimmt. Für letztere zahle auch das DRK eine Entschädigung, weil der Aufwand deutlich höher sei als bei Vollblutspenden, sagt Schweiger.

Werden Menschen in einer Notlage ausgebeutet?

Welche Argumente werden gegen die Vergütung der Blutspende gebracht? Zum einen, dass man dadurch ärmere Menschen ausbeuten könnte, die nur aus einer Notlage heraus spenden. Zum anderen wird befürchtet, dass sie ein höheres Krankheitsrisiko haben könnten, erklärt Marckmann, der sich dieser Argumentation nicht anschließt. "Wenn man das Blut gut untersucht, spricht eigentlich nichts dagegen."

Auch der Arbeitskreis Blut, ein Expertengremium zu Fragen der Sicherheit bei Blut und Blutprodukten, erklärt: "Es ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass eine Aufwandsentschädigung für Blut- und Plasmaspender in Deutschland die Sicherheit der Blut- und Plasmaprodukte beeinträchtigt."

Der Arbeitskreis befürwortet aber eine unentgeltliche Spende. Eine Aufwandsentschädigung für direkte Kosten, etwa für die Anfahrt und den Zeitaufwand hielt das Gremium aber schon in einer Stellungnahme im Jahr 1993 für gerechtfertigt und nannte damals als maximale Summe 50 Mark pro Spende.

"Alle Beteiligten können profitieren - die Empfänger der Blutprodukte, die Spendedienste und die Spender, die sich etwas dazu verdienen können, darunter auch Studenten", sagt Marckmann.

Die Haema AG, der größte private Anbieter zählt schon jetzt junge Menschen, zur Hauptgruppe der Spender. 20 Euro gibt es hier für eine Blutspende. Im Durchschnitt seien die Spender 30 Jahre alt, unter ihnen auch viele 18-Jährige. "Mit dem Konzept gelingt es offensichtlich, viele junge Spender zu motivieren", so Sprecher Jan Noack.

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Foto: SPIEGEL TV

wbr/dpa

insgesamt 73 Beiträge
MisterD 08.06.2018
1. Ich war, naiv wie ich offenbar bin...
davon ausgegangen, dass das DRK an einer Blutspende nichts verdient... wenn dem nicht so ist und die mit kostenfrei erhaltenem Blut einen Reibach machen, dann sollte man in der Tat dem Spender auch was geben...
davon ausgegangen, dass das DRK an einer Blutspende nichts verdient... wenn dem nicht so ist und die mit kostenfrei erhaltenem Blut einen Reibach machen, dann sollte man in der Tat dem Spender auch was geben...
phthalo 08.06.2018
2. Ich spende auch Blut ...
... und ich halte eine Entschädigung auch für sinnvoll. Aus den genannten Gründen, dass andere (DRK) ja an der Spende Geld verdient und auch nicht zum Selbstkostenpreis macht. Zudem geben Apotheker ihre Medikamente auch nicht [...]
... und ich halte eine Entschädigung auch für sinnvoll. Aus den genannten Gründen, dass andere (DRK) ja an der Spende Geld verdient und auch nicht zum Selbstkostenpreis macht. Zudem geben Apotheker ihre Medikamente auch nicht kostenlos ab - nicht mal kostengünstig. Viele Apotheker wollen einem sogar noch irgendwelchen Blödsinn aufschnacken um Geld zu scheffeln - zu Lasten des Patienten.
rjumin 08.06.2018
3.
Wenn ich einmal/Woche Blutplasma spende, bekommme ich jedes mal 25?; bei jedem 10. mal 50?.
Wenn ich einmal/Woche Blutplasma spende, bekommme ich jedes mal 25?; bei jedem 10. mal 50?.
kalsu 08.06.2018
4. Schlechter Journalismus!
Hier werden wieder einmal Dinge vermengt die nicht zusammenpassen - nämlich der kommerzielle Handel mit Blutprodukten durch Unternehmen und die Tätigkeit des DRK. Das DRK kann gar keinen lukrativen Handel mit den von ihm [...]
Hier werden wieder einmal Dinge vermengt die nicht zusammenpassen - nämlich der kommerzielle Handel mit Blutprodukten durch Unternehmen und die Tätigkeit des DRK. Das DRK kann gar keinen lukrativen Handel mit den von ihm kostenlos gesammelten Blutspenden treiben (wobei das nicht ganz richtig ist - dann das Essen kostet nicht nichts). Das DRK ist ein eingetragener Verein und darf somit keine Gewinne machen. Die aus nicht verwendeten Einnahmen stammenden Rücklagen werden für Investitionen verwendet (RTWs, Aussrüstung, etc.) Das DRK verkauft Blutspenden an Krankenhäuser für ca. 270€/Liter. Damit muss das DRK aber auch sämtliche Kosten decken - Sammeln, Aufbreiten, Lagerung, Transport und Personal. Wenn nur noch die Zahlung von Geld mehr Leute zum Spenden animiert (wobei Spende dann ja das falsche Wort wäre, denn man verkauft sein Blut und spendet nicht), sollten sich diejenigen, die nur des schnöden Mammons wegen Blut abgeben und mit einer Mahlzeit oder einfach dem guten Gefühl über eine gute selbstlose soziale Tat nicht mehr zufrieden sind, mal nachdenken und hoffen, dass nicht alle so denken. Schließlich könnte man selbst mal eine Blutspende benötigen.
Violator 08.06.2018
5. Es wird einem aber auch nicht leicht gemacht
In meiner Heimatstadt gibt es 2 Krankenhäuser, in beiden kann man kein Blut spenden. Alternativ gibt es das Rote Kreuz, aber die bieten Spendetermine in der Regel nur während der normalen Arbeitszeiten an. Weiterhin ist das Rote [...]
In meiner Heimatstadt gibt es 2 Krankenhäuser, in beiden kann man kein Blut spenden. Alternativ gibt es das Rote Kreuz, aber die bieten Spendetermine in der Regel nur während der normalen Arbeitszeiten an. Weiterhin ist das Rote Kreuz für mich aus div. Gründen (z.B. die Geldmacherei mit Blut) mittlerweile ein rotes Tuch. Die Universitätsklinik im näheren Umkreis bietet zwar an dort direkt zu spenden, allerdings auch wieder nur während normaler Arbeitszeiten. Ich möchte ja nicht mal Geld für meinen Saft (ablehnen würde ich es natürlich nicht´, alternativ eine Spende an ein bestimmtes Projekt wie am Pfandflaschenautomaten bei LIDL), aber wenn man nicht mal die Möglichkeit hat ohne dafür ewig durch die Gegend eiern oder gar frei nehmen zu müssen, wird das einfach nichts.

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