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Gesundheit

Bauchschmerzen

Wenn Divertikel Ärger machen

Ausstülpungen in der Darmwand sind meist harmlos. Manchmal entzünden sich die Divertikel aber und bereiten heftige Schmerzen. Dann wird mitunter sogar eine Operation notwendig.

Corbis

Bauchschmerzen: Eine ballaststoffarme Ernährung und Übergewicht können die Entstehung von Divertikeln fördern

Donnerstag, 22.01.2015   14:02 Uhr

Heftige Schmerzen im rechten Unterbauch, eine angespannte Bauchdecke, Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit. Nicht nur Ärzte denken da zu Recht schnell an eine Blinddarmentzündung, bei der schnell gehandelt werden sollte. Doch mitunter sind andere Erkrankungen für die Beschwerden ursächlich.

Viele Menschen haben etwa Aussackungen der Darmwand, die auch Divertikel genannt werden. Meist machen sie keine Probleme, aber sie können sich entzünden und sich ebenfalls durch rechts- oder linksseitige Unterbauchbeschwerden äußern. Wie häufig Divertikel vorkommen in der Bevölkerung, ist schwer zu schätzen. Einer ärztlichen Leitlinie zufolge haben 28 bis 45 Prozent der Gesamtbevölkerung Divertikel und mehr als 60 Prozent der 70-Jährigen.

Für ein gehäuftes Auftreten von Darmkrebs oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen bei Divertikel-Trägern gibt es keine Belege. Ärger können sie trotzdem machen: "Wir gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Menschen mit Divertikeln Beschwerden bekommen durch eine Entzündung oder eine Blutung mit mehr oder weniger schwierigem Verlauf", sagt Christoph-Thomas Germer von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Berlin. Zum überwiegenden Teil tritt eine Divertikulitis, also eine Entzündung der Aussackungen, im sogenannten Sigma auf. Das ist ein gewundener Dickdarmteil im linken Unterbauch kurz vor Beginn des Mastdarms (Rektum).

Wie entstehen Divertikel?

Die Darmwand besteht aus verschiedenen Bindegewebs- und Muskelschichten. Unter anderem an den Stellen, wo Gefäße das Blut zuführen, können die Ausstülpungen entstehen. Es scheint eine erbliche Veranlagung zu geben, ebenso werden Übergewicht und ballaststoffarme Ernährung als Ursachen diskutiert - dies lässt sich in Studien allerdings nur schwer beweisen.

Wenn sich in den Divertikeln Stuhl und Bakterien sammeln, kann eine Entzündung entstehen. Bei Verdacht auf eine Divertikulitis untersucht der Arzt den Bauch des Patienten. "Dann nehmen wir in der Regel Blut ab, lassen Entzündungswerte bestimmen und machen eine Untersuchung per Ultraschall", erläutert Wolfgang Burmeister vom Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen in Hamburg. Eine Darmspiegelung sollte während eines Entzündungsschubs nur in Ausnahmefällen erfolgen, eventuell werden Computertomografie-Aufnahmen veranlasst. Als mögliche alternative Ursache haben die Ärzte unter anderem einen Reizdarm im Blick.

"Wenn ein Patient nur leichte Beschwerden hat, kein Fieber aber regelmäßigen Stuhlgang, muss man nicht sofort Antibiotika geben und kann den Patienten über Nacht nach Hause schicken", sagt Burmeister. Der Patient sollte dann viel trinken, sich beim Essen etwas zurückhalten, nicht zur Arbeit gehen und am nächsten Tag wiederkommen, um erneut untersucht zu werden. "Das wird natürlich schwierig, wenn es Wochenende ist", so Burmeister, "der Patient muss dann wissen, dass er bei einer Verschlechterung auf jeden Fall zur Abklärung in die Klinik gehen muss."

Bei komplizierten Verläufen und bestimmten Patienten raten die Ärzte zu Antibiotika

"Menschen mit Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Allergieneigung und einem schwachen Immunsystem haben ein höheres Risiko, dass sich Divertikel entzünden und dass es zu Komplikationen kommt", sagt Ludger Leifeld von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Berlin. Auch bestimmte Medikamente erhöhen demnach das Risiko, etwa Kortisonpräparate oder nichtsteroidale Antiphlogistika wie Ibuprofen und Diclofenac. "Daher sollten Menschen mit Divertikeln auch besser auf diese Medikamente verzichten, wenn möglich", sagt Leifeld, der auch die Medizinische Klinik am St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim leitet.

Und wann müssen Divertikulitis-Patienten operiert werden? "Wenn zum Beispiel eine starke Blutung aus den Divertikeln besteht, der Darm an einer Stelle perforiert ist und freie Luft im Bauchraum vorliegt, dann sind das in der Regel Fälle für eine Notfalloperation", sagt Germer vom Universitätsklinikum Würzburg. Bei unkompliziert verlaufenden Divertikulitis-Schüben, die regelmäßig wiederkehren, könne es zu Verengungen im Darm kommen oder zu Verbindungsgängen zwischen den Darmschlingen. Auch dies sei Grund für eine OP.

Früher habe man den betroffenen Darmabschnitt aus Sorge vor einem späteren Darmdurchbruch bereits nach dem zweiten Entzündungsschub vorsorglich entfernen lassen, so Germer. Doch in Studien zeigte sich, dass der erste Schub in dieser Hinsicht der gefährlichste ist. "Und eine vorsorgliche Operation kann das Auftreten von Komplikationen nicht günstig beeinflussen", sagt Germer. "Man sollte sehr genau schauen, was für einen Patienten man vor sich hat."

Von Christiane Löll, dpa

insgesamt 8 Beiträge
raptorx 22.01.2015
1. Information
Ein State of the Art aus 1997 als Promotion, entsprechend aber einer Habil vom Inhalt her gibt es hier: http://vts.uni-ulm.de/query/longview.meta.asp?document_id=8845 oder hier: [...]
Ein State of the Art aus 1997 als Promotion, entsprechend aber einer Habil vom Inhalt her gibt es hier: http://vts.uni-ulm.de/query/longview.meta.asp?document_id=8845 oder hier: http://vts.uni-ulm.de/docs/2014/8845/vts_8845_13214.pdf
anra8000 22.01.2015
2. was bei mir hilft...
ca. alle 2 Jahre kämpfe ich mit Divertikulitis. Was mir die letzten Male gut geholfen hat: Beim Anzeichen einer aufkommenden Divertikulitis für 3 Tage auf jegliche feste Nahrung verzichten, nur gesüßten Tee trinken. Dann [...]
ca. alle 2 Jahre kämpfe ich mit Divertikulitis. Was mir die letzten Male gut geholfen hat: Beim Anzeichen einer aufkommenden Divertikulitis für 3 Tage auf jegliche feste Nahrung verzichten, nur gesüßten Tee trinken. Dann langsam mit Brühe wieder anfangen. Dadurch beruhigt sich der Darm und die Entzündung klingt ab. Allerdings lasse ich mich trotzdem krank schreiben. Bei der Zeit ohne Essen werde ich sozial ziemlich ungenießbar ;)
anne63 22.01.2015
3. 3 Tage
... dauert das auch bei mir immer. Schüttelfrost, Fieber, Bauchschmerzen... nach 3 Tagen kann ich wieder einigermaßen aufrecht gehen. 2007 diagnostiziert, Ende letzten Jahres nochmal Spiegelung - 30 Stück etwa. Im letzten Jahr [...]
... dauert das auch bei mir immer. Schüttelfrost, Fieber, Bauchschmerzen... nach 3 Tagen kann ich wieder einigermaßen aufrecht gehen. 2007 diagnostiziert, Ende letzten Jahres nochmal Spiegelung - 30 Stück etwa. Im letzten Jahr 2 Schübe gehabt, konnte direkt den Grund dafür finden, einmal Melone gegessen und Kerne übersehen, einmal "kernlose" Weintrauben. Am Dienstag Termin im Behringkrankenhaus und wahrscheinlich dann OP. Ich will endlich mal wieder Körnerbrot essen.
_spiegelvorhalter 22.01.2015
4. Thc
Hatte das vor genau 1 Jahr zum ersten (und bisher einzigen) Mal. Wirklich heftige Schmerzen, und ich bin wohl eher nicht wehleidig. Hab mich (auf ärztlichen Rat) eine Woche ins Bett gelegt und nur leichte Kost gegessen. Und bei [...]
Hatte das vor genau 1 Jahr zum ersten (und bisher einzigen) Mal. Wirklich heftige Schmerzen, und ich bin wohl eher nicht wehleidig. Hab mich (auf ärztlichen Rat) eine Woche ins Bett gelegt und nur leichte Kost gegessen. Und bei den krampfartigen Schmerzattacken half stets (mit ärztlicher Billigung) ein Tütchen am allerbesten.
PgherinLev 22.01.2015
5. 3 Schube und dann OP
Ich hatte im Marz, Juni und August Schube, jeweils 4-5 Tage Krankenhaus und Antibiotika vom Tropf. Mitte-September wurde mir dann das Sigma entfernt. OP mit Schlüssellochtechnik - einziger Schnitt im Bauchnabel und jeweils eine [...]
Ich hatte im Marz, Juni und August Schube, jeweils 4-5 Tage Krankenhaus und Antibiotika vom Tropf. Mitte-September wurde mir dann das Sigma entfernt. OP mit Schlüssellochtechnik - einziger Schnitt im Bauchnabel und jeweils eine Punktierung links und rechts. Seitdem herrscht wieder Ruhe.

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