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Gesundheit

Influenza

Deutschland muss Grippe-Impfstoff importieren

Höhere Nachfrage: In vielen Teilen Deutschlands ist der Impfstoff gegen Grippe knapp geworden. Nachschub kommt deshalb aus dem EU-Ausland, trotzdem gibt es Engpässe.

DPA

Grippeschutzimpfungen

Mittwoch, 09.01.2019   13:43 Uhr

Deutschland hat wegen des Impfstoffmangels mehrere Tausend Dosen Grippe-Impfstoffe aus EU-Ländern importiert. Dennoch gibt es mancherorts noch Engpässe bei der Versorgung. Allein nach Berlin seien 3000 Dosen geordert worden, sagte eine Sprecherin des Landesamts für Gesundheit und Soziales. Das Saarland erhielt nach Auskunft der Landesapothekenkammer "sehr kleine Mengen" von Impfstoffen aus Polen und Frankreich, dennoch sei nun keiner mehr verfügbar.

Apotheken in Schleswig-Holstein hätten Impfstoffe "im vierstelligen Bereich" aus dem Ausland, überwiegend aus Großbritannien, bezogen, sagte der Geschäftsführer der Landesapothekenkammer, Frank Jaschkowski. "Damit konnten kleinere Versorgungslücken geschlossen werden." Laut Schätzungen konnten sich einige Tausend Schleswig-Holsteiner nicht gegen Grippe impfen lassen, weil der Impfstoff fehlte.

In anderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gibt es nach Behördenangaben keine größeren Probleme mit den Impfstoffen. Dennoch reichen die Vorräte nicht aus, um bundesweite Engpässe auszugleichen.

Engpässe trotz erhöhter Produktion

Für diese Saison hatte das Paul-Ehrlich-Institut 15,7 Millionen Dosen freigegeben, rund eine Million mehr als in der Vorsaison benutzt worden waren. Dennoch kam es bereits im Herbst zu Engpässen. Das Bundesgesundheitsministerium erlaubte deshalb im November den Import von Grippe-Impfstoffen.

In der vergangenen Saison wütete die Grippe besonders heftig. Experten gehen davon aus, dass sich in diesem Jahr deshalb mehr Menschen gegen die Infektion impfen lassen wollten. Außerdem wird nur noch ein Vierfachimpfstoff eingesetzt, der als wirksamer gilt als einer mit drei Komponenten, wie er in den vergangenen Jahren oft zum Einsatz kam.

QUIZ

Menschen mit besonderem Risiko sollten sich auch derzeit noch impfen lassen - falls in der Region noch Impfstoff vorhanden sei, sagte die Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI), Susanne Glasmacher. Es dauere aber bis zu zwei Wochen, bis ein Impfschutz aufgebaut sei. Die Grippesaison beginnt meist im Dezember beziehungsweise Januar. Bisher hat das RKI aber noch keine erhöhten Infektionszahlen festgestellt.

Wer sollte sich impfen lassen?

Die vergangene Grippewelle hatte das RKI bereits als stärkste seit Jahren gewertet. Vermutlich starben daran in Deutschland mehr als 20.000 Menschen, vor allem ältere.

Experten kritisieren seit Längerem, dass der Nutzen der Impfung häufig unterschätzt werde. Laut einer Befragung ließen sich nur 40 Prozent der Menschen, denen eine Impfung empfohlen wird, auch tatsächlich immunisieren.

Nur Erkältung - oder die echte Grippe?

Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.
"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.

Viele unterschätzen eine Grippe und verwechseln sie mit einem grippalen Infekt. Die Symptome der Grippe sind jedoch deutlich stärker. Selbst in unkomplizierten Fällen dauert eine Influenza fünf bis sieben Tage. Im schlimmsten Fall können lebensgefährliche Komplikationen auftreten wie Lungen- oder Herzmuskelentzündungen. Gerade Kinder sowie ältere und immungeschwächte Menschen sind gefährdet.

Auch wenn die Impfung nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion schützt, gilt sie als das beste Mittel gegen Grippe. Etwa eine halbe Million Grippeerkrankungen werden dadurch in Deutschland pro Jahr vermieden, schätzt das Robert Koch-Institut.

koe/dpa

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