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Gesundheit

WHO

Forscher suchen Universalimpfstoff gegen Grippe

Die Frage ist nicht ob, sondern wann eine schwere Grippepandemie kommt, warnt die Weltgesundheitsorganisation. Wie sich Länder auf den Ernstfall vorbereiten sollten.

imago/Christian Ohde

Impfspritzen (Symbolbild)

Montag, 11.03.2019   15:57 Uhr

So viele Wissenschaftler wie nie zuvor arbeiten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit an einem universellen Grippeimpfstoff. Bislang müssen Impfstoffe jährlich auf die jeweils kursierenden Virenstämme abgestimmt werden. Das macht die Produktion aufwendig, zudem kursieren mitunter andere Stämme als von den Experten erwartet - dann ist der für die kommende Saison vorbereitete Impfstoff weniger wirkungsvoll als erhofft.

"Ein universeller Grippeimpfstoff ist der Heilige Gral", sagte Martin Friede, WHO-Koordinator für Impfstoffe. Wann so ein Stoff verfügbar sein wird, sei schwer vorauszusagen. "Es gab aber in letzter Zeit einen gewaltigen Anstieg an Forschungsmitteln und an internationalen Gruppen, die daran arbeiten", sagte Friede. Das Problem: Grippeviren verändern sich extrem schnell. Einen Wirkstoff zu finden, der alle Erreger gleich gut bekämpft, ist deshalb sehr schwer.

50 Millionen Menschen starben an Spanischer Grippe

Die WHO warnt, dass die Welt nicht genügend auf die nächste Grippepandemie vorbereitet sei. "Die Frage ist nicht ob, sondern wann eine neue Grippepandemie kommt", sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Eine solche Pandemie würde die Wirtschaft und Gesellschaft jedes Landes berühren", warnte die Expertin für Grippebereitschaft, Ann Moen. Die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 hatte 50 Millionen Menschen das Leben gekostet. Ausgerechnet jungen Erwachsenen fehlte offenbar die Immunität gegen das Virus.

Um ähnliche Ausbrüche zu verhindern, veröffentlichte die WHO eine neue Grippestrategie. Die zentralen Forderungen:

Ziel ist es, in allen Ländern der Welt eine bessere Überwachung sich anbahnender Ausbrüche zu schaffen und den Länder zu helfen, im Falle eines Falles schneller reagieren zu können. Schon die saisonalen Grippeausbrüche führen jedes Jahr zu bis zu 650.000 Todesfällen.

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In Deutschland hat die Grippewelle ihren derzeitigen Höhepunkt Anfang März erreicht. Vieles deutet darauf hin, dass die Grippewelle diesen Winter deutlich leichter ausfallen könnte als im vergangenen Jahr. Damals hatten Grippepatienten noch Mitte März Arztpraxen und Krankenhäuser lahmgelegt, der Höhepunkt der Grippewelle war erst gegen Ende März überwunden worden.

Häufiges Händewaschen senkte das Risiko für eine Infektion. Wasser und normale Seife reichen aus, es braucht weder spezielle antibakterielle Seife noch Desinfektionsmittel. Damit alle Krankheitserreger abgespült werden, sollten Handflächen und Fingerzwischenräume mindestens 20 Sekunden lang eingeseift werden.

Nur Erkältung - oder die echte Grippe?

Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.
"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.

Ebenfalls ratsam ist, die Hände vom Gesicht fernzuhalten. Hat man etwa in der U-Bahn eine Haltestange angefasst, an der Viren klebten, ebnet der anschließende Griff an Nase oder Mund den Krankheitserregern den Weg in den Körper. Falls möglich hilft es zudem, während der Grippewelle zu anderen Personen Abstand zu halten und wenig Hände zu schütteln.

koe/dpa

insgesamt 10 Beiträge
geotie1 11.03.2019
1.
Vor über 30 Jahren gab es im Fernseher einen Bericht über die Grippe und dass diese bald besiegt ist. Dort wurde laut Bericht festgestellt, dass die Virenarten alle sehr unterschiedlich aufgebaut wären, es aber zu allen [...]
Vor über 30 Jahren gab es im Fernseher einen Bericht über die Grippe und dass diese bald besiegt ist. Dort wurde laut Bericht festgestellt, dass die Virenarten alle sehr unterschiedlich aufgebaut wären, es aber zu allen unterschiedlichen Viren eben halt auch ein Dockingstelle gäbe über die man das Virus bekämpfen könnte. Ja, - seit dem war dann nichts mehr von zu hören. Schade!
De Leeuw 11.03.2019
2. #geotie: Einiges verpasst?
Sie sprechen hier vom „Stamm“ eines der beiden den Virus-Phenotypus bestimmenden Oberflächenproteins, dem Hemagglutinin. Der ändert sich im Gegensatz zum „Kopf“ recht wenig, ist also über mehrere Generationen [...]
Sie sprechen hier vom „Stamm“ eines der beiden den Virus-Phenotypus bestimmenden Oberflächenproteins, dem Hemagglutinin. Der ändert sich im Gegensatz zum „Kopf“ recht wenig, ist also über mehrere Generationen „konserviert“. (Das andere Protein heisst übrigens Neuramidase, daher H1N1 usw.). Leider ist der Stamm unter dem Kopf nicht so leicht zugänglich, und es werden nur wenige Antikörper gebildet. Auch ein Vakzin zu entwickeln ist relativ schwer, da der „Stamm“ aus mehreren Teilen besteht, die bei Fehlen des „Kopfes“ auseinander fallen. Man hat aber trotz dieser Schwierigkeiten Impfstoffe in der (Pre-)klinischen Testung, sowohl gegen Grippe als auch die gp120 und gp41 Proteine von HIV1. Einfach mal „broadly neutralizing antibodies“ googeln.
mixow 11.03.2019
3. Super Idee
Ja genau, entwickeln wir einen universellen Impfstoff! Infolge dessen züchten wir dann multiresistene Viren gegen die dann nichts mehr hilft und es bricht eine WIRKLICHE Epidemie aus. Vieleicht kapieren die übrigen dann endlich, [...]
Ja genau, entwickeln wir einen universellen Impfstoff! Infolge dessen züchten wir dann multiresistene Viren gegen die dann nichts mehr hilft und es bricht eine WIRKLICHE Epidemie aus. Vieleicht kapieren die übrigen dann endlich, das wir nur die Symptome unserer kranken Art mit der Welt umzugehen bekämpfen. Solange wir nicht einem natürlichen Weg, um im Einklang mit der Natur zu leben finden, können wir noch so viele Forschungsgelder für sowas rausschmeisen, es kommt danach immer noch etwas schlimmeres
permissiveactionlink 11.03.2019
4. #2, De Leeuw
Ihren Hinweis auf die konservierten Stielbereiche der Oberflächenproteine der Influenzaviren, von Hämagglutinin und besonders von Neuraminidase (Forschungsergebnisse des Paul-Ehrlich-Institutes !) habe ich bereits heute [...]
Ihren Hinweis auf die konservierten Stielbereiche der Oberflächenproteine der Influenzaviren, von Hämagglutinin und besonders von Neuraminidase (Forschungsergebnisse des Paul-Ehrlich-Institutes !) habe ich bereits heute nachmittag in einem Beitrag thematisiert, der aber (warum ???) für das Forum nicht akzeptiert wurde. Tatsächlich hat vermutlich jeder Mensch Antikörper gegen hochkonservierte Epitope auf den Stielbereichen beider Oberflächenproteine in seinem Körper, aber es wird dennoch nach keiner Influenzainfektion anschließend lebenslange Immunität erreicht. Das muss daran liegen, dass die hochvariablen Bindungsstellen der Antikörper die als Antigen erkennbaren Epitope auf den Stielen unter den hochvariablen Bereichen der Membranproteine räumlich nicht erreichen können. Eine Behandlung mit sogenannten monoklonalen Nanobodies (hochvariable Untereinheiten von Antikörpern) könnte extrem wirkungsvoll sein, da diese an den Stielen andocken können. Das geht aber nur als Therapie durch ein passives Serum. Eine dauerhafte Impfung ist so nicht möglich, da B-Lymphozyten diese Nanobodies immer nur als Bestandteile größerer Antikörper produzieren, niemals jedoch einzeln.
Trollflüsterer 12.03.2019
5.
multiresisten*t*e Viren im Bezug auf Impfstoffe? Sie haben vor Kurzem behauptet, sie wären ein deutscher Facharzt. Mal davon abgesehen, dass ich das aufgrund ihrer Rechtschreibung damals und auch heute anzweifele, mit der [...]
Zitat von mixowJa genau, entwickeln wir einen universellen Impfstoff! Infolge dessen züchten wir dann multiresistene Viren gegen die dann nichts mehr hilft und es bricht eine WIRKLICHE Epidemie aus. Vieleicht kapieren die übrigen dann endlich, das wir nur die Symptome unserer kranken Art mit der Welt umzugehen bekämpfen. Solange wir nicht einem natürlichen Weg, um im Einklang mit der Natur zu leben finden, können wir noch so viele Forschungsgelder für sowas rausschmeisen, es kommt danach immer noch etwas schlimmeres
multiresisten*t*e Viren im Bezug auf Impfstoffe? Sie haben vor Kurzem behauptet, sie wären ein deutscher Facharzt. Mal davon abgesehen, dass ich das aufgrund ihrer Rechtschreibung damals und auch heute anzweifele, mit der Aussage haben sie mich dann endgültig bestätigt. Viren können Resistenzen gegen Virostatika, z.B. Tamiflu u.ä zweifelhaften Kram entwickeln, das war es dann aber auch. Was sie in Sachen MRE behaupten, trifft auf Bakterien zu! Oder haben sie schon mal von einer erfolgreichen Impfung gehört, Pocken oder Polio z.B., wo es dann plötzlich hieß: Pech, war alles umsonst, Virus ist resistent gegen den Impfstoff geworden, plötzlich alle wieder krank. Dann passt für mich auch das "im Einklang mit der Natur" leben als ultimativer Tipp. Aus den Kreisen, bzw. von ihnen, kam dann ja auch vor Kurzem, dass die Lichtgeschwindigkeit angeblich widerlegt wäre. Da haben sie wohl, auch noch nach 7 Jahren, was verwechselt: https://www.fr.de/wissen/neutrinos-doch-nicht-schneller-licht-11336811.html Da passen dann für mich auch wieder ihre ganzen politischen Statements. Ab heute bin ich Chefarzt.

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