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Gesundheit

Rettungsdienst in NRW

Sanitäter dürfen nur noch mit Mundschutz behandeln - wegen Grippe

Überfüllte Krankenhäuser, Mediziner im Dauereinsatz: Die Grippe grassiert in diesem Jahr besonders heftig. In einigen Regionen dürfen Rettungssanitäter nur noch mit Maske behandeln.

DPA

Sanitäter mit Mundschutz (Archivbild)

Freitag, 09.03.2018   17:26 Uhr

Atemschutzmaske mit Atemventil, Schutzbrille und ein spezieller Kittel: Rettungssanitäter im Ennepe-Ruhr-Kreis dürfen Patienten nur noch unter Schutzmaßnahmen behandeln. Der Grund: In Nordrhein-Westfalen grassieren derzeit Grippe- und Durchfallerreger.

"Dies sollte niemanden verunsichern. Das Plus an Schutz sehen wir als Versicherung gegen zu viele krankheitsbedingte Ausfälle von Notärzten und Rettungssanitätern", sagt Michael Laubmeister, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Ennepe-Ruhr-Kreis.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe sich die Zahl der Grippefälle in Nordrhein-Westfalen verdoppelt, sagt Amtsärztin Sabine Klinke-Rehbein. Inzwischen seien mehr als 14.500 Fälle bestätigt worden. "Dazu kommt mit Sicherheit noch eine hohe Dunkelziffer. Schließlich wird längst nicht jede Grippe durch eine Laboruntersuchung bestätigt", so Klinke-Rehbein weiter.

Nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch im Rest Deutschlands, haben sich in diesem Winter deutlich mehr Menschen mit der Grippe infiziert als in den Vorjahren. Insgesamt sind in dieser Saison bis jetzt rund 165.500 Menschen nachweislich an Grippe erkrankt, mindestens 358 Patienten starben an den Folgen.

OPs müssen verschoben werden

"Wir werden gerade von einer Epidemie überrollt", sagt Marco König vom Deutschen Berufsverband Rettungsdienst. Atemschutzmasken für medizinisches Personal hält er für sinnvoll. Ob bestimmte Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, entscheidet der örtliche Träger des Rettungsdienstes. Eine bundesweite Vorgabe der Gesundheitsämter gibt es nicht.

"Auch ohne Arbeitsanweisung empfehle ich jedem Notfallsanitäter eine Atemschutzmaske zu tragen, besonders wenn er mit Grippe-Patienten in Berührung kommt", sagt König. Die Grippewelle verlaufe in diesem Jahr besonders heftig, sagt auch er. Mehr Fälle gab es zuletzt nur 2009 während der Schweinegrippe-Pandemie. Das ist auch in den Krankenhäusern deutlich zu spüren. Im Ennepe-Ruhr-Kreis werden planbare Operationen bereits verschoben, weil keine Betten frei sind.

Wie lange die Grippewelle noch anhält, ist unklar. Zuletzt war die Zahl neuer Fälle nochmals deutlich gestiegen. Wie heftig die Grippesaison ist, hängt auch von den jeweiligen Erregern ab. In diesem Jahr wurden drei Viertel der Erkrankungen von sogenannten Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie ausgelöst. Der Dreifachimpfstoff dieser Grippesaison schützt kaum vor diesen Erregern. Ein besserer Impfschutz ist mit einem Vierfachimpfstoff möglich - doch der wird bisher nicht von allen gesetzlichen Krankenversicherungen erstattet.

Nur Erkältung - oder die echte Grippe?

Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.
"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.

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