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Gesundheit

Influenza

Grippewelle lässt Krankenstand auf Rekordhöhe steigen

Die Grippe grassierte in diesem Winter besonders heftig. Auch deshalb waren Anfang des Jahres so viele Arbeitnehmer krankgeschrieben wie seit mehr als 20 Jahren nicht.

Getty Images

Mann im Bett (Symbolbild)

Dienstag, 05.06.2018   15:43 Uhr

Wegen der heftigen Grippewelle sind im Winter besonders viele Beschäftigte krank ausgefallen. Der Krankenstand, also der Anteil Erkrankter an allen Arbeitnehmern, lag im ersten Quartal bei 5,5 Prozent - das sei der höchste Wert seit 1996, berichtete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Der aktuelle Wert übertrifft damit sogar die bereits recht hohe Quote des Vorjahresquartals - und zwar um 0,3 Prozentpunkte. Im Schnitt waren die etwa 40 Millionen Arbeitnehmer 3,4 Tage krankgeschrieben.

Mindestens 1600 Todesfälle

Laut dem IAB-Forscher Enzo Weber ist seit Jahren ein leichter Anstieg beim Krankenstand in deutschen Betrieben festzustellen. Dies hänge auch mit dem gestiegenen Durchschnittsalter der Beschäftigten zusammen.

Zwischen Ende Dezember und Anfang April erkrankten nachweislich 333.567 Menschen an einer Grippe, mehr als 1600 Patienten starben daran. Die Zahl der tatsächlich Betroffenen dürfte weit darüber liegen. Denn nicht jeder Grippekranke geht zum Arzt, und nur ausgewählte Praxen schicken Erregerproben ins Labor.

Damit fiel die Grippesaison 2017/2018 noch stärker aus als die Welle im Winter 2016/2017, die bereits als besonders heftig galt. Damals wurden 114.200 Fälle mittels Labordiagnostik bestätigt, etwa 30.000 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden, und es kam zu 723 nachweislichen Todesfällen.

Auch Zahl der Überstunden gestiegen

Das IAB ermittelt nicht nur den Krankenstand in Deutschland, sondern auch die Zahl der bezahlten Überstunden. Demnach sind die Angestellten in Deutschland im ersten Quartal im Schnitt 5,2 Stunden länger geblieben. Das sind zwölf Minuten länger als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt sammelten sich dadurch mehr als 200 Millionen Überstunden an.

Ähnlich sieht es bei der Zahl der unbezahlten Mehrarbeit aus. Demnach arbeitete ein Beschäftigter im Schnitt fast sechs Stunden länger, ohne dafür Geld zu kassieren. Das ergibt allein für das erste Quartal mehr als 230 Millionen Überstunden. Das ist zwar kaum weniger als im Vorjahreszeitraum, allerdings gibt es in diesem Jahr auch mehr Erwerbstätige als noch 2017.

koe/dpa

insgesamt 2 Beiträge
nite_fly 06.06.2018
1. Sehr schlimm...
Das ist eigentlich eine Riesen-Sauerei! Jedes Jahr, in etwa ab Mai, beginnt man, die Impfstoffe gegen die Influenza für das nächste Jahr zu entwickeln. Soweit ich das mitbekommen habe, gab es diesmal zwei solcher Impfstoffe: [...]
Das ist eigentlich eine Riesen-Sauerei! Jedes Jahr, in etwa ab Mai, beginnt man, die Impfstoffe gegen die Influenza für das nächste Jahr zu entwickeln. Soweit ich das mitbekommen habe, gab es diesmal zwei solcher Impfstoffe: Einen für Kassenpatienten, und einen für privat Versicherte. Letztere gehören meines Wissens eher nicht zu den genannten Todesfällen... Aber die gesetzlichen Krankenkassen haben einfach Ihren Profit gegen eine verschmerzbare Zahl von Todesfällen abgewogen, und entschieden, den besseren Impfstoff ihren Kassen-Patienten nicht zu finanzieren! Für die gesetzlichen Krankenkassen sind wir inzwischen nur noch ein Buchung in ihrer Bilanz! Und die gesetzlichen Krankenkassen haben aus Kostengründen halt einfach viele Patienten einfach mal so rausgebucht, so wie alte Laptops verschrottet werden, auch wenn sie noch brauchbar wären, aber das Recycling zu umständlich, und daher zu teuer wäre... Für die Kassen sind wir mittlerweile eine Ware, die eine Zeit lang so richtig Geld bringt, und dann irgendwann rausgebucht wird, sobald das Risiko steigt dass die den Gewinn der Kassen schmälern könnten... So, wie Ersatzteile für den VW Käfer: Die gibt es noch als neue Original-Teile: Doch die werden halt verschrottet, weil die Lagerhaltung zu teuer ist...
hermanngaul 06.06.2018
2. nicht so auf die Kassen schimpfen
Ja, es wäre gut gewesen hätte man den 4 fach Impfstoff auch für gesetzlich Versicherte genommen. Dennoch muss der gemeinsame Bundesausschuss, in dem nicht nur die Kassen sitzen auch wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Sonst [...]
Ja, es wäre gut gewesen hätte man den 4 fach Impfstoff auch für gesetzlich Versicherte genommen. Dennoch muss der gemeinsame Bundesausschuss, in dem nicht nur die Kassen sitzen auch wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Sonst wird der Beitrag noch höher. Jeder kann sich ja privat zusatzversichern. Oder man kauft sich den 4 fach Impfstoff halt privat. Aber für die kommende Grippesaison hat der GBA auch für die gesetzlich Versicherten den tetravalenten Stoff empfohlen. Es wird also bezahlt.

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