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Gesundheit

Umfrage

Zu wenige Deutsche lassen sich gegen die Grippe impfen

Mehr als 1600 Deutsche sind vergangenen Winter an der Grippe gestorben. Trotzdem lassen sich viele Menschen mit einem besonders hohen Risiko nicht gegen das Virus impfen.

DPA

Grippeimpfung

Montag, 08.10.2018   12:12 Uhr

In Deutschland nutzen zu wenige Menschen die Möglichkeit, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Vor allem Risikogruppen wie Senioren oder medizinisches Personal unterschätzen den Nutzen der Schutzimpfung, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) am Montag mitteilte. Einer Umfrage zufolge schätzt nur knapp die Hälfte (47 Prozent) derer, denen eine Grippeimpfung empfohlen wird, diese als wichtig ein.

Lediglich 40 Prozent der Befragten, die zu einer der Risikogruppen gehören, lassen sich nach eigenen Angaben regelmäßig gegen Grippe impfen. Einer der Hauptgründe, warum die Impfung nicht regelmäßig wahrgenommen wird, ist die Meinung, Grippe sei keine besonders schwere Krankheit. "Eine echte Grippe ist keine einfache Erkältung", sagte BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss. Das zeigen auch die Zahlen der außergewöhnlich starken letzten Grippewelle.

Die meisten Grippetoten waren 60 plus

Zwischen Dezember 2017 und April 2018 mussten rund 60.000 Grippepatienten im Krankenhaus behandelt werden. Nachweislich 1665 Patienten starben an den Folgen der Infektion. Die meisten Betroffenen waren mindestens 60 Jahre alt (87 Prozent), viele litten unter Vorerkrankungen.

Entsprechend wird die Schutzimpfung Angehörigen sogenannter Risikogruppen empfohlen. Darunter fallen:

Der beste Zeitpunkt für die Impfung ist der Oktober oder November - sie ist aber auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Nach dem Pikser dauert es 10 bis 14 Tage, bis sich der Impfschutz vollständig aufbaut. Die Grippewellen starten meist im Dezember oder Januar.

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen vereinzelt Reaktionen wie bei einer Erkältung, außerdem kann es an der Einstichstelle vorübergehend zu Rötungen, leichten Schmerzen und Schwellungen kommen. Wer schwerere Nebenwirkungen beobachtet, sollte diese dem Arzt melden.

Außerdem bietet die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz. Jedes Jahr wird ein neuer Impfstoff zusammengestellt, der gegen jene Erreger schützen soll, die in der jeweiligen Saison am häufigsten zirkulieren. Das funktioniert nicht jedes Jahr gleich gut, weshalb der Impfstoff in manchen Jahren einen besseren Schutz darstellt als in anderen.

"Wenn man eine richtige Grippe hat, weiß man das"

Grippeviren sind sehr ansteckend und können sich schnell verbreiten. Meist zeigt sich die Influenza mit schweren Krankheitszeichen wie plötzlichem hohen Fieber, trockenem Reizhusten sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Die Grippe betrifft den ganzen Körper und dauert selbst in unkomplizierten Fällen fünf bis sieben Tage. Es können lebensgefährliche Komplikationen auftreten wie Lungen- oder Herzmuskelentzündungen.

Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.

"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Die jährliche Grippeimpfung schützt nur vor den Influenzaviren. Die harmlosen Erkältungen kann auch sie nicht abwehren.

irb/AFP

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