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Gesundheit

Anthony Senerchia

Ice-Bucket-Challenge-Ikone stirbt an ALS

Sein Schicksal inspirierte Millionen dazu, sich eiskaltes Wasser über den Kopf zu schütten - im Namen der Nervenkrankheit ALS. Jetzt ist Anthony Senerchia gestorben.

Getty Images/ Boston Globe

Ice Bucket Challenge

Donnerstag, 30.11.2017   17:58 Uhr

Am Anfang war alles nur ein Spaß, ein Wettbewerb, eine Herausforderung. Bist du so verrückt, dir einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf zu gießen? Vor laufender Kamera? Der Profigolfer Chris Kennedy war so verrückt. Und er schaffte es, dem Spaß im Sommer 2014 einen tieferen Sinn zu verleihen. Er generierte mit der Ice Bucket Challenge Aufmerksamkeit für den Mann seiner Cousine und dessen Krankheit: ALS.

In den folgenden Wochen schütteten sich Millionen Menschen weltweit kaltes Wasser über den Kopf, um Spenden für die unheilbare Nervenkrankheit zu sammeln. Jetzt ist Anthony Senerchia gestorben, der Mann, ohne dessen Schicksal es die Kampagne nie gegeben hätte. Er wurde 46 Jahre alt.

Seine Diagnose erhielt Senerchia 2003, nachdem er kurz zuvor seine Highschool-Liebe geheiratet hatte. Die meisten Patienten sterben innerhalb der ersten zwei bis fünf Jahre nach der Diagnose, Senerchia lebte 14 Jahre lang mit ALS. "Es ist eine schwierige Krankheit und hart, jemanden zu verlieren", zitiert das Nachrichtenportal "Lohud" Senerchias Witwe Jeanette. "Dein Körper fällt aus. Aber er war ein Kämpfer. Er war unser Licht. Er hat unser Leben besser gemacht."

Bei der unheilbaren Krankheit gehen spezielle Nervenzellen, die Motoneuronen, zugrunde. Dadurch können Nervenimpulse aus dem Gehirn nicht mehr über das Rückenmark bis zu den Muskeln gelangen. Die Betroffenen verlieren nach und nach die Kontrolle über ihren Körper, ihr Geist aber bleibt intakt. Etwa zwei von 100.000 Menschen erkranken jedes Jahr an ALS.

"Dein Körper fällt aus"

Bislang gibt es keine Möglichkeit, das Absterben der Nervenzellen zu stoppen. Die Ice Bucket Challenge sollte helfen, etwas daran zu verändern. Schon der Profigolfer Kennedy rief konkret dazu auf, für die amerikanische ALS Association (Alsa) zu spenden. Mithilfe der Gelder sollte die Erforschung der seltenen Krankheit vorangetrieben werden.

Im Sommer 2014 veröffentlichten allein auf Facebook mehr als 17 Millionen Nutzer Videos der Wasserdusche, mehr als zehn Milliarden Mal wurden die Clips aufgerufen. Jeder, der mitmachte, nominierte anschließend drei neue Anwärter. Ein Schneeballsystem, das funktionierte. Kritiker bemängelten zwar, dass sich viele mit der Aktion nur selbst profilieren wollten. Trotzdem brachte die Aktion weltweit 190 Millionen Euro an Spenden ein, knapp 100 Millionen davon erhielt die Alsa.

Ein Großteil des Geldes wird seitdem eingesetzt, um Grundlagenforschung zu unterstützen, klinische Studien durchzuführen und neue Medikamente zu entwickeln. Mittlerweile gibt es erste Ergebnisse. Im Sommer 2016 zum Beispiel berichteten Forscher von einem neuen ALS-Gen, das sie mithilfe der Gelder entdeckt hatten. Solche Erkenntnisse sind enorm wichtig. Bis sie Patienten helfen werden, ist jedoch noch jahrelange Forschung notwendig.

irb

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