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Gesundheit

Deutschland

Zahl der Masernfälle steigt stark an

Maserninfektionen haben sich im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland verdreifacht. Allerdings schwanken sie von Jahr zu Jahr stark.

DPA

Ein Impfausweis gibt Auskunft über den Schutzstatus

Samstag, 06.01.2018   12:00 Uhr

In Deutschland sind im abgelaufenen Jahr etwa dreimal so viele Menschen an Masern erkrankt wie 2016. Das geht aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Demnach wurde das hochansteckende Virus bis zum Ende der 50. Kalenderwoche, also bis zum 17. Dezember, nachweislich bei 919 Menschen diagnostiziert.

Der Trend zu mehr Fällen als im Vorjahr hatte sich bereits im Spätsommer abgezeichnet. Im gesamten Jahr 2016 zählte das RKI 325 Masernerkrankungen. Die Gesamtzahl für 2017 liegt erst in einigen Wochen vor, laut RKI sind jedoch keine großen Verschiebungen mehr zu erwarten.

Mit 520 Masernfällen am stärksten betroffen ist das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen. Ein starkes "Ausbruchgeschehen", wie es die Fachleute nennen, gab es in den Städten Duisburg (332) und Essen (53), vor allem im ersten Halbjahr. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl überdurchschnittlich viele Erkrankungen wurden auch in Berlin (67), Sachsen (69) und Hessen (76) gezählt. Kein Bundesland ist gänzlich masernfrei, mehrere berichten allerdings nur von Einzelfällen.

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Bei Masernausbrüchen gebe es jährlich und auch regional große Schwankungen, erläuterte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. So wurden 2015 bundesweit 2465 bestätigte Masernerkrankungen gezählt, 2014 lediglich 442, 2013 waren es wiederum 1769. Diese Tabelle zeigt die Entwicklung seit der Jahrtausendwende:

Masernfälle in Deutschland

Jahr Fallzahl
2001 6039
2002 4656
2003 777
2004 123
2005 781
2006 2308
2007 566
2008 915
2009 572
2010 780
2011 1608
2012 165
2013 1769
2014 442
2015 2464
2016 326
2017* 919

*berücksichtigt nur erste 50 Kalenderwochen, Quelle: RKI

Gegen Masern schützen Impfungen, allerdings gibt es laut RKI bundesweit Impflücken. Nach RKI-Daten werden zwar immer mehr Kinder in Deutschland gegen Masern geimpft, es reiche jedoch noch nicht aus. Im Alter von 24 Monaten seien vom Geburtsjahrgang 2004 nur 59,1 Prozent der Kinder zweimal gegen Masern geimpft gewesen. Diesen Schutz empfiehlt die ständige Impfkommission.

Beim Jahrgang 2014 seien es schon 73,9 Prozent gewesen. Somit seien aber immer noch rund 187.000 Kinder dieses Jahrgangs im Alter von 24 Monaten nicht vollständig gegen Masern geschützt gewesen. (Lesen Sie hier ein Interview mit einem Kinderarzt, der über impfunwillige Eltern spricht.)

Masern gehen zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und später einem charakteristischen Hautausschlag einher. Die Infektion schwächt das Immunsystem und kann in sehr seltenen Fällen tödlich enden. Gefährlich sind Masern vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern.

Im Juli ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, das die Impfquoten weiter verbessern soll und bestehende Regelungen der Gesetze zu Infektionsschutz (IfSG) und Prävention (PrävG) ergänzt. Demnach dürfen Arbeitgeber in Gesundheitsbereichen Einstellung und Einsatzort des Personals vom Impfstatus abhängig machen. Außerdem sollen Kitas künftig Eltern, die eine Impfberatung verweigern, an das Gesundheitsamt melden.

Eine Impfpflicht für Kinder gibt es in Deutschland bislang nicht. In Frankreich wurde sie dagegen zum Jahreswechsel ausgeweitet. Hier müssen Kinder gegen mittlerweile elf Krankheiten geimpft werden - auch gegen Masern. In Italien gibt es ebenfalls eine Impfpflicht. Die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich zum Ziel gesetzt, Masern spätestens bis zum Jahr 2020 zu eliminieren.

chs/dpa

insgesamt 23 Beiträge
Frittenbude 06.01.2018
1. Gähn
Jedes Jahr dasselbe Spiel - Es wird eine in absoluten Werten verschwindend geringe Zahl an Erkrankungen mittels beliebiger Vergleichsgrößen aufgebläht ("steigt stark an" (aber eben nur im Vergleich zum Vorjahr)). [...]
Jedes Jahr dasselbe Spiel - Es wird eine in absoluten Werten verschwindend geringe Zahl an Erkrankungen mittels beliebiger Vergleichsgrößen aufgebläht ("steigt stark an" (aber eben nur im Vergleich zum Vorjahr)). Immerhin werden mal die Fallzahlen der vergangenen 17 Jahre gezeigt, vielen Dank. Und schaut man sich diese in Ruhe an, wird man festestellen, dass die durchschnittliche Fallzahl in diesen letzten 17 Jahren 1483 beträgt, die Zahl der Erkrankungnen in 2017 somit sehr deutlich unter dem Durchschnitt liegt. Die reisserische Überschrift hat somit ein leichtes Geschmäckle....
postit2012 06.01.2018
2. Bedauerlicherweise werden Masern immer noch von vielen Leuten
als harmlose Kinderkrankheit angesehen. Mich selber haben sie im Alter von 17 Jahren erwischt und ich wäre fast dran verreckt. Zum Glück ist mir davon nur eine lebenslängliche Schwerhörigkeit geblieben. Wenn Sie Ihrem Kind [...]
als harmlose Kinderkrankheit angesehen. Mich selber haben sie im Alter von 17 Jahren erwischt und ich wäre fast dran verreckt. Zum Glück ist mir davon nur eine lebenslängliche Schwerhörigkeit geblieben. Wenn Sie Ihrem Kind so etwas für sein Leben wünschen, dann glauben Sie ruhig weiterhin dem Mist, den Impfgegner verzapfen. Ihr Kind wird Ihnen sicher dankbar sein...
hakim 06.01.2018
3. Immer wieder wird "vollständiger Schutz" durch Impfung behauptet
Die Impfung ist eine Lebendimpfung. Die 2. und jede weitere Impfung ist nur der Versuch den ca. 5% Impfversager noch zu einem Schutz zu verhelfen. EINE erfolgreiche Impfung schützt nicht weniger als zwei Impfungen Einen [...]
Die Impfung ist eine Lebendimpfung. Die 2. und jede weitere Impfung ist nur der Versuch den ca. 5% Impfversager noch zu einem Schutz zu verhelfen. EINE erfolgreiche Impfung schützt nicht weniger als zwei Impfungen Einen "vollständigen Schutz", wie der Artikel suggeriert, gibt es nicht, bei keiner Impfung. Eine besonders frühe Impfung (vor 1.Geburtstag) führt besonders häufig zu keinem oder kurz anhaltendem Impfschutz, der durch eine spätere Zweitimpfung NICHT verbessert werden kann. Die wenigen vorhandenen Antikörper fangen die wenigen abgeschwächten Impfviren weg, bevor sie sich vermehren können, schützen aber nicht vor einer Infektion. Richtig ist, dass seit 10 Jahren durchgängig über 95% der Kinder wenigstens einmal gegen Masern geimpft sind und daher die Krankheit bei Kindern fast verschwunden ist. Die Immunität der Erwachsenen war vor Beginn der Impfungen durch durchgemachte Erkrankung nahezu 100%. Heute sind viele Jugendliche und Erwachsene bis 40 nicht voll geschützt, einige auch trotz 2 oder mehr Impfungen. Bei nachlassender Immunität sind leichte, schwer erkennbare Maserninfektionen möglich, die dann die Viren unbemerkt weiter verbreiten. Für Erwachsene und ungeschützte Säuglinge ist die Erkrankung lebensgefährlich. Versuchen Sie mal, als Erwachsener nur gegen Masern impfen zu lassen, wenn Sie z.B. gegen Röteln/Mumps immun sind. Der Impfstoff ist nur auf Umwegen erhältlich. Sie sollen sich dann die Risiken einer 3fach Impfung auf sich nehmen, obwohl Sie nur eine Masernimpfung brauchen. Das schreckt viele ab. Die Kinder und sogenannte Impfgegner sind nicht das Problem. Mich ärgert, dass auch dieser Artikel wieder suggeriert, dass eine Impfpflicht für Kinder die Lage substanziell verbessern würde. Da müssten schon eher alle Erwachsenen zwangsgeimpft werden. Die Impfung schützt, aber nicht so wie gedacht. Das weiß auch das RKI. Immer mehr Geimpfte, sind unter den Erkrankten. Zunehmend schwere Fälle bei Erwachsenen mit z.T. tödlichem Ausgang bei Erwachsenen werden in Zukunft die Schlagzeilen füllen. Das gilt ebenso für die Windpocken, die nun wirklich mal ne harmlose Kinderkrankheit waren. Fazit: Impfen ja, aber nur mit sehr gutem Grund vor dem ersten Geburtstag. Und eine Ausrottung ist mit der aktuellen Strategie auch mit einer Impfpflicht eher unwahrscheinlich. Ein ständig verfügbarer Impfstoff gegen Masern, wäre hilfreich!
Ein_denkender_Querulant 06.01.2018
4. Egoismus des Nichtimpfen
Kinder nicht zu impfen ist Ausdruck tiefen Egoismus. In einer Welt, in der alle geimpft sind, ist ein einziges nicht geimpftes Individuum völlig sicher, weil es sich nicht anstecken kann. Für dieses Individuum ist das Impfen in [...]
Kinder nicht zu impfen ist Ausdruck tiefen Egoismus. In einer Welt, in der alle geimpft sind, ist ein einziges nicht geimpftes Individuum völlig sicher, weil es sich nicht anstecken kann. Für dieses Individuum ist das Impfen in der Tat risikoreicher, als das Nichtimpfen. Und genau an diesem Punkte sind wird, darum verzichten immer mehr von reinem Egoismus getriebene Eltern auf das Impfen ihrer Kinder. Aber das Pendel kann sehr schnell umschlagen, wenn die Quote der Nichtgeimpften je nach Krankheit und Infektionsweg 5-30% überschreitet. Und dann sind diese egoistischen Nichtimpfer auch eine Gefahr für Geimpfte, weil nicht bei allen der Impfschutz perfekt ist. Es ist an der Zeit, dass wir in Deutschland eine Impfpflicht einführen. Anders geht es nicht. Auf Vernunft zu hoffen ist irrwitzig in einer Welt voller irrationalen Menschen. Meine Meinung zum Thema....
hakim 06.01.2018
5. Verlässliche Zahlen...
Verlässliche Zahlen finden Sie beim RKI. Die Kinder bis 36 Monate sind super "durchgeimpft". Massive Schutzlücken bei Erwachsenen. Sachsen empfiehlt die 2. Impfung erst vor der Einschulung, so wie auch andere [...]
Verlässliche Zahlen finden Sie beim RKI. Die Kinder bis 36 Monate sind super "durchgeimpft". Massive Schutzlücken bei Erwachsenen. Sachsen empfiehlt die 2. Impfung erst vor der Einschulung, so wie auch andere europäische Länder. Die Impfempfehlung der STIKO mit 2 sehr frühen Impfungen ist auch nur eine Lesart der Studienlage. Hier der link: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/01_18.pdf?__blob=publicationFile
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