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Gesundheit

Sepsis

Der unbekannte Notfall

Mehr als 300.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer Sepsis. Bei der Blutvergiftung ist schnelles Handeln gefragt.

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Symbolbild

Donnerstag, 07.06.2018   10:32 Uhr

Es beginnt häufig wie eine Grippe: Man fühlt sich schlapp, elend, legt sich ins Bett. Doch es geht nicht aufwärts. Irgendwann kommen die Menschen in der Notaufnahme an, sagt Konrad Reinhart vom Uniklinikum Jena. Schwer atmend, mit Bauchweh, fiebernd und verwirrt. Manchmal können die Ärzte den Patienten nicht mehr retten. Es gibt immer wieder Fälle, in denen eine Blutvergiftung tödlich endet, die nicht rechtzeitig erkannt wurde.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken weltweit rund 30 Millionen Menschen pro Jahr an einer Sepsis. Allein in Deutschland gab es 2015 wohl mehr als 320.000 Fälle, schätzungsweise 75.000 Menschen starben daran. "Bei der Zahl der Betroffenen ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen", sagt Reinhart, der Vorsitzender der Sepsis-Stiftung ist. Der Grund: Stirbt ein Patient an Lungenentzündung, wird als Todesursache oft die Infektionskrankheit angegeben, obwohl die eigentliche Todesursache eine Sepsis war.

"Sepsis ist weltweit die häufigste Todesursache bei Infektionen", sagt Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Eine Blutvergiftung entsteht nicht nur durch Bakterien, Viren oder Pilze, die durch eine Wunde in den Blutkreislauf gelangen, sondern auch durch Infektionsherde im Körper wie etwa eine Lungenentzündung. Als Reaktion auf die Sepsis fällt der Blutdruck ab, der Blutkreislauf bricht zusammen. Der Körper bekommt nicht mehr genug Sauerstoff. Organe wie Herz oder Lunge nehmen Schaden. Der Tod kann dann sehr schnell eintreten.

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Als Reaktion auf die Sepsis fällt der Blutdruck ab, der Blutkreislauf bricht zusammen. Der Körper bekommt nicht mehr genug Sauerstoff. Organe wie Herz oder Lunge nehmen Schaden. Der Tod kann dann sehr schnell eintreten.

Sepsis ist ein Notfall - wie Infarkt oder Schlaganfall

Wird der Patient schnell und richtig behandelt, lässt sich das Schlimmste aber verhindern. "Eine Sepsis ist ebenso ein Notfall wie ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall", betont Bernd Salzberger, Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg. So schnell wie möglich muss Patienten ein Antibiotikum verabreicht und der Kreislauf stabilisiert werden. Gelingt das nicht, kommt es zum Organversagen. Dann steht zusätzlich eine Beatmung oder eine Dialyse an. Je mehr Zeit verstreicht, desto größer ist die Gefahr für den Betroffenen.

"Das Problem ist, dass vielen das Bewusstsein dafür fehlt, dass sich hinter bestimmten Symptomen eben auch eine Sepsis verbergen kann", erklärt Reinhart. Nicht nur Patienten, sondern auch Ärzten und Pflegepersonal gehe es so. "Über Sepsis muss mehr aufgeklärt werden", fordert der Mediziner.

Hinweis auf eine Sepsis ist neben extremem Unwohlsein, schwerer Atmung, Verwirrtheit und hohem Fieber eine verfärbte Haut, zum Beispiel schwarzverfärbte Fingerkuppen. Auch Schüttelfrost und Schläfrigkeit sind mögliche Symptome. Reinhart rät Patienten mit solchen Beschwerden, den behandelnden Arzt gezielt zu fragen, ob eine Sepsis vorliegen könnte. Wer diese Symptome zu Hause hat, sollte den Notruf unter der Nummer 112 verständigen.

Nach Reinharts Angaben entwickeln sich 70 bis 80 Prozent aller Sepsis-Fälle außerhalb des Krankenhauses. In der Klinik entwickelt sich eine Sepsis oft als Folge von Infektionen der unteren Atemwege oder des Harnwegs.

Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht ist eine Blutvergiftung nach einem Insektenstich eher selten. "Solche Fälle treten nur sehr vereinzelt auf", sagt Welte. Trotzdem sollte, wer von einem Insekt gestochen wurde, die Stelle reinigen. Juckt es, kann man eine Salbe auftragen, und eventuell ein Pflaster aufkleben. So kann man den Stich nicht aufkratzen und verhindert, dass Bakterien in die Wunde eindringen, die dann im schlimmsten Fall in den Blutkreislauf gelangen.

Vorbeugend hilft: Impfen

Das Risiko an einer Sepsis zu erkranken, steigt mit dem Alter. Doch auch Kleinkinder kann es treffen, sagt Salzberger. Potenziell gefährdet sind auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem - etwa nach einer Chemotherapie.

Wer vorbeugend etwas gegen eine Blutvergiftung tun will, sollte sich unbedingt impfen lassen. Neben einer Tetanus-Impfung sind auch Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken und Meningitis sinnvoll. Das gilt vor allem für alle über 60-Jährigen.

wbr/Sabine Meuter, dpa

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