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Wie Sexualbegleiter im Pflegeheim helfen

Auch Rentner haben sexuelles Verlangen. Aber was, wenn sie ihre Lust nicht mehr ausleben können? Sexualbegleiter versprechen Hilfe. Doch die sind nicht leicht zu bekommen.

DPA

Symbolbild

Montag, 14.05.2018   09:57 Uhr

Herr F. war 70 Jahre alt, als Hans Glück das erste Mal zu ihm ins Pflegeheim kam. "Wir haben zusammen Kaffee getrunken, sind spazieren gegangen", erzählt Glück. "Dann sind wir in sein Zimmer, haben uns in sein Bett gelegt, uns ein bisschen ausgeruht. Einfach mal nackte Haut spüren, berühren, anfassen, mal ein bisschen rumspielen. Mehr war das nicht."

Glück arbeitet als Sexualbegleiter. Gegen Bezahlung erfüllt der 64-jährige Nürnberger Senioren oder Menschen mit Behinderungen sexuelle Wünsche. Zum Beispiel die von Herrn F., der in einem Frankfurter Seniorenheim lebt.

Täglich neue Anfragen

Dass Menschen im Alter so etwas in Anspruch nehmen können, ist aber die Ausnahme. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Dabei stünden Pflegeheime dem Thema mittlerweile sehr offen gegenüber, meint Gabriele Paulsen. Sie berät Unternehmen aus dem Gesundheitswesen und betreibt mit Nessita.de eine Vermittlung für Sexualbegleiter an Senioren. Täglich kämen neue Anfragen, erzählt sie.

Doch Sex im Alter ist für viele Leute immer noch ein Tabu, sagt Sexualwissenschaftler Harald Stumpe von der Hochschule Merseburg. Zudem sei das Personal in den Altenheimen mit den sexuellen Bedürfnissen seiner Bewohner überfordert.

Herr F. werde ausgeglichener, nachdem er bei ihm gewesen sei, erzählt Sexualbegleiter Glück. "Er war nie verheiratet, hat sich immer versteckt." Ihm sei von seinen Eltern eingeredet worden, schwul zu sein, sei eklig. Weil er nun jedoch dement werde, verspüre er diese Hemmungen nicht mehr und habe plötzlich die Pfleger angemacht.

Mitarbeiter seines Seniorenheims baten deshalb Glück um Hilfe. Er ist seit fünf Jahren als Sexualbegleiter tätig. Davor arbeitete er unter anderem als Modellbauer, Handels- und Versicherungsvertreter und mit behinderten Menschen.

Sexualität verlöscht nicht

"Leider herrscht immer noch die Meinung vor, dass im Alter Sex keine Rolle mehr spielen würde", sagt Sexualwissenschaftler Stumpe. Doch obwohl Sexualität sich im Alter verändere, verlösche sie nicht. Es gefährde die Gesundheit, wenn Menschen sich keine sexuellen Bedürfnisse erfüllen können.

Glück schließt nicht aus, mit seinen Klienten Geschlechtsverkehr zu haben - anders als die Sexualbegleiterin Elisabeth Reuther aus Hamburg. Geschlechtsverkehr und Küsse auf den Mund sind bei ihr tabu. Es gehe um Nähe und erotische Berührungen, sagt sie. Reuther arbeitet seit vier Jahren als Sexualbegleiterin. "Ich wollte Menschen, die in ihren Möglichkeiten eingeschränkt sind, etwas Gutes tun", sagt sie. Sie ist etwas über 60 Jahre alt und hat rund 25 Klienten - teils sind es Menschen mit Behinderungen, teils Senioren.

"90 Prozent unserer Kunden sind Männer", meint Paulsen. Das liege daran, dass Frauen im Seniorenheim häufig in einer Geschlechterrolle aufgewachsen sind, die das Äußern sexueller Bedürfnisse nicht vorgesehen hat. Paulsen erwarte aber, dass sich das langsam verändere.

150 Euro pro Stunde

Doch nach einer Sexualbegleitung zu fragen, muss man sich nicht nur trauen, sondern auch leisten können. Bei Glück kostet eine Stunde 150 Euro, Reuther lässt sich jede Begegnung mit 250 Euro bezahlen: "Ich nehme mir einen ganzen Tag Zeit, die Treffen dauern oft länger als eine Stunde." Die Reaktionen der Kunden seien positiv - und auch die des Umfelds größtenteils, wie die beiden erzählen.

Sexualbegleitung fällt unter Prostitution. Manche Sexualbegleiter waren vorher Prostituierte, manche - wie Glück oder Reuther, die vorher als Bürokauffrau arbeitete - kommen aus ganz anderen Berufen.

"Der Beruf geht manchmal schon mit harter körperlicher Arbeit einher", sagt Reuther. "Du musst einen Menschen zum Beispiel richtig hochheben können. Du musst damit rechnen, dass er sabbert, dass es unästhetisch wird, dass sich jemand in die Hose macht."

"Stell dir vor, du bist allein"

Einer ihrer Klienten ist querschnittsgelähmt, ein anderer leidet am Korsakow-Syndrom, das starke Gedächtnisstörungen verursacht. "Es ist Arbeit, aber mit Herzblut. Diese Begegnungen sind für mich ein besonderer Beruf - aus Berufung."

Stumpe fordert ein Umdenken in den Altenheimen. Es müssten "Möglichkeiten geschaffen werden, dass auch Menschen im Seniorenheim ihre sexuellen Bedürfnisse menschenwürdig ausleben können". Selbstverständlich dürfe das Pflegepersonal nicht selbst aktive Sexualbegleitung anbieten. Es sollte aber offen für diese Dienstleistungen durch andere sein.

"Stell dir vor, du bist allein in so einem Ding und sehnst dich nach ein bisschen Geborgenheit", formuliert es Glück. "Da ist es doch wirklich schön, wenn jemand kommt und sagt: Ich leg mich ein bisschen zu dir."

von Lisa Forster/dpa/koe

insgesamt 30 Beiträge
pecos 14.05.2018
1. Es gibt zu dem Thema ...
.... eine tolle Studie über Sexualbegleiter in Dänemark und Schweden. "Loneliness and Its Opposite: Sex, Disability, and the Ethics of Engagement" 2015 von Don Kulick
.... eine tolle Studie über Sexualbegleiter in Dänemark und Schweden. "Loneliness and Its Opposite: Sex, Disability, and the Ethics of Engagement" 2015 von Don Kulick
schüttelkugel 14.05.2018
2. Ach, herrje, ...
... immer diese Schönrednerei! Dabei steht es doch im Artikel selbst: "Sexualbegleitung fällt unter Prostitution. Manche Sexualbegleiter waren vorher Prostituierte, ..." Wieso "vorher"? Sie sind es immer [...]
... immer diese Schönrednerei! Dabei steht es doch im Artikel selbst: "Sexualbegleitung fällt unter Prostitution. Manche Sexualbegleiter waren vorher Prostituierte, ..." Wieso "vorher"? Sie sind es immer noch. Und lassen sich diesen Dienst unverschämt gut bezahlen. Warum? Weil alte Menschen etwa eklig sind? Ganz ehrlich: Liebe Senioren, greift zum Telefon und bestellt Euch eine Professionelle in der Nähe aus dem Internet. Das kommt billiger und ist auch nicht schlechter!
p2063 14.05.2018
3.
Das wage ich doch stark zu bezweifeln. Es geht hier ja nicht drum ihn mal schnell für ein paar Minuten rein zu stecken und sich dabei sonstwas zu holen. Ein ordentlicher Service geht auch erst bei irgendwo zwischen 100-200€ [...]
Zitat von schüttelkugel... immer diese Schönrednerei! Dabei steht es doch im Artikel selbst: "Sexualbegleitung fällt unter Prostitution. Manche Sexualbegleiter waren vorher Prostituierte, ..." Wieso "vorher"? Sie sind es immer noch. Und lassen sich diesen Dienst unverschämt gut bezahlen. Warum? Weil alte Menschen etwa eklig sind? Ganz ehrlich: Liebe Senioren, greift zum Telefon und bestellt Euch eine Professionelle in der Nähe aus dem Internet. Das kommt billiger und ist auch nicht schlechter!
Das wage ich doch stark zu bezweifeln. Es geht hier ja nicht drum ihn mal schnell für ein paar Minuten rein zu stecken und sich dabei sonstwas zu holen. Ein ordentlicher Service geht auch erst bei irgendwo zwischen 100-200€ los und ist sicher nicht mti den 30€ im Bahnhofsviertel vergleichbar, mal davon abgesehen dass das Personal mit den Dumpingpreisen meist noch nicht mal die eigene Sprache spricht.
sok1950 14.05.2018
4. 150 Euro pro Stunde?
Das bekommt man in jedem FKK-Klub inklusive die aufgetischten Lüge, dass es eben nicht ums Geld geht. OK, für vollen Service inkl. einer Flasche Sprudelwasser und einem (manchmal vielleicht nicht) gespielten herzlichen [...]
Das bekommt man in jedem FKK-Klub inklusive die aufgetischten Lüge, dass es eben nicht ums Geld geht. OK, für vollen Service inkl. einer Flasche Sprudelwasser und einem (manchmal vielleicht nicht) gespielten herzlichen Abschied muss man schon mal 700-800 Euro, aber dann für zwei Stunden, löhnen. (Da sind dann aber schon mal herzliche Küsse auf den Mund, gegenseitige Massage usw. drin)
lachina 14.05.2018
5. Sexualbegleitung?
Geht es jetzt eher um Berührung und Kuscheln oder wirklich um Sex ? Ich kenne mehrere ältere Menschen , die Berührungen vermissen. Niemand umarmt sie, niemand küsst sie mehr . Vielleicht sind deshalb Massagen und [...]
Geht es jetzt eher um Berührung und Kuscheln oder wirklich um Sex ? Ich kenne mehrere ältere Menschen , die Berührungen vermissen. Niemand umarmt sie, niemand küsst sie mehr . Vielleicht sind deshalb Massagen und Friseurbesuche so beliebt. Doch Sex? Die alten Damen sagen mir unverblümt, sie sind froh, dass diese Zeit hinter ihnen liegt.....

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