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Gesundheit

Krebserregende Viren

Experten empfehlen HPV-Impfung jetzt auch für Jungen

Bisher haben die Krankenkassen die HPV-Impfung nur für Mädchen erstattet - das ändert sich wohl bald. Denn die Impfkommission rät jetzt, auch Jungen gegen die Viren zu impfen, die beim Sex übertragen werden.

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Symbolbild

Freitag, 08.06.2018   16:02 Uhr

Humane Papillomviren (HPV) sind extrem weit verbreitet und können beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Meist bekämpft sie das Immunsystem mit Erfolg. Doch manchmal gelingt es dem Körper nicht, die Viren rasch zu eliminieren. Dann können einige Varianten der vielfältigen HP-Viren Genitalwarzen oder über viele Jahre hinweg sogar Krebs auslösen.

Seit einigen Jahren sind Impfungen gegen die gefährlichsten HPV-Varianten auf dem Markt. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), Mädchen gegen die Erreger zu impfen. Nun weitet sie die Empfehlung auch auf Jungen aus. Sie sollen ebenso wie die Mädchen möglichst im Alter von 9 bis 14 Jahren geimpft werden.

Dass die Impfung zunächst nur Mädchen empfohlen wurde, liegt daran, dass die Viren vor allem mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht werden. Ebenso können sie Tumore an der Vulva auslösen.

"Das wurde auch höchste Zeit!"

Doch HPV kann ebenso Penis- oder Analkrebs sowie Krebs im Mund- und Rachenraum verursachen. Die Erreger sind also nicht nur für Frauen gefährlich, sondern auch für Männer. "Insgesamt gehen pro Jahr in Deutschland etwa tausend Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV", sagt Harald zur Hausen laut einer Mitteilung des Deutschem Krebsforschungszentrums. Zur Hausen wurde für die Entdeckung des Zusammenhangs von HPV und Krebs mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Er lobte die Empfehlung der Stiko: "Das wurde auch höchste Zeit!"

MASERN

HP-Viren können beim Kontakt mit befallenen Hautstellen im Genitalbereich von einem Menschen zum nächsten gelangen. Kondome können deshalb das Ansteckungsrisiko senken, aber nicht völlig unterbinden.

Die Empfehlung der Stiko ist die Basis dafür, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Impfung übernehmen. Damit dies passiert, muss die Stiko zunächst ihre Empfehlung im sogenannten Epidemiologischen Bulletin veröffentlichen. Anschließend berät und entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zur Kostenübernahme und legt seinen Beschluss dem Gesundheitsministerium vor.

Vor Kurzem hatte eine Forschergruppe 26 Studien zur HPV-Impfung ausgewertet und kam zum Schluss, dass diese effektiv vor den Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs schützt.

wbr

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