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Gesundheit

Organtransplantation

HIV-positive Mutter rettet Kind durch Leberspende

In Südafrika ist ein leberkrankes Kind offenbar durch die Organspende seiner Mutter geheilt worden - obwohl diese HIV-positiv ist. Bei dem Kind konnte das Virus bislang nicht nachgewiesen werden.

imago/ Westend61
Donnerstag, 04.10.2018   21:51 Uhr

Ärzte in Südafrika haben einer HIV-positiven Mutter Teile der Leber entnommen und ihrem nicht infizierten Kind implantiert. Das Kleinkind war zum Zeitpunkt der Transplantation 13 Monate alt und litt an einem schweren Leberschaden, der ohne Spenderorgan höchstwahrscheinlich tödlich verlaufen wäre. Wie die Ärzte im Fachjournal "AIDS" berichten, hätten sie die Chance ein Leben zu retten gegen das Risiko abgewogen, das HI-Virus zu übertragen.

Eine Organspende von einem gesunden Spender sei nicht möglich gewesen. In Südafrika herrscht ein großer Mangel an Spenderorganen. Im vergangenen Jahr waren 14 Kinder, die in Johannesburg auf eine Leberspende warteten, vor einer rettenden OP gestorben.

Zwei gesunde Angehörige des Kindes kamen als Lebendspender nicht in Frage. Die Mutter, die erfolgreich mit antiretroviralen Medikamenten gegen einen Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids behandelt wird, hatte sich mehrfach als Spenderin angeboten, wurde auf Grund ihrer Diagnose aber zunächst ausgeschlossen.

Weltweit erster Fall

Die Ärzte setzten das Kind auf die Warteliste. Als nach einem halben Jahr immer noch kein passendes Spenderorgan gefunden war und sich der Gesundheitszustand des Kindes dramatisch verschlechterte, entschlossen sich die Ärzte, den ungewöhnlichen Schritt zu gehen. Es ist der weltweit erste Fall, bei dem wissentlich ein Organ eines HIV-positiven Menschen auf einen nicht-infizierten durchgeführt wurde.

Mutter und Kind hätten sich nach dem Eingriff, der bereits 2017 erfolgte, gut erholt, heißt es weiter in dem Bericht. Ob das Kind dabei infiziert wurde, könne noch nicht abschließend gesagt werden. "Kurz nach der Transplantation dachten wir, das Kind sei HIV-positiv, weil in seinem Blut entsprechende Antikörper fanden", so der beteiligte ChirurgJean Botha. Genauere Untersuchungen hätten jedoch bisher keine Hinweise auf ein aktives HI-Virus geliefert.

Selbst wenn später noch eine HIV-Infektion entdeckt werden sollte, könne das Kind ein relativ normales Leben führen, so die Experten. Südafrika verfügt über das weltweit größte Therapieprogramm mit antiretroviralen Medikamenten. Schon eine Pille pro Tag könne das Leben der Betroffenen erheblich verbessern.

Das nun gerettete Kind wurde bereits kurz nach der Geburt vorsorglich mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, obwohl es HIV-negativ getestet wurde. Nach der Transplantation soll es die Tabletten nun für mindestens zwei weitere Jahre einnehmen.

Rund 3,7 Millionen mit dem HI-Virus infizierte Menschen werden in Südafrika mit Medikamenten behandelt. Ihre Einbeziehung als Spender könnte das Problem fehlender Transplantate entschärfen.

Zu diesem Schluss kommt auch Anthony Fauci, einer der weltweit führenden HIV-Experten vom US-amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH: "Wenn es die Wahl gibt zwischen sterben und leben mit einer mittlerweile relativ gut zu behandelnden Infektion, kann letzteres eine angemessene Wahl sein." Allerdings müsse jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden.

mah/cop/dpa/AP

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