Schrift:
Ansicht Home:
Gesundheit

Telemedizin

Patient erfährt per Videoschalte von nahendem Tod

Eine Klinik in den USA hat einen schwerkranken Patienten per Videokonferenz darüber informiert, dass er nur noch kurze Zeit zu leben habe. Die Familie ist entsetzt.

AFP

Dieses Bild machte die Enkelin des Patienten mit ihrem Smartphone

Sonntag, 10.03.2019   12:27 Uhr

In den USA sorgt der Fall eines Mannes für Empörung, der auf der Intensivstation von seinem bevorstehenden Tod per Videoschalte und nicht persönlich von einem Arzt erfuhr. Das berichten übereinstimmend mehrere US-amerikanische Medien.

Ernest Q. hatte in der vergangenen Woche in einem Krankenhaus in Fremont gerade Besuch von seiner Enkelin Annalisia Wilharm, als ein roboterähnliches Gefährt mit einem Bildschirm ins Krankenzimmer fuhr. Ein darauf zugeschalteter Arzt eröffnete dem schwer kranken Mann, dass seine Lunge versagen und er wohl nicht mehr nach Hause zurückkehren werde.

"Wir wussten, dass das kommen wird und dass er sehr krank ist, aber niemandem sollte diese Nachricht so überbracht werden", sagte Wilharm dem lokalen Fernsehsender KTVU. "Ein Mensch hätte kommen müssen." Laut einem Bericht der "New York Times" stand das Gerät zudem ungünstig, so dass der schwerhörige Patient die Botschaft schlecht verstehen konnte. Seine Enkelin musste demnach das Gesagte wiederholen.

Klinik bedauert Vorgehen

Das Kaiser Permanente Medical Center, wo Q. behandelt wurde, sprach den Angehörigen sein Beileid aus und bedauerte den "höchst ungewöhnlichen" Fall. Diese Art der Telemedizin sei als Zusatzbetreuung gedacht, ersetze aber nicht das persönliche Gespräch mit einem Patienten und dessen Angehörigen, erklärte die Klinik weiter. Bei den Videogesprächen mit einem Mediziner sollte eigentlich stets eine Krankenschwester oder ein anderer Arzt mit im Raum sein.

Gegenüber der "New York Times" erklärte die Klinikleitung aber auch, dass die Ärzte und Krankenschwestern regelmäßig mit Q. und seiner Familie gesprochen hätten, bei der Videoschalte habe es sich um ein Folgegespräch nach vorherigen persönlichen Visiten gehandelt - auch die initiale Diagnose sei nicht per Videoübertragung übermittelt worden.

Die Familie zeigte sich trotzdem entsetzt über das Vorgehen der Klinik: Die Enkelin filmte die Videoschalte mit ihrem Smartphone, die Familie berichtete der Presse ausführlich von dem Vorfall. Die Tochter des Patienten sagt der "New York Times", sie habe den Arzt auf dem Bildschirm zuvor noch nicht gesehen. Laut dem Zeitungsbericht starb Q. zwei Tage nach dem Gespräch mit dem Arzt.

juh/AFP

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP