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Gesundheit

Daten von 283.000 Patienten

Weihnachten steigt das Infarkt-Risiko

An keinem Tag im Jahr erleiden so viele Menschen einen Infarkt wie an Heiligabend, berichten schwedische Wissenschaftler. Sie kennen sogar die Uhrzeit, zu der die Gefahr am größten ist.

Getty Images
Donnerstag, 13.12.2018   00:50 Uhr

Eigentlich sollte Heiligabend ein besinnlicher Tag sein, ein Fest im Kreis der Liebsten. Doch für manche endet die Feier in der Notaufnahme. Denn am Abend des 24. ist das Risiko eines Herzinfarkts besonders hoch, berichten Wissenschaftler aus Schweden im Fachblatt "BMJ".

Das Team um David Erlinge vom Karolinska Institut wertete die Daten aller Patienten aus, die im schwedischen Herz-Register verzeichnet sind. Gut 283.000 Menschen wurden demnach in den Jahren 1998 bis 2013 mit einem Infarkt in ein schwedisches Krankenhaus eingeliefert. Im Register vermerkten die Ärzte diverse Informationen, neben Alter und Gewicht zum Beispiel auch, ob jemand Zigaretten raucht oder Medikamente einnimmt. Auch wird das Einsetzen der Infarkt-Symptome möglichst auf die Minute genau verzeichnet.

Anhand dieser Daten berechneten die Forscher jetzt, ob an Heiligabend, dem 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag mehr Menschen einen Infarkt erlitten als in einem Vergleichszeitraum zwei Wochen vor beziehungsweise nach den Feiertagen.

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Der Studie zufolge kommt es insbesondere an Heiligabend vermehrt zu Infarkten:

Betroffen waren vor allem über 75-Jährige sowie Menschen, die an Diabetes erkrankt waren oder bereits Herzprobleme hatten.

Große Gefühle

Schon länger bekannt ist, dass mehr Menschen in den Morgenstunden einen Infarkt haben als zu anderen Tageszeiten - das bestätigen die aktuellen Daten aus Schweden, wo das Risiko um 8 Uhr am höchsten war. Allerdings war dies nicht an Heiligabend der Fall. An diesem Tag war die Gefahr abends gegen 22 Uhr am größten.

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Aus dieser Art von Studie lässt sich nicht ableiten, welche Ursache genau dahintersteckt. Die Wissenschaftler vermuten aber, dass die aufgeladene Gefühlslage an Weihnachten der entscheidende Faktor ist: Denn starke Gefühle, positive ebenso wie negative, können dazu beitragen, dass jemand einen Infarkt erleidet - das weiß man aus früheren Untersuchungen.

Dass nicht alle Feiertage das Herz überstrapazieren, zeigt die Studie auch. Denn die Forscher prüften zusätzlich die Infarktraten an Ostern sowie während des in Schweden groß gefeierten Mittsommerfestes. An Mittsommer war die Rate ebenfalls höher, an Ostern aber zeigte sich kein Unterschied zum Vergleichszeitraum. Es sollte also nicht schaden, Weihnachten tatsächlich mal ganz besinnlich anzugehen.

Im Video: Herz-Gesundheit

Foto: SPIEGEL TV

wbr

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