Schrift:
Ansicht Home:
Gesundheit

Hungrige Insekten

Was Sie tun sollten, wenn Wespen nahen - und was nicht

Willkommen im Wespensommer! Wer momentan Kuchen, Cola oder Bratwurst auspackt, wird sofort von Insekten umschwärmt. Dann gilt vor allem eins: auf keinen Fall pusten.

DPA
Montag, 13.08.2018   16:58 Uhr

Wärme und Trockenheit - was den Pflanzen auf dem Feld schadet, ist für Wespen genau richtig. "Es ist ein super Wespenjahr", sagt Melanie von Orlow vom Naturschutzbund (Nabu). Aus diesem Grund konkurrieren aktuell besonders viele Plagegeister um Kuchen, Limo und Schinkenbrot. Hier die wichtigsten Informationen.

Warum werden die Insekten gerade im Spätsommer so aufdringlich?

Im August und September erreicht die Zahl der Wespen ihr Maximum, in den Nestern drängen sich bis zu 12.000 Insekten. Gleichzeitig finden die Tiere in der Natur immer weniger Nahrung. Beides zusammen bringt die Wespen dazu, sich den Menschen zu nähern. Dabei machen uns nur zwei der acht sozialen Wespenarten in Deutschland Bratwurst und Apfelsaft streitig: die Deutsche und die Gemeine Wespe.

Wie reagiert man am besten, wenn eine Wespe naht?

Wer nicht gestochen werden möchte, sollte vor allem ein paar Dinge nicht tun. Das Wichtigste: auf keinen Fall pusten! Die Kombination aus Kohlendioxid und Wärme erinnert die Wespen an Stress im Nest und macht sie aggressiv. Einen Gegenangriff riskiert auch, wer nach den Tieren schlägt und hektisch wird. Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass sich Wespen Verstärkung holen und gemeinsam angreifen.

Deutlich besser ist, die Tiere vorsichtig mit einer Zeitung wegzuschieben. Falls man keine Zeitung parat hat, funktioniert das Wegschieben auch mit der Hand. Wichtig sind ruhige, langsame Bewegungen, dann passiert auch nichts. Eigentlich sind Wespen bei der Futtersuche nicht aggressiv und interessieren sich nicht für Menschen. Das Wegschieben ist deshalb auch zielführender als vorsichtiges Wedeln mit der Hand. Darauf können die Wespen gar nicht reagieren, sie sehen viel zu schlecht.

Wasser sprühen hilft auch. Sind die Wespen einmal da, kann es helfen, ein bisschen Wasser in eine Sprühflasche zu füllen und die Tiere damit einzunebeln. Durch den Kontakt mit dem Wasser gehen die Wespen davon aus, dass es regnet, drehen ab und flüchten in ihre Nester. Allerdings sollte man nicht zu stark sprühen. Sonst müssen die Tiere erst einmal landen, um ihre Flügel zu trocknen.

Wie lässt sich verhindern, dass Wespen überhaupt kommen?

Wer im Freien Leckereien auspackt, wird nicht ganz verhindern können, dass die Tiere vorbeikommen. Die folgenden Tipps minimieren das Risiko:

Der Naturschutzbund Nabu rät außerdem zu einer Ablenkfütterung. Dabei lockt man die Wespen zu einer Futterstelle, die fünf bis zehn Meter vom eigenen Picknickplatz entfernt ist. Laut einem Versuch von "Jugend Forscht" eignen sich halbierte, überreife Weintrauben am besten als Lockmittel. Die süßen Speisen erbeuten Arbeiterinnen übrigens für sich selbst, die eiweißreichen (Käse und Fleisch) bringen sie den Larven im Nest.

Was tun, wenn man gestochen wird?

Normale Wespenstiche sind nur gefährlich, wenn jemand eine Allergie hat oder von mehreren Hundert Tieren gestochen wird. Das Gift führt jedoch auch ohne Allergie zu einer Rötung, die Stelle schwillt an und schmerzt.

Dann helfen die typischen Hausmittel: Ein Kühlpack lindert Schmerzen und Schwellungen. Einen ähnlichen Effekt haben soll laut Nabu auch eine halbierte rohe Zwiebel, die man auf die Stelle drückt. Zusätzlich wirkt sie möglicherweise noch leicht antibakteriell. In der Apotheke gibt es außerdem Cremes mit geringen Mengen Kortison, die auf Insektenstiche zugeschnitten sind und Entzündungen lindern.

Wie bei Mückenstichen wird auch bei Wespenstichen diskutiert, ob Temperaturen von mehr als etwa 45 Grad Celsius die Eiweiße des Insektengifts zerstören und dadurch die Beschwerden lindern. Mittlerweile existieren kleine Geräte, die Stiche punktgenau erhitzen. Einfacher ist es, eine mit warmem Wasser gefüllte Tasse oder einen erwärmten Löffel an die Stelle zu halten.

Im Gegensatz zu Honigbienen verlieren Wespen übrigens in der Regel nicht ihren Stachel, sondern ziehen ihn heraus und leben weiter. Aus diesem Grund können sie auch mehrmals stechen. Falls der Stachel doch stecken bleibt, muss er mit dem Fingernagel oder einer Pinzette entfernt werden.

Was ist, wenn einen die Wespe in den Mund sticht oder man sie sogar verschluckt?

Kommt es zu einem Stich in Mund, Rachen oder Speiseröhre, kann die Schleimhaut stark anschwellen und die Atmung behindern. Aus diesem Grund sollten Betroffene direkt zum Arzt und die Stelle von außen (feuchte Tücher oder Kühlpack) und innen (Eis oder Eiswürfel) kühlen.

Was tun bei einer Allergie?

Je nach Statistik reagieren zwischen einem und fünf Prozent der Deutschen allergisch auf einen Wespenstich. Dann kann Lebensgefahr bestehen, jedes Jahr sterben zwischen zehn und 30 Menschen an den Folgen. Treten starke Schwellungen, Schwindel, Atemnot oder Übelkeit auf, sollte deshalb sofort ein Notarzt gerufen werden. Wer von einer Allergie weiß, sollte in den kommenden Wochen außerdem ein Notfallmedikament bei sich tragen.

Schwillt die Stelle erst in den Tagen nach dem Stich stark an, können Bakterien der Grund sein. Viele Wespen sitzen auf Mist, um anderen Insekten aufzulauern. Durch Kratzen können die Erreger in die Wunde gelangen und die Entzündung verstärken.

Wie verhalte ich mich, wenn ich ein Wespennest in meinem Garten, auf dem Dachboden oder im Rollladenkasten entdecke?

Wespen unterliegen wie alle wild lebenden Tiere dem allgemeinen Naturschutz. Aus diesem Grund ist es verboten, die Nester einfach selbst zu entfernen. Auch stellt nicht jedes Wespennest eine Gefahr dar. Hängt ein Wespennest sehr leicht sichtbar etwa im Gebüsch oder unter einem Schuppendach, gehört es laut Nabu oft zu einer unproblematischen Art. Ihre Arbeiterinnen sind im August, wenn andere Wespen um Kuchen konkurrieren, bereits gestorben.

Gefährlich wird es vor allem, wenn es nicht möglich ist, zwei bis drei Meter Abstand zum Nest zu halten. Muss ein Wespennest weichen, helfen Wespenberater bei der Entfernung. Sie können auch einschätzen, wie gefährlich die Wespenart ist und ob es wirklich notwendig ist, das Nest zu entfernen. Sitzt das Nest im Rollladenkasten, sollte man sich außerdem genau über die Chemikalien informieren, die verwendet werden und in die Wohnung ziehen können. Zum Teil ist es auch möglich, Nester umzusiedeln, statt sie zu zerstören.

Im Video: Schädlingsbekämpfer bei der Arbeit

Foto: SWR

irb

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP