Schrift:
Ansicht Home:
Gesundheit

Hallux valgus

Was hilft gegen Ballenzehen?

Erst schmerzt die große Zehe und scheint etwas schräg zu stehen. Dann nähert sie sich den anderen Zehen an. Schließlich ziehen die Schmerzen durch eine Ballenzehe beim Gehen bis in Knie und Rücken. So lässt sich vorbeugen.

TMN

Ballenzehe (Hallux valgus)

Donnerstag, 03.08.2017   14:43 Uhr

Zu eng, zu spitz, zu hoch - alles Merkmale, die auf Stöckelschuhe zutreffen. Mit der Ferse hoch oben werden die Füße darin unnatürlich gelagert und meist eingequetscht. Dadurch kann die große Zehe (Hallux) in eine Schräglage geraten. Ärzte sprechen von einem Ballenzeh, in der Fachsprache heißt das Hallux valgus. Bei Männern kommt die Fußfehlstellung auch vor, aber seltener als bei Frauen.

Das Knochengewebe und Weichteile wie Sehnen und Muskeln am Mittelfuß sind beim Hallux valgus verformt. Dadurch wird das Großzehengrundgelenk verschoben. "Am Fußinnenrand unterhalb des großen Zehs zeigt sich eine knöcherne Wölbung", beschreibt der Orthopäde Ramin Nazemi aus Essen. Sie drückt unangenehm gegen den Schuh, was zu Rötungen und Schwellungen führen kann. Auch die Wölbung selbst kann beim Abrollen des Ballens wehtun. Unbehandelt werden die Schmerzen im Laufe der Jahre immer heftiger.

Zugrunde liegt der schrägen Zehe häufig eine andere Fußfehlstellung: der Spreizfuß. Weil er kaum Beschwerden bereitet, bleibt er oft unentdeckt. Ein Hinweis auf einen Spreizfuß können Schwielen an den Fußsohlen sein. Wird dagegen nichts unternommen, steigt das Risiko für einen Hallux valgus.

Meist spielen weitere Faktoren eine Rolle. "In 60 bis 70 Prozent aller Fälle haben die Betroffenen eine familiär bedingte Veranlagung dazu", erklärt Nazemi. Kommt dann noch die Neigung zu einem schlafferen Bindegewebe hinzu - und Stöckelschuhe -, sind Verformungen an den Füßen wahrscheinlich.

Frühe Warnzeichen

Ein beginnender Hallux valgus ist daran zu erkennen, dass sich die große Zehe den mittleren Zehen annähert. Außerdem entsteht an der Fußinnenseite eine Wölbung. Bei Berührung tut die Zehe häufig weh, und es kommt zu Schleimbeutelentzündungen.

Wer bemerkt, dass sich ein Fuß verändert, sollte mit dem Besuch beim Arzt oder Podologen nicht lange warten. Denn unbehandelt beeinträchtigt ein Hallux valgus nicht nur die Füße. "Durch den veränderten Gang aufgrund der Fehlstellung kann es zu Schmerzen an den Knien und am Rücken kommen", warnt die Podologin Tatjana Pfersich.

Die Fußmuskeln trainieren

"Im Anfangsstadium eines Hallux valgus können Zehenspreizer sowie ein gezieltes Fußmuskeltraining Beschwerden lindern", sagt die Orthopädin Mellany Galla. Sie ist Vorsitzende der Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkchirugie (GFFC).

Zehenspreizer sind weiche Polster aus Gel oder Silikon, die zwischen die große Zehe und benachbarte Zehen gesteckt werden. So wird die Zehe wieder in die Normalposition gebracht. Entlastung kann auch eine Bandage bringen, die um die große Zehe, vorbei an der Fußinnenseite mit der Wölbung bis hin zur Ferse gewickelt wird. Die Bandage kann in breiten und flachen Schuhen getragen werden.

Ebenso tragen spezielle Schienen, die an den Füßen angebracht werden, dazu bei, die große Zehe wieder in ihre natürliche Position zu bringen. "Orthopädische Einlagen helfen dagegen bei Hallux valgus überhaupt nicht", sagt Nazemi. Liegen allerdings weitere Beschwerden vor, die den Fuß schmerzen lassen, kann eine Einlage sinnvoll sein.

Empfohlen wird ein gezieltes Fußmuskeltraining. Die Übungen sind einfach und können zwischendurch immer mal wieder praktiziert werden.

Letzter Ausweg: OP

Erst wenn Hilfsmittel wie Zehenspreizer, Bandagen und Schienen sowie Fußgymnastik keine Linderung bringen, können Patienten eine Operation in Erwägung ziehen. "Die OP-Verfahren sind unterschiedlich und richten sich nach dem Grad der Fehlstellung", sagt Orthopädin Galla. Prinzipiell handelt es sich bei dem Eingriff um eine Korrektur am Knochen und an Weichteilen. Ob die OP ambulant oder stationär erfolgt, hängt vom Einzelfall ab. "Wichtig ist, dass nach dem Eingriff ein Verbandsschuh sechs bis acht Wochen lang konsequent getragen wird, damit der korrigierte Knochen nicht bricht", sagt Nazemi.

TMN

Röntgenbild nach einer Hallux-valgus-Operation

Am besten ist natürlich, wenn es gar nicht erst zum Ballenzeh kommt. Wer vorbeugend etwas gegen Hallux valgus tun möchte, sollte möglichst viel barfuß laufen - zu Hause, am Strand oder auf sogenannten Barfußpfaden. Auch regelmäßige Fußgymnastik hilft, die Füße fitzuhalten. Im Alltag trägt man am besten flache Schuhe, die ausreichend Platz für die Füße bieten. Auf Stöckelschuhe müssen Frauen aber nicht grundsätzlich verzichten, sagt Nazemi. Aus seiner Sicht spricht nichts dagegen, wenn sie kurzzeitig getragen werden.

Sabine Meuter, dpa/wbr

insgesamt 9 Beiträge
Holzbeinschnitzer 03.08.2017
1. Ein kleiner Tipp:
Stellen sie ihren Fuß auf ein Blatt Papier und zeichnen Sie dann mit einem Stift um den Fuß herum. Nehmen sie das Blatt mit ins Schuhgeschäft und stellen Sie den Schuh dann auf die Umrisszeichnung. Ist der Schuh kleiner wie die [...]
Stellen sie ihren Fuß auf ein Blatt Papier und zeichnen Sie dann mit einem Stift um den Fuß herum. Nehmen sie das Blatt mit ins Schuhgeschäft und stellen Sie den Schuh dann auf die Umrisszeichnung. Ist der Schuh kleiner wie die Zeichnung, dann ist es definitiv der falsche Schuh!
Knossos 03.08.2017
2.
Und das ist er so gut wie immer. Schlanker Fuß scheint überkommenem Schönheitsideal zu entsprechen, welches zu Schuhwerk geführt hat, das fast ausnahmslos zu schmal ist. Wenn man hingegen ergonomische Ausführungen trägt, [...]
Zitat von HolzbeinschnitzerStellen sie ihren Fuß auf ein Blatt Papier und zeichnen Sie dann mit einem Stift um den Fuß herum. Nehmen sie das Blatt mit ins Schuhgeschäft und stellen Sie den Schuh dann auf die Umrisszeichnung. Ist der Schuh kleiner wie die Zeichnung, dann ist es definitiv der falsche Schuh!
Und das ist er so gut wie immer. Schlanker Fuß scheint überkommenem Schönheitsideal zu entsprechen, welches zu Schuhwerk geführt hat, das fast ausnahmslos zu schmal ist. Wenn man hingegen ergonomische Ausführungen trägt, wie sie etwa ein deutscher Hersteller anbietet (, der sich seine Produkte ausgesprochen gesalzen entgelten läßt), bekommt von Freunden süffisante Bemerkungen zu hören, welche ich mit der Aufforderung zu kontern pflegte, daß wir uns ja später einmal über die orthopädische Situation an Füßen, Knien und Wirbelsäule austauschen könnten. Der japanische kleine Fuß von Frauen durch abgebunden, -gestorbene Zehen hatte wenigstens, wenn auch fragwürdigen, praktischen Hintergrund. Warum aber ohne selbstverstümmeln? Es ist schon eigenartig, wie Optik und seltsamen Trends Funktionsweise unterordnet wird. Wie seinerzeit mit Westernboots und späteren Tretern extrem verjüngter Kuppen, oder Fahrrädern höheren Sattels als Lenkers, Schoppern mit Griffen auf Scheitelhöhe, Haaren über den Augen, Gegenständen in Wangen, Nasenflügeln, Zungen, Tätowierungen mit karzinogenen Farben / dem Risiko von Hepatitis etc. Aufrichtig schade, wenn man meint, sich sonst nicht dekorieren zu können. Schließlich hat doch jeder Talente. -Und ohne sklavisches Trendfolgen auch Individualität.
uhu_13 04.08.2017
3. Nicht nur deutsche Hersteller
Auch Waldviertler, und einige andere Hersteller bieten gesundes an. Teilweise in Mitteleuropa hergestellt. Preisgestaltung halt wie andere Markenware.
Auch Waldviertler, und einige andere Hersteller bieten gesundes an. Teilweise in Mitteleuropa hergestellt. Preisgestaltung halt wie andere Markenware.
Greggi 04.08.2017
4. Wer schön sein will ...
muss leiden. Alter Spruch. Was mir zu denken gibt ist die Selbstverstümmelung des modernen Zivilisationsmenschen im 21. Jahrhundert. Irgendwie scheint der Verstand auszusetzen, nur um dem anderen Geschlecht zu gefallen. Dagegen [...]
muss leiden. Alter Spruch. Was mir zu denken gibt ist die Selbstverstümmelung des modernen Zivilisationsmenschen im 21. Jahrhundert. Irgendwie scheint der Verstand auszusetzen, nur um dem anderen Geschlecht zu gefallen. Dagegen sind ja Tattoos und Piercings mit ihren karzinogenen und allergischen Potentialen noch harmlos.
Wofgang 04.08.2017
5.
Das Thema ist ja nicht nur der Schönheit geschuldet, sondern auch dem Zeitgeist. Stabile Schuhe waren die letzten Jahrzehnte einfach gefragt. In vielen bereichen, bis hin zu Bergschuhen und die verbiegen die Füße ebenso. [...]
Das Thema ist ja nicht nur der Schönheit geschuldet, sondern auch dem Zeitgeist. Stabile Schuhe waren die letzten Jahrzehnte einfach gefragt. In vielen bereichen, bis hin zu Bergschuhen und die verbiegen die Füße ebenso. Meinen Marathon 2005 bin ich mit dem Nike Free gelaufen, mit ähnlichen Kommentaren wie Knossos. Wann immer ich einen Standard Laufschuh anprobiert habe, dachte ich mir, wie kann man damit Laufen? Nach den Orthopäden würde ich seit meinem 16ten Lebensjahr mit Einlagen rum laufen. Ich habe die natürliche Methode mit Fußmuskeltraining und vernünftigen den Fuß nicht einengenden Schuhen. 39 Jahre ohne Einlagen und Beschwerden bestätigen meinen Ansatz

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP