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Gesundheit

Medienberichte

Ist unser Trinkwasser wirklich voller Mikroplastik?

Es klingt alarmierend: Weltweit sollen 83 Prozent des Trinkwassers mit Mikroplastik verunreinigt sein. Doch die Untersuchung eines Journalistenverbundes wird kritisiert.

DPA
Von
Mittwoch, 06.09.2017   17:44 Uhr

"Tests zeigen, dass Milliarden Menschen weltweit Wasser trinken, das mit Plastikteilchen verunreinigt ist", schreibt der britische "Guardian". "In Berlin war nur eine einzige Probe - die aus dem Deutschen Bundestag - unbelastet", berichtet die "Bild"-Zeitung.

Sie beide beziehen sich, wie zahlreiche andere über das Thema berichtende Medien, auf eine Untersuchung, die der Journalistenverbund "Orb Media" veröffentlicht hat. "Bild" hat zusätzlich sechs Trinkwasserproben aus Deutschland analysieren lassen.

Mehr als 150 Proben von fünf Kontinenten habe man analysiert, berichtet Orb Media auf seiner Webseite. 83 Prozent enthielten Mikroplastik - in den USA waren es sogar 94 Prozent der Proben, in Europa 72 Prozent. Die winzigen Plastikteilchen, die bis zu einem Zehntel Millimeter klein sind, zählten Forscher im Labor in Wasserproben aus. Welche Größe Mikroplastik-Partikel haben, ist nicht eindeutig definiert. In der Studie aber wurden kleinere Teilchen nicht ausgewertet.

Was Mikroplastik bewirkt, wenn Menschen es aufnehmen, ist noch nicht hinreichend untersucht. Förderlich für die Gesundheit ist es aber höchstwahrscheinlich nicht. Bestenfalls richten die Partikel keinen Schaden an.

Für die Umwelt sind die Kunststoffstückchen auf jeden Fall ein Problem.

Mikroplastik kann zum Beispiel ins Wasser gelangen, wenn sich von Kunstfasern beim Waschen kleinste Teilchen lösen. Größere Plastikgebilde, Tüten etwa, werden in den Meeren nach und nach mechanisch zerrieben. Das Plastik wird nicht abgebaut, es wird nur in immer kleinere Teilchen zerteilt.

"Es ist richtig, sich des Problems Mikroplastik anzunehmen", sagt auch Ingrid Chorus von der Abteilung Trink- und Badebeckenwasserhygiene beim Umweltbundesamt (UBA). Doch die aktuelle Untersuchung ordnet sie aus mehreren Gründen kritisch ein.

Laut Chorus laufen Forschungsprojekte, um Mikroplastik in Flüssigkeiten - etwa in Wasser - zuverlässig nachweisen zu können. Denn dass die Menschheit Unmengen Plastik produziert und viel zu viel davon in die Umwelt gerät - daran hegt niemand Zweifel.

Hinweis der Redaktion: Die Angaben zur Größe von Mikroplastik wurden präzisiert.

insgesamt 36 Beiträge
Michael_Erbstadt 06.09.2017
1. So groß?
"Die winzigen Plastikteilchen, die bis zu einem Zehntel Millimeter klein sind" Das kann nur ein Irrtum sein. Bei der Größe wären die Teilchen sichtbar. Herzliche Grüße, Michael
"Die winzigen Plastikteilchen, die bis zu einem Zehntel Millimeter klein sind" Das kann nur ein Irrtum sein. Bei der Größe wären die Teilchen sichtbar. Herzliche Grüße, Michael
philosophus 06.09.2017
2. @Michael_Erbstadt
Es scheint dass Sie vollkommen recht haben, denn bisschen weiter im Text steht: "In diesem Trinkwasser finden sich zum Beispiel auch keine Viren, die etwa die Größe von Mikroplastik haben" ...danach sind die Viren ein [...]
Es scheint dass Sie vollkommen recht haben, denn bisschen weiter im Text steht: "In diesem Trinkwasser finden sich zum Beispiel auch keine Viren, die etwa die Größe von Mikroplastik haben" ...danach sind die Viren ein Zehntel Millimeter gross, also sichtbar und sogar greifbar... hier stimmt etwas nicht...
hansulrich47 06.09.2017
3. Da sind die Dimensionen verutscht
Nicht Millimeter, mm, sondern μm sind wohl gemeint. Ist ja nur der Faktor 1000.
Nicht Millimeter, mm, sondern μm sind wohl gemeint. Ist ja nur der Faktor 1000.
newline 06.09.2017
4. Plastik
findet sich auch als Zusatz in Zahncreme oder Peeling-Produkten.
findet sich auch als Zusatz in Zahncreme oder Peeling-Produkten.
Birs 06.09.2017
5. 0.1 mm ist schon richtig
Da es aber überwiegend Fasern sein dürften, die da gefunden werden, sind diese doch nur unter dem Mikroskop zu sehen. Fasern haben per Definition einen sehr viel geringeren Durchmesser als sie lang sind. Und somit sind die nicht [...]
Da es aber überwiegend Fasern sein dürften, die da gefunden werden, sind diese doch nur unter dem Mikroskop zu sehen. Fasern haben per Definition einen sehr viel geringeren Durchmesser als sie lang sind. Und somit sind die nicht mehr mit dem bloßen Auge ohne weiteres sichtbar. 0.1 Mikrometer sind dagegen schon wieder so klein, dass sie mit dem üblichen Methoden nicht nachweisbar wären. Selbst mit Ramanmikroskopie dürfte das in der Praxis nicht mehr möglich sein, auch wenn es theoretisch noch möglich sein könnte; aber dann gilt halt wieder Länge >> Durchmesser.

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