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06.06.2012
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Gaga-Diäten Teil 1

Kinderriegel erlaubt, Yogurette verboten

Von Susanne Schäfer
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Corbis

Schokolade zum Frühstück, Bier statt Abendessen: In Abnehm-Foren geben Nutzer einander Tipps, wie man am bequemsten abspeckt. Die meisten Ratschläge sind aberwitzig, manche sogar gefährlich - aber einzelne gar nicht so lächerlich, wie sie klingen. Fünf absurde Diäten im Schnell-Check.

Abnehmen. Schnell. Am besten im Schlaf! Sport? Viel zu anstrengend. Ganz zu schweigen von diesem fiesen Schweinehund, den man dafür ständig überwinden muss. Obst, Gemüse, Salat? Geht manchmal, aber die Lust auf Süßes, Burger, Pizza und Co. kommt immer wieder. Abnehmen muss doch leichter gehen!

Und tatsächlich: In Abnehm-Foren wimmelt es nur so von Ratschlägen, wie man am bequemsten abspeckt. Die meisten Tipps klingen absurd, manche verlockend, andere sogar irgendwie logisch. SPIEGEL ONLINE hat zehn Diätvorschläge unter die Lupe genommen und ihre vermeintliche Wirkung geprüft. Im ersten Teil des Diäten-Tests geht es ums Abspecken mit Hilfe von Schokolade, Bier - und ekelhaften Parasiten.

Schoko-Diät: Ungebremste Lust auf Süßes

Der Tipp:

Iss mehrere Tage am Stück ausschließlich Schokolade.

DPA

Schokolade: Kalorienreicher Energielieferant - angeblich aber auch Appetitzügler

Die angebliche Wirkung:

Kakao hemmt den Appetit, deshalb fällt es leicht, nichts zu essen - außer eben Schokolade. In Internetforen unterhalten sich Menschen ganz ernsthaft darüber, ob die Schoko-pur-Diät Wirkung zeigt. Sie erzählen einander Geschichten wie die von der "berühmten russischen Schauspielerin", die für eine Rolle abnehmen musste, daraufhin eine Woche lang nur Schokolade aß und - ein Wunder - plötzlich zehn Kilo leichter war. Eine Teilnehmerin schreibt mit großer Überzeugung, was sie zu wissen meint: Man dürfe bei der Diät zwar weiße Schokolade, Kinderriegel und Nutella essen, aber keine Yogurette.

Die wahre Wirkung:

Es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass dunkle Schokolade die Lust auf noch mehr Süßes bremst - zumindest mehr als Milchschokolade. Eine Gruppe von Testessern bekam bei einer dänischen Studie 100 Gramm Milchschokolade, die andere 100 Gramm dunkle Schokolade. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe fühlten sich danach mehr gesättigt und hatten ein weniger großes Bedürfnis, etwas Süßes, Fettiges oder Geschmackvolles zu essen als die Teilnehmer aus der Milchschokoladen-Gruppe. Allerdings ist fraglich, wie aussagekräftig die Studie ist, da nur 16 Probanden teilnahmen.

Und selbst wenn man es schaffen würde, im Rahmen der Schoko-Diät weniger Kalorien aufzunehmen, als man verbraucht, würde sich das Gewicht nach der Umstellung auf die gewohnte Ernährung wohl schnell wieder erhöhen.

Das Fazit:

Diese angebliche Diät macht ziemlich sicher dick, außerdem werden dem Körper bei einer so einseitigen Ernährung schnell Nährstoffe fehlen. Nadia Röwe, Ernährungswissenschaftlerin beim aid Infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz hält eine moderate Variante der Schoko-Diät aber für sinnvoll: Die Autoren eines Ratgebers schlagen vor, man solle sich jeden Tag ein bisschen Schokolade erlauben. "Das gibt Sinn, denn Verbote können die Schokolust erst richtig anheizen", sagt Röwe.


Bier-Diät: Lieber einen kühlen Kopf bewahren

Der Tipp:

Verzichte auf das Abendessen und trink stattdessen ab 16 Uhr nur noch kaltes Bier.

DDP

Maßkrüge: Bei der Bierdiät wird das Feierabendgetränk zum vermeintlichen Fettverbrenner

Die angebliche Wirkung:

Der Körper verbraucht Kalorien, um die kalte Flüssigkeit zu erwärmen.

Die wahre Wirkung:

Es gibt Hinweise darauf, dass kühles Wasser beim Abnehmen hilft. Wer 1,5 Liter Wasser trinkt, verbrennt zusätzlich bis zu 200 Kilojoule (48 Kilokalorien). Schon 22 Grad kühles Wasser heizt den Energieverbrauch deutlich stärker an als 37 Grad warmes. Das fanden Michael Boschmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke und seine Kollegen heraus. Sie ließen jede der 14 Versuchspersonen einen halben Liter Wasser trinken und untersuchten die Wirkung auf den Energiestoffwechsel.

"Im Prinzip könnte man das auf Bier übertragen", sagt Silke Restemeyer, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Logik enthält jedoch einen entscheidenden Fehler: "Ein halber Liter Bier enthält rund 250 Kilokalorien, das heißt, bei dieser Diät nimmt man über den Abend verteilt vermutlich ebenso viele Kalorien auf wie sonst bei einem Abendessen", sagt Restemeyer. Nadia Röwe vom aid bezweifelt außerdem, dass man wirklich nur trinkt und aufs Essen verzichtet - schließlich mache Alkohol Appetit auf Chips und Süßigkeiten.

Das Fazit:

Wer sich für die Bier-Diät entscheidet, wird vermutlich eher dicker als dünner. Außerdem schadet er seiner Gesundheit: Täglich Alkohol zu trinken, kann abhängig machen und erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Eine Variante der Diät besagt, dass man sich ab und zu ein Bier erlauben darf, auch wenn man abnehmen will. Bei den meisten Diäten ist Alkohol nämlich streng verboten. Hier gilt wie bei der moderaten Schoko-Diät: "Die psychologische Seite ist der richtige Ansatzpunkt. Nichts zu verbieten, sondern alles in Maßen zu erlauben, ist genau richtig", sagt Röwe.


Kaffee-Diät: Nur der Puls wird angekurbelt

Der Tipp:

Trink viel, viel Kaffee.

DPA

Frischer Kaffee: Macht Koffein nicht nur wach, sondern auch schlank?

Die angebliche Wirkung:

Koffein soll den Stoffwechsel anregen und die Fettverbrennung ankurbeln. Genauer: Es soll "das sympathische Nervensystem aktivieren und gespeichertes Fett mobilisieren". Mitunter finden sich sogar genaue Ratschläge samt Dosierung: Koffein bewirke, dass der Energieumsatz am Tag um bis zu hundert Kalorien gesteigert werde, heißt es dort. Zwei Tassen Filterkaffee seien dafür nötig.

Die wahre Wirkung:

Eine aktuelle Übersichtsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass metabolische Stimulanzien, zu denen Koffein gehört, langfristig einen geringen Einfluss auf das Körpergewicht haben können. Trotzdem raten die Autoren der Studie, Wissenschaftler der Oregon State University, davon ab, solche Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen zu nutzen. Viel Koffein könne zu Nebenwirkungen wie Schwitzen, Unruhe oder einem beschleunigten Pulsschlag führen.

Eine ältere, viel zitierte Studie dagegen zeigte nicht einmal einen geringen Effekt: Die Versuchspersonen nahmen ein halbes Jahr lang dreimal täglich 200 Milligramm Koffein ein. Sie nahmen nicht stärker ab als die Teilnehmer der Kontrollgruppe, die nur ein Placebo, also eine Scheinsubstanz, bekamen.

Das Fazit:

Ob Koffein beim Abnehmen hilft, können Wissenschaftler bisher nicht eindeutig beantworten. Konkreten Empfehlungen wie "Trinke zwei Espresso, und du wirst hundert Kilokalorien verbrennen" sollte man jedenfalls nicht glauben.


Die Bandwurm-Diät: Gefahr für das Gehirn

Der Tipp:

Schlucke Bandwurmeier - du kannst sie im Internet als Kapseln bestellen.

DPA

Bandwürmer im Bauch: Parasiten als gewollte Schlankmacher

Die angebliche Wirkung:

Einige Abnehm-Freaks machen offensichtlich auch vor Ekel-Grenzen nicht halt. Frauen geben einander in Internetforen wie gofeminin.de Tipps, wie man Bandwurmeier bekommt, und schwärmen einander vor, wie viel sie mit Hilfe der Parasiten, die im Darm leben, angeblich abgenommen haben. Das liege daran, dass der Bandwurm an der Nahrung mitesse, lautet die laienhafte Erklärung üblicherweise.

Die wahre Wirkung:

"Das ist Unsinn", sagt Egbert Tannich, Professor für Parasitologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Mit einem Bandwurm könne man sich nur infizieren, indem man ein mit Larven befallenes Stück Fisch oder Fleisch esse, das nicht ganz durchgegart ist. Auf diesem Weg könnten zum Beispiel Larven des Schweinebandwurms in den Darm gelangen und sich dort zu mehreren Meter langen, ausgewachsenen Würmern entwickeln. "Dadurch würde man aber kein Gewicht verlieren", sagt Tannich. Sich künstlich durch die Aufnahme von Eiern mit einem ausgewachsenen Bandwurm zu infizieren, ist Tannich zufolge nicht möglich. "Wenn Sie Eier vom Schweinebandwurm schlucken, schlüpfen daraus Larven, die zum Teil über die Muskulatur bis zum Gehirn wandern und dort zu gefährlichen Entzündungen mit Verkalkungen und Krampfanfällen führen können", sagt Tannich.

Das Fazit:

Auch wer noch so fest entschlossen ist, schlanker zu werden - bitte, bitte keine Bandwurm-Kapseln schlucken!


Die Kleine-Teller-Diät

Der Tipp:

Iss nur von kleinen Tellern - oder besser noch: von klitzekleinen.

DDP

Kleine Teller machen schneller satt: Psychologie spielt eine große Rolle beim Essverhalten

Die angebliche Wirkung:

Große Schüsseln und Teller verleiten dazu, mehr zu essen. Umgekehrt lädt man sich auf kleine Teller auch nur kleine Portionen, isst weniger und fühlt sich trotzdem satt. Einige Fortgeschrittene in Sachen Selbstbetrug essen angeblich nur von Puppengeschirr.

Die wahre Wirkung:

Diese Diät ist nicht so abwegig, wie sie zunächst klingt. "Auf kleinen Tellern wirken Portionen tatsächlich größer", sagt Silke Restemeyer von der DGE. "Außerdem essen viele Menschen ihren Teller leer, obwohl sie keinen Hunger mehr haben, nur damit nichts in den Müll wandert. Deswegen ist es sinnvoller, kleinere Teller und Portionen zu nehmen und bei Bedarf lieber noch mal nachzunehmen."

Wie unsicher unser Gefühl dafür ist, wie viel Hunger wir wirklich haben, zeigt ein Experiment: 54 Versuchspersonen bekamen Suppe zu essen. Jeden Zweiten von ihnen manipulierten die Forscher - sie füllten den Teller über einen Schlauch auf der Unterseite ständig nach. Tatsächlich aßen die Probanden mit den Zaubertellern immer weiter. Am Ende hatten sie im Schnitt 73 Prozent mehr Suppe gegessen als die Teilnehmer mit gewöhnlichen Tellern.

Das Fazit:

"Gewohnheiten zu ändern, fällt vielen Menschen schwer", sagt Nadia Röwe. Da sei es leichter, die Umgebung zu verändern, etwa die Größe der Teller. "So kann man sich selbst überlisten." Nadia Röwe rät außerdem allen, die gerne kalorienhaltige Getränke mögen: "Sie sollten aus einem schmalen, hohen Glas trinken, um Kalorien zu sparen. Breite und kurze Gläser fassen eigentlich dasselbe Volumen, verleiten jedoch dazu, mehr einzuschenken."

Den zweiten Teil der zehn absurdesten Diäten finden Sie hier.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
1.
OlGa 06.06.2012
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass kaltes Wasser weniger Kalorien enthält als warmes? Wahnsinn! Und morgen erfinden wir nochmal das Rad. Man erspare dem Leser bitte diese Art pseudowissenschaftlicher Artikel.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass kaltes Wasser weniger Kalorien enthält als warmes? Wahnsinn! Und morgen erfinden wir nochmal das Rad. Man erspare dem Leser bitte diese Art pseudowissenschaftlicher Artikel.
2. Anmerkung
abby_thur 06.06.2012
Mir fehlt in dieser Aufzählung noch diese Methabolic Diät- der größte, teuerste Diätquatsch. Die Leute bekommen einen Essensplan, der ihnen um die 1000 Kcal am Tag einbringt, dazu Bewegung. Da aber alles damit begründet [...]
Zitat von sysopSchokolade zum Frühstück, Bier statt Abendessen: In Abnehm-Foren geben Nutzer einander Tipps, wie man am bequemsten abspeckt. Die meisten Ratschläge sind aberwitzig, manche sogar gefährlich - aber einzelne gar nicht so lächerlich, wie sie klingen. Fünf absurde Diäten im Schnell-Check. Schnell abnehmen: Absurde Diäten im Test - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,832616,00.html)
Mir fehlt in dieser Aufzählung noch diese Methabolic Diät- der größte, teuerste Diätquatsch. Die Leute bekommen einen Essensplan, der ihnen um die 1000 Kcal am Tag einbringt, dazu Bewegung. Da aber alles damit begründet wird, es sei speziell auf die Person zugeschnitten werden dafür um die 400 Euro fällig. Macht auf Dauer nur das Konto schlanker, der Jo-Jo-effekt ist garantiert.
3.
bulky 06.06.2012
Das Wasser hat nicht mehr Kalorien, der Körper verbraucht nur mehr kalorien, um das Wasser auf Körpertemperatur zu bringen...
Zitat von OlGaWissenschaftler haben herausgefunden, dass kaltes Wasser weniger Kalorien enthält als warmes? Wahnsinn! Und morgen erfinden wir nochmal das Rad. Man erspare dem Leser bitte diese Art pseudowissenschaftlicher Artikel.
Das Wasser hat nicht mehr Kalorien, der Körper verbraucht nur mehr kalorien, um das Wasser auf Körpertemperatur zu bringen...
4.
spon-facebook-10000014030 06.06.2012
@OlGa Sicher: der Artikel hat einen gewissen Unterhaltungswert. Aber im Hinblick auf das Wasser war etwas anderes gemeint. Das Wasser hat keine Kalorien, das stimmt. Aber kaltes Wasser zu trinken "verbraucht" Kalorien, [...]
@OlGa Sicher: der Artikel hat einen gewissen Unterhaltungswert. Aber im Hinblick auf das Wasser war etwas anderes gemeint. Das Wasser hat keine Kalorien, das stimmt. Aber kaltes Wasser zu trinken "verbraucht" Kalorien, da unser Körper kalte Getränke auf Körpertemperatur erwärmt und dabei Energie verbraucht.
5. ähmm... wo steht denn das?
hellefisk 06.06.2012
Ich fand nur diese, eigentlich einleuchtende Erklärung: "Es gibt Hinweise darauf, dass kühles Wasser beim Abnehmen hilft. Wer 1,5 Liter Wasser trinkt, verbrennt zusätzlich bis zu 200 Kilojoule (48 Kilokalorien). Schon 22 [...]
Ich fand nur diese, eigentlich einleuchtende Erklärung: "Es gibt Hinweise darauf, dass kühles Wasser beim Abnehmen hilft. Wer 1,5 Liter Wasser trinkt, verbrennt zusätzlich bis zu 200 Kilojoule (48 Kilokalorien). Schon 22 Grad kühles Wasser heizt den Energieverbrauch deutlich stärker an als 37 Grad warmes"

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Zur Autorin

  • Frida Rose
    Susanne Schäfer schreibt über Körper, Geist und Gesellschaft. Sie war auf der Deutschen Journalistenschule in München und lebt in Hamburg. Sie findet, dass die Wissenschaft helfen kann, die Fragen des Alltags und des Lebens zu klären.

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