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30.11.2012
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Adventskalender-Alarm

So können Sie trotzdem gesund naschen

Von
dpa

Lebkuchenauswahl: Neben Zucker enthalten manche Plätzchen auch wertvolle Gewürze

Leberschädigendes Cumarin in Zimtsternen, Mineralölreste in Adventskalendern: Zur Weihnachtszeit kursieren allerlei Warnungen vor bestimmten Leckereien. Doch nicht alles, was auf den Tellern landet, muss ungesund sein. Der Überblick.

Berge von Plätzchen, Stollen, Zimtsternen und Spekulatius betteln zur Weihnachtszeit geradezu darum, verspeist zu werden. Als ungesund gilt der adventliche Süßkram aus ganz verschiedenen Gründen: Zuletzt warnte etwa die Stiftung Warentest vor Mineralölresten in Schokolade aus Adventskalendern und erntete prompt Kritik von Schokoladenherstellern. Auch Zimt stand aufgrund seines leberschädigenden Cumaringehalts in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik. Doch Ernährungswissenschaftler halten nichts von genereller Adventspanik - und manche winterliche Nahrungsmittel können die Gesundheit auch positiv beeinflussen.

Und doch ist die Adventszeit voll von tückischen Verführungen: "Was lecker schmeckt, enthält meist viel Zucker und Fett", sagt Claus Leitzmann von der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Das ist vor allem ein Problem, weil viele Menschen sowieso schon übergewichtig sind."

Zucker gelangt rasch ins Blut und begünstigt in zu hohen Mengen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. "Wer sowieso schon gefährdet ist, sollte tatsächlich aufpassen", sagt Leitzmann. Mit regelmäßiger körperlicher Aktivität an der frischen Luft lasse sich den Zuckerschäden zumindest etwas gegensteuern.

Neben Zucker landet während der Weihnachtszeit auch überdurchschnittlich viel Fett auf den Tellern. Ausgerechnet Spekulatius, Lebkuchen, Plätzchen und Stollen, aber auch der Weihnachtsbraten enthalten sehr viel an gesättigten Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel erhöhen können und so zur Last für Herz und Kreislauf werden. Doch wer seine Naschgewohnheiten ein bisschen anpasst, kann sich schützen.

Nüsse, tropische Gewürze und Obst tun dem Körper gut

So sind etwa Trockenfrüchte und Nüsse eine gute Alternative zu Keksen. "Nüsse enthalten viele ungesättigte Fettsäuren und man muss sie lange kauen", sagt Leitzmann. Das fördere die Speichelbildung und sättige. "Man isst schlicht und einfach nicht so viele Nüsse wie Plätzchen."

Mandeln etwa enthalten zudem viel wertvolle Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium und Kalium. Und obwohl ein endgültiger wissenschaftlicher Beweis noch aussteht, deuten Studien darauf hin, dass Nüsse das Risiko für einen Herzinfarkt senken können. Ob allein die Zusammensetzung der Fette für die günstige Wirkung verantwortlich sind, ist noch nicht vollständig geklärt.

Der hohe Anteil gesättigter Fettsäuren im Adventsessen lässt sich auch eindämmen, indem man pflanzliche Öle wie Olivenöl, Leinöl aber auch Walnussöl beim Kochen verwendet. Besonders Leinöl aber auch Walnussöl enthalten Omega-3-Fettsäuren, die sonst vor allem in Fisch vorkommen. Sie eignen sich aber vor allem für Salate und andere kalte Gerichte, da sie nicht zu stark erhitzt werden sollten.

Gleichwohl bringt der Advent einige gesunde Lebensmittel in deutsche Küchen: "Fast alle tropischen Gewürze können die Gesundheit - in Maßen konsumiert - positiv beeinflussen", sagt Leitzmann. Kardamom und Koriander etwa regten die Verdauung und das Herz-Kreislauf-System an. "Manche Menschen reagieren allerdings sehr empfindlich auf die Pflanzenstoffe, merken das dann aber auch schnell", so der Ernährungswissenschaftler. Er ist sich sicher: Jemand, der nach einer Tasse Glühwein Herzrasen bekommt, weil er den darin enthaltenden Kardamom nicht verträgt, lässt freiwillig die Finger von dem Getränk.

Eine weitere beliebte Zutat in Adventstees oder weihnachtlichem Gebäck ist Ingwer. Den Wurzeln des Gewächses wird nachgesagt, den Cholesterinspiegel und Blutdruck zu senken sowie Herz und Immunsystem zu stärken. "Überbewerten darf man die Wirkung der Pflanzeninhaltsstoffe aber auch nicht. Sie können keine Krankheiten heilen, die Gesundheit aber auf lange Sicht positiv beeinflussen."

Das Gleiche gilt für fast sämtliches Obst und Gemüse. Genau wie die erwähnten Gewürze enthält es zahlreiche sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide, die das Sehvermögen unterstützen, vor Schäden durch zu viel Cholesterin schützen und das Immunsystem stärken können. "Wer danach Ausschau hält, findet im Advent auch viel Gesundes", sagt Leitzmann. "Äpfel und Apfelsinen stehen in fast jedem Wohnzimmer, man muss sich nur die Mühe machen, sie zurechtzuschneiden oder zu schälen."

Auf das Maß kommt es an: Vollständig verzichten muss niemand

Was Cumarin angeht, gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Entwarnung: Ein Erwachsener mit 60 Kilogramm Körpergewicht könne etwa 24 kleine Zimtsterne am Tag essen, bis er die empfohlene tägliche Höchstdosis von 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht überschreitet, heißt es in einem Online-Dossier. Mit dieser Vorgabe seien auch empfindliche Personen auf der sicheren Seite. Auch kurzzeitige und leichte Überschreitungen der Dosis hält das BfR für unbedenklich.

Neben Zimtsternen enthalten auch viele andere Adventsleckereien Zimt: So findet sich Cumarin auch in Stollen, Spekulatius, Glühwein oder Kinderpunsch. Trotzdem gibt es einen einfachen Trick, der leberschädigenden Substanz weitgehend aus dem Weg zu gehen: Wer selbst viel und großzügig mit Zimt würzt, kann statt des cumarinhaltigen Cassia-Zimt zu cumarinarmem Ceylon-Zimt greifen.

In den vergangenen Jahren waren auch Lebkuchen wegen hoher Acrylamid-Werte in Verruf geraten. Der Stoff gilt als möglicherweise krebserregend. In maßvollen Mengen sei das Weihnachtsgebäck aber in der Regel absolut unbedenklich, erklärt ein Sprecher des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Braunschweig. Die Acrylamidwerte in Lebkuchen seien in den vergangenen Jahren tendenziell gesunken. "Wir beobachten einen Rückgang seit einigen Jahren."

Für die Zucker- und Fettbomben gilt: Der Körper wird mit einem kurzzeitigen Überschuss an Fetten und Zucker fertig. Entscheidend ist, sich trotz winterlicher Temperaturen möglichst viel zu bewegen und nach Weihnachten wieder zu einem maßvollen Essverhalten zurückzufinden. Wer seinen Körper das ganze Jahr über gut behandelt, dem schaden ein paar Kalorien mehr durch Zucker und Fett um die Weihnachtszeit kaum.

Mit Material von dpa

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insgesamt 29 Beiträge
1.
boerseboettner 30.11.2012
Zumeist ist wohl von einer Zucker- und Fettorgie auszugehen. Bei zahlreichen Bekannten werde ich das Gefühl nicht los, dass es sich hinsichtlich der Ernährung um "Ganzjahresweihnachten" handelt. Adi von Poes hat mit [...]
Zumeist ist wohl von einer Zucker- und Fettorgie auszugehen. Bei zahlreichen Bekannten werde ich das Gefühl nicht los, dass es sich hinsichtlich der Ernährung um "Ganzjahresweihnachten" handelt. Adi von Poes hat mit "Diät? Bloß nicht!" gezeigt, auf welche Weise man dem eigenen Fressterror entkommen kann. Zumindest hat es mir geholfen. Heute weiß ich, dass "Festtage" kein Grund dafür sind sich "FETTBLÖD" zu ernähren.
2. Kein Fett in vielen Plätzchen und Lebkuchen
mrtmed 30.11.2012
Viele Rezepte von Lebkuchen und Plätzchen (v.a. Makronen o.ä.) enthalten keinen Fettzusatz. Dort enthaltenes Fett stammt aus den eingesetzten Nüssen. Insgesamt sind gekaufte Lebkuchen meist sehr fettarm, weisen eine [...]
Viele Rezepte von Lebkuchen und Plätzchen (v.a. Makronen o.ä.) enthalten keinen Fettzusatz. Dort enthaltenes Fett stammt aus den eingesetzten Nüssen. Insgesamt sind gekaufte Lebkuchen meist sehr fettarm, weisen eine vergleichsweise niedrige Energiedichte auf. Es lohnt sich zu differenzieren. Mürbgebäck ist dagegen annähernd immer sehr fett. Stollen kann man entschärfen, wenn man einen Teil der Zucker-Fettschicht wegschabt, bevor man es isst. Der eigentliche Hefeteig ist zwar ein schwerer Hefeteig mit reichlich Butter. Insgesamt ist aber auch dieses Gebäck grundsätzlich sicher noch leichter als eine Vielzahl von Mürbgebäck, Schokotrüffeln o.ä.
3. Leinöl bitte nicht erhitzen
bauchgefuehl 30.11.2012
Leinöl ist ein kaltgpresstes hochwertiges Öl, dass nur in der kalten Küche Verwendung finden. Also nicht wie oben beschrieben, "zum Kochen verwenden". Idealerweise nimmt man ebenso natives Olivenöl nicht zum Braten. Mehr [...]
Leinöl ist ein kaltgpresstes hochwertiges Öl, dass nur in der kalten Küche Verwendung finden. Also nicht wie oben beschrieben, "zum Kochen verwenden". Idealerweise nimmt man ebenso natives Olivenöl nicht zum Braten. Mehr empfiehlt sich Rapsöl oder Sonnenblumenöl zum Braten.
4. Der Mythos vom gesättigten Fett...
cckone 30.11.2012
hält sich wie immer hartnäckig.. Es ist viel schädlicher Walnussöl und Leinöl zum KOCHEN zu empfehlen. Diese empfindlichen Öle dürfen nur für die kalte Küche verwendet werden, da sich sonst sehr ungesunde Oxidationsprodukte und [...]
hält sich wie immer hartnäckig.. Es ist viel schädlicher Walnussöl und Leinöl zum KOCHEN zu empfehlen. Diese empfindlichen Öle dürfen nur für die kalte Küche verwendet werden, da sich sonst sehr ungesunde Oxidationsprodukte und freie Radikale bilden! Gilt übrigens auch für Sonnenblumenöl.. Kann sehr das Buch "Mehr Fett" empfehlen für wer's genauer wissen will. Aufpassen sollte man aber wirklich beim Zucker - übermäßiger Zucker macht fett (und nicht nur übermäßiges Fett), raubt dem Körper Nährstoffe (Stichwort "negative Kalorien"), bringt den Blutzucker durcheinander, und stört massiv die Darmflora, wodurch sich schlechte Bakterien, Pilze etc. viel leichter breit machen können. Wer viel Zucker isst, hat auch weniger Platz für Gemüse, hochwertiges Eiweiß etc. Gilt übrigens auch für übertriebenen Obstkonsum, wobei die Obst/Nusskombi sicher schonmal besser ist, als anderer Süßkram. Das gesagt, in Maßen ist natürlich alles auch ok :).
5. gewachste Früchte
AZ1 30.11.2012
Was ist eigentlich mit dem Wachs, das beim Schälen von der Orange rieselt und kaum vermeidbar an und in das Essen gelangt? Ist das auch mit mineralölhaltiger Farbe "verseucht"?
Was ist eigentlich mit dem Wachs, das beim Schälen von der Orange rieselt und kaum vermeidbar an und in das Essen gelangt? Ist das auch mit mineralölhaltiger Farbe "verseucht"?

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Zur Autorin

  • Julia Merlot studierte Wissenschaftsjournalismus und begeistert sich für Themen rund um Mensch und Tier. Sie ist Redakteurin im Ressort Wissenschaft von SPIEGEL ONLINE.

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