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Gesundheit

DGE-Ernährungsbericht 2012

So isst Deutschland

Die Deutschen essen mehr Gemüse, aber weniger Obst und insgesamt zu viel Fleisch - das hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihrem Ernährungsbericht 2012 herausgefunden. Die Forscher untersuchten vor allem die Bedürfnisse der Senioren in einer alternden Gesellschaft.

Corbis

Obststand: Die Deutschen könnten häufiger zu Früchten greifen, findet die DGE

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Freitag, 14.12.2012   17:57 Uhr

Ein erfreulicher Anstieg beim Verbrauch von Gemüse, betrüblich der Rückgang beim Obstverbrauch und nach wie vor zu viel Fleisch auf deutschen Tellern - so lässt sich das Ergebnis des Ernährungsberichts 2012 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) knapp zusammenfassen.

Zum zwölften Mal haben die Bonner Wissenschaftler in ihrem am Freitag in Berlin vorgestellten Bericht untersucht, wie sich die Ernährung der Deutschen wandelt. Gezielt erforschte die DGE die Situation pflegebedürftiger Senioren in Privathaushalten und von Kunden unterschiedlicher "Essen auf Rädern"-Dienste. Der Blick darauf, wie ältere Menschen essen und trinken, ist in einer alternden Gesellschaft wie der deutschen besonders spannend.

Pflegebedürftigen Senioren droht Mangelernährung

Bei insgesamt 353 pflegebedürftigen Rentnern fragten die DGE-Forscher nach der Ernährung und bestimmten den Body-Mass-Index (BMI), der durchschnittlich höher lag als bei Pflegeheimbewohnern in einer vorangegangenen Studie. Wie der Rest der Bevölkerung auch, essen die Senioren aus DGE-Sicht zu viel Fleisch und Wurst und zu wenig Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Fisch. Nach den Studienprotokollen nahmen die Befragten dagegen nicht übermäßig viele Kalorien zu sich. Der Großteil erhält über die Ernährung ausreichend Vitamine und Mineralstoffe - problematisch ist allerdings die Vitamin-D-Versorgung der Senioren. Gerade die kann im Alter wichtig sein, weil Vitamin D und Kalzium für die Knochenstabilität wichtig sind.

Beschwerden hatten viele der Befragten vor allem beim Kauen und Schlucken - aus DGE-Sicht drohen dadurch Mangelernährung und einseitige Ernährung. Sorge bereitet auch das nachlassende Durstgefühl vieler Studienteilnehmer, wobei nur drei Prozent angaben, häufig weniger als einen halben Liter Flüssigkeit täglich zu trinken. Die Probleme waren erwartungsgemäß bei demenzkranken Studienteilnehmern ausgeprägter. Knapp die Hälfte der befragten Rentner (47 Prozent) nahm zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel ein - vor allem Vitamin D, Kalzium und Magnesium.

Die befragten pflegebedürftigen Rentner waren vor allem Frauen (64 Prozent), überwiegend in der Pflegestufe I (59 Prozent) eingruppiert. Der Großteil der Senioren war körperlich stark eingeschränkt. Mehr als die Hälfte der Befragten konnte nicht mehr ohne Hilfe 50 Meter gehen. Diese Schwierigkeiten könnten sich natürlich auch auf die Ernährung niederschlagen, allein schon weil nur ein kleiner Teil der Studienteilnehmer noch allein einkaufen kann.

"Essen auf Rädern" ist besser als sein Ruf

Die DGE schätzt die Zahl der Kunden unterschiedlicher Mahlzeitendienste wie "Essen auf Rädern" auf etwa 325.000. Mit der Ernährungsstudie gibt es jetzt erstmals eine bundesweite Studie zu dem Service, die Forscher befragten 844 Anbieter und 205 Kunden. "Die Zufriedenheit der Kunden mit der Dienstleistung und dem Mahlzeitenangebot ist groß", sagt Ulrike Arens Azevêdo von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die das Forschungsprojekt leitete. Zwei Drittel der befragten Kunden sind mit dem Service sehr zufrieden.

Problematisch finden die Forscher allerdings, dass mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der größtenteils gemeinnützigen Anbieter den Gesundheitszustand ihrer Kunden nur teilweise kennen, 40 Prozent wissen nichts über die Pflegestufe der Belieferten. Dabei wären das durchaus wichtige Informationen: Bei manchen Krankheiten kann eine zielgerichtete Ernährung zum Wohlbefinden der Patienten beitragen. Und zum Beispiel bei Schluckbeschwerden wäre es entscheidend, dass der Lieferservice genau über den Gesundheitszustand seines Kunden Bescheid weiß.

Verbesserungswürdig findet die DGE nicht nur die Warmhaltezeiten bei "Essen auf Rädern": Ab drei Stunden leiden neben Aussehen und Geschmack auch der Vitamingehalt der Speisen. Zudem bietet knapp ein Drittel der Anbieter seinen Kunden nie Salat oder Rohkost, bei mehr als der Hälfte gibt es nicht täglich ein vegetarisches Gericht zur Auswahl und praktisch alle Anbieter liefern zu häufig Fleisch aus.

Gesamtbevölkerung: Zu viel Fleisch, zu wenig Pflanzliches

In der Gesamtbevölkerung setzten sich aus Sicht der DGE seit Jahren bestehende Trends fort: Die Deutschen essen zu wenig pflanzliche und zu viele tierische Produkte, verglichen mit den Empfehlungen der Ernährungswissenschaftler. Die DGE rät beispielsweise, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, um ausreichend Ballaststoffe zu sich zu nehmen.

Dabei könnten mehr Gemüse, Obst und Vollkornprodukte das Risiko für Übergewicht, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Darmkrebs senken, so die DGE. Besonders die hohe Fettzufuhr durch Fleisch und panierte oder mit Soßen gegessene Fleischprodukte erhöhe das Risiko zum Beispiel für Dickdarmkrebs.

Während die Deutschen immer weniger Alkohol trinken, löschen sie ihren Durst zunehmend mit Mineralwasser. Das entspricht den Empfehlungen von Ernährungswissenschaftlern: Statt mit kalorienreichen Limonaden sollten besonders Kinder und Jugendliche Wasser trinken.

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Zum Autor

  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.
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