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20.12.2012
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Achilles' Ferse

So spektakulär war das Läufer-Jahr 2012

AFP

Lauf-Highlight 2012: Oscar Pistorius bei den Olympischen Sommerspielen in London

Olympische Spiele in London, Wüstenrennen "4 Deserts", in sieben Tagen um die Welt: Aus Läufersicht war 2012 ein spektakuläres Jahr. Die Redaktion von achim-achilles.de würdigt zehn Menschen, die außergewöhnliche Leistungen vollbracht haben - und für bewegende Lauf-Momente gesorgt haben.

Run the World - In sieben Tagen die Welt umlaufen

Andrew Murray ist verrückt. Anders ist nicht zu erklären, wie der Schotte auf die Idee gekommen ist, an sieben Tagen, sieben Ultramarathons auf allen sieben Kontinenten zu laufen. Seine Stationen: Antarktis, Chile, Atlanta, Kairo, London, Dubai, Sydney. Doch der 32-Jährige weiß, was er sich zumuten kann, er ist Arzt. Mit dieser Aktion wollte er zeigen, wozu der menschliche Körper in der Lage ist. Am Ende gab es zwei Überraschungen: Murray war schneller als gedacht und braucht keine sechs Tage. Und er hat weniger geschlafen als ihm lieb war, nur zehn Stunden in rund einer Woche.

Silbermedaille nach Attentat

2008 schossen Gang-Mitglieder Bryshon Nellum in die Beine. Der US- Nachwuchssprinter überlebte das Attentat, das nicht ihm galt. Die Täter hatten ihn verwechselt. Der damals 19-Jährige kam nach jahrelanger Reha wieder auf die Beine. Er würde aber nie wieder auf sportlich hohem Niveau Wettkämpfe laufen können, sagten seine Ärzte. Er pfiff auf die Diagnose, trainierte wie ein Besessener und biss sich durch. In diesem Sommer gewann er mit der 400-Meter-US-Staffel Silber bei den Olympischen Spielen. Inspirierend.

Rennen mit gebrochenem Wadenbein

Das amerikanische Team der 400-Meter-Staffel hatte neben Bryshon Nellum noch eine weitere unglaubliche Geschichte zu bieten. US-Läufer Manteo Mitchell hörte bei seiner Runde im Halbfinale plötzlich einen lauten Knall in seinem linken Bein - und lief weiter. "Es fühlte sich an, als hätte jemand mein Bein in zwei Teile zerteilt", sagte der 25-Jährige hinterher. Er lag gar nicht so falsch. Wie sich später herausstellte, rannte Mitchell die letzten 200 Meter mit einem gebrochenen Wadenbein. Die Stabübergabe klappte dennoch, das US-Team kam ins Finale und wurde Zweiter.

Von Pol zu Pol

Noch so ein Laufverrückter: Pat Farmer verkaufte sogar sein Haus, um seinen Traum zu verwirklichen. Der Australier lief als erster Mensch vom Nord- bis zum Südpol, unglaubliche 21.000 Kilometer weit. Neun Monate lang absolvierte er jeden Tag zwei Marathons, lief durch 14 Länder, trotzte Polarwinden, Hitzewellen und Überschwemmungen. Alles, um mehr Aufmerksamkeit für sauberes Trinkwasser zu gewinnen. Sein Fazit am Ende des vermeintlich "größten Lauf der Menschheitsgeschichte"? "Die Erfahrungen haben mich zu einem besseren Menschen gemacht." Zurzeit läuft er 3000 Kilometer durch Vietnam.

Marathon mit 101 Jahren

Fauja Singh ist der wohl älteste Marathonläufer der Welt. Der am 1. April 1911 in Indien geborene Wahlbrite meisterte im vergangenen Jahr als erster Hundertjähriger eine Marathonstrecke - wenn auch mehr gehend als laufend. Zu einem Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde reichte es aber nicht - er konnte keine gültige Geburtsurkunde vorlegen. Singh ist es egal, er läuft einfach weiter Marathon, bereist die Welt und lässt sich feiern. "Das Laufen hält mich am Leben" , sagt er. Eins beweist Singh mit Sicherheit: Es kommt nicht auf Tempo und erst recht nicht aufs Alter an. Seine Biografie heißt "Turbaned Tornado".

Blade Runner gegen Rennpferd

Bei den Olympischen Sommerspielen in London ist ein Traum für Oscar Pistorius in Erfüllung gegangen. Er durfte im 400-Meter-Rennen der Männer antreten - als erster Sportler mit Prothesen. Pistorius hat keine Unterschenkel und trägt Laufhilfen unterhalb der Knie. Seine Schnelligkeit brachte ihm den Namen Blade Runner ein. Der Südafrikaner schaffte es zwar nicht ins Einzelfinale, inspirierte, beeindruckte und verunsicherte die Sportwelt gleichermaßen mit seiner Teilnahme. Mitte Dezember trat er gegen ein Rennpferd an - und gewann den Show-Wettlauf über 200 Meter.

Er läuft und läuft und läuft

Wo immer Ed Whitlock auftaucht, fällt er auf. Denn der 81-Jährige läuft Marathon in einer Weise, die so manchen Durchschnittsläufer fast empört: Er ist unglaublich schnell und überholt die meisten seiner viel jüngeren Mitstreiter. Mit 73 lief er einen Marathon unter drei Stunden - das hat noch nie jemand vor ihm geschafft. Er läuft immer noch Zeiten, von denen andere ambitionierte Langstreckenläufer nur träumen. Seit Jahren stellt der Kanadier Weltrekord um Weltrekord auf. Interessant ist auch seine Trainingsstrecke: Whitlock läuft jeden Tag um einen Friedhof.

Iron Kelly gegen den Rest der Welt

Einer, der weiß, wie man Rekorde aufstellt, ist der Ex-Barde Joey Kelly. Ständig stellt er sich neuen Herausforderungen. Er absolvierte schon mehere Ironman, lief durch Wüsten und durchquerte Deutschland zu Fuß und aß nur, was er am Wegesrand fand. Sein 24-Stunden-Unterwasserlauf vergangenen Jahr fand mediale Beachtung und in diesem Jahr gewann er den Wettlauf gegen eine Rolltreppe. Mehr als 50.000 Stufen und rund 12.000 Höhenmeter legte er zurück. Unglaublich, dieser Kelly.

Rekordjäger mit 75 Jahren

Klemens Wittig, Jahrgang 1937, hat allein in diesem Jahr dreizehn nationale und internationale Rekorde in seiner Altersklasse M 75 aufgestellt. Er ist der deutsche Ed Whitlock. Bei den Senioren-Europameisterschaften gewann er fünf Goldmedaillen. Seine Marathonzeit von 3:17:37 Stunden bedeutet Europarekord und lässt viele Hobbyläufer vor Neid erblassen. Der 75-Jährige aus Dortmund läuft jede Woche 90 Kilometer und hat ganz einfache Regeln für seine Fitness: in Bewegung bleiben.

Die schnellste Wüstenläuferin aller Zeiten

Anne-Marie Flammersfeld ist die erste Frau der Welt, die alle Rennen des "Racing the Planet - 4 Deserts" in einem Jahr gewinnen konnte. Die 34-jährige Deutsche unterbot dabei alle bisher erreichten Bestzeiten. In dem Vier-Wüsten-Rennen müssen die Läufer jeweils 250 Kilometer in den Wüsten von Atacama, Gobi, Sahara und der Antarktis zurücklegen. Sie lief vor den Pyramiden von Giza und musste beim Laufen in der Antarktis Pinguine passieren lassen. Die Vorbereitung für diese Extremleistung fiel zum Teil weniger spektakulär aus: Zum Hitzetraining ging es auf den Stepper in der Sauna.

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insgesamt 3 Beiträge
1. Regelmäßiges Lauftraing
huebnerdoc 20.12.2012
ist recht und schön. Laufexzesse, wie im Artikel beschrieben, halte ich nicht für im positiven Sinne erstrebens- und auch nicht erwähnenswert. Für mich sind solche Extremläufer irgenwie bedauernwert, weil so bei alleiniger [...]
ist recht und schön. Laufexzesse, wie im Artikel beschrieben, halte ich nicht für im positiven Sinne erstrebens- und auch nicht erwähnenswert. Für mich sind solche Extremläufer irgenwie bedauernwert, weil so bei alleiniger Konzentration auf das Laufen so viele andere schöne und wichtigere Seiten ihres Lebens zwangsläufig verpassen müssen. Versuchen diese Etxremläufer vielleicht vor sich selbst und ihrer inneren Leere davon zu laufen?
2.
joker68 20.12.2012
Wenn man selber keine Ziele hat kritisiere ich die der anderen. Ich finde alle beschriebenen Leistungen sehr beeindruckend. Vor 15 Jahren fand ich alle Marathonläufer seltsam. Mittlerweile bin ich selber über 10 gelaufen und kann [...]
Wenn man selber keine Ziele hat kritisiere ich die der anderen. Ich finde alle beschriebenen Leistungen sehr beeindruckend. Vor 15 Jahren fand ich alle Marathonläufer seltsam. Mittlerweile bin ich selber über 10 gelaufen und kann diesen Sport jeden empfehlen. Es reichen auch 5 Kilometer
3.
chappellchalifour 21.12.2012
Dies ist sehr informativ und schönen Artikel, ich war Suche auch besten Service beschrieben, wunderschön. http://raumharmonisierung.ch/
Dies ist sehr informativ und schönen Artikel, ich war Suche auch besten Service beschrieben, wunderschön. http://raumharmonisierung.ch/

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  • Beatrice Behrens
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.

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