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22.12.2012
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Ess-Marathon an Weihnachten

So schlemmt man ohne Reue

Von
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Szenenbild aus dem Film "Das große Fressen": Verbote an Weihnachten sind überflüssig

Braten! Knödel! Plätzchen! Dominosteine! Nach drei Tagen hemmungsloser Völlerei wird bei vielen Weihnachtsschleckermäulern die Waage zum Feind. Doch wer ein paar Tricks beherzigt, schlemmt ohne Reue.

Verbote an Weihnachten sind so überflüssig wie Partys ohne Gäste. Doch wer sich den Plätzchenbergen, dem Gänsebraten und den vielen anderen Versuchungen während der Feiertage einfach hingibt, kann in dieser Zeit je nach Konstitution zwei bis drei Kilo zulegen.

Der Ernährungsmediziner Stephan Bischoff von der Uni Hohenheim rät: "Schlagen Sie über die Stränge, aber stellen Sie sich einen Tag vor den Feiertagen und eine Woche danach auf die Waage." Die Kontrolle sei wichtig, damit das Gewicht nicht aus dem Ruder läuft. Wer sich nach dem großen Schlemmen einen Reduktionstag ohne Fleisch und Fett, dafür aber mit Obst und Gemüse verordne, habe das Kalorienkarussell durchbrochen - sofern er anschließend wieder auf ein normales Maß zurückfindet. Dann verschwinden die Kilos bei ausreichender Bewegung mit der Zeit von alleine.

"Es ist viel leichter, das Gewicht zu halten, als nach unachtsamen Tagen wieder abzunehmen", sagt dagegen Hans Hauner vom Kompetenznetz Adipositas der Technischen Universität München (TUM). 7000 bis 8000 Kilokalorien Überschuss braucht es dem Experten zufolge, bis man ein Kilo reine Fettmasse auf den Rippen hat. Das exzessive Essen macht nicht einmal Spaß: "Wer zu viel futtert, ist körperlich oder muskulär kaum belastbar, weil das Blutvolumen im Magen-Darm-Trakt für die Verdauung benötigt wird. Das macht müde."

Der Körper ist auf Konstanz aus, erst wenn er über mehrere Wochen an eine erhöhte Kalorienzufuhr gewöhnt wird, fordert er das ein. Wer während der Feiertage täglich zwei Stunden spazieren geht, muss sich weder über die Verdauung noch über das Hüftgold sorgen. Pro Stunde Spaziergang werden 200 bis 300 Kilokalorien verbrannt. Einigen Studien zufolge zügelt Sport sogar den Appetit, anstatt ihn anzuheizen. Verantwortlich für diesen Effekt könnte das Protein Brain-derived Neurotropic Faktor (BDNF) sein.

Mindestens drei Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten sollten es sein

Aus einem Couch-Potatoe wird auch zu Weihnachten kein Extremsportler. Aber auch sie können Kalorien sparen - etwa beim Halbieren des Frühstücks oder des Mittagessens. Den Tag über zu fasten und dafür abends zuzuschlagen, davon rät Stephan Bischoff ab. "Dann kommt das Hungerloch, der Mensch wird zügellos." Besser sei es, tagsüber leichte Kost zu verzehren. Außerdem sind Pausen zwischen den Mahlzeiten von mindestens drei Stunden wichtig: So gibt man dem Körper Zeit, mit der Gans oder der Torte fertig zu werden, "und ermöglicht, dass man den Hunger und die Sättigung wieder spürt", sagt Bischoff.

Forscher bezeichnen das Essen über den Sättigungsgrad hinaus als hedonistischen Hunger: Das Speisen dient dann nicht mehr dem Decken des Kalorienbedarfs, sondern dem Stillen der Lust. "Jeder ist verführbar", sagt Bischoff. Bei Gesunden habe der Organismus eine Fressbremse eingerichtet. "Sie überessen sich auch, aber nicht so exzessiv." Erbsenzähler sind dem Ernährungsmediziner dagegen suspekt. "Wer sich zu sehr kontrolliert, ist meist auch in anderen Lebensbereichen ziemlich verklemmt."

Fallen lauern dennoch überall. Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt eine: "Süßigkeiten sollten nicht den ganzen Tag auf dem Tisch stehen, das vermeidet unkontrolliertes Naschen", sagt sie. Jeder Griff auf den Plätzchenteller lässt den Blutzuckerspiegel ansteigen und genauso schnell wieder absinken. "Kurze Zeit später haben Sie wieder Hunger, obwohl das Kalorienkonto womöglich überschritten ist." Zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr dürfen der Ernährungsexpertin zufolge über zusätzlichen Zucker wie zum Beispiel Süßigkeiten aufgenommen werden. Gahl rät zudem, vor jedem Essen ein Glas Wasser zu trinken.

Langsam essen und viel Wasser trinken

Forscher der Virginia Tech in Blacksburg (USA) fanden heraus, dass das Trinken von einem halben Liter Wasser vor dem Essen die Kalorienzufuhr um circa 75 Kilokalorien reduziert. Hiesige Wissenschaftler sind jedoch uneins über den Effekt. "Sinnvoller wäre, als ersten Gang eine Suppe zu essen, das füllt den Magen besser", sagt Hans Hauner von der TUM. Besonders wichtig ist, langsam zu essen. "Erst 15 bis 20 Minuten nach dem Beginn der Mahlzeit tritt das Sättigungsgefühl ein", sagt Antje Gahl. Stress sei der wichtigste Dickmacher - und neben fettem Essen ein Garant für Sodbrennen. Rebelliert der Magen, können der Ernährungsexpertin zufolge Pfefferminz, Fenchel, Anis, Ingwer oder Kümmel, als Tee genossen, entlastend wirken. Vom Verdauungsschnaps hält sie dagegen nichts. "Der bringt nur noch mehr Kalorien."

Ein Erwachsener nimmt pro Tag etwa 2000 Kilokalorien zu sich. Ein Glas Wein, zur Gans genossen, ist mit 200 Kilokalorien bereits ein stattlicher Kalorienträger. Auf die Magenschleimhaut hat der Alkohol eine leicht betäubende Wirkung, was oft als positiver Verdauungseffekt empfunden wird. "Stattdessen wird der Alkohol zuerst verarbeitet, das Essen bleibt länger im Magen", sagt Bischoff. Und schlimmer noch: Alkohol macht hungrig. "Deshalb nascht man im Laufe eines Abends stets vor sich hin. Oft kommen mit Chips und Nüssen mehr Kalorien zusammen als mit dem Hauptgang."

Gedankliches Wiederkäuen des Festmahls könnte einer Studie der Carnegie-Mellon-Universität aus Pittsburgh zufolge übrigens helfen, sich am Tag nach der Entgleisung am Riemen zu reißen. Die Wissenschaftler prüften an 80 Probanden, wie sich wiederholtes Denken an ein Lebensmittel auf den Verzehr desselben auswirkt. Eine Gruppe sollte dafür imaginär 33 Schokolinsen verspeisen. Die andere Gruppe stellte sich vor, 33 Münzen in einen Waschautomaten zu werfen. Anschließend boten die Forscher allen Teilnehmern die Süßigkeiten an. Das Ergebnis: Wer gedanklich bereits gesündigt hatte, griff deutlich weniger zu.

Forum

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insgesamt 10 Beiträge
1.
CobCom 22.12.2012
Doch Hauner, das macht Spaß! Schade, wenn man nicht kochen kann...
Zitat von sysopddp imagesBraten! Knödel! Plätzchen! Dominosteine! Nach drei Tagen hemmungsloser Völlerei wird bei vielen Weihnachts-Schleckermäulern die Waage zum Feind. Doch wer ein paar Tricks beherzigt, schlemmt ohne Reue. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/weihnachten-tipps-zum-schlemmen-ohne-reue-a-873932.html
Doch Hauner, das macht Spaß! Schade, wenn man nicht kochen kann...
2.
boeseHelene 22.12.2012
und der nächste Artikel der in die selbe Kerbe schlägt, ob man an Weihnachten nun träge sein möchte oder nicht soll doch bitte jedem selber überlassen werden. Und jemand meint er müsse so viel essen bis ihm schlecht [...]
Zitat von sysopddp imagesBraten! Knödel! Plätzchen! Dominosteine! Nach drei Tagen hemmungsloser Völlerei wird bei vielen Weihnachts-Schleckermäulern die Waage zum Feind. Doch wer ein paar Tricks beherzigt, schlemmt ohne Reue. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/weihnachten-tipps-zum-schlemmen-ohne-reue-a-873932.html
und der nächste Artikel der in die selbe Kerbe schlägt, ob man an Weihnachten nun träge sein möchte oder nicht soll doch bitte jedem selber überlassen werden. Und jemand meint er müsse so viel essen bis ihm schlecht wird ist das doch sein Ding. Nur weil ein paar Leute sich jeden Leckerbissen entweder vom Mund absparen oder es sich verkneifen muss, dass doch nicht für alle Menschen gelten.
3. *kopfschüttel*
ohjeee 22.12.2012
nur mal ein paar Anmerkungen: ---Zitat von Artikel--- Wer sich nach dem großen Schlemmen einen Reduktionstag ohne Fleisch und Fett, dafür aber mit Obst und Gemüse verordne, habe das Kalorienkarussell durchbrochen [...]
nur mal ein paar Anmerkungen: ---Zitat von Artikel--- Wer sich nach dem großen Schlemmen einen Reduktionstag ohne Fleisch und Fett, dafür aber mit Obst und Gemüse verordne, habe das Kalorienkarussell durchbrochen ---Zitatende--- Warum ohne Fleisch und ohne Fett? Wer behauptet denn so einen Mist? Mit welcher Begründung kommt die Aussage zustande? Wer sagt denn, dass ich mit Fleisch keine negative Kalorienbilanz erreichen kann? ---Zitat von Artikel--- Wer während der Feiertage täglich zwei Stunden spazieren geht, muss sich weder über die Verdauung noch über das Hüftgold sorgen. Pro Stunde Spaziergang werden 200 bis 300 Kilokalorien verbrannt. ---Zitatende--- hahaha... das sind gerade einmal 100gr. Süßigkeiten, Schokolade,... Aber klar, 2h spazieren gehen und ich kann in mich reinstopfen was geht... ---Zitat von Artikel--- Forscher der Virginia Tech in Blacksburry (USA) fanden heraus, dass das Trinken von einem halben Liter Wasser vor dem Essen die Kalorienzufuhr um circa 75 Kilokalorien reduziert. ---Zitatende--- Wow. Satte 75 kcal. Je nachdem was man isst, entspricht das in etwa 20gr. Schokolade / Pizza,... Also ein großer Happen. ---Zitat von Artikel--- "Sinnvoller wäre, als ersten Gang eine Suppe zu essen, das füllt den Magen besser" ---Zitatende--- Weil Suppen zumeist fettig sind. Toller Ratschlag, nen halben Liter Wasser mit ner fettigen und somit kalorienreichen Suppe zu ersetzen. Da lohnt sich doch die 75kcal-Einsparung. ---Zitat von Artikel--- "Stattdessen wird der Alkohol zuerst verarbeitet, das Essen bleibt länger im Magen", sagt Bischoff ---Zitatende--- Ist doch nett, dann ist man länger satt ;-) Alkohol hemmt vor allem den Fettstoffwechsel. ---Zitat von Artikel--- Ein Erwachsener nimmt pro Tag etwa 2000 Kilokalorien zu sich. ---Zitatende--- Wer zum Henker hat bitte diese Zahl erfunden? 2.000 kcal entsprechen allenfalls dem Gesamtenergiebedarf einer (leichten) Frau. Ein 83kg schwerer Mensch hat alleine schon einen Grundumsatz von 2.000 kcal täglich um die Körpertemperatur zu halten. Und da hat man noch keinen einzigen Schritt gemacht. Hier kommen 3.000 kcal Gesamtenergiebedarf pro Tag deutlich eher hin!
4. Übergewicht
Dr. Süß 23.12.2012
Solange bis zu 50% der Deutschen mit Übergewicht zu kämpfen haben, sind die Ratschläge berechtigt - hedonistischer Hunger ist sicher eines der Probleme. Man isst viel, weil es schmeckt (und nicht weil es essentiell fürs [...]
Solange bis zu 50% der Deutschen mit Übergewicht zu kämpfen haben, sind die Ratschläge berechtigt - hedonistischer Hunger ist sicher eines der Probleme. Man isst viel, weil es schmeckt (und nicht weil es essentiell fürs Überleben ist, führt wohl bei vielen der oben erwähnten 50% zu Übergewicht ).
5. SattFasten...
shirtie 23.12.2012
...wäre auch eine Lösung: Aber was hier, kurz vor dem Zusammentreffen von Familienmitgliedern und Nahrungsmitteln en gros im Schatten des Weihnachtsbaumes vorgeschlagen wird, hätte eine bessere und längere Vorbereitung [...]
...wäre auch eine Lösung: Aber was hier, kurz vor dem Zusammentreffen von Familienmitgliedern und Nahrungsmitteln en gros im Schatten des Weihnachtsbaumes vorgeschlagen wird, hätte eine bessere und längere Vorbereitung verdient. Zum Beispiel das Bewusstsein für hochwertige Lebensmittel (dabei vor allem guter Fette) - aber so etwas schafft kein Artikel einen Tag vor dem Ess-Marathon. Ein wenig mehr als journalistische Pflichterfüllung wäre gut gewesen. Oder überschlagen sich in den alljährlichen Weihnachtskonferenzen die immer gleichen Ideen, wie bei allen anderen Medien? Bei der noch jungen Ernährungs-Methode "SattFasten" (sattfasten.de) hatten wir den Vorteil der ersten Weihnacht - entsprechend kreativ ging es da zur Sache (inklusive Jahreswechsel). Aber dieses Thema kommt ja "alle Jahre wieder..."

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Zur Autorin

  • Christine Pander ist Ethnologin und freiberufliche Wissenschaftsjournalistin. Am liebsten schreibt sie über Themen, die das Leben leichter machen.

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