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29.12.2012
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Trendsport Boxen

Das perfekte Ganzkörpertraining

Foto: SPIEGEL ONLINE

2013 wollen Sie mehr Sport treiben? Doch die Laufrunde im Park finden Sie öde? Probieren Sie doch mal einen anderen Funsport aus, zum Beispiel Boxen. Ein Sport, der oft unterschätzt wird, denn es geht nicht nur um Kloppen und Prügeln. Boxer schulen auch ihre Konzentration, Kondition und Koordination.

Wie funktioniert das Prinzip?

Boxen ist eine traditionsreiche Kampfsportart, bei der sich zwei Menschen nur mit ihren Fäusten auseinandersetzen. Das Kräftemessen unterliegt strikten Regeln. Die beiden Kontrahenten tragen Handschuhe und müssen der selben Gewichtsklasse angehören. Boxen meint nicht: raufen, hauen, kloppen, prügeln.

Wie sind die Regeln?

Boxer dürfen sich nur eingeschränkt wehtun. Lediglich die Vorderseite des Körpers, von Kopf über die Arme bis zur Gürtellinie, darf getroffen werden. Vor allem Schläge unter die Gürtellinie sind tabu und werden als Foul geahndet. Auch ist es Boxern nur erlaubt, mit der Vorderseite der Fäuste zu schlagen, bei Amateuren ist die gültige Schlagfläche der Handschuhe weiß gekennzeichnet. Wichtig beim Mann-gegen-Mann-Kampf ist das Fairplay. Man schlägt nicht mehr, wenn der Gegner den Boden berührt. Vor dem Kampf und der Urteilsverkündung geben sich beide Kontrahenten die Hand. Nach dem Fight gehen die Boxer in die Ecke des anderen, wo Trainer und Betreuer stehen, und verabschieden sich ordnungsgemäß.

Warum sollte ich boxen?

"Boxen ist die schönste Sportart der Welt", findet Egon Omsen, 57, Landestrainer Nachwuchs im Berliner Box-Verband. "Weil es sämtliche Muskelgruppen beansprucht und fit hält." Laien unterschätzen die Sportart gerne und tun sie schnell als dumpfes Aufeinanderprügeln ab. Dabei ist Boxen ein kompletter Sport, der Körper und Geist fordert und fördert. "70 Prozent findet über den Kopf statt, nur 30 Prozent über die Physis", schätzt Omsen. Man müsse die Ruhe bewahren, dürfe nicht in Hektik verfallen. Und auf gar keinen Fall sollte man mit Wut im Bauch boxen. Wer mit dem Kopf durch die Wand will, steckt oft schwere Treffer ein. "Dann passieren die meisten Fehler", sagt Omsen. Boxtraining stärkt den Körper, macht stark, schnell und fit. Es schult Konzentration, Kondition und Koordination. Es ist das perfekte Ganzkörpertraining.

Kann das jeder?

Boxen ist nicht nur für Männer, auch Kinder und Frauen können die Boxtechniken erlernen. Aber ob sich jeder in den erforderlichen Fitnesszustand für einen Wettkampf bringen kann, ist fraglich. "Man braucht sicher mindestens ein bis eineinhalb Jahre, bis man zum ersten Mal in den Ring steigt", sagt Boxtrainer Omsen. "Niemals würde ich zwei Anfänger ohne die richtige Vorbereitung aufeinander loslassen." Durchhaltevermögen und eine starke Psyche seien enorm wichtig. "Boxen ist eine Lebensschule. Es lehrt dich Selbstvertrauen, Disziplin, Demut, Siegeswillen. Du lernst, ein Ziel zu haben, dranzubleiben, wiederaufzustehen und keine Angst zu haben." Gerade die Wettkampfsituation ist eine Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten, Schwächen und Stärken. Man kämpft immer auch gegen sich selbst.

Risiken und Nebenwirkungen?

Eins ist klar: Wer bei Nasenbluten schon in Ohnmacht fällt, ist beim Boxen falsch. Das passiert. Auch ein blaues Auge kommt schon mal vor - Veilchen passieren im Übrigen meist, wenn die Köpfe aneinanderrasseln und weniger, weil der Gegner aufs Auge haut. Kopfschutz und Handschuhe sollen den Boxer vor schwerwiegenden Verletzungen schützen. Und obwohl das Wettkampfboxen weniger brutal ist, als viele denken - ein Sport für Weicheier ist es dennoch nicht. Allein das Training, selbst ohne Sparring, ist knochenhart. Wer das langfristig durchhält, der darf in den Ring. So sieht's aus.

Die schwerste Übung?

Den anderen zu treffen, ohne selbst Treffer zu kassieren.

Was kostet das?

Wer nur das boxspezifische Kraft- und Ausdauertraining ohne Sparring mitmacht, braucht nur normale Sportkleidung. Wer wirklich boxen möchte, muss auch nur wenig Geld investieren. Mitgliedschaften in Boxvereinen sind meist für günstige 8 bis 10 Euro im Monat möglich. Die meisten Vereine stellen Handschuhe und Kopfschutz. Bandagen und Mundschutz kosten rund 20 Euro. Einfache Trainingshandschuhe sind schon ab 30 Euro zu haben.

Peinlichkeitsfaktor?

"Peinlich wäre mir nur, wenn mir im Ring das Hosengummi reißt und die Shorts runterrutscht", sagt Egon Omsen lachend. Ansonsten ist Boxen extrem unpeinlich. Nicht jeder liebt den Sport, aber alle respektieren die sportliche Leistung und die außergewöhnliche Fitness der Ausübenden. Boxer sind einfach verdammt durchtrainiert.

In den nächsten Tagen stellt Achim Achilles weitere Sportarten vor:

Sonntag, 30. Dezember: Achims Rocky-Laufzirkel

Montag, 31. Dezember: Achim lernt Kraulen

Dienstag, 1. Januar: Berglauf geht auch in Berlin

Mittwoch, 2. Januar: Die unendliche Crossfit-Minute

Donnerstag, 3. Januar: Kraft tanken und entspannen mit Qi Gong

Bereits erschienen:

Cyclocross : Wenn Biker sich im Dreck suhlen

Text von Frank Joung

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
1.
walter_e._kurtz 29.12.2012
Kann ich so unterschreiben! Nachdem ich als Langstreckler auf der Suche nach Trainingsalternativen mal einige Stunden mit einem Tea-kwon-do Lehrer verbracht hatte und wir nur Übungen mit den Fäusten (Beinarbeit ja, aber [...]
Zitat von sysop2013 wollen Sie mehr Sport treiben? Doch die Laufrunde im Park finden Sie öde? Probieren Sie doch mal einen anderen Funsport aus, zum Beispiel Boxen. Ein Sport, der oft unterschätzt wird, denn es geht nicht nur um kloppen und prügeln. Boxer schulen auch ihre Konzentration, Kondition und Koordination. Trendsport Boxen: Das perfekte Ganzkörpertraining - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/trendsport-boxen-das-perfekte-ganzkoerpertraining-a-874991.html)
Kann ich so unterschreiben! Nachdem ich als Langstreckler auf der Suche nach Trainingsalternativen mal einige Stunden mit einem Tea-kwon-do Lehrer verbracht hatte und wir nur Übungen mit den Fäusten (Beinarbeit ja, aber keine Tritte) und ein wenig "Sparring" (lächerlich für ihn, aufschlußreich und schlauchend für mich) gemacht hatten, stiegen Klitschko & Co dramatisch in meinem Ansehen!
2. Trend? Hoffentlich nicht!
spmc-123408751811870 29.12.2012
Auch nach eineinhalb Jahren "Selbstvertrauen, Disziplin, Demut und Siegeswillen" - letzlich geht's vor allem darum jemand anderem möglichst oft ins Gesicht zu schlagen. Mir erschließt sich dabei der [...]
Auch nach eineinhalb Jahren "Selbstvertrauen, Disziplin, Demut und Siegeswillen" - letzlich geht's vor allem darum jemand anderem möglichst oft ins Gesicht zu schlagen. Mir erschließt sich dabei der "Sportgedanke" nicht wirklich.
3. Sieht einfacher aus als es ist
ablaufdatum 29.12.2012
Ich hatte auch mal vor vielen Jahren das "Vergnügen", gegen einen Semiprofi zu boxen - kein ernsthafter Kampf und nur angedeutete Schläge meines Gegners - ich hingegen durfte "voll" zuschlagen. Die erste Runde [...]
Ich hatte auch mal vor vielen Jahren das "Vergnügen", gegen einen Semiprofi zu boxen - kein ernsthafter Kampf und nur angedeutete Schläge meines Gegners - ich hingegen durfte "voll" zuschlagen. Die erste Runde war noch nicht vorbei, ich hatte kein einziges Mal getroffen und ich schnappte nach Luft. Mein Gegner machte sich einen Spass daraus, mich "vorzuführen". Wenn er wirklich gewollt hätte, wäre ich nicht auf eigenen Beinen aus dem Ring gekommen. Diese Erfahrung war sehr prägend und ich bewundere Boxer für ihre Konsequenz und ihr hartes Training,
4. Was für ein armer Geist muss man sein,
prontissimo 29.12.2012
sowas als Sport zu bezeichenen. Aber offenbar haben viele den Dachschaden schon bevor sie anfangen aufeinander los zu prügeln.
Zitat von sysop2013 wollen Sie mehr Sport treiben? Doch die Laufrunde im Park finden Sie öde? Probieren Sie doch mal einen anderen Funsport aus, zum Beispiel Boxen. Ein Sport, der oft unterschätzt wird, denn es geht nicht nur um kloppen und prügeln. Boxer schulen auch ihre Konzentration, Kondition und Koordination. Trendsport Boxen: Das perfekte Ganzkörpertraining - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/trendsport-boxen-das-perfekte-ganzkoerpertraining-a-874991.html)
sowas als Sport zu bezeichenen. Aber offenbar haben viele den Dachschaden schon bevor sie anfangen aufeinander los zu prügeln.
5. Stimmt ...
herrdörr 29.12.2012
... habe bisher nichts gemacht was ich als anstrengender empfand. Mit 15 km laufen habe ich kein Problem, aber dieselbe Anstrengung kann ich mir auch mit 10 Minuten boxen holen.
... habe bisher nichts gemacht was ich als anstrengender empfand. Mit 15 km laufen habe ich kein Problem, aber dieselbe Anstrengung kann ich mir auch mit 10 Minuten boxen holen.

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ZUR PERSON

  • Beatrice Behrens
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.

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