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15.01.2013
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Streit um Risiken

US-Autor legt sich mit Yoga-Fans an

Corbis

Yoga stärkt, entspannt und hält fit. Alles gut also, oder? Das kritische Buch eines US-Wissenschaftsjournalisten hat eine hitzige Debatte über drohende Schäden des Trendsports entfacht. Jetzt hat der Autor sein Manuskript verteidigt.

William Broad hat seine kontroversen Thesen hinter einem schlichten Titel versteckt: "The Science of Yoga" heißt das Buch, das der Wissenschaftsjournalist 2012 veröffentlichte - und das in den USA einen Sturm der Empörung auslöste. In Broads Werk geht es um die "Risiken und Belohnungen" durch Yoga. Doch der Titel einer Ankündigungsstory in der "New York Times" zum Erscheinen des Buches las sich gleich viel provokanter: "How Yoga can wreck your body" hieß es da, zu Deutsch: "Wie Yoga deinen Körper ruinieren kann".

Sofort wetterten Anhänger der Körperkunst: Die Gefahren von Yoga würden viel zu ausführlich, zu übertrieben, zu sensationsgierig dargestellt. Offenbar war die Entrüstung so groß, dass Broad sich jetzt dazu genötigt sah, zum Gegenschlag auszuholen: Für die Taschenbuchausgabe, die vor Kurzem erschienen ist, hat der US-Autor ein Nachwort geschrieben, das die "New York Times" jetzt in einem Blog leicht verändert veröffentlicht hat.

"Yoga ist für viele Menschen ein heiliges Refugium", schreibt Broad. "Doch als ich von den Gefahren erfuhr, empfand ich es als meine Pflicht, den Menschen dabei zu helfen, die guten von den schlechten Aspekten zu unterscheiden." Zwar habe sein Buch für mehr Aufregung gesorgt, als alles andere, was er bisher geschrieben habe. Viele Leser hätten ihn beschimpft, so habe ein Yogi geschrieben: "Sie sind ein Wrack." Doch die meisten Zuschriften an ihn, behauptet Broad nun, seien voller "Dankbarkeit und Unterstützung" von Yoga-Lehrern, Stars, Ärzten und Therapeuten verfasst worden.

Denn, so Broad, nicht nur anekdotische Erzählungen von Yogis, sondern auch staatliche Untersuchungen hätten ergeben, dass Yoga zu vielen leichten und einigen schweren Verletzungen führen könne. Mussten sich im Jahr 2000 Schätzungen zufolge noch weniger als 500 Menschen in den USA nach dem Yoga in einer Notfallambulanz in einem Krankenhaus behandeln lassen, waren es 2011 schon rund 3400. Das geht aus einer Tabelle mit Zahlen des National Electronic Injury Surveillance Systems hervor.

Doch untermauern diese Zahlen tatsächlich den Trend, dass Yoga gefährlich ist? In seiner Verteidigungsschrift führt Broad vor allem die vielen Briefe und E-Mails von Yoga-Ausübenden ins Feld, die seine Thesen untermauern sollen. "Kritiker bezichtigten mich der Sensationsmache", schreibt Broad. "Aber der Schwall von Briefen argumentierte in eine andere Richtung. Die Menschen beschrieben Schädigungen wie Schlaganfälle, Spinalstenose, Nervenverletzungen oder Bandscheibenrisse."

Yoga ist gesund - doch wer es übertreibt, riskiert Verletzungen

So hitzig die Debatte in den USA geführt wird, so einig sind sich Experten hierzulande: Yoga ist gesund - doch wer es übertreibt, riskiert natürlich Verletzungen. Unter professioneller Anleitung überwiegen allerdings die Vorteile. Die asiatische Körperkunst kann Rückenschmerzen lindern, Stress abbauen und die Durchblutung und Verdauung fördern.

Schwierig wird es erst, wenn man sich mit der superdehnbaren Turnerin auf der Nachbarmatte vergleicht: "Heikel ist, wenn die Menschen ihre körperlichen Grenzen nicht kennen, und der Yoga-Lehrer sie auch nicht sieht", sagte Angelika Beßler, Vorstandsvorsitzende des Berufsverbandes der Yoga-Lehrenden in Deutschland zu SPIEGEL ONLINE. Das ergab auch eine 2009 veröffentlichte Befragung von Yoga-Experten: Ein Großteil der 1336 Spezialisten aus 35 Ländern bewertete falschen Ehrgeiz als die größte Gefahr, gefolgt von einer schlechten Anleitung und einer falschen Technik.

Auch in Deutschland beschäftigen sich Medien ebenso wie Blogger damit, wie man mit Yoga-Verletzungen umgehen sollte. Das Bild, das sich dabei zuweilen zeichnet, ist eines von ehrgeizigen Sportlern und unvorsichtigen Lehrern. So beschreibt Userin Ulrike im Forum von yoga-welten.de: "Bei einer der Übungen, wo man den Arm so dermaßen nach hinten verdreht, schoß es blitzartig in Richtung Bizepssehne ein. Die Yoga-Lehrerin half auch noch nach und dehnte meinen Arm, bis er an Ort und Stelle war."

Die Ergebnisse der internationalen Befragung zeigten, dass Verletzungen am häufigsten an der Halswirbelsäule, der Schulter, dem unteren Rücken und den Knien auftraten. Schaurige Fälle wie Schlaganfälle durch eine sogenannte Carotisdissektion, bei der sich die Innenschicht der Halsschlagader durch einen kleinen Riss aufspaltet und sich an dieser Stelle Blutgerinnsel bilden, die ins Gehirn schießen können, sind hingegen sehr selten.

Wer vorsichtig übt und auf seinen Körper hört, hat nur wenig zu befürchten. Das Mantra "Achtsamkeit" findet beim Yoga ganz direkt seine Anwendung.

hei

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insgesamt 34 Beiträge
1. optional
spon-facebook-10000009156 15.01.2013
Yoga ist nicht ein Verrenkungssport, Yoga ist das Eins SEIN MIT ALLEM
Yoga ist nicht ein Verrenkungssport, Yoga ist das Eins SEIN MIT ALLEM
2. Yoga
Steinwald 15.01.2013
Yoga ist wahrscheinlich weit weniger gefährlich als jene, die ihn derart verbissen betreiben, wie in Deutschland vielfach zu sehen.
Zitat von sysopCorbisYoga stärkt, entspannt und hält fit. Alles gut also, oder? Das kritische Buch eines US-Wissenschaftsjournalisten hat eine hitzige Debatte über drohende Schäden des Trendsports entfacht. Jetzt hat der Autor sein Manuskript verteidigt. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/yoga-und-die-gefahren-us-autor-legt-sich-mit-yoga-fans-an-a-877357.html
Yoga ist wahrscheinlich weit weniger gefährlich als jene, die ihn derart verbissen betreiben, wie in Deutschland vielfach zu sehen.
3. diese
martin-z. 15.01.2013
gefährliche sportart muss schleunigst verboten werden. es ist schon seit jahren allgemein bekannt, dass sie nicht nur körperliche sondern auch seelische wracks produziert. warum greift niemand bei diesem hinduistischen wahnsinn [...]
gefährliche sportart muss schleunigst verboten werden. es ist schon seit jahren allgemein bekannt, dass sie nicht nur körperliche sondern auch seelische wracks produziert. warum greift niemand bei diesem hinduistischen wahnsinn ein?
4.
irrsinn 15.01.2013
mein großes yoga vorbild war lange iyengar der mit über 90 jahren noch fit wie ein turnschuh ist leider kann die wirbelsäule auch ohne yoga mit der zeit kapput gehen der kopfstand ist wohl die gefährlichste yogaübung da [...]
mein großes yoga vorbild war lange iyengar der mit über 90 jahren noch fit wie ein turnschuh ist leider kann die wirbelsäule auch ohne yoga mit der zeit kapput gehen der kopfstand ist wohl die gefährlichste yogaübung da kann es schnell ab in den rollstuhl heißen eine sanftere methode mit geistigen hintergrund ist für mich qi gong und tägliche meditationswanderungen
5. ich könnt mich totlachen wenn ich das lese
na!!! 15.01.2013
ach nee , Yoga ist nix anderes wie alle anderen leichten kraftübungen nur mit ausgeprägtem dehnungsteil ! ob etwas krank macht oder gesund hängt immer von der intensivität , der persönliches leistungsfähigkeit und [...]
ach nee , Yoga ist nix anderes wie alle anderen leichten kraftübungen nur mit ausgeprägtem dehnungsteil ! ob etwas krank macht oder gesund hängt immer von der intensivität , der persönliches leistungsfähigkeit und ausführung ab . ablehner des dehnens ( oft weil sie selbst steif sind ) verdammen es . befürworter des aktiveren bewegens z.B. joggen , kraftsport verdammen es ( weil ihnen zu langweilig u langsam ) im endeffekt . laßt doch jedem sein sport oder bewegung ! working is doch auch nur ein anderes wort für spazierengehen mit stöcken ! damit man sagen kann " ich mache sport " richtiges nordik working bedarf richtiger technik , die sieht man nirgends :-) also alles nur reine meinungssache :-)

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Hatha-Yoga ist in unseren Kulturkreisen die bekannteste Yoga-Art und entspricht dem, was sich viele unter Yoga vorstellen. Der Stil verbindet körperliche Übungen mit Entspannungs- und Meditationstechniken. Ziel des Hatha-Yoga ist es, Muskeln, Sehnen und Bänder zu kräftigen und zu dehnen, den Kreislauf anzuregen und ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist herzustellen. Da die einzelnen Positionen länger gehalten werden, eignet sich der Stil gut für Einsteiger, die Yoga von Grund auf lernen wollen.
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