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23.01.2013
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Wir machen uns mal frei

Salzigwarm die Nase duschen

AP

Nasendusche: Hilfreich gegen Viren und Pollen

Schon mal die Nase geduscht? Von innen, nicht von außen. Sich einen Schwall Wasser durch das Riechorgan zu spülen ist nicht jedermanns Sache. Doch Kolumnist Jens Lubbadeh findet Gefallen an der inneren Reinigung.

Hannah pflegt morgens ein seltsames Ritual. Schlaftrunken schlurft sie in ihrem gestreiften Schlafanzug ins Bad, öffnet den Schrank und holt einen Plastikapparat heraus, der aussieht wie das Magazin einer Kalaschnikow. Dann reißt Hannah ein Tütchen mit weißem Pulver auf, schüttet es hinein, füllt es mit warmem Wasser, schüttelt, setzt es an ihr Nasenloch und - drückt ab.

Man würde der gutaussehenden, zierlichen Endzwanzigerin nicht ansehen, dass sie eine regelmäßige Nasenduscherin ist. Wo andere zuallererst Zähneputzen oder Duschen würden, pflegt Hannah erst einmal ihr Riechorgan.

"Die Nasendusche ist eine ehrliche Sache"

Es ist auch nicht so, dass sie darum ein großes Geheimnis machen würde, im Gegenteil: Ob auf Partys, im Büro oder im Restaurant - gerne und ausgiebig erläutert sie einem die Vorteile der etwas befremdlich anmutenden Nasenhygiene.

Es dauert auch nicht lange, bis sie von ihrer Praktikumszeit in China berichtet. In den smoggeplagten Metropolen brachte die Nasendusche besonders üppige und farbenfrohe Resultate hervor. Überhaupt scheint dies die Faszination auszumachen: Eine Pille schmeißt man oben ein in den Körper-Glücksspielautomaten und hofft, dass etwas passiert. Die Nasendusche ist eine ehrliche Sache: Man gibt was rein und kriegt immer was raus. Erfolgserlebnis garantiert. Womöglich ist das der Grund, warum manche Leute regelrecht süchtig nach der allmorgendlichen Rüsselreinigung werden, wie Ärzte berichten.

"Dieses befreiende Gefühl", es sei kaum zu beschreiben, sagt Hannah. Meine Freundin hat sie schon überzeugt: Sie duscht jetzt auch regelmäßig ihr Riechorgan. HNO-Experten jedenfalls empfehlen die Nasendusche. Im Winter spült sie fiese Viren weg, im Sommer böse Pollen.

Somit wäre sie für mich eigentlich tägliche Pflichtübung. Denn wegen meiner Nase habe ich ständig Stress. Von März bis Oktober ist sie mit friedlichen Pflanzenpollen beschäftigt, von November bis Februar mit harmlosem Hausstaubmilbenkot. Eine Eskalationsspirale, die ständig schwelende Entzündungen und permanentes Geschleime nach sich zieht. Und am Ende steht die Drogenabhängigkeit.

Wenn dann die echten Gegner angreifen, wie zum Beispiel Erkältungsviren, ist meine Nase so erschöpft, dass sie sofort kapituliert. Manchmal möchte ich fast verzweifeln, wenn ich vor dem Spiegel stehe und meiner Nase bei ihrem unintelligenten Treiben zuschaue.

Eine Operation: Überlegen Sie sich das gut!

Vor zehn Jahren erreichte das Ganze eine neue Eskalationsstufe. Durch mein linkes Nasenloch drang nur noch zeitweilig Luft in die Gruft. Diagnose: Nasenseptumdeviation, Verkrümmung der Scheidewand. Die OP war blutig und hässlich. Falls Sie das gleiche Problem haben - überlegen Sie sich gut, worauf Sie sich da einlassen. Der Typ schneidet Ihnen die Scheidewand raus, versucht sie dann mit einer Art Koteletthammer flachzukloppen, was in etwa so einfach sein dürfte, wie einen Calamari-Ring geradezubiegen - und näht Sie Ihnen dann wieder ein. Dann kriegen Sie noch Stützen drangepappt und Tampons in Ihre Nasenlöcher geschoben, die gefühlt bis zur Großhirnrinde reichen. Sie werden schnarchen, wie Sie noch nie in Ihrem Leben geschnarcht haben. Und sie werden bei der Nachtschwester um Tabletten winseln wie ein Heroinjunkie auf Entzug.

Danach aber herrschte in meiner Nase erst einmal Frieden und jeder Atemzug war ein Genuss. Aber mein HNO-Arzt warnte mich, dass die Freude über mein wiedergewonnenes zweites Nasenloch nur von kurzer Dauer sein würde, wenn ich nicht jeden Morgen eine Nasendusche machen würde.

Bei meiner Nasennebenhöhlenanatomie erinnert das eher an Autowäsche mit dem Kärcher Hochdruckstrahler. Ganz zu schweigen von der Geräuschkulisse. Eigentlich kann ich das nur machen, wenn ich allein in der Wohnung bin und auch die Nachbarn aus dem Haus sind. Als Minimalvariante empfahl er mir, wenigstens täglich kaltes Wasser in die Handflächen zu nehmen, den Rüssel reinzuhalten und das Ganze hochzusaugen - als "Abschreckung", so seine Worte.

Das tue ich tatsächlich bis heute jeden Morgen und habe lange meine Freundin als Nasenwarmduscherin verspottet. Heute weiß ich, dass kaltes Wasser nicht gut für die Nase ist. Immerhin: Mein linkes Nasenloch ist nicht wieder zugewuchert. Dann kann ich ja jetzt auch endlich zum Warmduscher werden.

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insgesamt 24 Beiträge
1. Nasendusche - empfehlenswert
strixaluco 23.01.2013
Auch ich gehöre zu den Anhängern der Nasendusche. Abgesehen davon, dass sie gegen Erkältungen hilft, habe ich auch das Gefühl, dass sie bei mir die Wahrscheinlichkeit für Kopfschmerzen reduziert - anscheinend entstehen die [...]
Auch ich gehöre zu den Anhängern der Nasendusche. Abgesehen davon, dass sie gegen Erkältungen hilft, habe ich auch das Gefühl, dass sie bei mir die Wahrscheinlichkeit für Kopfschmerzen reduziert - anscheinend entstehen die mitunter durch gereizte und ausgetrocknete Schleimhäute. Dass manche Leute Nasenduschen sehr gewöhnungsbedürftig finden, kann ich aber verstehen... Trotzdem probieren, an sich ist das sehr angenehm (wenn das Wasser lauwarm ist und der Salzgehalt stimmt)!
2. Nasenkehlkopfatmung
bernhard.rohn 23.01.2013
Ich kann eine Nasendusche nicht empfehlen. Habe das auch eine Zeit lang versucht. Der Effekt ist am Anfang schon gut, da alles gereinigt wird, allerdings greift man damit auch seine Schleimhäute in der Nase an. Nach einiger Zeit [...]
Ich kann eine Nasendusche nicht empfehlen. Habe das auch eine Zeit lang versucht. Der Effekt ist am Anfang schon gut, da alles gereinigt wird, allerdings greift man damit auch seine Schleimhäute in der Nase an. Nach einiger Zeit hatte ich dann regelmäßig Nasenbluten. Viel besser sind verschieden Atemtechniken, wie zum Beispiel die Nasenkehlkopfatmung, die man vielleicht aus dem Yoga kennt. Seit dem ich diese Übungen mache, habe ich viel weniger Probleme mit meinem Heuschnupfen im Sommer, Schnupfen im Winter habe fast gar keinen mehr und eine Nasennebenhöhlenentzündung, wie ich sie früher regelmäßig (4-5mal pro Jahr) hatte, habe ich gar nicht mehr.
3. warmes Salzwasser
raimondo 23.01.2013
ist perfekt zur Nasenschleimhaut Reinigung. Habe vierzig Jahre gute Erfahrungen damit. Man benötigt weder eine Nasendusche noch Spezialsalz. Körperwarmes Wasser und einen 1/4 Teelöffel Kochsalz, auflösen, Portionsweise in die [...]
ist perfekt zur Nasenschleimhaut Reinigung. Habe vierzig Jahre gute Erfahrungen damit. Man benötigt weder eine Nasendusche noch Spezialsalz. Körperwarmes Wasser und einen 1/4 Teelöffel Kochsalz, auflösen, Portionsweise in die hohle Hand geben, die Nase rein und langsam hochziehen, am leichtesten jede Seite für sich. Langsam ohne Druck herunterlaufen lassen. Alleine im Bad ist besser, das hört sich nicht immer gut an. Genau so wichtig ist anschließend fetthaltige Creme auf Nasenunterseite und Oberlippe. Bei Schnupfenanfällen und mehreren Anwendungen etwas Oliven-Öl mit einer Pipette in die Nase einbringen und hochziehen. (Schleimhäute rückfetten)
4. Ne gute Sache, aber es geht auch einfacher....
bale.services@gmail.com 23.01.2013
... in dem man sich seine Salzlösung selber mischt (ca. 1 TL Salz auf 1 l warmes Wasser). Ich mach das eher nach Gefühl und Bedarf. Außerdem benutze ich eine normale Plastflasche mit einem wiederverschließbaren [...]
... in dem man sich seine Salzlösung selber mischt (ca. 1 TL Salz auf 1 l warmes Wasser). Ich mach das eher nach Gefühl und Bedarf. Außerdem benutze ich eine normale Plastflasche mit einem wiederverschließbaren "Mundstück", das passt für jeden Rüssel ... In der typischen Schnupfen- und Erkältungszeit ist das mein Mittel der Wahl, da die gängigen Drogen (Nasensprays) nach kurzer Zeit die Nasenschleimhaut in Mitleidenschaft ziehen.
5.
Emanzipation 23.01.2013
Mein Arzt hat mir eine 20ml Spritze (ohne Nadel, versteht sich) verehrt, ich mache damit die Nasendusche. Beim Spritzen in beide Nasenflügel einen Ton wie ein langgezogenes "ch" von sich geben, das schliesst die [...]
Mein Arzt hat mir eine 20ml Spritze (ohne Nadel, versteht sich) verehrt, ich mache damit die Nasendusche. Beim Spritzen in beide Nasenflügel einen Ton wie ein langgezogenes "ch" von sich geben, das schliesst die Luftröhre, das Wasser schiesst dann nur von einem Nasenloch durch das andere. Klingt heftiger, als es ist. Funktioniert ganz gut.

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