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04.02.2013
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Nahrungsergänzungsmittel

Kalzium erhöht Herztodrisiko bei Männern

Von Dennis Ballwieser
Kalziumlieferant Milch: Gefahr durch Nahrungsergänzungsmittel
Corbis

Kalziumlieferant Milch: Gefahr durch Nahrungsergänzungsmittel

Kalzium gilt als guter Schutz vor Knochenbrüchen im Alter. Doch Mediziner fürchten seit langem, das Mineral könne Herz und Kreislauf schaden. Jetzt zeigt eine große US-Studie: Bei Männern steigert es das Risiko für den Herztod.

Ohne Kalzium funktioniert wenig im Körper. Das häufigste Mineral stabilisiert die Knochen, spannt die Muskeln, sorgt für den Informationsfluss in den Nerven und lässt das Blut gerinnen. Dass Milch viel Kalzium enthält, weiß nicht nur sprichwörtlich jedes Kind - es wird auch von der Industrie in immer neuen Anzeigenkampagnen beworben. Da stört es kaum, dass viele Gemüsesorten mindestens genauso gute Kalziumlieferanten sind.

Für Ernährungsmuffel halten Unternehmen Nahrungsergänzungsmittel bereit, die einen vermeintlichen oder tatsächlichen Kalziummangel ausgleichen sollen. Seit einigen Jahren befürchten Mediziner, dass die Präparate nicht nur positive Effekte haben können, sondern unter Umständen auch Risiken bergen - vor allem für das Herz-Kreislauf-System. Eine große US-Studie bestätigt jetzt die Bedenken: Bei Männern, die große Mengen Kalzium über Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, steigt das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, um 20 Prozent an, berichten Qian Xiao und Kollegen vom US-National Cancer Institute im Fachmagazin "JAMA Internal Medicine".

Die Wissenschaftler werteten die Daten einer großen US-Studie aus, die zwischen 1995 und 1996 mehr als 388.000 Männer und Frauen im Alter von 50 bis 71 Jahren eingeschlossen hatte. Die Teilnehmer aus mehreren US-Bundesstaaten wurden im Schnitt zwölf Jahre lang begleitet, die Forscher registrierten zu Beginn das Ernährungsverhalten und später die Todesfälle samt Ursache. Zu Studienbeginn wurde nicht nur gefragt, was und wie viel die Teilnehmer essen, sondern auch, welche Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen.

Bei Frauen steigt das Risiko nicht an

In der Zeit starben mehr als 7900 Männer und knapp 3900 Frauen an Herz-Kreislauf-Krankheiten. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Männer und noch deutlich mehr Frauen (70 Prozent) schluckten kalziumhaltige Nahrungsergänzungsmittel. Die Männer, die durch Tabletten mehr als ein Gramm Kalzium täglich zu sich nahmen, hatten ein 20 Prozent höheres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu sterben als Männer ohne die Nahrungsergänzungsmittel. Bei Frauen hingegen hatten die Kalzium-Präparate keinen Einfluss auf die Gefahr für einen Herztod.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern überraschte die Wissenschaftler, noch können sie ihn sich nicht erklären. Eine Theorie ist, dass Frauen bekanntermaßen wesentlich früher im Leben beginnen, Kalzium zusätzlich zur Ernährung zu schlucken. Dadurch könne sich früher im Leben ein Gleichgewicht im Körper einstellen, so dass negative Effekte durch die Nahrungsergänzungsmittel in der Studie nicht mehr auffallen, mutmaßen die Forscher. Bei Männern hingegen, die typischerweise erst im Alter beginnen, Kalzium zusätzlich einzunehmen, könnte dieser ausgleichende Effekt fehlen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten in der Studie deutlicher hervortreten.

Alternative? Gemüse!

In den USA nutzen mehr als 40 Prozent der Gesamtbevölkerung Kalziumpräparate. In Deutschland konsumiert knapp ein Drittel der Jugendlichen (32 Prozent) Kalzium in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, besagt die Eskimo-Studie des Robert-Koch-Instituts von 2008. Laut der nationalen Verzehrstudie des Max-Rubner-Instituts aus dem gleichen Jahr sinkt die Kalziumzufuhr der Deutschen mit dem Alter kontinuierlich, die größte Menge nehmen Frauen und Männer durch Milch und Käse auf.

Auch ohne Nahrungsergänzungsmittel ist etwa die Hälfte der Deutschen nach diesen Ergebnissen genügend mit Kalzium versorgt, einen Mangel haben vor allem junge und ältere Menschen. Die Deutschen, die in der nationalen Verzehrstudie befragt wurden, nahmen zudem durchschnittlich deutlich weniger zu sich als das in der aktuellen US-Studie als riskant ermittelte eine Gramm Kalzium täglich. Selbst in der Altersgruppe über 65 Jahren schluckten in der deutschen Studie weniger als ein Viertel der Männer beziehungsweise nur etwas mehr als ein Viertel der Frauen überhaupt kalziumhaltige Nahrungsergänzungsmittel.

Die Daten der aktuellen US-Studie passen zu Beobachtungen aus früheren Studien, die allerdings die Nebenwirkungen von Kalzium in Nahrungsergänzungsmitteln schlechter hatten bewerten können als die extra zu diesem Zweck geplante neue Untersuchung. 2012 hatte eine Analyse deutscher Daten aus der europaweiten Epic-Studie zur Ernährung ergeben, dass so genannte Kalziumsupplemente das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich erhöhen können.

Noch wollen die US-Wissenschaftler Männer nicht dazu auffordern, kalziumhaltige Nahrungsergänzungsmittel abzusetzen. Vorher seien weitere große Studien notwendig, unter anderem um zu verstehen, warum das Risiko zwar bei den Männern, nicht aber bei den Frauen steigt. Allerdings benennt die schwedische Ärztin Susanna Larsson vom Stockholmer Karolinska Institutet in einem begleitenden Kommentar eine einfache Alternative zu den Kalzium-Tabletten: natürliche Lieferanten für das lebenswichtige Mineral. Milchprodukte, Bohnen und grünes Blattgemüse lieferten nicht nur Kalzium, sondern auch einen Cocktail anderer lebenswichtiger Minerale und Vitamine.

Forum

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insgesamt 74 Beiträge
1. Es lebe der
dr_seltsam 04.02.2013
Soso, der "Herztod" ist also auch ganz schlimm. Vor allem der "frühe" Welche. Gibt es überhaupt noch natürliche Todesarten? Oder haben die sich Medien und Pharmaindustrie bereits alle untereinander [...]
Soso, der "Herztod" ist also auch ganz schlimm. Vor allem der "frühe" Welche. Gibt es überhaupt noch natürliche Todesarten? Oder haben die sich Medien und Pharmaindustrie bereits alle untereinander aufgeteilt? Fragt, in der Hoffnung auf ein Arzneimittel- und Artikelfreies Ende dr_seltsam
2. Quelle
atticus_finch 04.02.2013
meines Erachtens sollte bei solchen Artikeln die direkt ein Paper zitieren die direkte Quelle angegeben werden. http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1568523
meines Erachtens sollte bei solchen Artikeln die direkt ein Paper zitieren die direkte Quelle angegeben werden. http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1568523
3. optional
blogreiter 04.02.2013
Die für mich wichtigste Aussage steckt in den Schwächen der Studie: "Die Forscher haben keine Erkenntnisse über die mit dem Kalziumstoffwechsel zusammenhängende Aufnahme von Vitamin D unter den Studienteilnehmern. "
Die für mich wichtigste Aussage steckt in den Schwächen der Studie: "Die Forscher haben keine Erkenntnisse über die mit dem Kalziumstoffwechsel zusammenhängende Aufnahme von Vitamin D unter den Studienteilnehmern. "
4. optional
bavmouse 04.02.2013
kuhmilch entzieht dem körper mehr kalzium als was zugeführt wird.
kuhmilch entzieht dem körper mehr kalzium als was zugeführt wird.
5. Gut zu wissen...
Airkraft 04.02.2013
Gut zu wissen, dass ich mir noch aussuchen darf/kann woran ich irgendwann mal sterben will.
Gut zu wissen, dass ich mir noch aussuchen darf/kann woran ich irgendwann mal sterben will.

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