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16.02.2013
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Fruktoseunverträglichkeit

Schmerzhafter Fruchtzucker

Von
dapd

Lange Zeit galt Fruchtzucker als gesundes Diätprodukt, doch das positive Image verblasst: Wer viel Fruchtzucker isst, gefährdet seine Gesundheit. Immer mehr Menschen leiden unter Verdauungsbeschwerden, weil sie die großen Fruktosemengen in der Nahrung nicht vertragen.

Fruchtzucker - schon der Name klingt gesund. Lange Zeit galt er als optimaler Ersatz für Haushaltszucker in Diabetikerprodukten. Diät-Schokoladen und Fruchtzucker-Kekse kamen auf den Markt, schon bald mischte die Lebensmittelindustrie die Fruktose auch in Nicht-Diabetiker-Lebensmittel wie Limonaden und Joghurts. Die "Süße aus Früchten" entwickelte sich zur positiven Werbebotschaft - zu Unrecht, wie sich jetzt zeigt. Die Hinweise häufen sich, dass Fruchtzucker längst nicht so gesund ist, wie sein Name klingen mag.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR warnt seit einiger Zeit vor allem Diabetiker vor dem Verzehr von zu viel Fruchtzucker und rät zum Verzicht von Fruktose als Zuckeraustauschstoff in industriell gefertigten Lebensmitteln. Aber nicht nur Diabetiker müssen vorsichtig sein. "Hohe Fruktosemengen wirken sich bei allen Menschen ungünstig auf den Stoffwechsel aus, weil Fruchtzucker im Vergleich zu Zucker schneller und in größeren Mengen für die Produktion von Fettsäuren zur Verfügung steht", sagt Stephan Bischoff, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim.

Die Diabetikerprodukte mussten mittlerweile wieder vom Markt verschwinden, in vielen anderen Lebensmitteln verbirgt sich der Fruchtzucker allerdings nach wie vor. "Fruktosesirup aus Maisstärke ist mittlerweile vielen Lebensmitteln und Fertiggerichten sowie Süßwaren zugesetzt. Getränke wie Limonaden sind ausgesprochene Fruktosebomben", warnt Ernährungsmediziner Bischoff. Auch Joghurt, Eis, Konserven und Ketchup enthalten häufig künstlich zugesetzten Fruchtzucker.

Fruktose: Probleme durch veränderte Ernährungsgewohnheiten

Fruchtzucker oder Fruktose ist wie der Traubenzucker, die Glukose, ein Einfachzucker. Er kommt in unterschiedlichen Mengen natürlicherweise in Obst und Gemüse vor. Der übliche Haushaltszucker hingegen besteht je zur Hälfte aus Fruktose- und Glukosemolekülen, die miteinander verbunden sind. Der unterschiedliche Aufbau der Zuckersorten macht sich bei der Verdauung bemerkbar - vor allem die Fruktose kann dann Probleme bereiten.

Bei manchen Menschen zeigen sich die unangenehmen Nebenwirkungen direkt nach dem Essen. Ihnen drohen heftige Blähungen, Bauchkrämpfe, wässriger Durchfall und ein Vollegefühl. Auch Konzentrationsstörungen und Niedergeschlagenheit bis hin zu depressiven Verstimmungen können hinzukommen. Die Betroffenen vertragen nur eine bestimmte Menge Fruktose, wird diese Schwelle überschritten, rebelliert ihr Magen. Bei Menschen mit ausgeprägter Fruktoseunverträglichkeit reichen dafür mitunter schon ein bis zwei Äpfel aus.

Genaue Zahlen zu der Stoffwechselstörung gibt es nicht, aber bei schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung ist bei 25 Gramm Fruktose pro Mahlzeit die kritische Grenze erreicht. Die Münchner Ökotrophologin und Ernährungstherapeutin Imke Reese geht sogar von etwa 30 Prozent Betroffenen aus. Bei einer 50-Gramm-Fruchtzucker-Mahlzeit würden auch die meisten gesunden Menschen Beschwerden bekommen. Da die Symptome denen eines Reizdarms ähneln, kann es zu Verwechslungen kommen. "Deshalb bei Verdacht auf Reizdarm immer eine etwaige Fruktoseunverträglichkeit abklären lassen", rät Imke Reese.

Die Experten gehen davon aus, dass die Unverträglichkeit in der heutigen Zeit viel häufiger zutage tritt als noch vor ein paar Jahren. "Viele Menschen greifen häufiger als früher zu fruchtzuckerreichen Limonaden und Süßigkeiten sowie zu entsprechend gesüßten Nahrungsmitteln und Fertiggerichten. Angebot und Nachfrage gehen hier Hand in Hand", sagt Bischoff. Imke Reese sieht das Problem aber auch in Lebensmitteln wie Smoothies, die manche Leute in großen Mengen konsumieren und von Natur aus eine hohe Menge Fruchtzucker enthalten.

Unverdaut durch den Magen
Fruktose wird normalerweise durch die Dünndarmzellen aus der Nahrung aufgenommen und steht dann als Energiespender zur Verfügung. Dafür ist ein Transporterprotein, das GLUT-5, nötig. Hat jemand eine Fruktoseunverträglichkeit, funktioniert das Protein nicht gut genug. In manchen Fällen ist auch die Dünndarmschleimhaut geschädigt - etwa durch Medikamente, chronische Darmerkrankungen oder Zöliakie, bei der eine Glutenunverträglichkeit vorliegt.

Ein Teil der Fruktose bleibt dann im Darm zurück und gelangt unverdaut bis in den Dickdarm. Dort angekommen, verdauen die Darmbakterien den Fruchtzucker - als Nebenprodukt entstehen größere Mengen Gase wie Methan und Wasserstoff, die den Bauch aufblähen. Außerdem entzieht Fruktose auf dem Weg durch den Darm dem umliegenden Gewebe Wasser, die Stuhlmenge vergrößert sich.
Auf lange Sicht Gefahr für die Gesundheit

Auch gesunden Menschen kann ein hoher Fruktosekonsum auf lange Sicht schaden: Der Fruchtzucker kann die Blutfettwerte ungünstig verändern, die Leber verfetten und die Bildung gefäßschädigender verzuckerter Proteine fördern. Eine aktuelle kleine Studie der Uniklinik Zürich ergab, dass bei einer täglichen Fruktoseaufnahme von 80 Gramm innerhalb von nur drei Wochen das schädlichere LDL- und Gesamtcholesterin im Blut erheblich ansteigen. Außerdem nahm bei den neun gesunden und normalgewichtigen Versuchspersonen die Insulinsensitivität ab - ihre Körperzellen reagierten weniger empfindlich auf Insulinsignale und nahmen deshalb weniger Glukose aus dem Blut auf. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel steigt an. Das könnte der Anfang einer späteren Typ-2-Diabeteserkrankung sein.

Ein hoher Fruktosekonsum steigert zudem die Harnsäurebildung und damit das Risiko für eine Gichterkrankung, er erhöht den Blutdruck und kann offenbar auch dick machen. Von einer früheren Studie aus dem Jahr 2008 ist bereits bekannt, dass Fruktose ein vom Fettgewebe ausgeschüttetes Hormon unwirksam macht, das für die Appetitregulierung im Gehirn wichtig ist.

In einer aktuelleren Studie untersuchten Wissenschaftler zudem bei 20 jungen und normalgewichtigen Probanden den Blutfluss im Gehirn nach dem Genuss von glukosehaltigen Getränken oder Getränken, die einen mit Fruktose angereicherten Sirup aus Maisstärke enthielten. Die zwar kleine, ansonsten aber gut gemachte US-Studie ergab, dass die Versuchspersonen nach einem fruktosereichen Essen kein Sättigungsgefühl verspüren. Magnetresonanztomografieaufnahmen zeigten darüber hinaus, dass jener Teil des Gehirns, der für Belohnung und Appetit zuständig ist, nach Glukoseverzehr "deaktiviert" wird. Nach dem Konsum von Fruktose-Getränken war dies nicht beobachtbar. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Der Wunsch nach Essen bleibt bestehen - langfristig macht sich das auf der Waage bemerkbar.

Was essen bei einer Fruktoseunverträglichkeit?
Für Mobilnutzer: Über diesen Link erfahren sie mehr zum Thema Fruktoseintoleranz und mögliche Behandlungsmethoden.

Forum

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insgesamt 58 Beiträge
1.
lanier67 16.02.2013
Schön, daß darüber mal geschrieben wird. Schade, daß Sorbit in diesem Artikel überhaupt nicht erwähnt wird. Oft geht eine Fruktoseintoleranz Hand in Hand mit einer Sorbitintoleranz.Einkäufe werden zu einer Anstrengung, da von [...]
Schön, daß darüber mal geschrieben wird. Schade, daß Sorbit in diesem Artikel überhaupt nicht erwähnt wird. Oft geht eine Fruktoseintoleranz Hand in Hand mit einer Sorbitintoleranz.Einkäufe werden zu einer Anstrengung, da von Fertigbackwaren über Kaugummis und Zahnpast bis zu Medikamenten, Sorbit anscheinend überall verwendet wird.
2. Fruchtzucker
felisconcolor 16.02.2013
erzeugt im Körper kein Sättigungsgefühl. Mit Fruchtzucker gesüsste Nahrungsmittel sind zwar süss, aber der "Halt jetzt ist genug" Effekt tritt nicht ein. Man isst mehr, auch mehr Fructose, ein Teufelskreis. Fructose [...]
erzeugt im Körper kein Sättigungsgefühl. Mit Fruchtzucker gesüsste Nahrungsmittel sind zwar süss, aber der "Halt jetzt ist genug" Effekt tritt nicht ein. Man isst mehr, auch mehr Fructose, ein Teufelskreis. Fructose ist also der erste Schritt zum Dickmacher. Neben den hier schon erwähnten anderen Problemen.
3. Der F/G Gehalt ist entscheidend
tuttofatto 16.02.2013
Bei der Beschreibung des Fructosegehalts in den genannten Früchten fehlt ganz eindeutig der Glukosegehalt und die Gemüse! Als Betroffene habe ich von der Ernährungsberaterin und vom Arzt Listen, wie der Fructose-Glukosegehalt in [...]
Bei der Beschreibung des Fructosegehalts in den genannten Früchten fehlt ganz eindeutig der Glukosegehalt und die Gemüse! Als Betroffene habe ich von der Ernährungsberaterin und vom Arzt Listen, wie der Fructose-Glukosegehalt in Früchten und Gemüsen ist. Und der ist entscheidend! So hat die Banane eine F/G Gehalt von 0.96 und ist gut bekömmlich. Alles was über 1.0 geht, kann zu Beschwerden führen. Trauben haben ein F/G Gehalt von 1.0 und werden idR auch gut vertragen. Erdbeeren 1.03 und können mit Beigabe von Traubenzucker besser verdaut werden. Bei ihrem Bericht fehlen die Gemüse!! Z.B Artischocken, die haben einen F/G von 2.25 so wie auch Knollensellerie. Aber auch andere Gemüse haben einen erhöhten F/G Gehalt und es ist mit Bedacht zu wählen, wieviel man davon essen kann. Völlig vergessen haben sie, die Fruktane und Inuline. Fruktan ist in hohen Mengen in Weizen vorhanden und kann dieselben Symptome auslösen wie Fruktose. Also, bevor sie einen Artikel schreiben, der ein sehr komplexes Thema aufgreift, wäre eine tiefergehende Recherche angebracht!
4. ...
pm22 16.02.2013
Unverträglichkeit ist die eine Sache, ansonsten ist die Menge an Obst, welches der Gesundheit "angeblich" schadet, durch moderaten Obstkonsum nicht zu erreichen. Obst ist nährstoffreich und gesund und wichtig, [...]
Unverträglichkeit ist die eine Sache, ansonsten ist die Menge an Obst, welches der Gesundheit "angeblich" schadet, durch moderaten Obstkonsum nicht zu erreichen. Obst ist nährstoffreich und gesund und wichtig, dazu gehören auch Äpfel!
5. Sorbit im Hintergrundartikel
dennisballwieser 16.02.2013
Die Informationen zu Sorbit, dem Fruchtzuckergehalt verschiedener Lebensmittel etc. finden Sie im Hintergrundartikel. Den erreichen Sie über den Link im Kasten am Ende des Textes, falls Sie uns mobil lesen über den Textlink [...]
Zitat von lanier67Schön, daß darüber mal geschrieben wird. Schade, daß Sorbit in diesem Artikel überhaupt nicht erwähnt wird. Oft geht eine Fruktoseintoleranz Hand in Hand mit einer Sorbitintoleranz.Einkäufe werden zu einer Anstrengung, da von Fertigbackwaren über Kaugummis und Zahnpast bis zu Medikamenten, Sorbit anscheinend überall verwendet wird.
Die Informationen zu Sorbit, dem Fruchtzuckergehalt verschiedener Lebensmittel etc. finden Sie im Hintergrundartikel. Den erreichen Sie über den Link im Kasten am Ende des Textes, falls Sie uns mobil lesen über den Textlink am Ende des Artikels: Fruktoseunverträglichkeit: Was kann man noch essen? - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/fruktoseunvertraeglichkeit-was-kann-man-noch-essen-a-882036.html)

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Zur Autorin

  • Gerlinde Gukelberger-Felix hatte bereits während ihres Physikstudiums in Karlsruhe und den USA mit Biologie und Medizin zu tun. Sie arbeitet als freie Wissenschafts- und Medizinjournalistin.

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