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Gesundheit

Böses Acrylamid

Kuchen einfach roh genießen

Kekse, Pommes, Kaffee - überall lauert krebserregendes Acrylamid! Was kann man überhaupt noch essen? Ein Überblick, nicht ganz ernst gemeint.

Von
Dienstag, 10.04.2018   17:04 Uhr

Acrylamid ist wahrscheinlich krebserregend. Ganz sicher wissen wir das nicht - da sind uns die Kalifornier, die nun Krebs-Warnungen in Kaffeeläden aushängen wegen der bösen Substanz, mal wieder weit voraus. Aber auch in Europa gilt ja: Vorsicht ist besser als Nachsicht und in diesem Sinne ist es top, dass die EU jetzt mit einer Verordnung dafür sorgt, dass weniger Acrylamid in Pommes, Keksen oder Brot steckt. Die gilt zumindest für die Industrie und auch für die Frittenbude um die Ecke - was im heimischen Backofen passiert, kann die EU im Detail ja (noch) nicht regulieren. Wobei, wer weiß, vielleicht gibt es bald staatlich erlaubte Höchsttemperaturen für Ofen, Herdplatte und Fritteuse?

Wir finden jedenfalls - weniger Acrylamid, das reicht nicht und haben deshalb ein paar Anregungen für alle, die sich ab jetzt total schadstofffrei ernähren wollen. Guten Appetit!

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Kuchen pfui, Teig hui!

Acrylamid entsteht, wenn Stärkehaltiges (zum Beispiel Mehl, Kartoffeln, Kaffeebohnen) erhitzt wird und bräunt. Süßes Gebäck ist deshalb eine üble Acrylamid-Falle. Zum Glück ist die Lösung nicht fern: Statt selbstgebackenen Kuchens nascht die Familie künftig Kuchenteig! Kein Ofen, kein Acrylamid. Nun ja, durchs rohe Ei besteht ein gewisses Risiko, sich Salmonellen einzufangen. Aber irgendwas ist ja immer.

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Adieu Kaffee, hallo lauwarmer Tee!

Werden Kaffeebohnen geröstet, ist es sofort zur Stelle, dieses wahrscheinlich krebserregende Acrylamid. Zwar zeigen große Untersuchungen, dass Kaffeetrinker nicht häufiger oder früher von Krebs dahingerafft werden - aber wer will das schon glauben? Wurden garantiert alle von der Kaffeelobby geschmiert, die Damen und Herren Wissenschaftler, die das herausgefunden haben. Also Finger weg vom Kaffeebecher und Finger ran an die Teetasse. So ein schöner, heißer ... Moment, bitte innehalten. Warnte doch die Weltkrebsforschungsagentur IARC unlängst, dass allzu heiß genossene Getränke wahrscheinlich das Risiko für Speiseröhrenkrebs erhöhen. Kritisch wird es bei mehr als 65 Grad Celsius. Trinken wir also in Zukunft am besten lauwarmen Kamillentee. Und jetzt sagt bitte niemand, er sei gegen Kamille allergisch!

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Eine Wurst mit Wurst, bitte!

Keine knusprigen Pommes ohne Acrylamid. Was sollen wir da bloß tun als gesundheitsbewusste Menschen beim Imbiss an der Ecke? Wie wäre es, zur Wurst einfach eine zweite Wurst zu bestellen? Sagt man einfach "Fleisch ist mein Gemüse" und hat die Lacher auf seiner Seite. Bloß die IARC, die lacht wieder nicht mit. Wurst ist nämlich nicht wahrscheinlich, sondern sogar sicher krebserregend.

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Schluss mit Knust, Knörzchen, Ränftl und Fietze!

Wenn es ums Endstück eines Brotlaibs geht, drehen die Deutschen sprachlich auf. Leider geht beim Giggerle mit seiner Extraportion Kruste der Acrylamid-Alarm los. Da nutzt die große Brotvielfalt hierzulande nichts, alles zu riskant. Weg mit dem Knäppchen und überhaupt der ganzen gebräunten Kruste. Künftig wird nur noch die Krume, das Brot-Innere, verzehrt. Dafür gibt's auch nicht so verwirrend viele Wörter - Problem gelöst! Jetzt nur noch eine Scheibe Wurst drauf. Ach, geht ja nicht, Krebsgefahr. Ein Löffel Marmelade vielleicht? Nein, wir essen doch viel zu viel Zucker. Eine Scheibe Käse vielleicht? Aber verraten Sie das keinem Veganer, wenn Sie nicht einen Vortrag über die Milch als Quelle allen Übels hören wollen. Sie gucken so traurig, wollen Sie zum Trost etwas Kuchenteig?

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Das Restrisiko in der Möhre

Möhrenschnitze soll man knabbern! Mit einem leckeren Joghurt-Dip, fettarm, versteht sich. Dieser Klassiker unter den Diätweisheiten, die jeden Frühling wieder aus der Mottenkiste kommen, ist auch in Acrylamid-Zeiten Gold wert. Die Karotte, so gesund, so acrylamidfrei! Wobei, wer weiß, welchen Pestiziden sie ausgesetzt war? Ein Restrisiko bleibt. Vielleicht doch lieber nur ein Glas Wasser trinken? Aber welches? Kommt es aus Plastikflaschen, könnte vielleicht etwas Weichmacher in die Flüssigkeit gewandert sein - sehr bedenklich. Und aus der Leitung? Zwar ist das deutsche Trinkwasser so streng reguliert wie sonst quasi nichts auf der Welt. Aber haben Sie schon von diesem Mikroplastik gehört, das jetzt überall zu finden sein soll?

insgesamt 19 Beiträge
dasfred 10.04.2018
1. Ich glaube, morgen sollte ich mal wieder Krebs essen
Nur schade, dass die so teuer sind und nicht mit Pommes und Brotkruste gemästet werden können. Toller Artikel, der den ganzen Ernährungsstuß mal aufs Korn nimmt. Wer auf seinen Körper hört, merkt schnell, was ihm gut tut und [...]
Nur schade, dass die so teuer sind und nicht mit Pommes und Brotkruste gemästet werden können. Toller Artikel, der den ganzen Ernährungsstuß mal aufs Korn nimmt. Wer auf seinen Körper hört, merkt schnell, was ihm gut tut und was nicht. Obst, Gemüse, Milchprodukte und Fleisch im ausgewogenen Verhältnis haben gesunde Menschen noch nie krank gemacht.
aleron 10.04.2018
2. Wunderschön dargestellt.
Wenn man heutzutage den ganzen " Ernährungswissenschaftler " Glauben schenken mag ergibt sich ein ganz neues Problem, zumindest bei mir. Permanente Kopf- und Nackenschmerzen. Ich kann da den ganzen Tag nur noch mit dem [...]
Wenn man heutzutage den ganzen " Ernährungswissenschaftler " Glauben schenken mag ergibt sich ein ganz neues Problem, zumindest bei mir. Permanente Kopf- und Nackenschmerzen. Ich kann da den ganzen Tag nur noch mit dem Kopf schütteln. Der eine sagt vegan ist das beste, der andere warnt vor den Pestiziden in Obst und Gemüse, wieder einer sagt nur Rohkost ist das einzig richtige.........u.s.w. schauen Sie sich mal die Leute an, die sehen aus wie wandelnde Leichen. Was ist den mit dem Geschmack, die guten Röstaromen wie sie Tim Mälzer immer beschrieben hat? Wer sich in der Evolution des Menschen auch nur ansatzweise auskennt wird feststellen, das wir schon immer Allesfresser waren und trotzdem haben wir bis heute überlebt, auch mit Röstaromen und Fleisch.
bombobabier 10.04.2018
3.
Der private Backofen entzieht sich staatlicher Kontrolle? Mit dem Internet der Dinge muss das nicht mehr sein. Backtemperaturen über 180 Grad werden online an die zuständige Behörde gemeldet, und mit einer eingebauten Kamera [...]
Der private Backofen entzieht sich staatlicher Kontrolle? Mit dem Internet der Dinge muss das nicht mehr sein. Backtemperaturen über 180 Grad werden online an die zuständige Behörde gemeldet, und mit einer eingebauten Kamera lässt sich dann auch gleich überprüfen, was da im Rohr brutzelt.
butzibart13 10.04.2018
4. Was lehrte uns schon Paracelsus....
Roher Teig ist auch nicht problemlos, wie schon angedeutet durch mögliche Salmonellen im Ei, aber auch durch STEC (Shigatoxin bildende Coli-Bakterien) im Mehl, wovon schon vor 2 Jahren gewarnt wurde. Abgesehen davon ist rohes [...]
Roher Teig ist auch nicht problemlos, wie schon angedeutet durch mögliche Salmonellen im Ei, aber auch durch STEC (Shigatoxin bildende Coli-Bakterien) im Mehl, wovon schon vor 2 Jahren gewarnt wurde. Abgesehen davon ist rohes Mehl schwer verdaulich. Möhren enthalten auch in geringsten Mengen ein Gift, Falcarinol, und beim Erhitzen von vielen Produkten können Hitzetoxine wie Nitrosamin, Benzpyren u. ä. entstehen. Rohe Bohnen sind auch giftig. Man könnte diese Toxikologie ewig weit fortsetzen. Wenn man alles zu verbissen sieht, bleiben nur noch ratlose Verbraucher zurück. Man sollte einfach eine einseitige Ernährung vermeiden.
shardan 10.04.2018
5. Besonders Witzig....
Besonders lustig sind denn auch die Ratschläge, die diverse Magazine regelmäßig verbreiten. Nur aus Gaudi haben wir die mal in einem Satz zusammengefasst gelistet. Da kommen dann - oft in unmittelbar aufeinander folgenden [...]
Besonders lustig sind denn auch die Ratschläge, die diverse Magazine regelmäßig verbreiten. Nur aus Gaudi haben wir die mal in einem Satz zusammengefasst gelistet. Da kommen dann - oft in unmittelbar aufeinander folgenden Ausgaben Dinge wie "Grillen nur mit Alufolie - der böse Rauch...", in der nächsten Ausgabe findet sich "Bloß nicht mit Alufolie grillen - giftiges Aluminium...". Es wird jede Woche die sprichwörtliche andere Sau durchs Dorf getrieben. Oft in genau entgegengesetzter Aussagerichtung, so dass auch wirklich jeder Leser in seiner Realitätsblase erreicht wird. Das ganze gern zusammen mit ein paar Küchenmythen wie "Wasser, dass im Kessel gestanden hat, muss man wegschütten, ganz gefährlich" - war es tatsächlich mal: Nach dem Krieg wurden die Wasserkessel aus vernickeltem Eisenblech gebaut. Stand das Wasser über Nacht im Kessel, konnte (!) das Allergien auslösen. Konnte, notabene. Heute haben Wasserkocher eher Edelstahl - vergesst solche Mythen endlich. Das ist so echt wie der Doktor B. aus der Zahnbürstenwerbung

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