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Gesundheit

Heilwasser

Arzneimittel aus der Flasche

Kann Wasser eine Arznei sein? In manchen Fällen schon. In Deutschland gibt es verschiedene Heilwässer. Sie sollen unter anderem die Verdauung fördern oder Sodbrennen lindern.

DPA
Donnerstag, 09.08.2018   11:40 Uhr

Sie wirken vorbeugend, lindernd, heilend und werden in medizinischen Therapien eingesetzt: Deshalb unterliegen Heilwässer in Deutschland auch dem Arzneimittelrecht und müssen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen werden.

"Heilwasser ist im Gegensatz zu Mineralwasser, Quell- oder Tafelwasser kein Lebensmittel, sondern ein Arzneimittel", sagt Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern in München.

Das bedeutet: Abfüller von Heilwasser müssen die Wirksamkeit sowie die Qualität und Unbedenklichkeit des Produkts mit wissenschaftlichen Gutachten nachweisen. "Der Gesetzgeber verlangt dazu eine umfangreiche Prüfung und Dokumentation", sagt Schubert. Das schlägt sich auf den Preis nieder: 73 Cent pro Liter kostet Heilwasser im Schnitt, sagt Corinna Dürr vom Informationsbüro Heilwasser. Zum Vergleich: Mineralwasser beim Discounter ist für rund 13 Cent pro Liter zu haben. Markenwasser kostet rund 50 Cent pro Liter.

Was unterscheidet Heilwasser von Mineralwasser?

Heilwasser stammt aus tiefen Gesteinsschichten. Bis dorthin hat das in den Boden gesickerte Regenwasser einen langen Weg zurückgelegt. Dabei wurde es gefiltert. Zugleich nimmt es je nach Gestein Mineralstoffe auf. Abhängig von den geologischen Bedingungen entwickeln sich unterschiedliche Wässer.

In der Regel haben sie einen hohen Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen, erklärt Johannes Georg Wechsler, Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM). Mindestens ein Gramm gelöste Mineralstoffe und Spurenelemente müssen enthalten sein. Oft werden größere Mengen Kalzium, Fluorid, Hydrogencarbonat, Magnesium und Sulfat nachgewiesen.

Die genaue Zusammensetzung der Mineralstoffe unterscheidet sich je nach Herkunft des Wassers. Entsprechend werden verschiedene Heilwässer auch bei unterschiedlichen Krankheiten empfohlen.

"Wässer mit viel Sulfat zum Beispiel regen die Verdauung an", sagt Dürr. Heilwässer mit Hydrogencarbonat sollen Sodbrennen lindern. Auch zum Vorbeugen von Harnsteinen werden einige der Wässer empfohlen - oder bei Menschen, die viel Kalzium oder Magnesium zu sich nehmen sollen.

"Der Blick aufs Etikett ist enorm wichtig"

Auf dem Etikett der Heilwasserflasche sind die Anwendungsgebiete und Trinkempfehlungen zu finden. "Der Blick aufs Etikett ist enorm wichtig", sagt Wechsler. Dort ist aufgelistet, wie hoch der Anteil etwa an Kalium, Natrium oder Magnesium ist.

Abgefüllt wird das Wasser nahezu unverändert. Allerdings kann Eisen entzogen werden - damit wird das Ausfällen von Eisenoxid vermieden. "Es würde sich sonst als braune Partikel auf dem Flaschengrund zeigen", so Schubert. Dass Eisen entzogen wurde, muss auf dem Etikett angegeben werden. Dann steht dort der Hinweis "enteisent".

MYTHOS ODER MEDIZIN

Auch Schwefelverbindungen oder das giftige Arsen dürfen dem Wasser entzogen werden. Bei entsprechender Kennzeichnung dürfen Abfüller dem Wasser auch Kohlendioxid zusetzen. Generell gelten für Heilwasser die mikrobiologischen Anforderungen der Mineral- und Tafelwasserverordnung.

Aufpassen bei Krankheiten von Herz und Nieren

In der Regel können die in Flaschen verkauften Heilwässer täglich in größeren Mengen getrunken werden - rezeptfrei. Allerdings sollten Menschen, bei denen Herz und Nieren nur eingeschränkt arbeiten, nicht zu viel Flüssigkeit auf einmal aufnehmen. "Bei bestehenden Erkrankungen kann es sinnvoll sein, die Anwendung mit dem Hausarzt oder mit anderen erfahrenen Gesundheitsfachkräften abzustimmen", so Dürr. Denn nicht immer ist die Zufuhr bestimmter Stoffe in großen Mengen sinnvoll.

Ein Muss sind Heilwässer natürlich nicht. Wer keine Lust aufs Kistenschleppen hat, ist meist auch mit Leitungswasser gut bedient.

wbr/Sabine Meuter, dpa

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