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Gesundheit

Mett, Harzer Roller, Räucherlachs

Viele Kliniken servieren riskante Lebensmittel

Wer's herzhaft mag, isst gern Mett und Räucherlachs, doch in diesen Lebensmitteln stecken häufig krank machende Keime. Viele Kliniken und Heime sind sich dessen nicht bewusst und bringen ihre Patienten unnötig in Gefahr.

imago

Mettbrötchen mit Zwiebeln, Gurken und Petersilie

Donnerstag, 06.12.2018   16:29 Uhr

Dass Lebensmittel Keime übertragen können, haben wohl die meisten schon einmal am eigenen Leib gespürt: Salmonellen im Tiramisu, Listerien im Tartar oder E.coli im Salat.

Besonders gefährlich wird es, wenn Menschen mit einem nicht voll ausgebildeten oder geschwächten Immunsystem auf die Erreger treffen. Trotzdem setzen viele Kliniken sowie Alten- und Pflegeheime ihre Patienten und Bewohner unnötigen Risiken aus, warnt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Kontrolleure des BVL hatten 2017 insgesamt 1880 Krankenhäuser und Heime überprüft. In den Menüs der Einrichtung stießen sie häufig auf Lebensmittel wie Mettwurst, Harzer oder Limburger Käse sowie Räucherfisch, berichtet das BVL. Das sei riskant: Rohe Wurst, Rotschmierekäse und ungekochter Fisch sind besonders häufig mit Keimen belastet, die bei kranken oder alten Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu gefährlichen Infektionen führen können.

Nur jedes zehnte kontrollierte Krankenhaus oder Heim habe bei der Essensversorgung bewusst auf solche Risikolebensmittel verzichtet, heißt es im Jahresbericht zur Lebensmittelüberwachung. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Einrichtungen kannte noch nicht einmal die Empfehlungen für Speisepläne des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), die es zum Schutz empfindlicher Personengruppen gibt.

"Es ist erschreckend, dass in so vielen Einrichtungen, in denen man gesund werden soll, das Risiko besteht, am Essen zu erkranken", sagte BVL-Präsident Helmut Tschiersky.

Wer gilt im Hinblick auf Lebensmittelinfektionen als besonders gefährdet?

Als besonders empfindliche Personengruppen stuft das BfR Menschen ein, deren Abwehrkräfte noch nicht voll ausgebildet oder beeinträchtigt sind. Darunter fallen:

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Bei welchen Lebensmitteln ist besondere Vorsicht geboten?

Die Abgabe von Rohmilch ist in Gemeinschaftseinrichtungen rechtlich untersagt. Auch Speisen mit Rohei dürfen Einrichtungen nur herausgeben, wenn sichergestellt ist, dass Salmonellen vor der Abgabe abgetötet wurden.

Darüber hinaus listet das BfR eine Reihe von Lebensmitteln auf, bei denen es empfiehlt, sie direkt vor der Ausgabe an empfindliche Personengruppen ausreichend zu erhitzen - oder auf sie zu verzichten. Unter diese Regelung fallen unter anderem:

Die meisten Krankheitserreger sterben, wenn Lebensmittel auch in ihrer Mitte mindestens zwei Minuten lang auf 72 Grad Celsius erhitzt werden.

Wie lässt sich das Risiko für Lebensmittelinfektionen sonst noch reduzieren?

Daneben nennt das BfR auch weitere Möglichkeiten, die Infektionsgefahr für besonders empfindliche Personen zu reduzieren:

Diese Empfehlungen gelten zusätzlich zu den allgemeinen Regen für eine gute Küchenhygiene. Dazu zählt beispielsweise, sich nach der Verarbeitung von Eiern oder rohem Fleisch gut die Hände zu waschen, vor der Verarbeitung die Kühlkette aufrechtzuerhalten und bei der Zubereitung darauf zu achten, dass riskante Zutaten nicht mit roh verzehrten Zutaten wie Salat in Kontakt kommen.

irb/dpa

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