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Gesundheit

Marathon-Training mit Klotzbier

"Ich fühle mich großartig - trotz Übergewicht"

Noch immer ist Micha Klotzbier schwer übergewichtig, trotzdem hat er das Training für den Berlin-Marathon im September begonnen: Eine erste Bilanz.

Michael Klotzbier
Mittwoch, 06.07.2016   10:25 Uhr

Mein erster Marathontrainings-Monat ist vorbei. Ich fühle mich großartig! Ich werde schneller und halte längere Strecken durch. Körperlich gehts mir prima.

Auch mein Umfeld reagiert super. Mein Vater fragt täglich nach Schrittzahl und Gewicht, Freunde treffen sich mit mir zum Laufen und meine Familie ist sehr verständnisvoll für meine Zeitnot. Ich gebe mir aber auch Mühe. Um meinen Sohn mehr zu sehen, laufe ich morgens um 5 Uhr. Dann kann ich beim Frühstück dabei sein.

Doch nicht in allen Bereichen ist mein Trainer Piet Könnicke von gotorun.de mit mir zufrieden. Mein Essverhalten ist weiterhin nicht gut. Bei einigen Aufgaben, die er mir gestellt hatte, bin ich aber auch weitergekommen. Meine Bilanz nach einem Monat Training:

Aufgabe: Abnehmen und Ernährungsprotokoll führen

Ich habe zugenommen: von 103 auf 109 Kilo. Woran es liegt? Ein Teil von mir hofft, dass ich Muskelmasse aufbaue - und vielleicht stimmt das auch. Aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich: Ich futtere zu viel und falsch. Burger, Eis und Bier - haben super geschmeckt, die Fußballeuropameisterschaft hat auch nicht geholfen - aber jetzt ist der Frust groß. Das Ernährungsprotokoll, das ich mithilfe von Apps führe, ist gnadenlos. Ich muss alles, was ich esse, dokumentieren. Das ist anstrengend und nervig. Mir ist schon klar, dass darin eine große Chance liegt, Fehler zu erkennen und sie anzugehen - dennoch fällt es mir unglaublich schwer, es richtig umzusetzen.

Das sagt der Trainer:

"Die 50 Kilo, die schon runter sind, hat Micha durch viel Sport und ein neues Essverhalten verloren. Früher gab es für ihn fast nur Junkfood, Süßes und Fettiges - das war derart schlecht, dass es leicht zu erkennen und vergleichsweise leicht zu reduzieren war. Das ist jetzt viel schwieriger. Auch in seiner vermeintlich besseren Ernährung verstecken sich Abnehm-Killer wie Zucker und Fette. Es ist gar nicht so einfach, diese zu entdecken und zu reduzieren - deshalb ist das Ernährungsprotokoll so wichtig. Er muss lernen, was wirklich nährt und in welchen Situationen es zu Rückfällen kommt."

Aufgabe: Regenerationsvermögen und Energiebereitschaft steigern

Ich glaube, ich habe die perfekte Balance zwischen Training und Erholung gefunden. Und man merkt wirklich eine Leistungssteigerung, wenn man sich Pausen gönnt. Ich muss aber zugeben: Piet und meine Freunde achten drauf, dass ich die Regenerationsphasen auch einhalte.

Ich tracke inzwischen auch meinen Schlaf. Ergebnis: zu wenig Schlaf. Dass ich abends mit zu viel im Bauch schlecht zur Ruhe komme, wusste ich eigentlich, aber ich esse trotzdem spät. Echt doof von mir. Ärgert mich.

Das sagt der Trainer:

"Mit Empfehlungen und klaren Vorgaben kommt Micha gut zurecht: Steht trainingsfrei im Plan, wird auch freigemacht. Was mir überhaupt nicht gefällt, ist Vor- und Nachbereitung des Trainings: Er hat keine Trinkflasche dabei; Trinken vor und nach dem Training vernachlässigt Micha zu sehr. Auch eine Banane davor, ein Stück Melone oder Apfel danach - Fehlanzeige. Ich bin gespannt, wie mein Vortrag über disziplinierte Organisation eines Trainings bei ihm fruchtet."

Aufgabe: Leistungsfähigkeit verbessern

Ich finde, ich bin auf einem guten Weg. Ich bin deutlich schneller geworden. Früher schlich ich mit 7:30 Minuten pro Kilometer durch die Gegend, heute schaffe ich die zehn Kilometer teilweise in 5:30 Minuten Durchschnittsgeschwindigkeit. Das merken auch meine Laufkameraden und ich denke, Piet sieht es auch.

Einen Halbmarathon am Morgen, macht Lust auf den Rest des Tages. Durch das perfektes Wetter und eine spannende Laufpartnerin ist die Zeit vorbeigegangen wie im Flug. Und da ja noch EM ist, fängt das Fußballer Herz gleich höher an zu schlagen, wenn es auf den Nachmittag zu geht. Vielleicht machen Michel und ich heute ausnahmsweise mal Mittagsschlaf! #michahalbiertsich #michaläuftsichschlank #instarunners #motivation #fitstattfett #fitbiteurope #runner

Ein von Micha Klotzbier (@micha_klotzbier) gepostetes Foto am

Zusätzliche bin ich mehrmals über 20 Kilometer gelaufen - letztes Wochenende so gar 28 Kilometer. War kein Problem für meine Kondition - ich hätte sogar fünf bis zehn Kilometer mehr geschafft. Auch Knochen, Sehnen, Muskeln und Knie haben sehr gut gehalten.

Motiviert durch das nervenaufreibende Elfmeterschießen gestern habe ich heute mit meinem beiden Freunden Frank und Steffen einfach mal einen neuen Streckenrekord aufgestellt. Mein Vater hat auf der Strecke dankenswerterweise die Getränkeversorgung sichergestellt! #michahalbiertsich #michaläuftsichschlank #runner #fitbiteurope #surge #myroadtoberlinmarathon

Ein von Micha Klotzbier (@micha_klotzbier) gepostetes Foto am

Die "Fit-statt-fett"-Challenge lief sehr gut. Jeden Tag kam eine Fitnessübung dazu - viele für die Stabilisation. Ich will jetzt die Übungen, die mir schwergefallen sind, weiterführen - also alles für den Rumpf. Aber um ehrlich zu sein, habe ich seit Ende der Challenge letzte Woche nichts mehr gemacht.

Das sagt der Trainer:

"Die Mitmach-Aktion 'Fit-statt-fett' war super für Micha - endlich hat er regelmäßig Stabilisationsübungen gemacht. Aber es war lediglich ein Hilfsprogramm. Jetzt muss er selbstständig dranbleiben - auch ohne digitale Mitturner. Ich bin gespannt, ob es klappt oder ob er die Übungen wieder verdrängt."

Aufgabe : Alternative Trainingsmethoden

Ich fahre inzwischen wirklich viel und gerne Rad - nicht nur die zehn Kilometer zur Arbeit und zurück. Ich habe mein erstes Radrennen absolviert - den Berliner Velothon mit 60 Kilometern. Schwimmen und Yoga werde ich auf jeden Fall bis zum Marathon noch dazunehmen.

Das sagt der Trainer:

"Daumen hoch! Michas Einsatz ist hier sehr gut. Zwei bis drei Radeinheiten pro Woche sind inzwischen selbstverständlich für ihn."

Aufgabe : Weiterdenken

Woran ich momentan am meisten denke? Ganz klar: an den Berlin Marathon. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich mir vorstelle, wie meine Familie und Freunde im Ziel auf mich warten und ich auf sie zulaufe.

Aber klar denke ich daran, wie es nach dem Marathon weitergehen soll. Ich brauche dann womöglich ein neues Ziel. Meine Verhaltensänderung fühlt sich an wie ein Entfliehen aus der Schwerkraft - ich muss mich Stück für Stück immer mehr von meinen Gewohnheiten lösen. Gerade bei der Ernährung habe ich enorm Angst vor einem Rückfall.

Vielleicht werde ich mich mit meiner Psyche beschäftigen: Warum esse ich so viel? Warum kann ich Dinge nicht lassen, die mir schaden? Will ich irgendeine Leere füllen? Laufe ich vor etwas davon?

Das sagt der Trainer:

"Angesichts des Ideen- und Gesprächsmarathons, den ich während unseres letzten gemeinsamen Trainings absolviert habe, steht aktuell weniger die Frage, ob Micha nach dem Marathon noch Sport treibt. Es geht jetzt darum, wie und womit er weiter ein bewegtes Leben führt. Dieser Frage muss er sich bald stellen."

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insgesamt 21 Beiträge
CouscousGauthier 06.07.2016
1. Hut ab!
Mit einer 10-km-Zeit von 55 min und langen Läufen bis 28 km ist das Marathon-Ziel doch praktisch schon erreicht. Das noch recht hohe Gewicht ist für Muskeln und Kreislauf kein Problem, stellt aber eine recht hohe Belastung für [...]
Mit einer 10-km-Zeit von 55 min und langen Läufen bis 28 km ist das Marathon-Ziel doch praktisch schon erreicht. Das noch recht hohe Gewicht ist für Muskeln und Kreislauf kein Problem, stellt aber eine recht hohe Belastung für die Gelenke (insbes. Knie) dar. Ich drücke die Daumen, dass es mit dem Berlin-Marathon klappt und dass die Gelenke halten!
Newspeak 06.07.2016
2. ...
Mit Empfehlungen und klaren Vorgaben kommt Micha gut zurecht Und wenn die klaren Vorgaben wegfallen, was dann? Eine Verhaltensumstellung ist sicher mit das Schwerste, was es gibt, aber sie muß von der Person selbst kommen [...]
Mit Empfehlungen und klaren Vorgaben kommt Micha gut zurecht Und wenn die klaren Vorgaben wegfallen, was dann? Eine Verhaltensumstellung ist sicher mit das Schwerste, was es gibt, aber sie muß von der Person selbst kommen und auch ohne Vorgaben und Fremdkontrolle durchführbar sein, sonst bringt das doch alles langfristig nichts. Ebenso erscheint es mir unsinnig, den Faktor Sport so zu übertreiben. Viele Menschen sind auch ohne oder mit nur wenig Sport schlank. Wenn ich im Sport 200% geben muß, um beim Gewicht 100% zu halten, dann stimmt doch was nicht. Vielleicht werde ich mich mit meiner Psyche beschäftigen: Warum esse ich so viel? Warum kann ich Dinge nicht lassen, die mir schaden? Will ich irgendeine Leere füllen? Laufe ich vor etwas davon? Diese Fragen will man in Zukunft klären? Wieso nicht am Anfang?
KimErdogan 06.07.2016
3. wow
10 km in 5:30 Minuten, das schaffe ich gerade mal mit meinem Auto. Also für Brasilien darf der Typ nicht zugelassen werden, höchstens unter neutraler Flagge
10 km in 5:30 Minuten, das schaffe ich gerade mal mit meinem Auto. Also für Brasilien darf der Typ nicht zugelassen werden, höchstens unter neutraler Flagge
cyoulater 06.07.2016
4. Lesen hilft...
DURCHSCHNITTSgeschwindigkeit. So steht das im Artikel.
Zitat von KimErdogan10 km in 5:30 Minuten, das schaffe ich gerade mal mit meinem Auto. Also für Brasilien darf der Typ nicht zugelassen werden, höchstens unter neutraler Flagge
DURCHSCHNITTSgeschwindigkeit. So steht das im Artikel.
Susanne133 06.07.2016
5. 10km in 05:30
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: diese Aussage zur Distanz und Dauer wird komplettiert durch das Wort 'Durchschnittsgeschwindigkeit'.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: diese Aussage zur Distanz und Dauer wird komplettiert durch das Wort 'Durchschnittsgeschwindigkeit'.

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