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Gesundheit

Ernährung

Wie gesund ist Milch?

Für viele gehört Milch schon beim Frühstück dazu - im Müsli oder Kaffee. Trotzdem wird gestritten, ob das Lebensmittel die Gesundheit fördert oder ihr schadet. Die Fakten.

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Mittwoch, 20.09.2017   11:13 Uhr

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Es ist ein Naturstoff, der in Europa eine jahrtausendealte Tradition hat: Kuhmilch. Schon vor etwa 6000 Jahren tranken die Menschen hier Milch. So breitete sich sogar eine Erbgut-Variante aus, die es nicht nur Babys ermöglicht, die Flüssigkeit und daraus hergestellte Lebensmittel bestens zu verwerten. Der Anteil von Erwachsenen, die den Milchzucker Laktose vertragen, liegt in Europa bei rund 85 Prozent, auf anderen Kontinenten ist er zum Teil deutlich niedriger.

Dennoch wird viel darüber gestritten, ob Milch denn nun gesund ist oder nicht. Wer eine kurze Antwort will: Milch kann ganz sicher ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung sein. Wer Laktose verträgt und nicht gegen Milchbestandteile allergisch ist, kann sie ohne Angst verzehren. "Es gibt keinen gesundheitlichen Grund, auf Milch zu verzichten", sagt etwa Bernhard Watzl vom Max Rubner-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel.

Er lobt den hohen Anteil wichtiger Nährstoffe in Milch und Milchprodukten: Kalzium, Jod, hochwertige Proteine, vielfältige Fettsäuren.

Langzeitstudien, in denen Menschen immer wieder Auskunft über ihre Ernährung geben und in denen erfasst wird, wann die Teilnehmer erkranken oder sterben, deuten in die Richtung, dass mit steigendem Konsum von Milch, Käse und Joghurt das Schlaganfallrisiko sinkt. Auch bei anderen Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie Diabetes und Darmkrebs hat der Verzehr wohl eher einen schützenden Effekt.

Die Ausnahme: Männer, die täglich mehr als 1,2 Liter trinken oder mehr als 100 Gramm Hartkäse essen, haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs.

Auf diese Mengen dürften aber die wenigsten kommen. Im Schnitt konsumiert jeder Deutsche im Jahr rund 84 Liter Milch - inklusive Kefir, Sauermilch und Milchmischgetränken - und isst knapp 24 Kilogramm Käse. Das entspricht weniger als einem Viertelliter Milchgetränken sowie etwa 65 Gramm Käse täglich.

Was genau steckt in Milch - und wie wirken die Substanzen?

Proteine sind ein wichtiger Bestandteil der Nahrung, sie bilden in vielerlei Hinsicht das Grundgerüst unserer Zellen. Milchproteine sind dabei besonders hochwertig: Ihre Zusammensetzung entspricht sehr stark jener, die für unseren Körper optimal ist. Ähnliches gilt für die Proteine im Ei. Wer auf tierische Lebensmittel verzichtet, kann seinen Proteinbedarf jedoch auch über Hülsenfrüchte, Nüsse und Getreide decken. Es gibt Menschen, die gegen Proteine aus Kuhmilch allergisch sind. Sie müssen tatsächlich aus gesundheitlichen Gründen auf den Konsum verzichten.

Superkühe - das Experiment

Milch enthält auch Kohlenhydrate, und zwar vor allem Milchzucker - die Laktose. Sie ist der zweite Grund dafür, dass einige Menschen Milch nicht vertragen. Die Betroffenen können Milchzucker nur zum Teil oder gar nicht verdauen. Die Substanz gelangt dann in den Dickdarm, wo Bakterien sie zersetzen - wobei Gase entstehen. Milchkonsum führt deshalb zu Blähungen, Bauchkrämpfen, Übelkeit oder Durchfall. Wird Laktose verdaut, ist sie unproblematisch.

So simpel das Zucker-Profil der Milch, so vielfältig sind ihre Fette: Mehr als 400 verschiedene Fettsäuren stecken in der Milch. Es sind vor allem sogenannte gesättigte Fettsäuren, was dem Milchfett lange einen eher schlechten Ruf einbrachte. Inzwischen geben hier jedoch viele Ernährungswissenschaftler Entwarnung - eben auch weil Milchkonsum nicht mit einem höheren Risiko für Herzkreislauferkrankungen einhergeht.

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Der Mineralstoff Kalzium ist unter anderem für die Knochen wichtig. Milch ist ein guter Kalziumlieferant. Wer sie nicht verzehrt, kann die Substanz auch über Gemüse - etwa Grünkohl, Lauch oder Brokkoli - sowie Nüsse aufnehmen. Zusätzlich gibt es Mineralwasser-Sorten, die reich an Kalzium sind. Obwohl Milch viel Kalzium enthält, haben Menschen mit hohem Milchkonsum kein gesenktes Risiko, im Alter einen Knochenbruch zu erleiden. Das gilt allerdings auch für andere kalziumreiche Nahrung sowie Ergänzungsmittel - mehr Kalzium im Essen scheint leider keinen Schutz vor Knochenbrüchen im Alter zu bieten.

Milch enthält noch viele weitere Substanzen - unter anderem Enzyme und Hormone. Möglicherweise fördern einige davon das Auftreten von Akne. Milchtrinker haben tendenziell höhere Konzentrationen eines Wachstumsfaktors (IGF-1) im Blut. Das trägt vermutlich dazu bei, dass Kinder, die Milch und Milchprodukte konsumieren, mehr wachsen.

Diskutiert wird auch, welche Effekte sogenannte MicroRNA aus der Milch hat. Sie kann theoretisch die Aktivität von Genen beeinflussen. Milch enthält sehr viele verschiedene MicroRNAs, die auf noch viel mehr Gene wirken könnten. Ob die Effekte eher positiv oder negativ sind, lässt sich bisher nicht beantworten.

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Zusammengefasst: Wem die Milch schmeckt und bekommt, muss nicht auf sie verzichten. Im Gegenteil - nach aktueller Studienlage scheint der Verzehr von Milch und Milchprodukten die Gesundheit eher zu fördern. Wer Milch nicht verträgt oder sich vegan ernähren will, kann die in der Milch enthaltenen Nährstoffe auch über andere Lebensmittel aufnehmen.

insgesamt 95 Beiträge
moev 20.09.2017
1.
Ein Blick auf die Geschichte der Laktosetoleranz reicht. Das ist quasi die größte Feldstudie am Menschen die je durchgeführt wurde. Angefangen von einer kleinen Gruppe hat sich die Mutation, Laktose noch im Alter verarbeiten [...]
Ein Blick auf die Geschichte der Laktosetoleranz reicht. Das ist quasi die größte Feldstudie am Menschen die je durchgeführt wurde. Angefangen von einer kleinen Gruppe hat sich die Mutation, Laktose noch im Alter verarbeiten zu können, in den nördlichen Breitengrade so extrem ausgebreitet, das die eigentlich normalen, aka mit Laktoseunverträglichkeit, zur Minderheit geworden sind (teilweise regional ausgestorben!). Fazit: Laktosetoleranz bot einen immensen Überlebensvorteil. Wo wir heute die exotischsten Früchte um die Welt einfliegen lassen können mag der Vorteil irrelevant sein, aber er war mal ganz gewaltig. In südlicheren Gefilden hat man hingegen das nie wirklich gebraucht, daher kaum verbeitet
H-Vollmilch 20.09.2017
2.
Milch ist seit jahrtausenden Bestandteil unserer Ernährung. Gestritten wird darum erst seit es Internet gibt.
Milch ist seit jahrtausenden Bestandteil unserer Ernährung. Gestritten wird darum erst seit es Internet gibt.
claus_kleber 20.09.2017
3. IGF-1 und Krebszellen
Der Zusammenhang zwischen IGF-1 und dem Wachstum von Krebszellen wäre erwähnenswerter gewesen als der zwischen Milch trinkenden Kindern und deren eventuell leicht erhöhter Körpergröße.
Der Zusammenhang zwischen IGF-1 und dem Wachstum von Krebszellen wäre erwähnenswerter gewesen als der zwischen Milch trinkenden Kindern und deren eventuell leicht erhöhter Körpergröße.
Keksefüralle 20.09.2017
4.
Kaum. Wenn man sieht wo die Industrie überall Milchzucker reinsteckt.
Zitat von moevEin Blick auf die Geschichte der Laktosetoleranz reicht. Das ist quasi die größte Feldstudie am Menschen die je durchgeführt wurde. Angefangen von einer kleinen Gruppe hat sich die Mutation, Laktose noch im Alter verarbeiten zu können, in den nördlichen Breitengrade so extrem ausgebreitet, das die eigentlich normalen, aka mit Laktoseunverträglichkeit, zur Minderheit geworden sind (teilweise regional ausgestorben!). Fazit: Laktosetoleranz bot einen immensen Überlebensvorteil. Wo wir heute die exotischsten Früchte um die Welt einfliegen lassen können mag der Vorteil irrelevant sein, aber er war mal ganz gewaltig. In südlicheren Gefilden hat man hingegen das nie wirklich gebraucht, daher kaum verbeitet
Kaum. Wenn man sieht wo die Industrie überall Milchzucker reinsteckt.
Maggie Mae 20.09.2017
5. Magnesium
Meine das es so ist das für den Körper um Kalzium aufzunehmen es auch Magnesium bedarf. Da das nicht oder nur sehr gering vorhanden ist in der Milch kann der Körper den Kalzium nicht aufnehmen--und scheidet ihn deshalb wieder [...]
Meine das es so ist das für den Körper um Kalzium aufzunehmen es auch Magnesium bedarf. Da das nicht oder nur sehr gering vorhanden ist in der Milch kann der Körper den Kalzium nicht aufnehmen--und scheidet ihn deshalb wieder aus--deshalb statt guter Knochen eher Osteoporose.
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