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Gesundheit

Interview mit Ex-Fußballprofi

Timo Hildebrand über sein Leben als (Teilzeit-)Veganer

Er isst kein Fleisch, aber ab und an Fisch oder Tomate-Mozzarella: Seit drei Jahren lebt Timo Hildebrand überwiegend vegan. Er erzählt, was ihn antreibt und warum er nicht auf seinen Vitaminspiegel achtet.

imago/ Objektif

Timo Hildebrand

Ein Interview von Thomas Lipke
Freitag, 10.08.2018   11:19 Uhr

Zur Person

Timo Hildebrand war 17 Jahre Fußballprofi. Er spielte in der Nationalmannschaft und unter anderem bei Stuttgart und Schalke. 2016 beendete er offiziell seine Fußball-Karriere. Jetzt ist er Gesellschafter der veganen Supermarktkette Veganz, unterstützt die Tierrechtsorganisation Peta und lebt überwiegend vegan.

SPIEGEL ONLINE: Herr Hildebrand, was haben Sie heute Morgen gefrühstückt?

Hildebrand: Eine Wassermelone.

SPIEGEL ONLINE: Das war alles?

Hildebrand: Ja, das finde ich völlig ausreichend bei diesen Temperaturen.

SPIEGEL ONLINE: Vor drei Jahren entschlossen Sie sich zu einer veganen Ernährung.

Hildebrand: Ich muss zugeben, dass ich mich nicht zu hundert Prozent vegan ernähre. Ich bin seit diesen drei Jahren fleischfrei, aber ab und zu esse ich noch Fisch oder Tomate-Mozzarella. Aber ich versuche, überwiegend auf tierische Produkte zu verzichten. Ich kann deshalb guten Gewissens sagen, dass ich auf einem guten Weg bin. Vor allem, weil die vegane Ernährung meine große Leidenschaft ist.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie sich denn zu einer überwiegend veganen Ernährung entschlossen?

Hildebrand: Zum einen aufgrund meiner Beteiligung an Veganz (Anmerkung der Redaktion: eine vegane Supermarktkette), zum anderen wollte ich mich besser und gesünder fühlen. Außerdem gibt es circa hundert Gründe, wieso man auf tierische Produkte verzichten sollte - Umwelt, Klima, Tierwohl, Wasserverbrauch. Eine pflanzliche Ernährung rettet auch unseren Planeten.

SPIEGEL ONLINE: Wie oft machen Sie eine Ausnahme und essen tierische Produkte?

Hildebrand: Das kann ich so pauschal nicht sagen. Wenn ich Bock auf ein Eis habe, dann esse ich mal ein Eis.

SPIEGEL ONLINE: Wie schwer fiel Ihnen die Umstellung?

Hildebrand: Es hat natürlich seine Zeit gebraucht, aber ging relativ schnell in die richtige Richtung. Ich bin nicht dogmatisch - weder bei mir selbst noch bei anderen. Aus meiner Erfahrung sollte man Menschen nicht belehren, sondern sie informieren.

SPIEGEL ONLINE: Zum Zeitpunkt Ihrer Umstellung spielten Sie noch aktiv Fußball. Wie ist der Verein mit dieser Entscheidung umgegangen?

Hildebrand: Meine Leistung als Profisportler blieb stabil. Ich glaube, dass es in den Vereinen noch viel Potenzial in Sachen Ernährung gibt. Der Fußball ist etwas hinterher.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich nicht speziell beraten lassen?!

Hildebrand: Nein, heute würde ich das aber tun. Wenn sich ein Sportler nicht gesund und ausgewogen ernährt, fällt sein Leistungsniveau. Das ist auch im Fußball so, trotzdem tun die Vereine noch zu wenig.

SPIEGEL ONLINE: Meinen Sie, dass die Klubs ihren Spielern zu einem veganen Leben raten sollten?

Hildebrand: Absolut! Und um ein positives Beispiel zu nennen: Eintracht Frankfurt hatte letzte Saison eine Ernährungsberaterin mit dem Schwerpunkt vegane Ernährung in den Klub geholt. Ein sehr guter Schritt.

SPIEGEL ONLINE: Inwieweit spielt der Faktor Disziplin bei gesunder oder veganer Ernährung eine Rolle?

Hildebrand: Mit Sicherheit eine sehr große. Ich glaube, dass sich der Großteil unserer Bevölkerung nicht sehr gesund und ausgewogen ernährt, egal ob vegan oder normal. Ich sehe im Alltag sehr viele übergewichtige Menschen, sogar Kinder, und da frage ich mich, wie sie sich ernähren.

SPIEGEL ONLINE: Allerdings sind auch Pommes und Cola vegane Nahrungsmittel. Was hat vegan mit Dick- oder Dünnsein zu tun?

Hildebrand: Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen gesunder und ungesunder veganer Ernährung. Aber ich glaube, jeder weiß, dass allein die Zufuhr von Obst oder Gemüse positiv wirkt. Wenn man diese schrittweise erhöht, kann das dem Köper nur guttun.

SPIEGEL ONLINE: Ärzte und Ernährungsexperten warnen vor der Gefahr einer möglichen Mangelernährung. Vor allem Vitamin B12 wird dem Körper bei veganer Ernährung vorenthalten. Wie gleichen Sie das aus?

Hildebrand: Ich glaube, dass nicht nur Veganer auf ihren B12-Haushalt achten müssen. Mit dem Argument wird doch die vegane Lebensweise schlecht geredet. Das ist wie mit dem Protein - dabei gibt es genügend pflanzliche Proteinquellen.

SPIEGEL ONLINE: Dass es für Veganer wichtig ist, auf ihren Vitamin-B12-Spiegel zu achten, sagen nicht nur Fleischesser, sondern Experten.

Hildebrand: Ich glaube, dass man vor allem sehr lange diskutieren kann, was nun wirklich gesund oder ungesund ist. Wichtig ist doch, dass man sich in seinem Körper wohlfühlt.

SPIEGEL ONLINE: Und Sie fühlen sich wohl?

Hildebrand: Ja, ich hoffe aber, dass ich es irgendwann schaffe, mich vollkommen vegan zu ernähren.

Video: Veganes Leben - Gemüse ist ihr Fleisch (SPIEGEL TV 2014)

Foto: SPIEGEL TV
insgesamt 40 Beiträge
norgejenta 10.08.2018
1. Da geb ich dem Herrn Hildebrand ja recht
Wir essen alle zuviel Fleisch. Aber deswegen ist für mich eine vegane Ernährung immer noch nicht plausibel.. Warum von einem Extrem zum anderen? Einfach WENIGER Fleisch essen.. und mehr Gemüse.. Die meisten Deutschen bewegen [...]
Wir essen alle zuviel Fleisch. Aber deswegen ist für mich eine vegane Ernährung immer noch nicht plausibel.. Warum von einem Extrem zum anderen? Einfach WENIGER Fleisch essen.. und mehr Gemüse.. Die meisten Deutschen bewegen sich zu wenig und viele sind übergewichtig.. Deswegen sag ich ja auch nicht, dass jetzt alle Marathonläufer werden müssen..Etwas weniger Bequemlichkeit, öfter mal das rad benutzen und das Auto stehen lassen und gut ist.. Und beim Einkauf halt mal bisl mehr die Augen aufmachen was drin landet. In der Mitte liegt die Ausgewogenheit.
dasdingausdemsumpf 10.08.2018
2. Schade!
Ich hätte es jetzt gut gefunden, wenn er gesagt hätte: "Ja, Veganer müssen sehr auf potentielle Mängel, speziell auf Vitamin B12 achten". Das wäre ehrlich und würde der veganen Ernährung keinen zusätzlichen [...]
Ich hätte es jetzt gut gefunden, wenn er gesagt hätte: "Ja, Veganer müssen sehr auf potentielle Mängel, speziell auf Vitamin B12 achten". Das wäre ehrlich und würde der veganen Ernährung keinen zusätzlichen Imageschaden zufügen. Wer gezielt auf Umwelt, Klima, Tierwohl, Wasserverbrauch Rücksicht nehmen möchte, den schreckt doch ein bisschen Nahrungsergänzung nicht ab. Und wann Leute behaupten, das sei eine unnatürliche Ernährung, dann sollen die mal bitte erzählen, was sie den ganzen Tag so essen. Da ist bestimmt ein Großteil industriell gefertigtes Zeug, das auch nicht gesund oder natürlich ist. Soll jeder so essen wie er will. Vegetarisch ist tendenziell gesund, vegan ohne Nahrungsergänzung eher nicht, aber dafür sehr umwelt- und tierfreundlich.
ahemi 10.08.2018
3. Genau!
So geht das. Danke Timo Hildebrand. Kein Dogma, keine Belehrung, aber mit gutem Beispiel voran. Ich ess auch hin und wieder was nicht Veganes, in erster Linie deshalb, weil es unterwegs auf die Schnelle kaum vernünftige Angebote [...]
So geht das. Danke Timo Hildebrand. Kein Dogma, keine Belehrung, aber mit gutem Beispiel voran. Ich ess auch hin und wieder was nicht Veganes, in erster Linie deshalb, weil es unterwegs auf die Schnelle kaum vernünftige Angebote gibt. Und bevor jetzt hier wieder das Geplärre losgeht: erst mal selber probieren, dann posten. Wer’s möchte: es gibt überall Veganbuddies, die euch unterstützen, Vegancoaches, 30-Tage-Challenge. Dann könnt ihr mitreden.
social_d 10.08.2018
4.
Sie haben recht mit dem was Sie schreiben, allerdings hat die vegane Ernährung einen großen Vorteil. 2016 gab es den Medizinnobelpreis für die Foschung zur Autophagie. Bei diesem Prozess verwerten die Körperzellen eigene [...]
Zitat von norgejentaWir essen alle zuviel Fleisch. Aber deswegen ist für mich eine vegane Ernährung immer noch nicht plausibel.. Warum von einem Extrem zum anderen? Einfach WENIGER Fleisch essen.. und mehr Gemüse.. Die meisten Deutschen bewegen sich zu wenig und viele sind übergewichtig.. Deswegen sag ich ja auch nicht, dass jetzt alle Marathonläufer werden müssen..Etwas weniger Bequemlichkeit, öfter mal das rad benutzen und das Auto stehen lassen und gut ist.. Und beim Einkauf halt mal bisl mehr die Augen aufmachen was drin landet. In der Mitte liegt die Ausgewogenheit.
Sie haben recht mit dem was Sie schreiben, allerdings hat die vegane Ernährung einen großen Vorteil. 2016 gab es den Medizinnobelpreis für die Foschung zur Autophagie. Bei diesem Prozess verwerten die Körperzellen eigene abgesstorbene Bestandteile und können sich so regenerieren und neue Energie gewinnen und der Körper reinigt sich selbst. Des Weiteren ist Autophagie einer der Haupthemmprozesse von Herz-Kreislauf-Krankheiten, Alzheimer und Krebs. Gefördert wird die Autophagie durch intermittierendes Fasten, dass heisst dass man mindestens 12-14 Stunden zwischen den Mahlzeiten vergehen lässt und auch Kaffee fördert nachweislich diesen Prozess. Tierische Proteine dagegen hemmen nachweislich die Autophagie. Somit würde ein Kaffe des Prozess fördern, aber nur wenn man die Milch weglässt. Ich kann nur jedem empfehlen die vegane Ernährung einmal für eine Woche zu testen. Das tut nicht weh und man kann sich von den positiven Nebenwirkungen überzeugen. Zu empfhlen ist hier das Buch "Vegan for fit - Gipfelstürmer", das die Woche mit tollen Rezepten begleitet.
rrippler 10.08.2018
5. ich ernähre mich seit fast 40 Jahren ....
... 100%ig vegetarisch mit einem sehr kleinen Anteil an Milchprodukten (ca 80g Yoghurt/Tag, alle paar Tage ein kleines bischen Käse). Ich mach kein großes Gedöns wegen abwechslungsreicher Kost, Superfood usw., mein Speiseplan [...]
... 100%ig vegetarisch mit einem sehr kleinen Anteil an Milchprodukten (ca 80g Yoghurt/Tag, alle paar Tage ein kleines bischen Käse). Ich mach kein großes Gedöns wegen abwechslungsreicher Kost, Superfood usw., mein Speiseplan ist recht elementar. Vor kurzem hat mein Arzt wegen Verdachts auf Vitamin B12-Mangel meinen B12-Spiegel gemessen. Zu seiner Überraschung war er normal.

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