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Gesundheit

Verstopfung

Was hilft, wenn der Darm streikt?

Das Weihnachtsessen war köstlich, üppig - und hat den Darm stillgelegt. Eine vorübergehende Verstopfung lässt sich oft mit einfachen Mitteln beheben. Komplizierter wird es, wenn das Problem langfristig besteht.

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Mittwoch, 27.12.2017   11:11 Uhr

Unter Verstopfung leidet fast jeder mal. Das kann zum Beispiel passieren, wenn man sich im Urlaub von ungewohnten Speisen ernährt. Oder in der Weihnachtszeit jeden Tag ein üppiges Festmahl verzehrt hat.

Der Darm arbeitet dann langsamer, der Stuhl darin wird hart. Ein unangenehmes Druckgefühl breitet sich aus - und verschwindet, sobald ein Toilettengang wieder möglich ist.

Manche Menschen leiden jedoch nicht gelegentlich an Verstopfung, sondern chronisch. Sie fühlen sich krank und abgeschlagen, sind appetitlos, haben Kopfschmerzen und sind müde. Schätzungen zufolge sind in Deutschland 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem weit verbreiteten Problem.

Was passiert im Darm?

Der Mensch hat nicht nur ein Gehirn im Kopf, sondern auch eines im Darm: Das enterische Nervensystem durchzieht den gesamten Magen-Darm-Trakt als dünne Schicht zwischen den Muskeln in der Darmwand. Seine etwa hundert Millionen Nervenzellen spielen gemeinsam mit der Muskulatur in der Darmwand eine ganz wesentliche Rolle für die Stuhlpassage. Ihr Zusammenspiel sorgt normalerweise dafür, dass die wellenartige Bewegung (Peristaltik) des Darms den Stuhl weiterschiebt. Gibt es hier Probleme, wirkt sich das negativ auf den Stuhltransport aus. Was alles im Detail eine Verstopfung verursacht und begünstigt, ist noch nicht vollständig geklärt.

Wann spricht man von einer Verstopfung?

Grundsätzlich handelt es sich um Verstopfung, wenn jemand weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang hat, dabei stark pressen muss und der Stuhl hart und klumpig ist.

Eine Obstipation, wie die Verstopfung in der medizinischen Fachsprache heißt, kann in jedem Alter auftreten. Bereits Babys können sie haben. Mit zunehmendem Alter wird der Darm träger. Menschen über 60 Jahren leiden häufiger an Verstopfung als Jüngere, Frauen sind zudem häufiger betroffen als Männer.

Wichtig ist, zwischen chronischer und vorübergehender Verstopfung zu unterscheiden. Tritt das Problem nur vorübergehend auf, ist dies zwar unangenehm, aber meist undramatisch. Eine chronische Verstopfung kann dagegen die Lebensqualität deutlich senken.

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Eine vorübergehende Verstopfung kann zum Beispiel entstehen, wenn:

Wie lässt sich eine vorübergehende Verstopfung lösen?

Nichts geht mehr? Dann heißt es, den Darm zügig wieder in Schwung zu bringen. Als Sofortprogramm können folgende Maßnahmen helfen:

Was kann vorbeugend gegen Verstopfung helfen?

Verdauungs-Quiz

Wann gilt eine Verstopfung als chronisch?

Wer länger als drei Monate am Stück verstopft ist, hat eine chronische Obstipation. Dies kann auch der Fall sein, wenn jemand täglich Stuhlgang hat. Denn von chronischer Verstopfung spricht man, sobald zwei der folgenden Symptome auftreten:

Es ist ratsam, zum Arzt zu gehen, wenn eine Verstopfung plötzlich eintritt und Symptome wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Fieber, starke Bauchschmerzen auftreten. Dann könnte ein Darmverschluss vorliegen.

Was kann eine chronische Verstopfung verursachen?

Ob Stress, zu geringe Flüssigkeitszufuhr, Bewegungsmangel und ballaststoffarmes Essen hier eine Rolle spielen, ist bis heute nicht eindeutig belegt. Möglicherweise tragen sie zur Verstopfung bei - wenn jemand bereits eine Veranlagung dazu hat. Weiterhin gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die ursächlich an einer dauerhaft gestörten Passage des Stuhls durch den Darm beteiligt sein können.

Wie lässt sich eine chronische Verstopfung behandeln?

Das hängt vom Auslöser ab.

Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion lassen sich vergleichsweise einfach behandeln, ein Kaliummangel lässt sich ausgleichen und ein Abführmittelexzess stoppen. Stopfende Medikamente lassen sich oft durch nichtstopfende ersetzen.

Mehr Bewegung und weniger Stress sowie die Einnahme von Ballaststoffen und Hausmittel sind empfehlenswerte Maßnahmen. Sollten sie nach vier Wochen nicht den ersehnten Effekt gehabt haben, sind stärkere Maßnahmen nötig: Dann sind vorübergehend Abführmittel an der Reihe. Davon gibt es freiverkäufliche und rezeptpflichtige Medikamente recht unterschiedlicher Wirkungsweise. Auch für die rezeptfreien Varianten gilt: Ohne ärztlichen Rat nicht länger als eine Woche anwenden.


Verstopfung bei Kindern

Wenn Kinder an Verstopfung leiden, liegt das mitunter auch an ballaststoffarmer Ernährung, zu vielen Süßigkeiten, zu wenig Flüssigkeitszufuhr und Bewegungsmangel. Weiterhin können folgende Faktoren eine Rolle spielen:

Wie wird eine Verstopfung bei Kindern behandelt?

Die klassischen Abführmittel für Erwachsene sollten Kinder und Jugendliche nicht bekommen. Auch Laktulose, das Bauchschmerzen und Blähungen auslösen kann, höchstens in Ausnahmefällen nach ärztlicher Rücksprache verwenden.

In leichteren bis mittelschweren Fällen hilft meist Macrogol. Bei schwerer Verstopfung ist es ratsam, folgende Maßnahmen zu kombinieren:

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