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Gesundheit

Psychologie

Feriengefühl, verweile doch!

Gerade noch tiefenentspannt - und nun schon wieder gehetzt, gestresst, verspannt? Psychologen erklären, wie Sie das Urlaubsgefühl verlängern und sogar im Alltag wieder heraufbeschwören können.

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Noch lange vom Urlaub träumen

Von
Mittwoch, 06.09.2017   10:29 Uhr

Wenig wird so sehr ersehnt wie die drei Wochen Sommerurlaub: Endlich ist Ruhe vor dem Chef, die Kollegen quengeln allein im Büro und die Papierberge auf dem Schreibtisch darf man kurz vergessen. Doch selbst wenn der Urlaub ideal verlaufen ist, verpuffen Stimmung, Entspannung und das neue Wohlbefinden in der Realität meist schnell.

Wie man positive Effekte des Urlaubs auf die Gesundheit verlängert, erforscht Dirk Lehr mit Kollegen der Leuphana Universität Lüneburg. "Es geht darum, das Urlaubsgefühl nachhaltiger zu machen und Urlaub öfter im Alltag zu erleben", sagt er. Mit einem Team hat der Gesundheitspsychologe ein Urlaubstraining per App entwickelt, das den Nutzer vor, während und nach dem Urlaub begleitet. Der Gedanke dahinter: "Urlaub können wir nicht auf Vorrat machen - wir brauchen immer neue Pausen, um gesund zu bleiben," so Lehr.

Langzeitstudien haben gezeigt, dass Urlaub essenziell für unsere Gesundheit ist, weil er Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen beeinflussen kann: In einem Teil der sogenannten Framingham-Herz-Studie, einer noch laufenden US-Langzeitstudie zur Herzgesundheit, zeigte sich bei der Analyse der Gesundheitsdaten von 12.000 Frauen, die längere Zeit keine Auszeit in Form von Urlaub genommen hatten, dass diese ein höheres Risiko für Herzkreislaufkrankheiten aufwiesen als Urlauberinnen.

Die sechs Säulen der Erholung

Ende der Neunzigerjahre fanden japanische Forscher zudem heraus, dass Menschen, die regelmäßig in den Urlaub fuhren, auch im Alltag zu einer gesünderen Lebensweise tendieren, weniger Alkohol trinken und mehr Sport treiben. Ob es sich dabei um ein Wellnesswochenende handelt oder eine mehrwöchige Auszeit, ist dabei offenbar nicht unbedingt entscheidend: Auch "Urlaub auf Balkonien" (auf englisch die sogenannte "staycation" in Anlehnung an die "vacation") pflegt unsere Gesundheit.

Wovon abhängt, ob wir uns erholen können, verrät das Sechs-Säulen-Modell, welches Stressforscher entwickelt haben. Der stressreduzierende Effekt kommt demnach durch folgende Aspekte zustande:

1. Gedankenfreiheit: Die Fähigkeit, Gedanken loszulassen, die um belastende Themen des Jobs und Probleme des Alltags kreisen, wird als erholsam erlebt. Allerdings sollte man sich nicht zu sehr von dieser Vorstellung stressen lassen: "Unser Gehirn funktioniert nicht wie ein Lichtschalter", sagt Gesundheitspsychologe Dirk Lehr, "es sollte kein Leistungsdruck entstehen, dass man auf Knopfdruck abschalten kann."

2. Entspannung: Zeit für Muße und das Gefühl, die Seele baumeln zu lassen, sind wichtig für Gesundheit - besonders im Arbeitsalltag. Hier können Mini-Auszeiten helfen.

3. Selbstbestimmung: Als erholsam wird erlebt, wenn Abläufe selbstbestimmt gestaltet werden können. Ein Grund, warum Urlaube als entspannender im Vergleich zur Arbeit erlebt werden. Auch diese Kompetenz kann man im Alltag bewusst fördern.

4. Herausforderung: Kleine Abenteuer bringen Abwechslung, das Meistern neuer Herausforderungen macht zufrieden. Eine neue Sportart, eine unbekannte Wanderroute - komplette Passivität führt keineswegs zur größten Erholung.

5. Sinn: Menschen wollen ihr Tun als sinnvoll erleben, weil sich der Stress dadurch reduziert. Auch im Urlaub fördert sinnvolles Tun die Zufriedenheit - etwa der Besuch einer sozialen Einrichtung.

6. Verbundenheit: Als soziale Wesen wollen viele Menschen Gemeinsamkeit erleben. Auch im Urlaub beeinflusst die Qualität unserer Beziehungen unser Wohlbefinden.

Wer diese Punkte auch im Alltag beachtet, kann das Urlaubsgefühl verlängern. Beispiel Entspannung: Gehen Sie regelmäßig in der Natur spazieren oder machen Sie für fünf Minuten eine Gedankenreise zurück in den Urlaub. Beispiel Verbundenheit: Umarmen Sie heute jemanden, der Ihnen nahesteht, dann schüttet Ihr Körper das Hormon Oxytocin aus und Ihr Stresspegel sinkt. Die Lüneburger App "Holidaily", welche auf dem Sechs-Säulen-Modell basiert, bietet tägliche Übungen, die sogenannten Dailies, an, um die positiven Erlebnisse aus dem Urlaub im Alltag zu integrieren.

Experten-Interview

Urlaubsgefühle könne man im Alltag etwa mit Düften zurückbringen, schlägt die Urlaubsforscherin und Arbeitspsychologin Christine Syrek von der Universität Trier vor: "Viele unserer Erinnerungen sind an Gerüche gekoppelt. Ein bestimmter Geruch ist in der Lage, uns schnell gefühlsmäßig in eine Situation zurückzuversetzen." Eine Sonnencreme etwa, die man im Urlaub benutzt habe, könne ein Feriengefühl im Büro auslösen, weil der Duft entspannende Erinnerung weckt.

Auch Speisen können an die Tage im Urlaub erinnern: Warum die Mittagspause nicht beim Spanier verbringen und Paella essen oder die leckere Kaffeesorte aus dem Urlaubsland im Büro trinken?

Wer öfter Mini-Urlaube in Form von Auszeiten erlebt, kann depressive Beschwerden verringern und Erschöpfung vorbeugen, sagen die Lüneburger Forscher. Und: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub: "Wer den nächsten Urlaub plant, sollte seine Vorfreude bewusst kultivieren", sagt Syrek. "Man sollte sich genau ausmalen, was man vor Ort machen will, sich auf ein Lokal freuen, einen bestimmten Strand. Wenn man dann vor Ort ist, kann man den Urlaub noch mehr genießen."

So bleibt die Urlaubserholung

Urlaubs-Highlights am Ende planen
Highlights generell zum Ende des Urlaubs einbauen. Dies präge die Art, wie wir unseren Urlaub in Erinnerung behalten, erklärt Dirk Lehr: "Investieren sollte man also lieber in Erfahrungen, nicht in materielle Souvenirs aus dem Urlaub."
Guten Übergang schaffen
Zu Hause sollten noch ein bis zwei freie Tage bis zur Arbeit liegen.
Mittwochs anfangen
Die Rückkehr an den Arbeitsplatz sollte idealerweise mittwochs erfolgen: Der österreichische Urlaubsforscher Georg Blasche konnte in einer Studie zeigen, dass so die Erholung bei Berufstätigen länger konservierbar ist.
Feierabend gestalten
Rituale zum Feierabend fördern Erholung und das Gefühl der Selbstbestimmung. Einen Kaffee zur Begrüßung des Feierabends kochen oder ein Lied im Auto hören als persönliche Feierabendhymne: Entspannung in den Abendstunden kann Urlaubserholung verlängern.
Komfortzone verlassen
Dinge außerhalb der eigenen Komfortzone zu tun, zum Beispiel sich in der eigenen Stadt zu verlaufen oder etwas Neues zu lernen, machen im Arbeitsalltag glücklich und wirken entspannend, sagt die Urlaubsforscherin und Arbeitspsychologin Christine Syrek von der Universität Trier.
Arbeitsplatz verschönern
"Wellness für den Schreibtisch" in Form von frischen Blumen oder einer schönen Muschel vom Urlaubsstrand.
insgesamt 7 Beiträge
dedroog 06.09.2017
1. ..bei uns..
..im Wasserwirtschaftsamt ist das Feriengefühl immer präsent. Es gelingt uns auch im beruflichen Alltag sehr gut, einige "Säulen der Erholung" zu leben... Insofern sind die gefühlten Arbeits- Zeiten zwischen den [...]
..im Wasserwirtschaftsamt ist das Feriengefühl immer präsent. Es gelingt uns auch im beruflichen Alltag sehr gut, einige "Säulen der Erholung" zu leben... Insofern sind die gefühlten Arbeits- Zeiten zwischen den Urlauben glücklicherweise sehr kurz.
JaIchBinEs 06.09.2017
2. Kompromisslose Lebens-Sinn-Findung
Alles schöne und gute Ratschläge für das persönliche Glück. Wenn mir die Erwerbsarbeit oder ihre Umstände Probleme bereiten, würde ich an diesem Zustand etwas verändern. Eine Kompensation des Bürofrusts durch [...]
Alles schöne und gute Ratschläge für das persönliche Glück. Wenn mir die Erwerbsarbeit oder ihre Umstände Probleme bereiten, würde ich an diesem Zustand etwas verändern. Eine Kompensation des Bürofrusts durch Urlaubsspaß ist auf Dauer nicht möglich. Ich hatte selber Phasen, wo ich mich nur nach Feierabend, Wochenende, Feiertage oder Urlaub gesehnt hatte. Nach Beendigung dieser "Verhältnisse" ging es mir bedeutend besser. Zu einem erfüllten Sinn des Lebens darf ich keine Kompromisse eingehen.
delanno 06.09.2017
3. Himmel hilf
Wir leben in einem technisch-industirllen System, das auf Gewinnmaximierung gefräst ist. Auf dem Papier ist hier kein Platz für die Wünsche des Einzelnen. Mir ist es wichtig, dass ich einen schönen Alltag habe, und für den [...]
Wir leben in einem technisch-industirllen System, das auf Gewinnmaximierung gefräst ist. Auf dem Papier ist hier kein Platz für die Wünsche des Einzelnen. Mir ist es wichtig, dass ich einen schönen Alltag habe, und für den bin ich nun mal selbst verantwortlich. Anstatt dauernd irgendwelche Urlaube zu machen, um zu vergessen, oder zwischen zwei Wochenenden im Hamsterrad vor sich hinzuvegetieren, sollten die Menschen vielleicht öfter mal "das Maul aufmachen", wenn ihnen im Job etwas nicht passt und sich nciht alles gefallen lassen - oder sich eben verändern. Aber stattdessen werden immer nur weitere Maßnahmen angeflanscht wie z. B. Meditieren bei SAP oder Yoga in der Firma, oder eben eine APP zur Stresskontrolle. So langsam wirds lächerlich. So lange wir weiter nur in unserer eigenen Materialismus schleife gefangen sind und immer nur von Zahltag zu Zahltag leben, wird sich wohl nicht viel ändern.
freigeistiger 06.09.2017
4. Beschreibung richtig
Analyse nicht unbedingt. Es sind oft die anderen, die anderen Stress verursachen. Oft aus Unkenntnis, manchmal aus Absicht. Ausschlaggebend ist die Atmosphäre in einem Unternehmen. Und dass ist Aufgabe der Leitung. Dass [...]
Zitat von delannoWir leben in einem technisch-industirllen System, das auf Gewinnmaximierung gefräst ist. Auf dem Papier ist hier kein Platz für die Wünsche des Einzelnen. Mir ist es wichtig, dass ich einen schönen Alltag habe, und für den bin ich nun mal selbst verantwortlich. Anstatt dauernd irgendwelche Urlaube zu machen, um zu vergessen, oder zwischen zwei Wochenenden im Hamsterrad vor sich hinzuvegetieren, sollten die Menschen vielleicht öfter mal "das Maul aufmachen", wenn ihnen im Job etwas nicht passt und sich nciht alles gefallen lassen - oder sich eben verändern. Aber stattdessen werden immer nur weitere Maßnahmen angeflanscht wie z. B. Meditieren bei SAP oder Yoga in der Firma, oder eben eine APP zur Stresskontrolle. So langsam wirds lächerlich. So lange wir weiter nur in unserer eigenen Materialismus schleife gefangen sind und immer nur von Zahltag zu Zahltag leben, wird sich wohl nicht viel ändern.
Analyse nicht unbedingt. Es sind oft die anderen, die anderen Stress verursachen. Oft aus Unkenntnis, manchmal aus Absicht. Ausschlaggebend ist die Atmosphäre in einem Unternehmen. Und dass ist Aufgabe der Leitung. Dass bedeutet, gegenüber den Beschäftigten Wertschätzung, Ernst nehmen und Empathie. Auch untereinander. Der Kopf des Menschen ist das Entscheidende. Nicht irgendwelche Wohlfahrtaktionen.
equigen 06.09.2017
5. Mitbringsel
Ob ein paar gute Flaschen Wein oder zB Kleidung frischen die Erinnerung auch immer wieder auf.
Ob ein paar gute Flaschen Wein oder zB Kleidung frischen die Erinnerung auch immer wieder auf.

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