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Gesundheit

Nach dem Urlaub

So hält die Erholung länger an

So schön der Urlaub war, so stressig sind manchmal Rückreise und der Start in die Arbeit. Eine Psychologin erklärt, wie wir uns das Ferienfeeling möglichst lange bewahren.

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Ein Interview von
Freitag, 11.08.2017   13:32 Uhr

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Frau Binnewies, Sie erforschen, wie Menschen Arbeitsstress bewältigen. Welche Rolle spielt dabei der Urlaub?

Binnewies: Urlaub dient definitiv der Erholung, der Grad der Erschöpfung sinkt. Leider wissen wir auch: Dieser Effekt hält nicht lange an.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange denn?

Binnewies: Anhand vieler Studien lässt sich sagen: maximal drei Wochen. Ein Teil der Erholung ist meist schon nach einer Woche wieder weg.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Möglichkeiten, die Urlaubsfrische länger zu erhalten?

Binnewies: Wer sofort nach dem Urlaub eine hohe Arbeitsbelastung hat, bei dem verfliegt die Erholung schneller. Falls man solche Freiheiten hat, kann es helfen, zum Beispiel die Abwesenheitsnotiz in der E-Mail noch ein, zwei Tage länger stehen zu lassen. Ein weiterer Tipp: Nicht direkt am Montag wieder starten. Wenn die erste Arbeitswoche kurz ist, entspannt das.

SPIEGEL ONLINE: Manchmal ist schon die Rückreise Stress. Stau auf der Autobahn, verspätete Flieger, Warten am Gepäckband. Wie viel Erholung raubt allein die Heimreise?

Binnewies: Das hat meines Wissens nach niemand untersucht. Aber Reisen allgemein ist immer mit etwas Stress verbunden: anderes Essen, andere Betten, anderes Klima - nicht alles am Reisen ist zwingend positiv und erholsam.

SPIEGEL ONLINE: Ist ein Urlaub zu Hause dann erholsamer als eine Reise?

Binnewies: Man spart sich zwar den Reisestress. Auf der anderen Seite haben Urlauber zu Hause mehr mit alltäglichen Aufgaben zu tun. Das kann die Erholung mindern. Es hilft, sich für den Urlaub zu Hause bewusst einiges vorzunehmen, das Urlaubsstimmung macht, Tagesausflüge etwa. Unterm Strich spielt es für die Erholung keine Rolle, ob man verreist oder nicht.

SPIEGEL ONLINE: Alltag und Erholung gehen im Urlaub also schlecht zusammen?

Binnewies: Zumindest zeigen unsere Daten auch, dass Reisende, die mehr mit Menschen zu Hause kommunizieren - egal ob per Telefon, Mail oder Messengerdienst, sich weniger gut erholen. Dabei ist es egal, ob sie Kollegen oder Familie kontaktieren.

SPIEGEL ONLINE: Aber Partner und Familie sind auch Alltag. Sollte man etwa allein verreisen, um sich besser zu erholen?

Binnewies: Nein, nicht unbedingt, denn gerade die Urlaubszeit ist auch für Familien oft Zeit für schöne gemeinsame Erfahrungen. Wichtig ist aber, dass am Ende jedes Familienmitglied mit dem Urlaub zufrieden ist und dafür kann es manchmal hilfreich sein, zwischenzeitlich unterschiedlichen Aktivitäten nachzugehen.

SPIEGEL ONLINE: Nun ist der Sommerurlaub vorbei und da wäre Erholung im Alltag schön. Was tun?

Binnewies: Etwas tun, was an den Urlaub erinnert - ein bestimmtes Gericht kochen, Musik hören, Bilder anschauen. Was aber viel wichtiger ist: Urlaub allein reicht nicht aus. Es geht wirklich darum, Erholung in den Alltag einzubinden. Dabei sind allgemeingültige Vorgaben nicht möglich. Denn erholsam ist für mich, was ich gut finde. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt auch von der allgemeinen Belastung ab. Wenn jemand vom Stress im Job überfordert ist, hilft es eher nicht, dreimal pro Woche abends in den vermeintlich entspannenden Yogakurs zu hecheln.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihr Rat?

Binnewies: Erholungssuchende sollten überlegen, wobei sie gut entspannen und sich dann fragen, warum sie das nicht öfter machen.

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insgesamt 6 Beiträge
hexenbesen.65 14.08.2017
1. Durch Burn-Out
habe ich gelernt, "bewußter" Urlaub zu machen. Nicht, was die Familie (sprich: Kinder) wollen, sondern auch mal nen Tag für mich einzuplanen (dann sollen die Kinder alleine an den Strand mit Papa---der hat dann an [...]
habe ich gelernt, "bewußter" Urlaub zu machen. Nicht, was die Familie (sprich: Kinder) wollen, sondern auch mal nen Tag für mich einzuplanen (dann sollen die Kinder alleine an den Strand mit Papa---der hat dann an einem anderen Tag "frei" ) Und- was für mich super erholsam ist (für meinen Mann inzwischen auch ): Freitags mal einen Tag Urlaub nehmen, und dann in ein Wasserpark zu gehen...Nur wir zwei (Kinder sind schon groß).Beim ersten Besuch so eines Parks dachte ich echt, ich hätte zwei Wochen Urlaub gehabt. (oder manche gehen Klettern, oder besuchen ein Rock-Konzert oder oder oder ) Ich freue mich jetzt auf unseren Jahresurlaub--zwei Wochen Rundreise (mit Auto) Sizilien...waren noch nie dort, und es wird bestimmt einige kursiosen Begebenheiten geben (Sprache usw) ...Wenn man nicht alles so ernst nimmt, hat man auch Spaß daran...(zb wollten wir zuerst die komplette Insel "erkunden"...die ist aber schlichtweg zu groß---also machen wir erst mal die eine hälfte....Wir haben Urlaub, und sind nicht auf der Flucht) Streß gibt es nur für meinen Mann..dem bricht der Schweiß aus, wenn wir am Flughafen sind...der hat permanent angst, dass unser Gepäck nicht mit in den Flieger kommt (noch nie passiert), oder dass wir den Flug verpassen (wir sind 2 Stunden zuvor schon dort)...Aber sonst: Alles gut, alles locker nehmen...
fatherted98 14.08.2017
2. Nach der Landung...
...zu Hause...dauert es gefühlt noch 20 Minuten...und die Urlaubsstimmung ist weg. Schon das Gedrängel am Gepäckband...(alle stehen genau davor so das die deren Koffer ankommen, nicht rankommen)...reicht aus, um die [...]
...zu Hause...dauert es gefühlt noch 20 Minuten...und die Urlaubsstimmung ist weg. Schon das Gedrängel am Gepäckband...(alle stehen genau davor so das die deren Koffer ankommen, nicht rankommen)...reicht aus, um die Urlaubsstimmung abzumildern...spätestens aber nach dem 3. Rempler am Busbahnhof ist man wieder "zu Hause" angekommen.
gandalf446 14.08.2017
3.
Dagegen kann man ganz einfach etwas unternehmen. Es fängt alles mit einem Gedanken an: ich habe Zeit. Warum muss ich denn meinen Koffer unbedingt als erstes bekommen? Wenn das andere unbedingt brauchen, ok, aber ICH NICHT! [...]
Zitat von fatherted98...zu Hause...dauert es gefühlt noch 20 Minuten...und die Urlaubsstimmung ist weg. Schon das Gedrängel am Gepäckband...(alle stehen genau davor so das die deren Koffer ankommen, nicht rankommen)...reicht aus, um die Urlaubsstimmung abzumildern...spätestens aber nach dem 3. Rempler am Busbahnhof ist man wieder "zu Hause" angekommen.
Dagegen kann man ganz einfach etwas unternehmen. Es fängt alles mit einem Gedanken an: ich habe Zeit. Warum muss ich denn meinen Koffer unbedingt als erstes bekommen? Wenn das andere unbedingt brauchen, ok, aber ICH NICHT! Dann soll er eben 2 oder 3 mal an mir vorbeifahren. Es klaut ihn doch keiner. Außerdem kommt man so nicht mit dem ersten Schwung am Busbahnhof an und hat dort alleine dadurch ein wenig mehr Platz Und ob ich am Busbahnhof den ersten, zweiten oder dritten Bus nehme, ist doch völlig egal. Dann komme ich eben eine Stunde später zu Hause an - so what?! Einfach mal etwas entspannter durch das Leben gehen, dann klappt es auch mit der Erholung. Den Tipp mit den kulinarischen Urlaubserinnerungen habe ich zufällig nach dem Urlaub auf Ibiza im Mai diese Jahr durch den Tinto de Verano zufällig selbst ausprobiert. Bei mir hat es durchaus eine positive Wirkung gehabt. Alleine durch die dadurch hervorgerufenen Erinnerungen :-)
ansv 14.08.2017
4.
Dann fahren Sie doch nicht mit dem Bus, wenn Sie das stresst. Bitten Sie Freunde Sie abzuholen oder nehmen Sie sich einen Mietwagen. Wenn mir das die Urlaubsstimmung verhageln würde, das wäre es mir wert. Und die Menschen am [...]
Zitat von fatherted98...zu Hause...dauert es gefühlt noch 20 Minuten...und die Urlaubsstimmung ist weg. Schon das Gedrängel am Gepäckband...(alle stehen genau davor so das die deren Koffer ankommen, nicht rankommen)...reicht aus, um die Urlaubsstimmung abzumildern...spätestens aber nach dem 3. Rempler am Busbahnhof ist man wieder "zu Hause" angekommen.
Dann fahren Sie doch nicht mit dem Bus, wenn Sie das stresst. Bitten Sie Freunde Sie abzuholen oder nehmen Sie sich einen Mietwagen. Wenn mir das die Urlaubsstimmung verhageln würde, das wäre es mir wert. Und die Menschen am Gepäckband... ja.. .mei... das muss man lernen hinzunehmen, man kann sie ja nicht ändern. Mein Urlaub endet nicht, wenn ich in den Flieger steige sondern erst, wenn am ersten Arbeitstag der Wecker klingelt. Wir versuchen entweder samstags zurückzukommen oder nehmen den Montag frei. Es ist also egal, wann wir zuhause eintreffen. Ob der Flieger Verspätung hat oder wir mit dem Auto im Stau stehen - einzig die Frage nach dem Abendessen hängt davon ab. Interessanterweise entscheiden wir uns, wenn wir sehr müde sind, eher für Nudeln mit Sauce als fürs Restaurant - da wäre allerdings wichtig, dass man sich einig ist. Da ich mich für die Arbeit anders kleide als im Urlaub, ist es auch egal, ob die Wäsche gleich gewaschen wird oder nicht, warum also nicht am letzten Urlaubstag zuhause ein paar Stunden mit einem guten Buch auf dem Balkon sitzen, statt sich um den Kram zu kümmern? Oder eine Radtour machen? Die Arbeit läuft nicht weg. Wir hatten dieses Jahr eine Woche Aktivurlaub mit einer großen Freundesgruppe und im Anschluss eine Woche für uns allein. WIr haben dadurch so viel erlebt, dass wir das Gefühl hatten wir wären wochenlang unterwegs gewesen. Das habe ich so noch nicht erlebt, werde künftig aber darauf Achten, für Abwechslung zu sorgen.
Der_schmale_Grat 14.08.2017
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Wie schon im Interview gesagt, ideal ist es, nach Phassen der Anspannung und Belastung auch mal völlig abschalten zu können, nicht nur im Urlaub. Es wird bloß immer schwieriger, sich Freiräume zu schaffen, wenn immer öfter [...]
Wie schon im Interview gesagt, ideal ist es, nach Phassen der Anspannung und Belastung auch mal völlig abschalten zu können, nicht nur im Urlaub. Es wird bloß immer schwieriger, sich Freiräume zu schaffen, wenn immer öfter selbst mehr als ein Gehalt für ein Familienleben kaum noch ausreicht. Die Anforderungen an die breite Masse und Leistungsträger wird immer mehr. Viele nehmen ihr Diensthandy mit in den Urlaub usw. Es liegt an jedem ein Stück weit selbst, sich frei zu machen vom Alltag. Ich mache bereits eine Woche vor dem Urlaub weniger und die Woche danach auch etwas langsamer. Die Woche vorher ist deshalb so wichtig, damit ich nicht erst im Urlaub herunterschalte, sondern schon etwas "entstresst" bin. Der Erholungseffekt setzt jetzt viel schneller ein. Aus dem Urlaib bringen wir immer edle landestypische Zutaten mit und dann erinnern wir uns manchmal noch Monate später an den Urlaub beim Abendessen.

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