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Gesundheit

Ratschläge von Psychologen

"Eifersucht ist wie ein Gift"

Starke Eifersucht gefährdet jede Beziehung. Wer an sich arbeiten möchte, sollte vor allem lernen, sich selbst zu lieben. Dabei kann auch der Partner helfen.

imago
Dienstag, 10.10.2017   09:39 Uhr

Am Anfang wirkte alles noch harmlos. Nachdem sie sich mit ihrem Nachbarn unterhalten hatte, machte ihr Partner ihr Vorwürfe. Dann aber wurden die Anschuldigungen immer extremer. Als sie eines abends später nach Hause kam, unterstellte er ihr eine Affäre. Irgendwann war die Frau einfach nur noch genervt, Grund für eine Eifersucht hatte sie ihm eigentlich nicht gegeben. So läuft es oft.

"Eifersucht ist wie ein Gift", sagt Christine Backhaus, Psychologin in Frankfurt. Es untergräbt eine Partnerschaft, die auf Vertrauen basiert, und führt schlimmstenfalls sogar zum Beziehungsaus. Oft leiden die Eifersüchtigen selbst unter ihrem kontrollsüchtigen Verhalten.

Häufig ist Eifersucht Ausdruck eines eher geringen Selbstwertgefühls, viele Betroffene haben Angst, ihren Partner zu verlieren. Sie glauben, nicht attraktiv, nicht intelligent oder nicht liebenswert genug zu sein - und sehen jeden, der oder die genau diese Eigenschaften hat, als eine Gefahr an. Mit Liebe, wie es manchmal gesagt wird, habe Eifersucht nichts, aber auch gar nichts zu tun, sagt Diplom-Psychologin Birgit Spieshöfer aus Verden.

Eine mögliche Ursache des Verhaltens können den Psychologen zufolge traumatische Erlebnisse sein, die bis in die Kindheit zurückreichen. Vielleicht hat der oder die Betroffene nicht genügend Zuwendung im Elternhaus erfahren und fühlt sich daher der Liebe eines anderen nicht würdig. Daneben sind jedoch auch andere Ursachen denkbar, zum Beispiel schlechte Erfahrungen in früheren Beziehungen.

Was also tun?

Wer an seiner Eifersucht arbeiten möchte, sollte in sich hineinhorchen und der Ursache auf den Grund gehen. "Betroffene sollten sich zudem fragen, auf was konkret sie eigentlich eifersüchtig sind", rät Spieshöfer. Liegt es etwa daran, dass der Mann, mit dem die Partnerin gerade lacht, in den eigenen Augen eine tolle Figur hat - während man sich selbst übergewichtig findet? Oder ist die Partnerin eifersüchtig, weil ihr Mann sich angeregt mit einer anderen unterhält, die einen Doktortitel trägt - den man selbst nur zu gerne hätte?

Um sein eigenes Selbstwertgefühl zu stärken, muss man lernen, sich so anzunehmen, wie man ist: "Erst wenn ich mich selbst liebe, bin ich nicht mehr abhängig davon, von jemand anderem geliebt zu werden", sagt Spieshöfer. Dazu gehört aber nicht nur, sich seine Schwächen einzugestehen, sondern auch, sich seiner Vorzüge bewusst zu werden.

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"Ein Weg kann sein, sich hinzusetzen und für sich aufzuschreiben, wer man ist und was genau einen liebenswert macht", erklärt Backhaus. Erst wenn einem selbst die eigenen Vorzüge bewusst sind, kann man nachvollziehen, dass der Partner einen liebt und einem vertraut.

Die eigenen Ängste als Auslöser

Hält man sich indes selbst nicht für liebenswert, dann werden immer wieder Zweifel an der Liebe des Partners aufkeimen. Oft ist nicht der Partner der Auslöser für Eifersucht, sondern es sind die eigenen Ängste, sagt Moritz Ischebeck. Er arbeitet als Psychotherapeut in Berlin.

Ein Partner, der mit der krankhaften Eifersucht des anderen konfrontiert ist, sollte eindeutige Signale aussenden und dem anderen zu verstehen geben: "Ich liebe dich und möchte mit dir zusammen sein. Du allein bist für deine Eifersucht verantwortlich. Du musst etwas dagegen unternehmen - gegebenenfalls mithilfe eines Therapeuten."

Und wenn es zwischendurch doch wieder passiert, dass die Fantasie mit einem durchgeht? Dann sollte man die Gedankengänge bewusst durchbrechen und mehrmals zu sich selbst "Stopp" sagen, rät Backhaus. Stattdessen können sich Betroffene Fakten vor Augen führen - indem sie sich zum Beispiel Situationen trauter Zweisamkeit mit dem Partner in Erinnerung rufen.

Um das Selbstwertgefühl zu steigern, kann es auch helfen, Bestätigung über Hobbys zu finden. Oder auch mal Freunde ohne den Partner treffen. "Eifersucht lässt sich definitiv überwinden", glaubt Ischebeck.

Von Sabine Meuter, dpa/irb

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