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23.12.2012
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Tipps für Eltern

So klappt es mit der Stillen Nacht

Von Christine Pander
Corbis

Bescherung: Weihnachten ist für Kinder emotional und aufreibend

Das gemeinsame Singen unterm Weihnachtsbaum streichen? Die Kinder mit Geschenken überhäufen? Keine guten Ideen! Gerade an Weihnachten kracht es in vielen Familien. Ein paar einfache Tricks können helfen, mit Kindern friedlich durch die Feiertage zu kommen.

Der Baum ist eine Katastrophe, der Teenager bockig und die Kleinsten bewegen sich seit Tagen am Rande des Weihnachtswahnsinns. Stress ist vorprogrammiert. "Dann hilft nur noch, die Erwartungen und Ansprüche herunterzuschrauben", sagt Michael Günter, ärztlicher Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen.

Auf Knopfdruck lasse sich weder Harmonie noch Entspannung herstellen. "Jeder hetzt in die Feiertage. Jetzt darf man sich nicht provozieren lassen, und man sollte versuchen, aus der Perspektive der Kinder auf das Fest zu schauen", sagt Günter. Für viele Kinder ist Weihnachten neben dem Geburtstag das wichtigste Ereignis im Jahr. Ihnen zuliebe sollten sich Erwachsene zurücknehmen und schwelende Konflikte vertagen. "Was in der Familie das ganze Jahr über nicht funktioniert, lässt sich auch an Weihnachten nicht lösen. Auch wenn wir uns das Idyll noch so wünschen", sagt der Kinderpsychiater.

Ebenfalls wichtig ist an Weihnachten die Ruhe. Statt auf eine Anwesenheitspflicht zu pochen, sollten Eltern ihren Teenagerkindern auch Freiräume gönnen, für jeden Pausen einplanen und die Verwandten-Safari begrenzen. "Kinder brauchen gerade zu Weihnachten Ruhepole", sagt Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. "Den Baum zusammen schmücken oder vor dem Fest noch mal gemeinsam raus ins Dunkle gehen hilft, zu vermeiden, dass die Kinder bis zur Bescherung völlig aus dem Häuschen sind", sagt Gerth.

Gemeinsame Rituale wie das Singen unterm Baum könne die Situation im Laufe des Abends zudem entspannen, auch wenn das aus der Mode sei. "Atmung, Puls und Blutdruck normalisieren sich, auf diese Weise stimmt man sich aufeinander ein", sagt der Experte. Das klappt zumindest, wenn sich nicht nur Gesangsphobiker unterm Baum versammeln. Auf keinen Fall sollte man Kinder jedoch zu Gedichtrezitationen oder einem Blockflötenkonzert zwingen. "Das kann ins Auge gehen, da hat keiner was davon", sagt Gerth.

Schenken kann kränken

Der heikelste Punkt im Ablauf der Feier ist die Bescherung. Denn schenken kann kränken. "Dabei soll das Geschenk transportieren: ich mag dich, du bist mir wichtig, ich weiß, worüber du dich freust", sagt Erziehungsexperte Gerth. Selbst bei Zwei- bis Dreijährigen kommt die Botschaft schon an. Kinder mit Geschenken zu überhäufen, davon hält der Experte wenig. "Es sollte nur so viele Geschenke geben, wie sie das Kind später noch aufzählen kann."

Daniel Howard, Marketingprofessor der Southern Methodist Universität, hat bereits vor Jahren in einer Studie herausgefunden, dass schon der Anblick von Geschenkpapier freudig stimmt. Ein gelungenes Präsent löst im Hirn eine Kaskade chemischer Botenstoffe aus, die für ein Hochgefühl sorgen. Die Boten sind insbesondere die Neurotransmitter Serotonin, Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin. Zudem werden körpereigene Opiate ausgeschüttet und Stresshormone abgebaut. Wenn denn alles gutgeht.

Was aber tun, wenn der gewünschte Effekt nicht eintritt und bei den Kleinsten Tränen fließen? "Trösten, in den Arm nehmen und möglichst schnell ablenken", sagt der Kinderpsychiater Michael Günter. Bereits Vierjährige können bitterlich enttäuscht sein, wenn ein Wunsch nicht erfüllt wurde. Möglicherweise stecke hinter der Traurigkeit aber ein grundsätzlicherer Schmerz, möglich sei etwa, dass sich das Kind zurückgesetzt fühle, sagt Günter: "Man sollte keinesfalls eine vorwurfsvolle Debatte darüber beginnen, dass das Kind jetzt tobt."

Ein Wunschzettel ist kein Bestellschein

Hat das Kind zuvor einen Wunschzettel geschrieben, sollte man zudem klarmachen: "Das ist kein Bestellschein, es entstehen keine Rechtsansprüche daraus", sagt Jörg Maywald von der Deutschen Liga für das Kind. "Kinder trainieren an diesem Tag den Bedürfnisaufschub, und das ist auch sehr wichtig." So lernten sie, dass nicht jeder Wunsch erfüllt werden könne. Geschenke seien eine indirekte Form der Kommunikation, ist sich der Experte sicher. Da sie viel über die Beziehung zueinander aussagten, liege in Geschenken auch immer ein Risiko.

"Viele Eltern fürchten, eines ihrer Kinder könnte zu kurz kommen. Gerechtigkeit hat aber nichts mit Gleichmacherei zu tun", sagt Maywald. Kinder seien sehr verschieden und sollten gerade deshalb nicht gleich behandelt werden. Wer Kindern etwas schenkt, tue dies zudem, ohne dass es auf Leistung oder Wechselseitigkeit ausgelegt sei. "Das ist das Schönste, was Kinder an Weihnachten lernen können: Sie bekommen etwas um ihrer selbst Willen", sagt Maywald.

Auch wenn Eltern das Jahr über die Kinder dazu erziehen, stets die Wahrheit zu sagen: bezüglich der Frage, wer die Geschenke bringt, ist das Gesetz für Eltern außer Kraft gesetzt. "Kinder wie auch Erwachsene lieben die märchenhafte Magie der Phantasie", sagt der Kinderpsychiater Michael Günter. Das solle man auch so lange wie möglich aufrechterhalten. "Der Zauber des Festes besteht doch darin, dass man möglichst lange, aber vielleicht mit einem Augenzwinkern, diese Märchenwelt aufrechterhält."

Forum

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insgesamt 15 Beiträge
1. ?
janne2109 23.12.2012
danke für diese Aufklärung, will bei mir leider nicht so richtig nicht ankommen.
danke für diese Aufklärung, will bei mir leider nicht so richtig nicht ankommen.
2. gute Erziehung
Spiegelleserin57 23.12.2012
Wenn eine Familie intakt ist und die Erziehung der Kinder gut ist wird wohl nur bei normalen kleinen Differenzen bleiben. Ansonsten sollte man mal über seine Familie gründlich nachdenken! Schon sehr traurig wenn man mit [...]
Zitat von sysopDas gemeinsame Singen unterm Weihnachtsbaum streichen? Die Kinder mit Geschenken überhäufen? Keine guten Ideen! Gerade an Weihnachten kracht es in vielen Familien. Ein paar einfache Tricks können helfen, mit Kindern friedlich durch die Feiertage zu kommen. Weihnachten mit Kindern: So kommen Eltern gut durch die Feiertage - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/weihnachten-mit-kindern-so-kommen-eltern-gut-durch-die-feiertage-a-874083.html)
Wenn eine Familie intakt ist und die Erziehung der Kinder gut ist wird wohl nur bei normalen kleinen Differenzen bleiben. Ansonsten sollte man mal über seine Familie gründlich nachdenken! Schon sehr traurig wenn man mit TRICKS über die Feiertage kommt.
3. Ich würde .....
wohin 23.12.2012
.....gern mal eine grundsätzliche Debatte über's Schenken allgemein und im Besonderen lostreten. Bitte Spon, macht das doch mal zum Thema. Ich bin da mit meiner Familie vollkommen konträr. Sie ist nämlich der Meinung, dass man für [...]
.....gern mal eine grundsätzliche Debatte über's Schenken allgemein und im Besonderen lostreten. Bitte Spon, macht das doch mal zum Thema. Ich bin da mit meiner Familie vollkommen konträr. Sie ist nämlich der Meinung, dass man für Geschenke "Dank" erwarten kann und sollte. (Rührt daher, weil meine erwachsenen Kinder sich stets zu spät bei ihnen bedanken, als sie es erwarten. I c h dagegen bin der Meinung, man sollte bedingungslos schenken, also ohne eine Gegenleistung zu erwarten (auch in Form der rechtzeitigen Danksagung). Sonst ist für mich der Sinn des Schenkens nicht gegeben. Meine Mutter stört es z. B. sehr, dass die Urenkel (für die ja der "Weihnachtsmann" die Geschenke bringt) nicht wissen, dass diese Geschenke eigentlich von UrOma/UrOpa kommen usw. Für mich sind das narzistische Wesenszüge und hat nichts mit Schenken zu tun
4.
jazzgirl 23.12.2012
Das mit der "märchenhaften Magie der Fantasie" funktioniert leider auch nur eine sehr kurze Zeit. Bei meiner vierjährigen Tochter kann ich noch die Weihnachtsglöckchen-App für das Smartphone ins Zimmer legen und wie [...]
Das mit der "märchenhaften Magie der Fantasie" funktioniert leider auch nur eine sehr kurze Zeit. Bei meiner vierjährigen Tochter kann ich noch die Weihnachtsglöckchen-App für das Smartphone ins Zimmer legen und wie durch *Magie* klingelt nach zehn Minuten das Christkind. Während des Wartens muss ich jedoch meiner siebenjährigen Tochter den Mund zu halten, damit sie sich nicht verplappert wer das Christkind eigentlich ist.
5. Kindergeburtstag
travelfox42 23.12.2012
Hach nee, Stress zu Heiligabend? Erst mal muss ich wie jedes Jahr den Kindergeburtstag am 23. organisieren. :-) Na ja, selbst schuld halt...
Hach nee, Stress zu Heiligabend? Erst mal muss ich wie jedes Jahr den Kindergeburtstag am 23. organisieren. :-) Na ja, selbst schuld halt...

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Zur Autorin

  • Christine Pander ist Ethnologin und freiberufliche Wissenschaftsjournalistin. Am liebsten schreibt sie über Themen, die das Leben leichter machen.

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