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Gesundheit

Burn-out-Gefahr

Krankmachender Stress - das sind Alarmzeichen

Ein Burn-out kommt nie plötzlich, es kündigt sich über Monate oder sogar Jahre an. Wer die Anzeichen für Überlastung erkennt und gegensteuert, kann Schlimmeres verhindern.

Getty Images

Stress (Symbolbild)

Donnerstag, 14.03.2019   15:21 Uhr

Stress kennt jeder. Doch wann wird er ungesund? Das zu erkennen, gelingt nur selten.

Eigentlich hat Stress die Aufgabe, Körper und Geist für besondere Herausforderungen zu rüsten. Dafür versetzt er alles in einen Ausnahmezustand: "Es werden körperliche und seelische Reserven mobilisiert", erklärt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater.

Die Konzentration, der Blutdruck und Blutzuckerspiegel steigen. Gleichzeitig werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet. Normalerweise kehrt der Körper wieder zur normalen Funktionsweise zurück, wenn die Anforderung vorbei ist. Passiert das nicht, macht Stress auf Dauer krank.

"Dann wird dieses Alarmsystem andauernd ausgelöst, und man kommt in eine Art Übererregung", sagt Roth-Sackenheim, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie. Zu den Folgen zählen dauerhaft erhöhter Blutdruck, Diabetes, Kopfschmerzen, Fettstoffwechsel-, Schlaf- und Verdauungsstörungen.

Erste Warnsignale erkennen

Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, erste Warnsignale zu erkennen. "Bei vielen Menschen kommt das Gefühl auf, nur noch zu funktionieren", sagt Sabine Keiner, Life- und Burn-out-Coach aus Köln. Auch die Stimmung spiegelt das Stresslevel wider: "Man ist gereizt, grübelt nachts, ist antriebslos, kann nicht mehr abschalten, vernachlässigt Freunde und Familie."

Wer diese Anzeichen ernst nimmt, schützt seinen Körper. "Burn-out beziehungsweise die Stufe der Überforderung vor dem eigentlichen Burn-out kommt nie plötzlich, sondern kündigt sich immer über viele Symptome und meist über Jahre an", sagt Keiner. "Allerdings sind die meisten von uns Meister darin, dies über eine lange Zeit zu verdrängen."

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Was negativen Stress auslöst, unterscheidet sich von Person zu Person. "Um herauszufinden, was einen wie stark belastet, ist es zunächst gut, das eigene Stressgefühl zu beschreiben", sagt Laura Letschert, Coach aus Höhr-Grenzhausen. "Wie fühlt es sich im Körper an, wenn ich in Stress gerate?"

Im Anschluss rät Letschert dazu, ein bis zwei Wochen lang das Stressgefühl in verschiedenen Situationen bewusst wahrzunehmen, auf einer Skala von 1 bis 10 einzuordnen und in einem Stresstagebuch festzuhalten. "Wenn ich weiß, wie sich Stress für mich anfühlt und wie stark diese Empfindung wann auftritt, kann ich davon die für mich größten Stressoren ableiten."

Letschert rät anschließend dazu, die Stressauslöser in drei Arten einzuteilen: "Einige kann ich selbst zu 100 Prozent beeinflussen, andere kann ich bedingt beeinflussen, der dritte Bereich lässt sich gar nicht von mir beeinflussen." Das ermöglicht es, als erstes bei den Punkten ansetzen, die man selbst in der Hand hat.

Bewegung baut Stresshormone ab

"Wer hier gut für sich sorgt, ändert das Gewicht der Stressoren in den anderen Bereichen", sagt Laura Letschert. Bei Dingen, die unveränderbar sind, sollte man versuchen, etwas loszulassen. "Auch das nimmt wieder etwas Stress", sagt die Expertin. "Wenn ich weiß, dass ich manche Umstände nicht verändern kann - aber vielleicht meinen eigenen Umgang damit."

Abgesehen davon gibt es viele Möglichkeiten, Stressgefühle im Alltag abzubauen: "Wichtig ist, sich regelmäßig Zeit für Bewegung zu nehmen", sagt Burn-out-Coach Sabine Keiner. "Da reicht schon ein strammer Spaziergang jeden Tag." Allein durch die Bewegung baut der Körper Stresshormone ab. Auch Entspannungstechniken wie Meditation, Tai-Chi oder Progressive Muskelentspannung können helfen.

"Ein weiterer wichtiger Faktor ist, sich Zeit für sich und die eigenen Bedürfnisse zu nehmen", sagt Keiner. Man sollte herausfinden, was einem Spaß macht und Energie gibt. "Generell ist es gut, sich einmal das eigene Energiemanagement anzusehen", rät die Expertin. "Denn die meisten von uns gehen viel zu großzügig mit ihrer Energie um - achten aber nicht genügend darauf, dass jede Batterie auch mal wieder aufgeladen werden muss."

Positiven Stress gibt es nach Ansicht der Expertin nicht. Stattdessen spricht sie vom Flow-Gefühl: "Ich befinde mich in einer Situation, die mich ausreichend fordert, aber nicht überfordert. Ich kann die Herausforderung gut meistern, vergesse dabei die Zeit, habe Spaß, und es fließt." Manche Menschen sagen auch von sich selbst, dass sie gewissen Druck brauchen, um Aufgaben zu erledigen - hier kann Stress also in gewissem Maße förderlich sein. "Doch auch in diesen Fällen darf der Druck nicht zu stark und zu lange sein, da er sich sonst körperlich auswirkt."

irb/von Julia Felicitas Allmann, dpa

insgesamt 24 Beiträge
krautrockfreak 14.03.2019
1. Internet, E-Mail und Handy haben die Wertschöpfung verzigfacht - auf
Kosten der Menschen, die davon (fast) nichts haben, außer immer mehr Stress - geht mir auch so. Die Wirtschaft reibt sich die Hände, die Gewinne explodieren seit dem. Was waren das früher doch für tolle Zeiten, man hat einen [...]
Kosten der Menschen, die davon (fast) nichts haben, außer immer mehr Stress - geht mir auch so. Die Wirtschaft reibt sich die Hände, die Gewinne explodieren seit dem. Was waren das früher doch für tolle Zeiten, man hat einen Brief geschickt und dann hat man mehrere Tage auf Antwort gewartet. Und heute? Nach 2 Minuten hat man die Antwort auf seine Anfrage und muss schon weiter machen mit dem Thema. Keine gute Entwicklung und die Frage ist wieder: Wo endet das?
01099 14.03.2019
2.
Wenn mich etwas so stresst, dass ich die beschriebenen Symptome entwickle, dann würde ich, anstatt allerlei Maßnahmen dagegen zu ergreifen, einfach einmal darüber nachdenken, ob es eventuell die auslösende Situation oder [...]
Wenn mich etwas so stresst, dass ich die beschriebenen Symptome entwickle, dann würde ich, anstatt allerlei Maßnahmen dagegen zu ergreifen, einfach einmal darüber nachdenken, ob es eventuell die auslösende Situation oder Umgebung ist, der ich den Rücken kehren sollte. Das kann eine dysfunktionale Beziehung oder der falsche Job sein. Da halte ich es für einen grundfalschen Ansatz, mit z.B. Bewegung die Symptome zu verdrängen. Zudem würde ich beim Thema "Burnout" (eigentlich nichts anderes als eine Depression) mal über den zu hohen Anspruch an mich selbst und woher der kommt nachdenken. Was kompensiere ich durch Leistung? Warum kann ich mich nicht genug abgrenzen? Warum verlasse ich Lebensumstände oder Menschen nicht, die mich krank machen? Da fängt Selbstfürsorge an, wie ich auch erst lernen musste.
01099 14.03.2019
3.
Es zwingt Sie keiner, diesen Weg zu gehen!? Die digitale Welt hat einen riesen Vorteil - man kann sie einfach abschalten.
Zitat von krautrockfreakKosten der Menschen, die davon (fast) nichts haben, außer immer mehr Stress - geht mir auch so. Die Wirtschaft reibt sich die Hände, die Gewinne explodieren seit dem. Was waren das früher doch für tolle Zeiten, man hat einen Brief geschickt und dann hat man mehrere Tage auf Antwort gewartet. Und heute? Nach 2 Minuten hat man die Antwort auf seine Anfrage und muss schon weiter machen mit dem Thema. Keine gute Entwicklung und die Frage ist wieder: Wo endet das?
Es zwingt Sie keiner, diesen Weg zu gehen!? Die digitale Welt hat einen riesen Vorteil - man kann sie einfach abschalten.
mintyapple 14.03.2019
4.
Dito. Das Problem ist, dass wir nicht so erzogen werden, dass wir diese Dinge hinterfragen. Da gelten eher Grundsätze wie "Schmeiß nicht immer gleich die Flinte ins Korn" oder "Wer A sagt, muss auch B [...]
Zitat von 01099Wenn mich etwas so stresst, dass ich die beschriebenen Symptome entwickle, dann würde ich, anstatt allerlei Maßnahmen dagegen zu ergreifen, einfach einmal darüber nachdenken, ob es eventuell die auslösende Situation oder Umgebung ist, der ich den Rücken kehren sollte. Das kann eine dysfunktionale Beziehung oder der falsche Job sein. Da halte ich es für einen grundfalschen Ansatz, mit z.B. Bewegung die Symptome zu verdrängen. Zudem würde ich beim Thema "Burnout" (eigentlich nichts anderes als eine Depression) mal über den zu hohen Anspruch an mich selbst und woher der kommt nachdenken. Was kompensiere ich durch Leistung? Warum kann ich mich nicht genug abgrenzen? Warum verlasse ich Lebensumstände oder Menschen nicht, die mich krank machen? Da fängt Selbstfürsorge an, wie ich auch erst lernen musste.
Dito. Das Problem ist, dass wir nicht so erzogen werden, dass wir diese Dinge hinterfragen. Da gelten eher Grundsätze wie "Schmeiß nicht immer gleich die Flinte ins Korn" oder "Wer A sagt, muss auch B sagen" und ähnlicher Mist, der bewirkt, dass wir zu lange in unerträglichen Situationen verharren. Wir sollen mit unseren Bedürfnissen möglichst nirgendwo anecken, das ist es doch, was alle von klein auf eingetrichtert bekommen. Das verinnerlichen einige von uns so sehr, dass wir die Bedürfnisse irgendwann gar nicht mehr erkennen.
cindy2009 14.03.2019
5. Sehr dumme Aussage
"----Abgesehen davon gibt es viele Möglichkeiten, Stressgefühle im Alltag abzubauen: "Wichtig ist, sich regelmäßig Zeit für Bewegung zu nehmen", sagt Burn-out-Coach Sabine Keiner. "Da reicht schon ein [...]
"----Abgesehen davon gibt es viele Möglichkeiten, Stressgefühle im Alltag abzubauen: "Wichtig ist, sich regelmäßig Zeit für Bewegung zu nehmen", sagt Burn-out-Coach Sabine Keiner. "Da reicht schon ein strammer Spaziergang jeden Tag." Allein durch die Bewegung baut der Körper Stresshormone ab---" Dieser Quatsch wird immer wieder verbreitet. Durch loses Rumlaufen wird sich nichts ändern. Wann hört es auf dass das in einer Therapie als Weg beschrieben wird? 100e habe ich kennen gelernt, die das so praktizierten und nicht vom Problem los kamen. Es geht nicht um das Bewegen, sondern um ein bewusstes Sein durch den Körper. Da kann man durchaus auch faul auf dem Sofa verweilen.

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