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Gesundheit

Studie

Jede vierte Schwangere in Deutschland trinkt Alkohol

Vielerorts kommen mehr Babys mit Alkoholschäden zur Welt als mit Down-Syndrom. Vor allem in Europa nehmen es Schwangere mit der Abstinenz häufig nicht so genau - und riskieren damit schwere Schäden beim Kind.

Getty Images/ Tetra Images RF

Alkohol ist in der Schwangerschaft tabu

Von
Mittwoch, 18.01.2017   18:14 Uhr

Fast jede zehnte Frau weltweit trinkt in der Schwangerschaft Alkohol. In Deutschland sind es im Schnitt sogar 26 von hundert Frauen - also mehr als jede Vierte. Das ist das Ergebnis der ersten weltweiten Studie zum Trinkverhalten in der Schwangerschaft und den gesundheitlichen Folgen für das Kind.

Svetlana Popova vom Centre of Addiction and Mental Health in Toronto und Kollegen haben Daten aus fast 400 Studien ausgewertet. Erfasst wurde jeglicher Alkoholkonsum von Schwangeren - egal in welcher Menge. Fälle, in denen die Frauen noch nicht von ihrer Schwangerschaft wussten, rechneten die Forscher wenn möglich heraus. Zudem werteten die Wissenschaftler aus, wie häufig Trinken in der Schwangerschaft zu schweren Gesundheitsschäden beim Kind führt.

Da es keine verlässliche Grenze gibt, bis zu der Alkohol für den Embryo unproblematisch ist, wird Schwangeren empfohlen, vollständig darauf zu verzichten.

Wer hat's bezahlt?

Finanziert wurde die Studie vom Centre for Addiction and Mental Health in Toronto. Das Lehrkrankenhaus behandelt psychische Erkrankungen und Suchtverhalten.

Laut Analyse trinken dennoch viele Schwange Alkohol. Verbreitet ist das Verhalten auch in Europa. Im Schnitt greift dort jede vierte Frau während der Schwangerschaft zu alkoholischen Getränken, berichten die Forscher im Fachmagazin "The Lancet Global Health". Deutschland liegt damit im Durchschnitt (siehe Grafik).



In Irland trinken besonders viele Schwangere Alkohol

Die fünf Staaten mit dem höchsten Anteil alkoholtrinkender Schwangerer sind laut Studie

Keine Überraschung ist, dass Schwangere auf der arabischen Halbinsel besonders selten trinken. Hier ermittelten die Forscher eine Quote von gerade mal zwei Frauen unter Tausend. Im Oman, den Vereinten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Katar und Kuwait ist kein einziger Fall dokumentiert. Auch in Südostasien trinken nur wenige Frauen während der Schwangerschaft. In diesen Regionen ist Alkoholverzicht unter anderem aus gesellschaftlichen und religiösen Gründen verbreitet.

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Alkoholschäden sind in Deutschland deutlich häufiger als das Down-Syndrom

Alkohol gelangt über den Mutterkuchen ins Kind, wobei die Alkoholkonzentration im Nabelschnurblut genauso groß ist wie im Blut der Mutter. Das Ungeborene braucht jedoch deutlich länger, um den Alkohol wieder abzubauen. Zudem sind seine jungen Organe besonders anfällig.

Wer während der Schwangerschaft trinkt, riskiert deshalb eine Frühgeburt. Überlebt das Kind, können Hirnschäden und Entwicklungsstörungen sowie körperliche Behinderungen die Folge sein. Im schlimmsten Fall sprechen Ärzte vom Fetalen Alkoholsyndrom (FAS).

Laut Auswertung der Forscher leben 15 von 10.000 Menschen weltweit mit den Folgen des Alkoholkonsums ihrer Mutter während der Schwangerschaft. Der europaweite Durchschnitt liegt sogar bei 37. In Deutschland sind laut Auswertung gut 38 von 10.000 Menschen vom FAS betroffen (siehe Grafik).

Zum Vergleich: Das Down-Syndrom, die häufigste Chromosomenstörung bei Neugeborenen, betrifft 10 bis 20 unter 10.000 Säuglingen und ist damit in vielen Regionen der Erde deutlich seltener als Alkoholschäden.

Häufigkeit des Fetalen Alkoholsyndroms



Dass die Häufigkeit des FAS nicht immer mit der Zahl der Schwangeren zusammenpasst, die trinken, erklären sich die Forscher mit unterschiedlichen Trinkgewohnheiten. So gibt es Regionen, in denen nur wenige Schwangere Alkohol zu sich nehmen. Wer aber trinkt, trinkt regelmäßig und in großen Mengen. Das erhöht das Risiko für schwere Schäden beim Kind.

119.000 alkoholgeschädigte Babys jedes Jahr

"Wir schätzen, dass eine unter 67 Müttern, die in der Schwangerschaft trinken, ein Kind mit Fetalem Alkoholsyndrom zur Welt bringt", sagt Popova. Rechnet man das hoch, werden weltweit jedes Jahr 119.000 durch Alkohol schwer geschädigte Kinder geboren.

Dabei ist die Berechnung der Forscher noch zurückhaltend. Das FAS gehört zu den Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD), die auch schwächere Ausprägungen der Schäden umfassen. Diese leichteren Formen können schon bei geringem Alkoholkonsum in der Schwangerschaft auftreten. In der aktuellen Studie wurden sie jedoch nicht berücksichtigt.

Mitarbeit: Aida Márquez (Grafik), Philipp Seibt (Grafik)

insgesamt 63 Beiträge
bamesjond0070 18.01.2017
1. Wer hat's bezahlt
Sehr schön, dass darauf hingewiesen wird, da viele das leider nicht tun. Daran können sich viele ein Beispiel nehmen.
Sehr schön, dass darauf hingewiesen wird, da viele das leider nicht tun. Daran können sich viele ein Beispiel nehmen.
GünterLichtner 18.01.2017
2. Straftrechtliche Relevanz?
Verursacht eine Mutter durch ihren Alkoholgenuß eine Schädigung am Kind, so handelt es sich um eine schwere, nicht vorsätzliche, aber mutwillige Körperverletzung. Dennoch wird eine solche Mutter durch das Strafrecht dafür [...]
Verursacht eine Mutter durch ihren Alkoholgenuß eine Schädigung am Kind, so handelt es sich um eine schwere, nicht vorsätzliche, aber mutwillige Körperverletzung. Dennoch wird eine solche Mutter durch das Strafrecht dafür nicht belangt. Ich bin der Meinung, daß es sich um ein Verbrechen handelt und auch als solches geahndet werden muß. Ein Mann, der durch einen aggressiven Akt eine Fehlgeburt verursacht, ja sogar ein Arzt, dem ein Kunstfehler passiert, wird ja auch bestraft. Es darf nicht sein, daß eine Mutter an "ihrem" Kind quasi ein Eigentumsrecht hat und sich dementsprechend glaubt verhalten zu dürfen.
soltiri 18.01.2017
3. Chapeau!
Sie zeigen den restlichen deutschen Comedians immer wieder, wo der Hammer hängt! "Julia Merlot". Awesome! lg Franz Trollinger
Sie zeigen den restlichen deutschen Comedians immer wieder, wo der Hammer hängt! "Julia Merlot". Awesome! lg Franz Trollinger
ladozs 18.01.2017
4. Kaum zu glauben!
An welchen Beeinträchtigungen leidet denn nun ein Neugeborenes mit FAS-Syndrom? Liegen körperliche Fehlbildungen vor, oder geistige Einschränkungen, was ist ein häufiges Krankheitsbild der betroffenen Kinder? Un dann gibt [...]
An welchen Beeinträchtigungen leidet denn nun ein Neugeborenes mit FAS-Syndrom? Liegen körperliche Fehlbildungen vor, oder geistige Einschränkungen, was ist ein häufiges Krankheitsbild der betroffenen Kinder? Un dann gibt es ja noch Mütter, die auch noch rauchen!
weinstock111 18.01.2017
5. Bereits Tatsache
Schaut man sich heutzutage viele Schulen und das Verhalten ihrer Schüler an kann man davon ausgehen dass Gesamtschulen abgeschafft werden und durch Sonderschulen ersetzt werden. Die totale Verblödung ist auf der Überholspur - [...]
Schaut man sich heutzutage viele Schulen und das Verhalten ihrer Schüler an kann man davon ausgehen dass Gesamtschulen abgeschafft werden und durch Sonderschulen ersetzt werden. Die totale Verblödung ist auf der Überholspur - und die Kultusminister der letzten Jahrzehnte haben das durch unsinnige Erleichterungen für Lernresistente noch gefördert.

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