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15.11.2012
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Hirnschäden

"Trinken in der Schwangerschaft ist Misshandlung"

Corbis

Trinken während der Schwangerschaft: Gefährlich für die Entwicklung des Kindes

Trinkt eine Schwangere, leidet das Gehirn ihres Kindes - ein Leben lang. Die Betroffenen entwickeln Konzentrationsschwierigkeiten, sie sind hyperaktiv, ecken an. Werdende Mütter sollten besser aufgeklärt werden, fordern Forscher.

Rostock - Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 4000 Kinder mit Hirnschäden auf die Welt, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft getrunken haben. Die Schädigung durch Alkohol im Mutterleib sei die häufigste angeborene Schädigung überhaupt, sagte der Arzt Hans-Ludwig Spohr von der Berliner Charité am Donnerstag auf der Landeskinderschutzkonferenz in Rostock.

"Trinken in der Schwangerschaft ist die schwerste Misshandlung, die man einem Kind zufügen kann", so der Arzt weiter. Der Alkohol verändere die Arbeit bestimmter Gene in den Nervenzellen, molekulare Signale könnten im wachsenden Gehirn nicht mehr richtig weitergegeben werden: Das Hirn nimmt unwiderruflich Schaden. Die Kinder seien im Wachstum, im Verhalten und in der Intelligenz gestört, erklärte Spohr. Bei vielen leidet das Arbeitsgedächtnis, Planungen fallen ihnen schwer.

Laut dem Mediziner sieht man nur einem geringen Teil der Kinder die Alkoholschädigung am typischen Aussehen mit zum Beispiel kleinen Augen, schmaler Oberlippe und insgesamt kleinem Kopf an. "Sie sind nur die Spitze des Eisbergs", meinte er. Sind die Störungen versteckt, würden die Kinder in der Schule oft gehänselt, sie seien unruhig und hyperaktiv. Oft würden sie aus ihren Familien herausgenommen und in Pflegefamilien gegeben, die mit den Kindern ebenfalls schwer zurechtkämen.

"Zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft aufhören"

Eine Lösung für das Problem sieht der Mediziner, der sich schon lange mit dem Thema Alkoholkonsum in der Schwangerschaft auseinandersetzt, in der Aufklärung werdender Mütter. "Man kann zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft aufhören zu trinken", meint er. Ansonsten habe die Gesellschaft kaum Möglichkeiten einzugreifen.

Der Professor für Sozialpädagogik an der Hochschule Neubrandenburg, Matthias Müller, sieht Chancen in den frühen Hilfen und Netzwerken all derer, die mit Kindern zu tun haben. Einer trinkenden Schwangeren müsse Hilfe angeboten werden, etwa durch eine Familienhebamme, Ärzte oder Sozialarbeiter. "Aber so, dass die Frau denkt: Gut, dass die mir helfen." Vor allem aber müssten mit Hilfe der Netzwerke aus Vertretern von Justiz, Polizei, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Kinder- und Jugendhilfe familienfreundliche Strukturen geschaffen werden.

Einfach ist auch das nicht: Netzwerke kosten Müller zufolge Arbeitszeit und damit Geld. Bei lohnenden Kooperationen gehe es nicht darum, die eigene Position durchzusetzen, sondern darum, die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten gewinnbringend zu bündeln und umzusetzen. Zum Wohl der Kinder.

irb/dpa

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insgesamt 109 Beiträge
1.
inci2 15.11.2012
werdende mütter sind bestens aufgeklärt. das problem aber ist, daß frauen alkohol trinken weil sie noch gar nicht wissen, daß sie schwanger sind. wenn frauen schwanger sind, haben die ja nicht über nacht einen [...]
Zitat von sysopTrinkt eine Schwangere, leidet das Gehirn ihres Kindes - ein Leben lang. Die Betroffenen entwickeln Konzentrations-Schwierigkeiten, sie sind hyperaktiv, ecken an. Werdende Mütter sollten besser aufgeklärt werden, fordern Forscher. Forscher: Trinken in der Schwangerschaft ist Kindesmissbrauch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/forscher-trinken-in-der-schwangerschaft-ist-kindesmissbrauch-a-867517.html)
werdende mütter sind bestens aufgeklärt. das problem aber ist, daß frauen alkohol trinken weil sie noch gar nicht wissen, daß sie schwanger sind. wenn frauen schwanger sind, haben die ja nicht über nacht einen ausrufezeichen auf der stirn. um das abzustellen, bliebe nur ein alkoholverbot für alle frauen im gebärfähigen alter.
2. Strafbarkeit?
noalk 15.11.2012
Ist der Gestzgeber gefordert, die Hersteller zu verpflichten, auf ihren Flaschenetiketten Warnhinweise wie bei Tabakwaren anbringen zu müssen? Oder gar den Alkoholkonsum Schwangerer unter Strafe zu stellen, zumindest die Abgabe [...]
Ist der Gestzgeber gefordert, die Hersteller zu verpflichten, auf ihren Flaschenetiketten Warnhinweise wie bei Tabakwaren anbringen zu müssen? Oder gar den Alkoholkonsum Schwangerer unter Strafe zu stellen, zumindest die Abgabe von Alkohol an erkennbar Schwangere?
3. Wieso nur die schwangere Frau....
spon72 15.11.2012
....und nicht auch deren männlichen Partner den Alkoholkonsum während der Schwangerschaft untersagen? Es ist nachgewiesen, dass häusliche Gewalt nach dem "Genuss" von Alkohol nicht von der Frau ausgeht und der damit [...]
....und nicht auch deren männlichen Partner den Alkoholkonsum während der Schwangerschaft untersagen? Es ist nachgewiesen, dass häusliche Gewalt nach dem "Genuss" von Alkohol nicht von der Frau ausgeht und der damit verbundene körperliche und seelische Stress auch auf den Fötus übertragen wird. Vielleicht sollte man die holde Männlichkeit ab und zu daran erinnern, dass die Geburt und Erziehung eines Kindes nicht nur die Angelegenheit der Mutter ist und sie sich gefälligst dafür schinden soll. Ist eine Frau schwanger und neigt zum Verzehr von Alkohol, hat ihr Partner das gleiche Problem, tut er seiner achso geliebten Frau damit keinen Gefallen, indem er weitersäuft. Warnhinweise auf Flaschen oder Verbote unter Strafandrohung (was für ein Schwachsinn, das geschlechtsabhängig zu machen) helfen überhaupt nichts. Das Umdenken muss in der Beziehung bei beiden Partnern einsetzen, die Geburt eines Kindes ist ein verantwortungsvolles Ereignis, das scheinen manche noch nicht zu wissen. Zudem muss man feststellen, dass der Alkoholkonsum unter jungen Frauen unterschätzt wird, leider. Ach ja, diese Zeilen stammen von einem Menschen mit xy-Chromosomen.
4.
pern 15.11.2012
Das ist leider so nicht richtig. Beim Alkoholkonsum in der Frühschwangerschaft kommt es meist zu einem Abort, sollte die Frucht geschädigt sein. Ein für das Kind schädlicher Konsum betrifft vor allem die Organogenese und die [...]
Zitat von inci2werdende mütter sind bestens aufgeklärt. das problem aber ist, daß frauen alkohol trinken weil sie noch gar nicht wissen, daß sie schwanger sind. wenn frauen schwanger sind, haben die ja nicht über nacht einen ausrufezeichen auf der stirn. um das abzustellen, bliebe nur ein alkoholverbot für alle frauen im gebärfähigen alter.
Das ist leider so nicht richtig. Beim Alkoholkonsum in der Frühschwangerschaft kommt es meist zu einem Abort, sollte die Frucht geschädigt sein. Ein für das Kind schädlicher Konsum betrifft vor allem die Organogenese und die in der Schwangerschaft später ablaufende Migration von Nervenzellen. Frauen müssen daher kein schlechtes Gewissen haben, falls eine Schwangerschaft nicht bemerkt wurde. Alkoholismus ist eine Suchterkrankung und häufig trinken süchtige Frauen leider auch wenn sie wissen dass sie schwanger sind. Es geht hier um ein gesundheitliches Thema bei Frauen und schon die ersten 3 Posts, wollen die Verantwortung der Frau negieren bzw. den schwarzen Peter den Männern in die Schuhe schieben.
5. Tatsächlich!
alfredjosef 15.11.2012
"Trinken in der Schwangerschaft ist die schwerste Misshandlung, die man einem Kind zufügen kann", so der Arzt weiter. So so, hat er denn alle ausprobiert, oder wie hat er das bewiesen? Böser Forscher! Nicht dass ich [...]
"Trinken in der Schwangerschaft ist die schwerste Misshandlung, die man einem Kind zufügen kann", so der Arzt weiter. So so, hat er denn alle ausprobiert, oder wie hat er das bewiesen? Böser Forscher! Nicht dass ich hier das Trinken allgemein und in der Schwangerschaft unterstützen möchte, aber wissenschaftlich klingt das nicht, eher moralisierend. Der Kommentator hier vor zwei Tagen hatte Recht: es beginnt nun die Kampagne gegen Passivtrinken! aj

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