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03.12.2012
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Starkes Übergewicht

Formel prophezeit, ob Babys dick werden

Corbis

Charmantes Lächeln: Dicke Babys mögen niedlich sein - ihren Speck sollten sie aber dennoch im Laufe der ersten Lebensjahre verlieren

Dicke oder dünne Zukunft? Forscher haben eine Formel entwickelt, mit der man direkt nach der Geburt abschätzen kann, ob sich ein Baby zu einem stark übergewichtigen Kind entwickeln wird. Die Gleichung soll helfen, schon früh gegen die überflüssigen Pfunden zu kämpfen.

Auf die Frage, was zu Übergewicht führt, gibt es eine einfache Antwort: Zu viel essen und zu wenig Bewegung. Wer ein wenig tiefer wühlt, stößt allerdings auf ein wesentlich komplexeres Bild. Der Schlafrhythmus zum Beispiel kann über das Gewicht entscheiden, die Gene tragen ihren Teil dazu bei, der Stoffwechsel, die Hormone, der emotionale Zustand. So werden etwa Teenager, die sich dick fühlen, auch eher dick.

Forscher um Anita Morandi vom Pasteur Institut in Lille haben die bekannten Dickmachfaktoren jetzt in einer mathematischen Formel zusammengefasst. Mit Hilfe der Gleichung sollen Mediziner in Zukunft abschätzen können, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Neugeborenes sich zu einem übergewichtigen Kind oder Heranwachsenden entwickelt. Ziel ist, die überflüssigen Pfunde schon früh im Leben zu bekämpfen, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie in der Fachzeitschrift "PLoS One".

Risiko Übergewicht: BMI der Eltern spielt größte Rolle

Zunächst trugen die Wissenschaftler mehrere bekannte Risikofaktoren zusammen, die das Gewicht beeinflussen. Auf ihrer Liste standen unter anderem der Body-Mass-Index (BMI) der Eltern, das Geburtsgewicht des Kindes, die Anzahl der Mitglieder im Haushalt und das Rauchverhalten der Mutter. Außerdem bezogen die Forscher 39 Genvarianten in ihre Analyse mit ein, die mit Übergewicht in Verbindung gebracht werden.

Um abzuschätzen, welcher der Faktoren welchen Einfluss besitzt, analysierten die Forscher anschließend eine Gruppe von 4000 Menschen. Alle Teilnehmer hatten an der "Northern Finland Birth Cohort 1986" teilgenommen und waren von der zwölften Schwangerschaftswoche ihrer Mutter bis hin zu ihrem 16. Lebensjahr beobachtet worden. Aus den Risikodaten und anhand des Gewichts im Alter von sieben und 16 Jahren erstellten die Forscher ihre Übergewichtsformel.

Der BMI der Eltern erwies sich dabei als der beste Hinweis auf ein späteres Übergewicht, aus den genetischen Daten hingegen konnten die Forscher kaum etwas schließen. Offensichtlich seien die bisher bekannten Risikogene noch nicht aussagekräftig genug, schlussfolgern die Forscher. Deshalb strichen sie die genetischen Daten aus den weiteren Analysen. Zudem beschränkten sie ihre Formel auf die Vorhersage von starkem Übergewicht, also Fettleibigkeit. Denn für normales Übergewicht ergaben sich aus ihren Analysen keine statistisch haltbaren Daten.

Spätfolgen: Dicke Kinder entwickeln häufig früh Diabetes

Mit Hilfe zweier unterschiedlicher Gruppen - einer mit 1503 Schulkindern aus Italien und einer mit 1032 Kindern aus Massachusetts in den USA - prüften die Wissenschaftler anschließend, inwieweit die Prophezeiungen der Gleichungen zutreffen. Tatsächlich zeigte sich, dass die Formel auch in diesen Gruppen gute Ergebnisse erzielte.

Mit den durch die Gleichung als gefährdet identifizierten Kinder erfassten die Forscher 70 bis 75 Prozent der tatsächlichen Übergewichtskandidaten. Allerdings ließ sich die Vorhersage bei der italienischen Gruppe weiter verbessern, indem das Geschlecht der Kinder mit einbezogen wurde. Die US-Formel hingegen wurde akkurater, als die Wissenschaftler unter anderem auch die ethnische Abstammung berücksichtigten.

In der Theorie könnte man alle drei entwickelten Gleichungen als einfache Excel-Tabellen direkt in der Klinik einsetzen. Allerdings räumen die Forscher ein, dass man die Formeln noch verfeinern muss, bevor sie praxistauglich sind. Denkbar sei zum Beispiel, die Gleichung auch für die Bevölkerung weiterer Länder individuell anzupassen. Zudem müsse weiter an Methoden geforscht werden, mit denen man das drohende Übergewicht bei Kleinkindern dann auch abwenden könnte, fordern die Autoren.

"Eltern sind nach der Geburt ihres Kindes besonders empfänglich für Informationen zu dessen Gesundheit", schreiben die Forscher. Dies, so hoffen sie, könne man nutzen, um ihren Lebensstil positiv zu beeinflussen. So haben Studien zum Beispiel gezeigt, dass Stillen das Risiko senken kann, dass ein Kind übergewichtig wird.

In vielen Industrieländern leiden immer mehr Kinder unter Übergewicht. Die überzähligen Kilos können schon in der Kindheit und im frühen Erwachsenenalter Schäden anrichten, die sich nur schwer wieder beheben lassen. Unter anderem entscheidet hauptsächlich das Gewicht darüber, wer schon früh Diabetes-Typ-2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt. Studien zeigen auch, dass sich einmal erworbene überzählige Kilos nur schwer wieder loswerden lassen. Dicke Kinder entwickeln sich häufig zu dicken Erwachsenen.

Sie wollen die Formel ausprobieren? Die finnische Gleichung finden Sie unter folgendem Link.

irb

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insgesamt 8 Beiträge
1. Man muss sich klar machen, dass das nur statistische Vorhersagen sind.
Sique 03.12.2012
Es ist keine mit 100%iger Sicherheit eintreffende Prophezeiung, sondern die individuellen Abweichungen können groß sein. Ich habe die Formeln anhand von Kindern, die ich gut kenne, nachrechnen lassen. Von einem Kind, welches [...]
Es ist keine mit 100%iger Sicherheit eintreffende Prophezeiung, sondern die individuellen Abweichungen können groß sein. Ich habe die Formeln anhand von Kindern, die ich gut kenne, nachrechnen lassen. Von einem Kind, welches jetzt am Ende der Grundschulzeit stark übergewichtig ist, ergibt die Formel für das Alter von 16 nur eine Übergewichtswahrscheinlichkeit von 1,3 %. Ich rechne nicht damit, dass jetzt mit der einsetzenden Pubertät sich daran allzuviel ändert und in wenigen Jahren eine schlanke Person aus ihr wird. Es ist nicht in Stein gemeißelt, was die Formel ergibt, und individuelle Abweichungen sind kein Grund, die Arbeit an der Formel als generell fehlgeleitet zu verdammen.
2. Auch chemische Gifte wie Weichmacher, Flammschutzmittel oder Insektensprays machen
IsaDellaBaviera 03.12.2012
Babies dick, wenn diese über den Uterus der Mutter "verabreicht" wurden. Aber auch viele andere industrielle Gifte: https://www.youtube.com/watch?v=igKhdFsXTOc
Zitat von sysopDicke oder dünne Zukunft? Forscher haben eine Formel entwickelt, mit der man direkt nach der Geburt abschätzen kann, ob sich ein Baby zu einem stark übergewichtigen Kind entwickeln wird. Die Gleichung soll helfen, schon früh gegen die überflüssigen Pfunden zu kämpfen. Formel zeigt, ob ein Baby wahrscheinlich Übergewicht entwickelt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/formel-zeigt-ob-ein-baby-wahrscheinlich-uebergewicht-entwickelt-a-870601.html)
Babies dick, wenn diese über den Uterus der Mutter "verabreicht" wurden. Aber auch viele andere industrielle Gifte: https://www.youtube.com/watch?v=igKhdFsXTOc
3. Und was ist mit den sozialen Faktoren?
missp 04.12.2012
Kinder, die von dicken Müttern zur Welt gebracht werden, haben also eien größere Wahrscheinlichkeit, auch in der Pubertät an gewicht zuzulegen. Soso, das ist ja was Neues. Anstatt dieser Studie sollten man sich mal das [...]
Kinder, die von dicken Müttern zur Welt gebracht werden, haben also eien größere Wahrscheinlichkeit, auch in der Pubertät an gewicht zuzulegen. Soso, das ist ja was Neues. Anstatt dieser Studie sollten man sich mal das Verhalten von Familien mit dünnen und mit (extrem) dicken Eltern anschauen. Wie essen die Familien? In den meisten Fällen doch zu viel und zu ungesund. Und Kinder werden logischerweise so sozialisiert: Anschauen, nachmachen. Vorleben. Das sind die Stichworte. Nun merkt man: Na huch, das Kind aus der "dicken" Familie ernährt sich ungesund, isst zu viel, etc, das Kind asud er "dünnen" Familie eher nicht. Woher das wohl kommen kann. Von den Vorbildern? Neee, viel zu logisch. Dass Übergewicht während der Schwangerschaft ungesund ist, will ich gar nicht abstreiten, aber bei den Variablen für dicke Kinder im Teenageralter haben sie etwas wichtiges vergessen...
4. Formel
erika_mustermann 04.12.2012
Um zu wissen, dass dicke Eltern auch dicke Kinder bekommen, braucht man wirklich keine Formel. Neu war mir allerdings der Zusammenhang mit dem Rauchen während der Schwangerschaft (fördert Übergewicht), dem Beruf der Mutter [...]
Um zu wissen, dass dicke Eltern auch dicke Kinder bekommen, braucht man wirklich keine Formel. Neu war mir allerdings der Zusammenhang mit dem Rauchen während der Schwangerschaft (fördert Übergewicht), dem Beruf der Mutter (Unternehmerinnen scheinen die schlanksten Kinder zu haben, ungelernte Hausfrauen die dicksten) und der Anzahl der Haushaltsmitglieder. Bei 26 Geschwistern würde mein Übergewichtsrisiko auf 0 sinken, kein Wunder, wie will man auch so viele Kinder ernähren. Mir scheint allerdings, dass sich viele der Komponenten in der Formel auch gegenseitig beeinflussen. Wenn viele Kinder, also Haushaltsmitglieder vorhanden sind, was eigentlich günstig ist, ist dadurch ja auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Mutter durch die vielen Schwangerschaften dick geworden ist und nicht mehr arbeitet, was wieder ungünstig ist. Es gleicht sich also insgesamt wieder aus. Die Sache mit dem müttlerichen Beruf will mir allgemein nicht ganz einleuchten. Was ist mit Vätern, zählt deren Beruf etwa gar nicht? Kommt es auch bei Müttern mehr auf den Bildungsstatus an als auf eine tatsächlich ausgeübte Berufstätigkeit? Kurz vor und nach der Geburt arbeiten ja nur die wenigsten Frauen. Fällt eine Hausfrau in die Kategorie "arbeitslos" oder nicht? Das liest sich in der Formel eher schwammig.
5.
watschendoni 04.12.2012
ich versteh das nicht ganz: eigentlich sollte man dick werden, wenn man mehr isst, als man verbraucht. Wenn man also eher zum dickwerden neigt, bedeutet das, dass man eher dazu neigt zuviel zu essen, sich weniger zu bewegen oder [...]
ich versteh das nicht ganz: eigentlich sollte man dick werden, wenn man mehr isst, als man verbraucht. Wenn man also eher zum dickwerden neigt, bedeutet das, dass man eher dazu neigt zuviel zu essen, sich weniger zu bewegen oder beides? Oder haben solche Menschen einen besseren Wirkungsgrad bei der Verwertung der aufgenommenen Nahrung?

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