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23.01.2013
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Schwangerschaft

Epilepsie-Medikament schadet IQ von Kindern

DPA

Schwangere: Medikamente nur in Rücksprache mit dem Frauenarzt einnehmen

Das Medikament Valproat bewahrt viele Epileptiker vor Anfällen. Eine neue Studie zeigt jedoch: Der IQ von Kindern leidet bis ins Schulalter, wenn die Mütter den Wirkstoff während der Schwangerschaft eingenommen haben. Die Forscher fürchten Effekte bis ins Erwachsenenalter.

Für Schwangere, die unter Epilepsie leiden, sind die Monate bis zur Geburt mit reichlich Sorgen verbunden: Viele Medikamente gegen die Krampfanfälle können zu Fehlbildungen des Kindes führen. Gleichzeitig können die Frauen ihre Epilepsiemittel nicht einfach absetzen, denn ein Anfall kann das Leben von Mutter und Kind gefährden.

Bei schwangeren Epileptikerinnen versuchen Ärzte deshalb, die Medikamente so niedrig zu dosieren, dass sie gerade noch die Anfälle verhindern - denn dann sinkt auch die Wahrscheinlich von Fehlbildungen des Kindes zum Beispiel an Rückenmark und Wirbelsäule.

Eine neue US-Studie verdeutlicht jetzt, wie wichtig die Vorsicht bei einem der bedeutendsten Epilepsiemedikamente ist: Hatten Mütter während der Schwangerschaft Valproat (Valproinsäure) eingenommen, lag der Intelligenzquotient (IQ) ihrer Kinder bis ins Alter von sechs Jahren um sieben bis zehn Punkte niedriger als der von Kindern, deren ebenfalls epilepsiekranke Mütter mit anderen Mitteln behandelt worden waren. Auch die Sprachfähigkeiten und das Gedächtnis der Kinder beeinflusst Valproat negativ, berichtet Kimford Meador von der Emory University in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia im Fachblatt "Lancet Neurology".

Valproat ist für manche Epileptiker das einzig wirksame Mittel

Die Wissenschaftler hatten über fünf Jahre die Kinder von Epileptikerinnen in 25 Behandlungszentren in Großbritannien und den USA untersucht. Ihre Ergebnisse basieren auf der Analyse von 224 Kindern, die bis ins Alter von sechs Jahren beobachtet wurden. Die Mütter waren während der Schwangerschaft entweder mit Valproat, Carbamazepin, Lamotrigin oder Phenytoin behandelt worden. Besonders, wenn die werdenden Mütter vergleichsweise hohe Dosen Valproat erhielten, schnitten die Kinder beim IQ, den sprachlichen und nonverbalen Fähigkeiten, Gedächtnistests und der Umsetzung von Aufgaben schlechter ab.

Nicht alle Epileptikerinnen können während der Schwangerschaft einfach ein anderes Medikament einnehmen. Bei manchen Patientinnen ist Valproinsäure der einzige Wirkstoff, der ihre epileptische Anfälle zuverlässig unterdrückt. Einige der negativen Effekte durch Valproat können womöglich verhindert werden, wenn die Mütter in der Schwangerschaft Folsäure einnehmen - eine Vorsorge, die bei schwangeren Epileptikerinnen auch nach den deutschen Leitlinien vorgesehen ist.

Forscher fürchten Folgen bis ins Erwachsenenalter

"Der IQ im Alter von sechs Jahren ist ein sehr guter Vorhersagewert für den IQ im Erwachsenenalter und die Leistungsfähigkeit in der Schule", sagt Studienautor Meador. "Daher legen unsere Ergebnisse nahe, dass Valproat in der Schwangerschaft einen negativen Langzeiteffekt auf den IQ und die geistigen Fähigkeiten der Kinder hat." Die jetzigen Ergebnisse passen auch zu früheren Untersuchungen der Forschergruppe. Sie hatten bei den Kindern bereits im Alter von drei Jahren nachgewiesen, dass Valproat negative Effekte auf die Entwicklung hat.

Valproat ist eines der am häufigsten eingesetzten Mittel gegen Epilepsie und das, mit dem Ärzte die meiste Erfahrung haben. Die Studienautoren beklagen, dass insgesamt zu wenig über die Langzeiteffekte von Epilepsiemitteln für die Kinder von Patientinnen bekannt sei.

Trotz der möglichen Folgen für das Kind ist es entscheidend, dass schwangere Epileptikerinnen ihre Anfallsmedikamente nicht einfach absetzen. Patientinnen sollten normalerweise schon vor einer Schwangerschaft von ihren Ärzten auf Vorsichtsmaßnahmen und Wechselwirkungen zum Beispiel auch mit Verhütungsmitteln hingewiesen werden.

dba

Forum

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insgesamt 5 Beiträge
1. Valproinsäure mach noch mehr
roli54 23.01.2013
Ich bin Betroffener ( Mann ) und die Valproinsäure hat u.a. noch als nebenwirkung das man eine Osteoporose bekommen kann. Ich bin nun 58 Jahre alt und habe ein Sklett wie ein 90 Jähriger. Alle Wirbelknochen sind eingesintert. [...]
Zitat von sysopDPADas Medikament Valproat bewahrt viele Epileptiker vor Anfällen. Eine neue Studie zeigt jedoch: Der IQ von Kindern leidet bis ins Schulalter, wenn die Mütter den Wirkstoff während der Schwangerschaft eingenommen haben. Die Forscher fürchten Effekte bis ins Erwachsenenalter. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/schwangerschaft-valproat-gegen-epilepsie-beeinflusst-iq-von-kindern-a-879145.html
Ich bin Betroffener ( Mann ) und die Valproinsäure hat u.a. noch als nebenwirkung das man eine Osteoporose bekommen kann. Ich bin nun 58 Jahre alt und habe ein Sklett wie ein 90 Jähriger. Alle Wirbelknochen sind eingesintert. Nebenbeibemerkt wird Valproinsäure auch bei Depressionen gegeben. Ich würde jedem raten eine ca. 45 Euro Teure Untersuchung bei einem Röntgenarzt machen zu lassen, da diese meist die Apperatur haben. Die " Untersuchungen " welche die Kasen zahlen bringen nichts. Als meine Osteoporose längst bekannt war ist mal so ein typ in der Praxis gewesen und hatte nach seiner " Messung " gemeint das ich Gesund bin. Merke: Die Kassen zahlen und machen hier erst was wenn die Brüche da sind und das ist zu späht.
2. Finlepsin und Phenytoin
mitch72 23.01.2013
Ich WAR (Gott sei Dank, da eine OP geholfen hat) Betroffener. Dieses Medikament hat bei mir überhaupt nicht angeschlagen, nur Finlepsin in Kombination mit Phenytoin (14 Tabletten am Tag). Ich kann nur raten, wenn möglich eine OP [...]
Ich WAR (Gott sei Dank, da eine OP geholfen hat) Betroffener. Dieses Medikament hat bei mir überhaupt nicht angeschlagen, nur Finlepsin in Kombination mit Phenytoin (14 Tabletten am Tag). Ich kann nur raten, wenn möglich eine OP zu avisieren.
3. nur während der schwangerschaft
eineve 23.01.2013
... eingenommen? das glaub ich nicht. klingt so als wenn eine einnahme von epilepsi-medikamenten nicht einnahme während der schwangerschaft keine probleme bereiten würde - jedoch habe ich in meinem näheren umkreis [...]
Zitat von sysopDPADas Medikament Valproat bewahrt viele Epileptiker vor Anfällen. Eine neue Studie zeigt jedoch: Der IQ von Kindern leidet bis ins Schulalter, wenn die Mütter den Wirkstoff während der Schwangerschaft eingenommen haben. Die Forscher fürchten Effekte bis ins Erwachsenenalter. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/schwangerschaft-valproat-gegen-epilepsie-beeinflusst-iq-von-kindern-a-879145.html
... eingenommen? das glaub ich nicht. klingt so als wenn eine einnahme von epilepsi-medikamenten nicht einnahme während der schwangerschaft keine probleme bereiten würde - jedoch habe ich in meinem näheren umkreis wenigstens 2 frauen kennen gelernt die als ehemalige medikamentenverbraucherinnen schlimmeres als einen eingeschränkten IO vom eigenen kind erlebten. jeder chemische wirkstoff der eingenommen wird lagert der körper ein und während einer schwangerschaft setzt der körper der frau so einiges eingelagertes frei das dem kind mit zugeführt wird. ich finde das medikament hat wesentlich mehr auswirkungen als veröffentlicht und könnte für so einiges mehr mitverantwortlich sein in bezug auf schwangerschaften und die überlebenden kinder.
4. Auch in Frankreich
kirchtomate 27.01.2013
Hallo, ich schreibe hier im Name von APESAC, eine französiche Elternselbsthilfegruppe. Wir sind ungefähr 50 Familien von Kindern, die unter dem Valproatsyndrom leiden. Das Valproatsyndrom umfasst in der Tat, die in diesem [...]
Hallo, ich schreibe hier im Name von APESAC, eine französiche Elternselbsthilfegruppe. Wir sind ungefähr 50 Familien von Kindern, die unter dem Valproatsyndrom leiden. Das Valproatsyndrom umfasst in der Tat, die in diesem Artikel aufgelissteten Symptome. Diese sind aber viel zahlreicher : Lernbehinderung und Autismus (mein Neffe und meine Nichte sind jeweils betroffen) zum Beispiel. Auch die Fehlbildungen betreffen nicht nur die Wirbelsäule. Die ersten Forschungsergebnisse über Valproatschäden erschienen schon in den 80ern. Jedoch wurden sie in Frankreich erst 2006 im Valproatbeipakzettel aufgelistet, nur zum Teil, und die Häufigkeit der Erscheinungen dieser Symptome wird vermindert. Manche Untersuchungen weisen nach, dass 30% der Kinder, deren Mütter Valproat während ihrer Schwangerschaft eingenommen haben unter das Valproatsyndrom leiden. Mehr darüber erfahren sie auf Französich oder zum Teil auch auf Englisch unter : http://apesac.free.fr/ Über Kontakte mit einer ähnlichen deutschen Selbsthilfegruppe (die nicht von Pharmalaboren unterstüzt werden), oder auch mit betroffene deutsche Eltern würden wir uns freuen. Wenn Sie Englisch nicht genug beherrschen, kann ich für Sie überstetzen.
5. trotz Valporat
jasmin-denise 17.04.2014
Ich habe meine Tochter mit 19 J. bekommen u. habe das Medikament während meiner ganzen Schwangerschaft eingenommen, es hiess es wäre ein Medikament, welches nicht schädlich (fürs Kind) wäre. Ich habe mir nie sorgen gemacht. [...]
Ich habe meine Tochter mit 19 J. bekommen u. habe das Medikament während meiner ganzen Schwangerschaft eingenommen, es hiess es wäre ein Medikament, welches nicht schädlich (fürs Kind) wäre. Ich habe mir nie sorgen gemacht. Es ist alles "Gott sei Dank" gut verlaufen! Jetzt geht meine 13 Jährige Tochter aufs Gymnasium, hat einen 3er Schnitt! Sie hat ein hohen IQ!!! Höher als meiner....

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