Schrift:
Ansicht Home:
Gesundheit

Abtreibung

Wofür Ärzte nicht werben dürfen

Wann genau sind Abtreibungen erlaubt? Wie läuft ein Schwangerschaftsabbruch ab? Und worauf müssen Frauen in den Tagen danach achten? Die wichtigsten Antworten zum Thema.

Getty Images
Von
Dienstag, 23.01.2018   10:10 Uhr

Denkt eine Frau über einen Schwangerschaftsabbruch nach, steht ihr eine schwierige Entscheidung bevor. Viele Aspekte werden bis heute kontrovers diskutiert: Bis wann ist ein Zellhaufen ein Zellhaufen? Und ab wann ist es ein Lebewesen? Wo wird das Recht auf Selbstbestimmung der Frau zu stark beschnitten?

Auch die Gesetzgebung kann hier keine endgültigen Antworten geben. Sie setzt lediglich einen legalen Rahmen, in dem sich alle Frauen, Angehörige und Ärzte bewegen können. Die derzeitigen Regelungen sind in vielerlei Hinsicht eine Kompromisslösung, die Frauen helfen soll, eine eigene und ethisch vertretbare Entscheidung zu treffen.

Wenn die Frau sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, muss sie überlegen, wann das geschehen soll, wie und wo. Weil Frauenärzte allerdings nicht veröffentlichen dürfen, ob sie den Eingriff anbieten, und strafrechtlich verfolgt werden können, wenn sie es doch tun, sind die Informationsquellen für Frauen in dieser belastenden Situation eingeschränkt.

Wir stellen die verschiedenen Methoden vor, die sich vor allem danach richten, wie weit fortgeschritten die Schwangerschaft ist:

Die Absaugmethode (5. bis 12. Schwangerschaftswoche)

Mehr als die Hälfte der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland werden über die sogenannte Absaugmethode vorgenommen, in den allermeisten Fällen wird dabei heute die sogenannte Vakuumaspiration angewandt. Dabei wird der Gebärmutterhals von der Scheide aus mit Metallstäbchen so weit aufgedehnt, dass ein sechs bis zehn Millimeter dünner Schlauch in die Gebärmutter eingeführt werden kann. Über diesen Schlauch wird dann das Schwangerschaftsgewebe - also der Fötus mit der Eihöhle und die Plazenta - abgesaugt. Der Eingriff dauert fünf bis zehn Minuten.

Die Ausschabung

Die lange Zeit weit verbreitete Ausschabung, auch Curettage genannt, wird allmählich durch die Absaugmethode ersetzt. Vor allem wenn die Absaugmethode nicht erfolgreich war, wird die Ausschabung auch heute noch eingesetzt.

Schwangerschaftsabbruch

Gesetzeslage
Ein Schwangerschaftsabbruch ist laut Paragraf 218 Strafgesetzbuch in Deutschland grundsätzlich verboten und wird mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Unter bestimmten Voraussetzungen bleibt eine Abtreibung allerdings straffrei.
Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch
Die Schwangere muss dem Eingriff zustimmen, der durch einen Arzt durchgeführt wird. Außerdem muss die Frau an einer Schwangerschaftskonfliktberatung teilgenommen haben. Eine Abtreibung ist zudem meist nur vor der 12. Schwangerschaftswoche straffrei. Ist jedoch die körperliche oder seelische Gesundheit der Mutter in Gefahr, ist ein Abbruch auch zu einem späteren Zeitpunkt straffrei.
Wie verläuft eine Schwangerschaftskonfliktberatung?
Die Beratung ist erforderlich, damit ein Schwangerschaftsabbruch straffrei bleibt. Vorgeschriebene Beratungsscheine dürfen nur von staatlich anerkannten Institutionen ausgestellt werden. Zudem muss die Beratung organisatorisch von Kliniken getrennt sein, die Abbrüche vornehmen. Frauen dürfen frühestens drei Tage nach einem solchen Gespräch abtreiben. Dies ist die gesetzlich vorgeschriebene Bedenkzeit. In den meisten Fällen sind die Beratungen ergebnisoffen. Frauen müssen nicht zwingend die Gründe für den Abbruch darlegen. Die Berater erfahren in der Regel nicht, wie sich die Frauen entschieden haben. Alle Frauen, die die Beratung nutzen, bekommen einen entsprechenden Schein, unabhängig davon, ob sie ihn später nutzen wollen oder nicht.
Wie viele Frauen entscheiden sich für einen Schwangerschaftsabbruch?
2017 haben sich laut Statistischem Bundesamt 101.209 Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden. Das entspricht 58 Abtreibungen pro 10.000 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren. Langfristig betrachtet sinkt die Zahl der Abbrüche.

Der medikamentöse Abbruch (bis zur 9. Schwangerschaftswoche)

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch erfolgt in Deutschland in der Regel mit dem künstlichen Hormon Mifepriston. Es ähnelt dem natürlichen Progesteron (Gelbkörperhormon), das entscheidend zur Entwicklung und zum Erhalt einer Schwangerschaft beiträgt. Mifepriston blockiert wegen seiner ähnlichen Struktur die Wirkung von Progesteron. "Das bewirkt, dass sich die Schleimhaut der Gebärmutter ablöst", erklärt Frauenarzt Christian Albring. Es kommt zu einer Blutung, die Plazenta löst sich ab, der Embryo und seine Höhle werden ausgestoßen. Die Schwangerschaft endet ähnlich wie bei einem spontanen Abgang bei einer Fehlgeburt.

Ein Schwangerschaftsabbruch mit Mifepriston ist nur in der Frühschwangerschaft bis zur 9. Woche erlaubt, weil danach die Gefahr zu groß wird, dass der Abbruch nicht mehr funktioniert. Der Abbruch erfolgt in drei Schritten:

Die Abbruchblutungen und vor allem die Krämpfe in der Gebärmuttermuskulatur können starke Schmerzen verursachen, wogegen Schmerzmittel verabreicht werden. Die Prostaglandine können außerdem zahlreiche leichtere Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen auslösen. In den meisten Fällen ist es schon am Tag nach dem Abbruch möglich, wieder zu arbeiten. Manchmal ist aber wegen anhaltender Beschwerden auch eine mehrtägige Krankschreibung notwendig.

MEHR ZUM THEMA

Die Pille danach beendet übrigens keine Schwangerschaft, sondern schiebt den Eisprung um ein paar Tage hinaus. Sie verhindert also - wenn erfolgreich - eine Schwangerschaft. Deshalb zählt die Pille danach auch zu den Verhütungsmitteln.

Der Abbruch nach der 12. Schwangerschaftswoche

Eine Schwangerschaft darf nach der 12. Schwangerschaftswoche in Deutschland nur dann abgebrochen werden, wenn sie etwa Folge einer sexuellen Gewalttat ist oder ein medizinisch schwerwiegender Grund dafür vorliegt. In diesen Fällen ist der entscheidende Aspekt das physische und psychische Wohl der Mutter. Ein Beispiel: Eine Schwangere erfährt, dass ihr Kind eine schwere Behinderung haben wird. Sie kommt zu der Überzeugung, dass die Herausforderungen sie unausweichlich gesundheitlich schwer beeinträchtigen werden. Nach eingehenden Beratungsgesprächen kann sie sich dazu entscheiden, die Schwangerschaft abzubrechen.

Hier wird ähnlich wie beim medikamentösen Abbruch vorgegangen, wegen der fortgeschrittenen Schwangerschaft kann es jedoch deutlich häufiger zu Komplikationen kommen. Vor allem auch wegen der ethischen Dimension und der fortgeschrittenen Entwicklung des Fötus ist eine umfassende ärztliche Betreuung und Beratung nach der 12. Schwangerschaftswoche unabdingbar.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP