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Gesundheit

Hoher Koffeingehalt

SPD-Politikerin fordert Altersbeschränkung für Energydrinks

Kann ich mal deinen Ausweis sehen? Geht es nach SPD-Politikerin Ursula Schulte, sollte dieser Satz in Zukunft auch beim Kauf von Energydrinks fallen. Vor allem das Koffein ist für Jugendliche gefährlich.

DPA

Verschiedene Energy Drinks im Regal

Montag, 04.06.2018   17:28 Uhr

Die SPD-Gesundheitspolitikerin Ursula Schulte will Kinder und Jugendliche mit einem Verkaufsverbot stärker vor den Gefahren von Energydrinks schützen. "Eine Altersbeschränkung muss es auch in Deutschland geben", sagte Schulte der "Saarbrücker Zeitung".

In Großbritannien hätten einige Handelsketten bereits den Verkauf von Energydrinks an Jugendliche unter 16 Jahren gestoppt - darunter auch die deutschen Discounter Aldi und Lidl. "Was in Großbritannien geht, muss auch hierzulande möglich sein", sagte Schulte. In Litauen ist es bereits seit 2014 verboten, Energydrinks an Kinder und Jugendliche zu verkaufen.

Schulte forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) auf, "mit der Industrie darüber zu verhandeln". Denn ein zu hoher Konsum der extrem koffeinhaltigen und aufputschenden Getränke könne insbesondere bei Kindern fatale Nebenwirkungen haben.

Überlastetes Herz

Energydrinks enthalten große Mengen Koffein. Ähnlich wie das Stresshormon Adrenalin treibt der Stoff den Herzschlag an, lässt den Blutdruck steigen - und kann dadurch in hohen Dosierungen der Gesundheit schaden. Möglicherweise gefährlich ist auch die Kombination mit Sport, der das Herz-Kreislauf-System ohnehin schon belastet. Das Koffein sorgt für zusätzlichen Stress. Dies könne vor allem bei einem unentdeckten Herzfehler zur Gefahr werden, warnen Kritiker.

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Bereits mehrere Teenager sind nach dem Konsum größerer Mengen Koffein gestorben, angesichts des weit verbreiteten Konsums sind Todesfälle jedoch extrem selten. Bei einem ansonsten gesunden 16-Jährigen etwa hatte eine Überdosis 2017 zu tödlichen Herz-Rhythmus-Störungen geführt, wie die Obduktion ergab. Der Junge aus den USA hatte innerhalb von zwei Stunden eine große Flasche stark koffeinhaltige Zitronenlimonade, einen Caffè Latte und einen Energydrink getrunken.

In Deutschland ist bislang kein vergleichbarer Fall bekannt. Es existieren jedoch Berichte von Todesfällen, bei denen ein Zusammenhang mit Energydrinks in Kombination mit Alkohol oder anstrengendem Sport vermutet wird.

Unterstützung erhält Schulte vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). "Wir (...) fordern Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) auf, sich endlich für ein Verbot von Energydrinks für Kinder und Jugendliche einzusetzen und sie damit vor den fatalen Nebenwirkungen dieser Getränke zu schützen", sagte BVKJ-Pressesprecher Josef Kahl. Der Verband kämpfe bereits lange für eine Altersbeschränkung.

Abgesehen vom hohen Koffeingehalt seien Energydrinks "die reinsten Zuckerbomben", kritisierte Kahl. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt sich dafür ein, den Verkauf der Getränke an ein Mindestalter zu koppeln.

irb/dpa

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