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Gesundheit

Katharina Saalfrank antwortet

Wieso nimmt der Große dem Kleinen das Spielzeug weg?

Immer wenn der Zweijährige ein Spielzeug ansteuert, spurtet der Dreieinhalbjährige los und schnappt es weg. Das Geschrei ist groß, die Mutter ratlos: Soll sie eingreifen? Die Familienpädagogin Katharina Saalfrank hat eine andere Idee.

Getty Images
Freitag, 27.10.2017   10:02 Uhr

Ihre Erziehungsfrage: Auf unseren Leseraufruf hin haben Sie uns viele Fragen an die Erziehungsexpertin Katharina Saalfrank geschickt. Daraus haben wir in der Redaktion einige ausgewählt und der Pädagogin geschickt. Hier antwortet sie in einer losen Serie.

Eine Mutter fragt: Ich habe drei Söhne (3,5 Jahre, 2 Jahre und 6 Monate). Die beiden großen Kinder spielen die meiste Zeit sehr schön zusammen. Allerdings gibt es momentan oft den gleichen Konflikt: Der Zweijährige entdeckt ein Spielzeug, das in der Ecke liegt und seit Tagen nicht beachtet wurde. Er sagt: "Ich will TipToi-Stift und Buch anschauen." Daraufhin wird der Große auf den Stift aufmerksam, springt auf, rennt an dem Kleinen vorbei und schnappt sich den Stift. Der Kleine weint, und der Große sagt, er hatte den Stift zuerst.

Ich weiß nicht, wie ich bei diesem Konflikt eingreifen kann. Ich finde, dass die beiden Streit eigentlich untereinander lösen sollen, aber hier hat der Kleine einfach keine Chance. Der Große ist wiederum noch nicht mal vier, Vernunft kann man da noch nicht erwarten. Was kann ich tun?

Katharina Saalfrank antwortet: Schauen wir uns die emotionale Situation Ihres älteren Sohnes einmal an: Wenn weitere Kinder in eine Familie geboren werden, verändert dies die gesamte Konstellation, und alle Familienmitglieder müssen sich neu sortieren. Gerade ältere Geschwister erleben das auf der emotionalen Ebene mitunter als extreme Erschütterung, die nicht nur wenige Wochen oder Monate, sondern prozesshaft über Jahre andauern kann und mal mehr oder weniger spürbar für Eltern ist.

Zur Person

Geschwisterkinder empfinden dabei immer wieder schmerzhafte Verlustgefühle. Während sich die Familienmitglieder und das Umfeld von Freunden und Bekannten über das neue Baby freuen und dieses schnell in die Familie integriert haben, spürt das ältere Kind vor allem den Verlust von exklusiven Beziehungen - insbesondere zu seiner Mutter, aber auch zum Vater.

In unserer Erwachsenenwelt wäre das so, als wenn unser Partner nach Hause kommt und uns eröffnen würde, dass er jemanden Nettes kennengelernt hat und wir ab nächster Woche zu dritt leben und alles teilen würden. Es tritt also auf einmal jemand in unser Leben, der emotional und körperlich genauso oder sogar näher an unserem Partner sein darf als wir. Bisher gab es jedoch die Verabredung, dass unsere Beziehung zu unserem Partner exklusiv ist. Diese Verabredung ist nun einseitig aufgehoben.

Als Erwachsene könnten wir uns dafür oder auch dagegen entscheiden. Wir könnten die Beziehung zu unserem Partner beenden und sagen: So habe ich mir das nicht vorgestellt.

Ein Kind kann das nicht - und will es auch nicht. Es liebt seine Eltern und ist dieser Entwicklung quasi ausgeliefert. Das Verlustgefühl ist jedoch da, die Trauer ist stark und schmerzhaft.

Hinzu kommt: Kein anderer fühlt diesen Verlust. Das Kind ist mit seinem Gefühl ganz allein und stürzt mitunter in ein Gefühlschaos. Es fragt sich: Wie wertvoll bin ich eigentlich für meine Eltern?

Wenn wir das Verhalten Ihres älteren Sohnes unter diesem Aspekt anschauen, erscheint sein zunächst nicht nachvollziehbarer Eifer in einem anderen Licht. Er ist vermutlich sehr verunsichert.

Was Ihr Sohn braucht ist Sicherheit. Und die Gewissheit, dass er weiterhin wertvoll für Sie als Mutter ist. Diese Sicherheit kann sich entwickeln, und Sie können dies unterstützen, indem Sie eine gewisse Klarheit und Struktur vorgeben. Wem gehört welches Spielzeug, welches Buch? Sie können das in einer gemeinsamen Aktion mit den Kindern sortieren und verschiedene Plätze vielleicht in unterschiedlichen Zimmern oder Regalen dafür finden.

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Schauen Sie auch, wo Ihr älterer Sohn "seinen Platz" hat. Gibt es zum Beispiel einen Raum, den er für sich allein hat? Darf er die Tür vom Spielzimmer auch mal zumachen und für sich sein? Achten Sie besonders darauf, dass er in seinen Grenzen geschützt wird - das scheint gerade sehr wichtig für ihn zu sein.

Und fragen Sie sich: Läuft der Große oft mit? Muss er viel kooperieren? Vielleicht finden Sie dann mal nur Zeit für ihn. Sie können eine Mama-Zeit mit ihm gemeinsam einrichten und zum Beispiel ein Schild basteln, das diese exklusive Zeit mit ihm besonders hervorhebt: Keiner stört uns, diese Zeit ist nur für uns. So kann er spüren, dass er Ihnen besonders wertvoll ist und wird mit der Zeit nicht mehr so eifrig seine Spielsachen verteidigen müssen.

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insgesamt 47 Beiträge
svempa 27.10.2017
1. Aber was ist denn die Lösung?
Die Hintergruende sind verständlich dargestellt. Aber was ist die Lösung in diesem Fallbeispiel? Habe ich sie ueberlesen?
Die Hintergruende sind verständlich dargestellt. Aber was ist die Lösung in diesem Fallbeispiel? Habe ich sie ueberlesen?
hansgustor 27.10.2017
2. Nö
Das Verhalten hat doch nichts mit Verlustgefühl zu tun. Das kommt genauso im Kindergarten vor. Man kann auch alles überdramatisieren.. Das ältere Kind hat vor Kurzem gelernt, dass es das Spielzeug mit den Geschwistern teilen [...]
Das Verhalten hat doch nichts mit Verlustgefühl zu tun. Das kommt genauso im Kindergarten vor. Man kann auch alles überdramatisieren.. Das ältere Kind hat vor Kurzem gelernt, dass es das Spielzeug mit den Geschwistern teilen muss. Die Standardregel "wer es zuerst hat, darf damit spielen". Diese Regel wird jetzt umgesetzt. Dass der kleine Bruder dadurch traurig wird, muss er erst lernen. Das ist ein wichtiger Punkt. Wer hier dem Kind keine Grenze setzt, bekommt ein egoistisches Balk dass seine Spielkameraden ärgert.
Django der Wahrhaftige 27.10.2017
3. So geht es halt in dieser Familie zu
und der Sohn kopiert das Verhalten der Eltern
und der Sohn kopiert das Verhalten der Eltern
cyoulater 27.10.2017
4. Geschwurbel
Frau Saalfrank schwurbelt wieder mal wortreich herum und liefert doch keine Lösung. Wir hatten das Problem vor Jahren ganz ähnlich. Was ist passiert? Der Große bekam von uns Grenzen aufgezeigt, damit er lernt, dass nicht das [...]
Frau Saalfrank schwurbelt wieder mal wortreich herum und liefert doch keine Lösung. Wir hatten das Problem vor Jahren ganz ähnlich. Was ist passiert? Der Große bekam von uns Grenzen aufgezeigt, damit er lernt, dass nicht das Recht des Stärkeren/Schnelleren/Größeren gilt. Der jüngere Bruder hat mit der Zeit gelernt, sich zu wehren und sich sehr kreative Strategien ausgedacht (kündigte seine Vorhaben nicht mehr lautstark an; holte sich Spielzeug A, ließ es sich vom Bruder wegschnappen, um sich das eigentlich gewünschte Spielzeug B zu greifen - mit fettem Grinsen, so dass der große Bruder merkte, dass er reingelegt wurde). Die Kinder haben gelernt sich zu arrangieren und Kompromisse auszuhandeln - und glauben Sie nicht, Kinder mit 2 Jahren seien arme, kleine, hilflose und unterlegene Bündel. Die setzen sich durch. Was die emotionals Situation "neues Geschwisterkind" angeht haben in dem beschriebenen Fall BEIDE älteren Geschwister mit Gefühlen und Konkurrenzsituationen um elterliche Aufmerksamkeit zu kämpfen, das ist nicht nur eine Sache des Großen.
womo88 27.10.2017
5. Familienpädagogin
Ist Frau Saalfrank da zertifiziert, hat sie da Weiterbildungen gemacht? Oder ist sie selbsternannte Familienpädagogin? Das würde mich nun wirklich interessieren.# Frau Saalfrank scheint ja auch selbsternannte Musiktherapeutin [...]
Ist Frau Saalfrank da zertifiziert, hat sie da Weiterbildungen gemacht? Oder ist sie selbsternannte Familienpädagogin? Das würde mich nun wirklich interessieren.# Frau Saalfrank scheint ja auch selbsternannte Musiktherapeutin zu sein ohne Abschluss.
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